Freitag, 31. Juli 2015

Literaturarbeit | die erste Ausgabe 2015 ist auf dem Markt

Die erste Nummer dieses Jahres ist auf dem Markt. Die Zeitschrift für Theologie und pastorale Fortbildung ESPERANCE steht nach mehrjähriger Pause Pastoren und ehrenamtlichen Mitarbeitern in den malischen Gemeinden erneut zur Verfügung. Die Zeitschrift ist erschwinglich und hat einen Umfang von jeweils 40 Seiten. Sie wird unter dem Label der ACCM (Christlicher Verein für Kommunikation) herausgegeben. Ein Redeaktionsteam von 5 Personen ist für die Bearbeitung der Texte, die Formatierung und den Druck verantwortlich. Abdias Diarra, der Leiter der ACCM, hatte mich vor einigen Monaten gebeten, im Team mitzuarbeiten. Die Zeitschrift ist bereits in den Jahren 1997 bis 2006 erschienen. Die Arbeiten wurden wegen Mitarbeitermangel dann allerdings eingestellt. 
Das Besondere ist, dass der Leitartikel jeweils auch in Bambara übersetzt wird. Wir erhoffen uns damit, mehr Leser zu erreichen. Wir finden, dass wir im Bereich der theologischen Aus- und Fortbildung auf die Amtssprache Französisch nicht verzichten können, weil sie einen Horizont eröffnet, den nationale Sprachen in Mali bisher nicht bieten können. Allerdings ist es wichtig, den Zugang zur Welt der nationalen Sprachen stärker zu fördern. Die Artikel reflektieren Erfahrungen aus der missionarischen und pastoralen Arbeit in Mali. Als Autoren wirken Pastoren, Lehrer und Missionare mit.
Jetzