Freitag, 23. Dezember 2016

Frohe Weihnachten - ein hoffnungsvolles Jahr 2017

Globale Probleme und Entwicklungen, die bisher weit weg schienen, rücken nahe an uns heran. Das vergangene Jahr hat Schlagzeilen produziert, die uns wachgerüttelt haben und nachdenklich machen. Globale Schrecken werden lokal und greifbar. Attacken, terroristische Anschläge und gespaltene Gesellschaften, die es in anderen Teilen der Welt schon längst gibt, bedrohen nun auch die deutsche Gesellschaft. 
Die einen werden nachdenklich und schauen den Realitäten dennoch mit Gelassenheit ins Gesicht, die anderen
bemühen populistisch einfache Lösungen, die es in Wirklichkeit aber nicht gibt.

An Weihnachten erinnern wir uns daran, dass Gott auf eine ungewöhnliche Art und Weise ins globale Weltgeschehen eingegriffen hat. Es waren keine Parolen, kein einfaches Machtgehabe und kein hysterisches Geschrei des harten Durchgreifens.

Montag, 19. Dezember 2016

vorerst zu Ende getourt

Ein halbes Jahr waren wir im Auftrag der Allianz Mission in Deutschland unterwegs. Reisedienst war angesagt. Das hat uns meist sehr viel Spaß gemacht. Wir haben Freunde und Gemeinden getroffen und Beziehungen vertieft und ganz unterschiedliche Typen von Gemeinden kennen gelernt. Über 40 Veranstaltungen haben wir wahrgenommen: Hauskreise, Jugendkreise, Seniorentreffs, Infoabende, Missionsgottesdienste, Vorträge zu verschiedenen Themen, die meist mit dem Islam und der Migrationsproblematik zu tun hatten.

Was ist uns in guter Erinnerung geblieben?
  • mutmachende Begegnungen mit interessierten Menschen, die treu für uns beten,
  • flexible Gemeinden, die sich bewusst auf das Thema Mission in Mali eingestellt haben,
  • geduldige Gottesdienstbesucher, denen es ein Anliegen war, an unserer Arbeit unter den immer noch erschwerten Umständen in Mali

Samstag, 25. Juni 2016

Mal wieder im Aufbruch - noch ein paar Stunden


Noch 10 Stunden sind wir in Mali, bevor wir die gefegte Wohnung in Bamako mit reichlich Gepäck verlassen und nach Deutschland reisen werden.
Ende Juni. In den Flieger. Immer weiter.
Ankommen. Auspacken. Leute sehen. Bekannte. Andere.
Wir lassen die malische Regenzeit, die gerade beginnt, hinter uns und freuen uns auf

Sabalibougou | Abschied in Mali


Wir verlassen am 25. Juni liebe Menschen und unsere Arbeit in Mali und fliegen für 6 Monate zum Reisedienst nach Deutschland. Das oberste Kirchengremium unseres Partnerbundes UEPEM hatte den Kreisvorstand in Bamako-Quinzambougou gebeten, eine entsprechende Abschiedsfeier an unserer Wirkungsstätte in Sabalibougou zu organisieren. Die fand heute Nachmittag statt. Viele Gemeinden hatten ihre Pastoren und Gemeindevertreter geschickt. Ca. 10 Leute aus der kleinen Gemeinde in Sabalibougou waren vor Ort. Drei Mitarbeiter von der neuen sportmissionarischen Arbeit Bogo Wuli waren anwesend. Sogar der kamerunische Kollege aus dem weiter entfernten Dangassa war mit seinem Motorrad angereist. ...

Montag, 20. Juni 2016

Sabalibougou | Jahresabschlussfest 2016 an der christlichen Schule

Das war die letzte große Aktion in diesem Schuljahr. Der große Klassenraum der christlichen Schule in Sabalibougou war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eltern, Freunde, Geschwister und unsere Schüler waren dabei. Einige mussten draußen auf der Veranda Stellung beziehen und versuchen, durch die großen Fenster einen Blick zu erhaschen. Brehma K. hatte seine Ngoni ausgepackt (traditionelles malisches Instrument aus einer Kalebasse gefertigt und mit Kunststoffseilen bezogen) und den Kinder im typischen Sprechgesang, Geschichten vorgesungen. Alle waren mit Begeisterung dabei. Ein paar Reden durften nicht fehlen. ...

Sonntag, 19. Juni 2016

Sabalibougou | letzter Gottesdienst

Der Gottesdienst in Sabalibougou war heute Morgen überdurchschnittlich gut besucht. Über 50 Kinder, Frauen und Männer drängten sich auf den Holzbänken und wenigen Stühlen auf der Veranda des Hauses. Das war sehr ermutigend. Der Gottesdienst ist öffentlich. Während wir singen, beten oder predigen, bleiben zuweilen Passanten am Eingang stehen und hören eine Zeitlang zu.  
In den letzten anderthalb Jahren sind wir regelmäßig zu Bibeltreffs in der Woche und zu sonntäglichen Gottesdiensten in das wachsende Dorf am östlichen Stadtrand Bamakos gefahren. Der Besuch hat sich stabilisiert. Junge Menschen haben sich für ein Leben mit Jesus entschieden. Gemeindeaufbauarbeit ist Kleinarbeit. Sehr viel Geduld ist notwendig. Nicht der Aufbau von kirchlichen Strukturen, aber das Ringen um und das Begleiten von Menschen ist immer noch das Herzstück von Missionsarbeit. Und wenn sich dann sichtbare Erfolge zeigen, ...

Mittwoch, 15. Juni 2016

Soweto | Es lebe der Aufstand - 40 Jahre danach

Am 16. Juni 2016 jährt sich zum vierzigsten Mal das Ereignis, das die Geschichte Südafrikas und des ganzen afrikanischen Kontinents erschüttert und verändert hat. Der Aufstand von Soweto war ein massiver Ausdruck der Ohnmacht und der Wut gegen das rassistische Segregationsprinzip der südafrikanischen Regierung. Wir nennen es die Apartheid, Gesondertheit oder Rassentrennung. Die Stimmung hatte sich besonders in den 1960er Jahren nach der Festnahme von Nelson Mandela und seinen Freunden aufgeheizt. Im Juni 1976 lief das Fass über, ...

Sonntag, 12. Juni 2016

Dangassa | das Pastorenkind


Um kurz nach 6.00 Uhr verließen wir mit unserem vollgetankten Auto, Pastor Enoc S. und Beatrice, der Frau eines Kollegen, die malische Hauptstadt. Dangassa, im Süd-Osten Bamakos war unser Ziel. Wir wollten dort pünktlich zum Segnungsgottesdienst ankommen, was uns trotz einer Reifenpanne gelang. Diesmal hatten wir die nördliche Route gewählt. Glücklicherweise war die Fähre, mit der wir den Niger überqueren mussten in Betrieb. In Mali ist Ramadan, islamischer Fastenmonat. Da fasten auch schon mal Fähren und man weiß nie, was auf einen zukommt. Aber alles ging gut.
Unsere Missionarskollegen aus Kamerun, Prospere und Pauline hatten vor einigen Wochen Nachwuchs bekommen – ein Mädchen. Sie hat einen kamerunischen Namen, der ins Deutsche übersetzt Gnade bedeutet. Prospere und seine Frau leben und arbeiten seit 2008 in Dangassa und gründen dort in Zusammenarbeit mit unserem Partnerbund der UEPEM eine Gemeinde. Die Gegend ist ein hartes Pflaster. ...

Samstag, 4. Juni 2016

Bamako | [Moa, ch’ tö konnä]

Anekdote für Afrikakenner und Leute mit humoristischer Phantasie. 
Ein Haufen Kinder wartete am Eingang zum Nationalpark. Es handelte sich offensichtlich um eine Schulklasse. Die Dame und der Herr, die am Schalter standen, waren wohl die Lehrer. Wir selber wollten unser Eintrittsgeld loswerden und ein paar Runden drehen. Und so verlief die kurze und sehr amüsante Unterhaltung …

Mittwoch, 1. Juni 2016

Sabalibougou | das Projekt der kurzen Wege


Wir staunen und freuen uns über die großzügige Unterstützung von Freunden, die mit ihren Spenden den weiteren Ausbau der Christlichen Schule in Sabalibougou ermöglichen. Türen und Fenster konnten inzwischen für die Klassenräume 3 bis 5 angefertigt und montiert werden. Darüber hinaus werden schon ein paar Steinreihen im ersten Stockwerk gemauert, ...

Dienstag, 31. Mai 2016

Sabalibougou | die lange Reise der Plüschtiere


Nein. es ist keine Fabel. Nur die schöne Geschichte von einem Paket, das lange unterwegs war und endlich an seinem Ziel angekommen ist. Freunde aus Deutschland hatten Puppen und Plüschtiere gesammelt, sie liebevoll aufbereitet und auf den langen Weg ins warme Mali geschickt. Heute Morgen haben wir das Paket den Kindern aus der Vorschulklasse der Christlichen Schule in Sabalibougou überreicht. Überraschung. Riesen Jubel und Trubel. Einen Elch aus dem hohen Norden haben wir auch gesichtet. Mal sehen, wie sie den in Bambara nennen.

Montag, 30. Mai 2016

Unsere Welt - unser Leben

Als wir Kinder waren, war die Welt für uns bunt.
Wir nahmen sie so wie sie ist,
schüttelten jedem die Hand
und luden alle zur Party ein.
Italiener, Palästinenser,
Malier, Chinesen – was weiß ich.
Da hinten gibt es ein Stück Kuchen für dich.

Wir träumten den Regenbogen,
und alles war bunt.

Sonntag, 29. Mai 2016

Bamako | Ibrahimovic & Co. getauft


Heute haben wir in Bamako-Quinzambougou Ibrahimovic getauft. Und mit ihm waren es 89 Täuflinge, die im Rahmen der großen Taufe im Gemeindebezirk ihren Glauben an Jesus Christus sichtbar zum Ausdruck brachten. In Wirklichkeit hieß der junge Mann natürlich nicht Ibrahimovic und auch nicht Zlatan, sondern Traoré. Er war auch nicht eigens aus Paris eingereist, sondern ...

Samstag, 28. Mai 2016

FATMES | Eile ist geboten, bevor der große Regen kommt


Die Regenzeit naht. Es wird Zeit, dass das Treppenhaus fertig wird. Bei starken Regenfällen wirkt die offene Stelle wie ein Trichter und das Wasser bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg. 
Der Bau macht Fortschritte. Der Putz an den Außenmauern ist fast fertig und somit sind die Wände in der Regenzeit einigermaßen geschützt. Der Großteil der Fenster und Türen im ersten Stockwerkt der FATMES (Fachschule für Theologie und Mission in Bamako) ist angefertigt und montiert. Nur die Scheiben müssen noch eingesetzt werden. 

Donnerstag, 26. Mai 2016

Von der Alternativlosigkeit der Veränderung

Veränderung ist alternativlos. In diesem Fall ist das schon in die Jahre gekommene merkelsche Unwort angebracht. Veränderung geschieht, automatisch oder gesteuert, gewollt oder auch nicht. Das ist der Lauf der Zeit – und laut John F. Kennedy ist change the law of life.
Die Sehnsucht schreit: Wann wird es anders, besser? Wann kommt das Neue? Veränderer schreien. Gegen den Status Quo, gegen die dicke feuchte Luft und gegen den Stau in grauen Wolken. Das Gewitter ist unsere Rettung. Wer das Gewitter hasst, der wird wider allen Willen vom Grollen des Donners überrollt und trotzdem nass. Wetter haben wir immer, langweilig. Ein Unwetter, ein gelegentliches zumindest, klärt abwechslungsreich die Verhältnisse, aufregend. Es schickt neuen Wind für den neuen Kurs. Wind of Change. Hisst die Segel und kappt die Taue. Wer den Status Quo für einen Segen hält, wird das Neue als einen Fluch erleben.

Montag, 23. Mai 2016

Doukourakoro | Kreiskonferenz mit 675 Besuchern

Alle zwei Jahre organisiert der Distrikt der UEPEM Gemeinden von Quinzambougou (Bamako) eine Kreiskonferenz. Dem Kreis gehören insgesamt 26 Gemeinden an, die von 12 Pastoren betreut werden. In dieses Treffen integriert sind Sitzungen des Distriktkomitees, Auftritte von Chören, Seminare, Berichte, gemeinsames Essen, Gespräche beim Tee bis tief in die Nacht und ein großer Abschlussgottesdienst.

Samstag, 21. Mai 2016

Westafrika | Sklaverei heute: wer wegläuft verpasst das Paradies

19 Monate saßen sie in mauretanischer Haft. Im November 2014 hatten die Sklaverei-Kritiker Biram Dah Abeid und Brahim Ramdhane eine Anti-Sklaverei-Demonstration in der Stadt Rosso unterstützt, wo sie festgenommen und anschließend inhaftiert wurden. Die Demonstranten wollten eine Resolution überreichen. Sklaverei in Westafrika - gibt es das denn noch? Ja. Das sagen nicht nur Journalisten aus dem Westen und internationale Menschenrechtsorganisationen, sondern einheimische Insider und Empiriker aus der Region.

Freitag, 20. Mai 2016

Mali | innerislamische Querelen zwischen toleranten und radikalen Kräften

In Mali beobachten wir seit geraumer Zeit einen innerislamische Machtkampf zwischen den beiden einflussreichen Imamen Ousmane Cherif Madani Haidara, Chef von Ansar Dine International, auf der einen und Mahmoud Dicko, dem Vorsitzenden des Hohen Islamischen Rates in Mali, auf der anderen Seite. Die beiden Hochkaräter des malischen Islam nutzen öffentliche Auftritte, um ihre kontroversen Positionen pointiert darzustellen. Es geht um Einfluss und die Deutungshoheit bei aktuellen Fragen, die die islamische Praxis und das brisante Verhältnis von Politik und Religion betreffen. Der Streit wird gemäß den malischen Spielregeln nicht konfrontativ, sondern indirekt und durch Presseerklärungen und wortgewandte journalistische Mitläufer in Form von geneigter Berichterstattung und in Auftrag gegebener Leitartikel über die Medien ausgetragen.

Sonntag, 15. Mai 2016

Sabalibougou | heißer Wind und neues Leben

Als wir aus dem Auto ausstiegen zeigte das Thermometer bereits 39 Grad an, und dabei war es erst halb Zehn. Kein Wunder. Es ist heiße Zeit in Mali. Der Chor der kleinen Gemeinde in Sabalibougou hatte schon angefangen, einige Lieder zu singen. Im Halbschatten einer Veranda feiern wir unsere Gottesdienste. Der Besuch war mäßig heute. Knapp 30 Leute waren dabei. Aber das war heute nicht entscheidend.

Samstag, 14. Mai 2016

Gehört der Islam zu Deutschland ? - Eingrenzungen und Antwortversuche (4)

5. Weitere Einschätzungen zur Fragestellung:
  • PARADOX: „Gehört der Islam zu Deutschland?“ Das ist eine paradoxe Fragestellung, denn: Im Islam wird Allah als der Schöpfer und höchste Gott angebetet. Der Islam ist eine missionarische Religion, die selbstverständlich das Ziel verfolgt, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die Nummer Eins zu sein und zwar in allen Bereichen menschlichen Lebens. 
  • GRENZEN DES STAATES: Der Staat oder politische Parteien haben in einer Demokratie nicht das Recht, über ...

Freitag, 13. Mai 2016

Mali | Christ sein in einer islamischen Mehrheitsgesellschaft

Heute habe ich in einer Vorlesungspause meinen Studenten an der FATMES die Frage gestellt: „Wie erlebt ihr als Christen und Gemeinden in der Minderheit, die islamische Dominanz in der malischen Gesellschaft?“

Die folgenden Antworten und Gedankensplitter habe ich notiert:

  • Wir beobachten eine starke Diskriminierung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, besonders bei der Vergabe von gutbezahlten Jobs in der Wirtschaft und Verwaltung. 
  • Die Laizität, d.h. die von der Verfassung garantierte Trennung von Politik und Religion wird von Islamverbänden und Imamen unterlaufen. Die politischen Entscheidungsträger oder Beamte in der Verwaltung treffen ihre Entscheidungen ...

Gehört der Islam zu Deutschland ? - was die Geschichte dazu sagt (3)

4. Kulturgeschichtliche Aspekte als Argument der Zugehörigkeit des Islam zu Europa – eine Skizze:

Die folgende Skizze gibt einen Überblick zur muslimischen Präsenz in Europa und Deutschland im Laufe der Geschichte (8. bis 20. Jh.). Die Informationen sind entnommen aus "Die Geschichte des Islam in Deutschland" (Vortrag der Deutschen Muslimliga e.V.). Der Autor geht aufgrund der geschichtlichen Fakten selbstverständlich davon aus,

Gehört der Islam zu Deutschland ? - Zugehörigkeit und kulturelle Identität (2)

3. Was ist mit Zugehörigkeit und kultureller Identität gemeint?

Der Satz “Muslime gehören zu Deutschland“ sagt nichts über die Qualität der Zugehörigkeit aus. Sind unsere muslimischen Mitbürger integriert, angepasst oder zwangsassimiliert oder leben sie segregativ und gettoisiert? Welche Kriterien sind hilfreich, um die qualitative Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft zu messen?
Die von der Deutschen Islamkonferenz 2013 in Auftrag gegebene und vom BaMF veröffentlichte Untersuchung (Islamisches Gemeindeleben in Deutschland) zum Stand der Integration von Muslimen und muslimischen Religionsbediensteten lässt ...

Donnerstag, 12. Mai 2016

Gehört der Islam zu Deutschland? - Annäherung an eine komplizierte Frage (1)

Seit der Rede von Christian Wulf im Jahre 2010 wird der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ immer wieder positiv, kritisch ambivalent oder negativ rezipiert. Kirchen, politische Parteien, die Kanzlerin &Co. haben sich zum Thema geäußert. Auch aus islamischen Kreisen wird die These unterschiedlich bewertet. Die einen fühlen sich bestätigt, die anderen vereinnahmt. Es entsteht der Eindruck, dass jeder etwas anderes mit dem Islam verbindet und zudem unterschiedliche Vorstellung vom Grad der Zugehörigkeit hat. Mal ist es der Islam als eine private religiöse Überzeugung, mal wird darunter ein politisches oder religiöses System verstanden, andere meinen ...

Mittwoch, 11. Mai 2016

Kommunikation | warum verstehst du nicht, was ich meine?

"Ich muss gehen, komme aber gleich wieder zurück!" (auf Bambara: Ne be taa ka na!) - Diese Ansage hören wir in Mali fast täglich bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten - auf dem Markt, bei laufenden Arbeitssitzungen oder lockeren Treffen draußen beim Tee. Aber was ist damit gemeint? Für eine Person mit westlicher Prägung scheint das klar: Jemand hat zwischendurch etwas Unvorhergesehenes zu erledigen, er entschuldigt seine kurze Abwesenheit, verspricht jedoch, bald wieder da zu sein - was natürlich auch so eintrifft.-  In Mali ist das anders. Die Aussage kann, ...

Dienstag, 10. Mai 2016

Sabalibougou | Wege in die Zukunft

Die christliche Schule in Sabalibougou besteht seit 2014. Christiane hat seit Beginn im 1. und 2. Schuljahr das Fach Sozialkunde unterrichtet. Anlässlich des anstehenden Deutschlandaufenthaltes Ende Juni formuliert sie, was sie sich für die weitere Entwicklung der Schule wünscht.

Christiane, du hast jetzt fast zwei komplette Schuljahre unterrichtet. Welche Kinder unterrichtest du und wie haben sie sich deiner Meinung nach entwickelt?
Die Kinder kommen alle aus dem Dorf, sowohl aus lange dort ansässigen, aber auch ...

Montag, 9. Mai 2016

Islam | zur Islamisierung in Geschichte und Gegenwart

Vom Gebrauch und Missbrauch eines Begriffs
Angesichts der quantitativen Zunahme der muslimischen Bevölkerung durch Einwanderung und Migration sowie der subtilen bis gewaltbereiten Einflussnahme islamistischer Gruppierungen in Europa wird seit ca. 1990 vor einer offensichtlichen bzw. schleichenden Islamisierung gewarnt.
Die Befürworter dieser These befürchten eine allmähliche Unterwanderung der europäischen Kultur. Gesprochen wird von der Gefahr der „Umvolkung“ bzw. der „Überfremdung“. Des Weiteren wird nicht nur den radikal salafistischen Gruppen die Absicht unterstellt, Europa zum „Haus des Islam“ zu machen. Auch orthodoxe bisher friedlich auftretende Gruppen verfolgten das Ziel, ein eigenes euroislamisches Kulturgebiet zu etablieren. Der Begriff „Islamisierung“ wird politisch instrumentalisiert und missbraucht, um ...

Freitag, 6. Mai 2016

Sportmission | tolle Initiative trotz Niederlage

Am 8. April trafen die Volleyballmannschaften der UEPEM-Gemeinde Kouloubléni und der malischen Nationalgarde aufeinander. Der Kontakt war durch ein Gemeindemitglied entstanden. Als Aktionsgruppe BOGOWULI (sportmissionarische Initiative der Kreisjugend unserer Partnergemeinden) haben wir die Initiative unterstützt und begleitet. Das Match wurde vom Vorsitzenden unseres Teams mit organisiert. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Jungs aus der Gemeinde gingen mit 0:3 in den Sätzen sang-und klanglos unter. Doch der Kontakt steht, und es wird ...

Dienstag, 26. April 2016

Bamako | dezentrale Ausbildung fördern und praxisnah gestalten

Seit drei Wochen haben wir eine kleine Werbekampagne gestartet, um das Fernkursangebot der FATMES (Fachschule für Theologie und Missionswissenschaft in Bamako) stärker bekannt zu machen. Seit dem Start im Jahre 2002 sind wir offizieller Partner einer amerikanischen Universität, die auch französischsprachiges Fernkursmaterial auf Bachelor- und Masterebene anbietet.
Da unsere Schule noch nicht als Institut akkreditiert ist, helfen uns die von verschiedenen amerikanischen Organisationen anerkannten Fernkurse, unseren akademischen Standard zu sichern. 

39 Kurse in den verschiedenen theologischen Disziplinen stehen uns zzt. zur Verfügung. Auf die Kampagne haben sich bisher neun Interessenten gemeldet. Das ist sehr ermutigend und ...

Donnerstag, 21. April 2016

Koulikoro | gemeinsam in einer Zelle

Der gestrige Besuch im Gefängnis in Koulikoro war spannend. Die hier einsitzenden Jihadisten bewegten sich frei mit uns in einem Raum, rezitierten den Koran, tranken Tee und hörten zu. Wir haben einander gegrüßt. Ihre Körper tragen hier und da Spuren von heftigen Auseinandersetzungen. Auffällige Narben am Kopf oder an den Armen lassen darauf schließen. Mal schauen sie interessiert, oder sie heben ihre Hände zum respektvollen Gruß. Andere blicken ziemlich finster drein, wirken traumatisiert oder ablehnend. Gemeinsam in einer Zelle mit Schwerverbrechern – das ist immer wieder eine spannende Geschichte. Doch wir haben die Möglichkeiten frei zu reden, das Evangelium zu sagen, auch das, was islamischen Ohren nicht passt.
Eine andere Erfahrung fand ich persönlich bemerkenswert.

Dienstag, 19. April 2016

Mali | vom Rollenspiel auf fremden Bühnen

1988 haben wir als Familie zum ersten Mal malischen Boden betreten. Alles das, was die Experten mit Kulturschock verbinden haben wir mit mehr oder weniger größerer Intensität durchlebt. Eine große Neugierde in der Anfangszeit, Enthusiasmus für die neue Sprache, die Menschen und ihre Kultur. Unsere deutsche Herkunftskultur geriet in der ersten Phase der Euphorie ein wenig ins Hintertreffen und wurde kritisch reflektiert. Allmählich pendelte sich das Lebensgefühl in ein realistisches Gleichgewicht ein. Auf dem Weg dorthin gab es unbeabsichtigte Enttäuschungen und Verletzungen auf beiden Seiten. Plötzlich war nicht mehr alles Gold, was neu und afrikanisch war. Der Satz eines erfahrenen Missionars bewahrheitete sich: "Das Einzige wessen du dir in der interkulturellen Arbeit sicher sein kannst ist, dass du Fehler machen wirst." 
Malier waren und sind die großen Spezialisten ihrer Kultur – wie könnte es auch anders sein – doch allmählich begriffen wir, dass ...

Mittwoch, 6. April 2016

Steppentanz - im Staub der Fremde mit Gott unterwegs

Im letzten Jahr haben wir unsere freie Zeit genutzt, um unsere Zeit als Missionare in Mali Revue passieren zu lassen und aufzuschreiben. Dabei sind zwei Bücher entstanden.

Band 1: Steppentanz – Im Staub der Fremde (316 Seiten), 13,50 €
Band 2: Steppentanz – mit Gott unterwegs in Mali (244 Seiten), 11,50 €, jeweils plus Versandkosten


Bestellungen an: Christiane und Alfred Meier

Seit 1988 sind wir aktiv mit Mali verbunden, und da ist Einiges passiert. Der Aufbau der Bücher spiegelt die Vielseitigkeit unseres missionarischen Dienstes in Westafrika. Er zeigt aber auch die Art und Weise, wie wir mit den gemachten Erfahrungen und Beobachtungen umgehen. Wir können uns nicht auspowern und uns in den Herausforderungen des Lebens verlieren, ohne gleichzeitig Momente des Rückzugs zu suchen, wo wir über all das nachdenken, was wir tun und die Grundlagen neu bedenken. Praxis und Theorie, Aktion und Reflexion bilden somit ein Ganzes und fließen ineinander.

Samstag, 2. April 2016

Feinde lieben und sie segnen - wider die Alternativlosigkeit des Krieges

Wenn Christen, ob Europäer oder Afrikaner, gewaltbereiten und ihnen feindlich gesinnten Jihadisten mit einem freundlichen Gruß und einem segnenden Gebet auf den Lippen begegnen, dann ist das eine „Waffe“, die die Alternativlosigkeit der Rache und rechtsstaatlicher Mittel alt aussehen lässt.

Aus aktuellem Anlass

Wie mit Terroristen umzugehen sei, darüber wird im Anschluss an ein Interview von Margot Käßmann, EKD-Botschafterin für das 500-jährige Reformationsjubiläum, heftig diskutiert.
What would Jesus do – wenn er leibhaftigen Terroristen gegenüberstehen würde? Käßmann, der eine fundamentalistische, unverantwortliche, weil weltfremde pazifistische Position vorgeworfen wird, sagte im Interview gegenüber Reportern ...

Donnerstag, 31. März 2016

Bambara | der Weg von der Sprache zur Wirklichkeit

Sprachen lernen macht Spaß. Und es erweitert den Horizont in vielerlei Hinsicht. Neue Kulturen erkunden und sich mit den Menschen aus anderen Ländern verständigen können, das ist ein riesiges Privileg. Auch deshalb lohnt es sich, Missionar zu sein.
Heute haben wir eine hilfreiche Entdeckung gemacht. Sie hat uns gezeigt, dass die Sprache nicht nur ein einfaches Instrument zur Kommunikation darstellt, sondern dass sie auch anthropologische Einsichten vermittelt. Sprache spiegelt die kulturelle Wirklichkeit – so nennen das die Linguisten.

Mittwoch, 30. März 2016

Koulikoro | Zwischen Tod und Leben

Die Zeit zwischen Karfreitag und Ostern. Es ist eine Zeit der Ungewissheit- die Hoffnung steht auf der Kippe. Doch Gott sei Dank gibt uns Ostern die Gelegenheit, es allen zu sagen: Jesus hat den Tod besiegt. Da gibt es keinen Zweifel mehr. Das Leben ist auf dem Vormarsch.
Diese Botschaft von Tod und Auferstehung, von Leid und Hoffnung haben wir heute den über 70 Gefangenen im Gefängnis von Koulikoro weitergegeben. Es war ein besonderer Tag. 

Als wir gemeinsam mit unserem Kollegen Enoc S. im Gefängnishof ankamen, bemerkten wir, dass die in Koulikoro einsitzenden Jihadisten draußen vor ihren Zellen in einem vergitterten Raum Platz genommen hatten. Die Hitze ist in diesen Tagen in den schlecht belüfteten Zellen fast unerträglich. Die meisten der Gotteskämpfer waren in langen hellen Gewändern gekleidet. Einige hatten einen Turban auf dem Kopf, die meisten waren kahl geschoren – dunkelhäutige und arabischstämmige, Malier aus dem hohen Norden und solche aus Nordafrika und aus dem fernen Pakistan.
Enoc wollte von den Wachsoldaten wissen, ob ...

Mittwoch, 23. März 2016

Frohe Ostern 2016 | die Hoffnung lebt

Liebe Freunde,

« Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle. »             Lukas 24,21

Die Jünger hatten Jesus begleitet und ihn dabei intensiv kennen gelernt. Die Art wie er mit den Leuten redetet und sie lehrte, wie er Kranke heilte, aber auch, wie er sie mit der Wahrheit konfrontierte und Schuld offen ansprach.
Und jetzt – jetzt waren die Leute enttäuscht, weil Jesus, der Kranke heilen konnte, sich nicht selber vom Tod verschonen konnte.
Sie hatten gehofft, dass Jesus der Befreier Israels wäre, doch mit seinem Tod schien diese Hoffnung gestorben zu sein. Auch wir hoffen auf die Erhörung unserer Gebete, auf einen entscheidenden Durchbruch der missionarischen Arbeit im islamischen Mali. Wir hoffen auf das Ende der Gewalt und des Terrors, dass einer aufsteht und den Mächtigen und denen, die sich dafür halten, Einhalt gebietet.
Doch damals kam es anders.

Dienstag, 22. März 2016

Bamako | der Tag nach der Attacke

Gestern Abend gab es eine erneute terroristische Attacke auf ein Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako, westlich von uns, in dem vorwiegend europäische Militärs untergebracht sind. Ihre Aufgabe besteht in Mali darin, malische Soldaten auszubilden. Kurze Zeit später. Eine SMS der Deutschen Botschaft in Bamako leuchtet auf dem Display auf. Die übliche Sicherheitswarnung: Leute, es ist was passiert. Lauft nicht draußen rum. Verbarrikadiert euch. Nun gut …

Wir recherchieren im Internet. Der Live-Ticker von RFI (Int. Franz. Radio) läuft bereits. Die malischen Nachrichtenagenturen hängen hinterher. Auch die abendliche Nachrichtensendung im staatlichen Fernsehen wird nicht unterbrochen. Immer weiter im Takt.

Im Vergleich zu dem Anschlag vor ein paar Monaten, ging es diesmal glimpflicher ab. Einen Toten gab es. Wer wild um sich schießt und Unschuldige attackiert,

Sonntag, 20. März 2016

Mali | lange Wege mit Menschen gehen

Wenn Menschen sich in einem vom Islam dominierten Kontext wie in Mali für ein Leben mit Jesus entscheiden, dann ist das ein riesiges Wunder – noch mehr als das unter günstigeren Umständen sowieso schon der Fall ist. In den letzten Wochen haben sich einige Menschen in unserem Beisein für die Nachfolge Jesu entschieden.

Wie kommt es zu „Bekehrungen“ und wie gehen wir vor?
Wenn Menschen zum „christlichen Glauben konvertieren“, so wie man das in der Fachsprache formuliert, dann ist das das Ergebnis eines längeren Prozesses. Am Anfang steht meist keine missionarisch aktive Gemeinde, keine besondere Methode oder Strategie und keine groß angelegte Aktion. Am Anfang stehen persönliche Kontakte, um die die Pastoren der Gemeinden wissen oder auch nicht. Es sind Christen, die oft selber noch keine lange Karriere als Christen nachweisen können, die aber motiviert sind und auf ihre Nachbarn und Freunde zugehen. Sie knüpfen Kontakte, sitzen beim Tee und Mahlzeiten zusammen und tauschen sich aus. So wird Interesse geweckt. Aber es ist nicht nur der verbale Austausch der zählt. Bei einem Bekehrungsgespräch sagte uns ein Familienvater: „Ich habe die Christen beobachtet, ...

Donnerstag, 3. März 2016

Sabalibougou | bei vergiftetem Essen hört der Spaß auf

Es war ein denkwürdiges Gespräch, das wir gestern mit einem unserer jungen Gemeindemitglieder in Sabalibougou führten. Pierre ist in seiner Nachbarschaft missionarisch sehr aktiv. Das hat sich mittlerweile im ganzen Dorf herumgesprochen. Er tritt dabei nicht aggressiv auf. Seine „Strategie“ ist das ganz normale Alltagsgespräch, das er mit Freunden rund um ein Glas Tee und mit Nachbarn führt. Er hat uns schon des Öfteren angerufen mit der Bitte ins Dorf zu kommen, wenn Menschen besondere Fragen hatten oder wir mit ihnen beten sollten. Pierre besucht regelmäßig den Bibeltreff. Dabei stellt er Fragen, die ihm seine Gesprächspartner im Dorf gestellt haben und auf die er auf Anhieb keine Antwort wusste. Wir sprechen die Fragen an und versuchen Hilfestellungen zu geben. Seine Ernsthaftigkeit und sein Mut beeindrucken uns sehr. Vor ein paar Wochen hat sich Mori K. für ein Leben mit Jesus entschieden. Er ist verheiratet und hat drei kleine Kinder. Mittlerweile möchte sich die ganze Familie der kleinen Gemeinde im Dorf anschließen. Das lässt aufhorchen. Pierre wird die „Schuld gegeben“, dass sich Leute vom Islam ab- und dem Christentum zuwenden.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Sabalibougou | Baumaßnahmen gehen voran


Der Bau des zweiten Schulgebäudes für die Klassen 4 bis 6 geht zügig voran. Dank des großartigen Engagements der Schüler, Lehrer und Eltern der christlichen Schule in Darmstadt, einiger Freunde und einer Siegerländer Gemeinde nimmt der Bau der christlichen Schule in Sabalibougou immer weiter Form an. Das Gebäude ist zweistöckig geplant, sodass in Zukunft Schüler bis zum neunten Schuljahr unterrichtet werden können. Der Rohbau und die Betondecke sind mittlerweile fertiggestellt.

Mittwoch, 10. Februar 2016

FATMES | wenn der Kontext uns den Weg zeigt


Larry ist ein erfahrener amerikanischer Missionar, der seit 1984 mit seiner Familie im nördlichen Macina unter den Peulh (malische Volksgruppe der Viehhirten) arbeitet. Am 8. und 9. Februar war er in Begleitung seiner Frau zu einem missionstheologischen Seminar als Gastdozent an der FATMES. 18 Studenten und Dozenten waren dabei.
Beeindruckend ist, wie Larry und seine Frau ihre Arbeitsstrategie im Laufe der Jahre immer wieder theologisch unter die Lupe genommen und sie dem Kontext angepasst haben. Die stark islamisierten Peulh können nicht auf die traditionelle Art und Weise evangelisiert werden – konkret: Missionsteams rausschicken, den Jesus-Film zeigen, ein Grundstück erwerben, eine klassische Gemeinde gründen und hoffen, dass sie im Laufe der Zeit wächst. Larry Vorgehensweise setzt auf das Vorbild Jesu. Missionarische Präsenz ist das Stichwort. Einfach das Leben teilen, damit Muslime die Chance haben, zu beobachten, was es bedeutet, als Nachfolger Jesu zu leben. So bezeichnen sich die wenigen Bekehrten auch nicht als Christen, sondern als Jesusnachfolger. Mit den Wörtern „Christ“ oder „Christentum“ verbinden die meisten Muslime das westliche Konzept einer Alternativreligion, die sie zwingt, alle bisherigen kulturellen Werte und Lebensweisen aufzugeben.

Sonntag, 7. Februar 2016

Sabalibougou | darauf kommt es an

Der Sonntagmorgen begann auf ganz gewöhnliche Weise mit einem guten Frühstück. Plötzlich klingelte das Telefon. „Es ist wichtig, dass ihr heute nach Sabalibougou kommt. Wir brauchen euch. Jemand möchte ein Leben mit Jesus beginnen“, so erklärte uns unser Bruder am anderen Ende der Leitung. Wir fuhren zum Gottesdienst. Er war gut besucht. Über die stabile Entwicklung der letzten Wochen freuen wir uns sehr. Es gibt noch viel mehr Christen am Ort, die aber nicht zu uns kommen, sondern in die großen Gemeinden der benachbarten Hauptstadt fahren. Für sie ist eine Gemeinde erst dann eine richtige Gemeinde, wenn es ein Kirchengebäude gibt, eine gut strukturierte Gemeinde mit Komitees und Chor und eigenem Pastor. Im Gemeindegründungsprozess geht es aber nicht in erster Linie darum, Strukturen zu etablieren, sondern im Sinne Jesu Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Jüngerschaft und Gemeinschaft – das sind die Kernfaktoren, auf die wir uns fokussieren wollen. Christliche Strukturen werden sich früher oder später bilden. Sie stehen aber nicht am Anfang des Prozesses.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Sabalibougou | Christiane in action

Über 30 Kinder in der ersten Klasse unterrichten, das ist wahrlich keine einfache Geschichte. Manchmal ist der Lärmpegel unerträglich hoch. Einige fangen gerade an, die am Straßenrand erworbenen in Fett gebackenen Teigwaren zu verzehren. Andere kommen zu spät, weil sie von den Eltern oder älteren Geschwistern zu spät auf den Schulweg geschickt wurden. All das nehmen wir erst einmal zur Kenntnis. Wir sind uns sicher, dass sich der Mangel an Disziplin erst langsam verändern lässt.
Die Kinder sind das Sitzen und geduldige Zuhören nicht gewohnt. Und wenn Christiane ihnen auf Bambara und Französisch erklärt, dass es unschicklich ist, sich die verschmutzen Finger an den Klamotten abzuwischen, dann scheint die Lektion irgendwie einleuchtend. Wie das später mit der Umsetzung funktioniert werden wir sehen.
Nach den Vorgaben der Schulbehörde soll der Unterricht in Französisch erfolgen. Doch wie soll das gehen, wenn Kindern zu Hause kein Wort in Französisch reden? Ohne Bambara läuft es nicht. Entsprechend viele eindrückliche Wiederholungen sind nötig, bis die Kinder die fremdartigen französischen Lautkombinationen über ihre Lippen bekommen. Christiane hakt oft nach und lässt sich dann von den Kindern den Sinn in Bambara erklären, um sicher zu gehen, dass die Inhalte auch verstanden wurden.

Weiter geht's mit dem Hinweis darauf, dass es äußerst ungünstig erscheint, sich einander zu verprügeln, konkret die Steine nicht gegen Bruder, Schwester und Freund zu erheben, sondern artig auf dem Boden liegen zu lassen. Und das Zerren und Zerreißen der Kleider wird sicherlich auch von den Eltern nicht gerne gesehen. Die Kinder wiederholen brav die Lektionen fürs Leben. Und wie bei uns Erwachsenen hapert es meist an der Umsetzung im täglichen Leben.
Mich beeindruckt die Geduld, mit der Christiane den ungeübten Kindern nützliche Verhaltensweisen, Hygiene und Respekt beibringt. Dazu gehört auch zu vermitteln, wie man Erwachsene höflich grüßt oder den Kampf gegen lästige Läuse erfolgreich bestreitet.
Aus Kindern werden nicht von Heute auf Morgen reife,erwachsene Menschen. Es ist ein langer Prozess, wo langer Atem und sehr viel Liebe erforderlich sind. Uns kommt es darauf an, dass die Kinder diese Liebe spüren. Wir beten und hoffen, dass aus ihnen tüchtige Leute werden, die fürs Leben taugen und sich für ihr Land engagieren.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Gedanken an einem unrunden Hochzeitstag



Heute feiern wir unseren 31. (in Worten: einunddreißigsten) Hochzeitstag. Der Blumenstrauß von damals und das violette Band, das ihn zusammenhielt sind längst verschwunden. Doch unsere Liebe und die Hochachtung füreinander haben all die Jahre überdauert. Bei dem vielen Hin und Her in unserem Leben, der Erziehung unserer fantastischen vier Kinder, denen wir gemeinsam den Weg ins Leben gezeigt haben, sind wir in der Treue zueinander gewachsen. Wir haben gelernt, durch Dick und Dünn zusammen zu stehen und uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Koulikoro | Besuch im Hochsicherheitstrakt

Seit November letzten Jahres hat sich die Situation im Gefängnis der Garnisonsstadt Koulikoro verändert. Koulikoro liegt ca. 65 km von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt. Hier sitzen einige Jihadisten ein, die im hohen Norden Malis gefangen genommen und von einem Gericht in Bamako zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Aus Sicherheitsgründen mussten wir unsere Arbeit mit den Insassen unterbrechen. Wir sind jedoch dankbar, dass unser Kollege mit einem kleinen Team einen Weihnachtsgottesdienst abhalten und Essen verteilen konnte.
Gemeinsam waren wir letzten Mittwoch unterwegs in Koulikoro. Bei unserem Besuch in der großen vergitterten Gemeinschaftszelle wurden wir von Wachpersonal begleitet. Auch das ist eine Änderung im Vergleich zu den Besuchen im letzten Jahr. Während der Andacht beobachten wir, dass hellheutige Gefangene uns zuhören. Es sind Leute, die offensichtlich einen arabischen Hintergrund haben. Alfred predigt an diesem Morgen über die Sternsucher aus dem Orient, die sich auf die Suche gemacht hatten, um dem „König der Juden“ zu begegnen. Die Atmosphäre war wie immer von Aufmerksamkeit geprägt. Die Jihadisten werden in ihren Einzelzellen eingeschlossen und dürfen sich nicht mit den anderen Gefangenen treffen. Trotzdem können sie hören, was wir sagen, und wir hoffen, dass Gott auch ihre Herzen mit seinem Wort erreicht.
Am Ende unserer Zeit in der Anstalt begrüßten wir den erkrankten Krankenpfleger, mit dem Christiane zusammenarbeitet. Er selber ist Gefangener, der wegen Beteiligung am Völkermord in Ruanda in Mali seine Strafe absitzt. Unser Gebet für und mit ihm, hat ihn ermutigt. Beim Abschied ruft uns einer der Mitgefangenen aus Ruanda zu: „Das nächste Mal kommt auch zu uns, um mit uns die Bibel zu lesen!“ Gerne würden wir das tun, aber bisher hat der Lagerkommandant noch kein grünes Licht gegeben.
Mali verändert sich. Die Sicherheitslage ist nach wie vor nicht unter Kontrolle. Gerade deshalb sind wir Gott umso mehr dankbar für die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Wir wollen sie nutzen so lange es geht.

Montag, 18. Januar 2016

Trost an Tagen wie diesen


Gott spricht: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet" - Jesaja 66,13

Die Jahreslosung spricht von den mütterlichen Zügen Gottes. Mütter können offenbar besser trösten als Väter. Gott ist alles in allem und es tut gut, dass uns die Bibel Gott nicht nur als den Schöpfer, den Initiativen ergreifenden Vater, den Richter und Herrn der Welt vorstellt - sondern auch als Mutter, die liebt, die umarmt und die tröstet.
In unserem Leben ist nicht immer alles nur schön und so, wie wir es gerne hätten. Manchmal treffen wir Entscheidungen, die falsch sind, und wir werden schuldig. Es gibt Erfahrungen und Erlebnisse, auf die wir gerne verzichten würden, wie Krankheit, Schmerz, der Verlust eines lieben Menschen, oder Streit - sei es in der Familie,  mit Arbeitskollegen oder Nachbarn. Solche Erfahrungen lösen Ärger oder gar Wut aus. Sie können Menschen auseinander bringen. Wir machen Gott Vorwürfe, weshalb er solche negativen Dinge in unserem Leben zulässt, oder wir hadern mit der Situation. 
Das Wort Gottes aus Jesaja 66,13 sagt uns zu: Gott lässt uns nicht allein mit unserem Frust und Ärger, mit der Trauer, dem Leid und unseren Zweifeln. Gott gibt uns die Zusage, uns zu trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Wir sind nicht allein an all den Tagen, wo Schatten und Frust über unserem Leben liegen. Wenn Gott selbst den Fischen in den dunklen Tiefen des Meeres Wege bahnt, um wieviel mehr nicht auch uns, die wir seine Kinder sind. 
Gottes Gegenwart macht uns Mut, nicht zu verzweifeln, denn "Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1,7). Dieses Wissen ermutigt uns, auch im neuen Jahr 2016 ganz auf Gottes Hilfe und Fürsorge zu vertrauen.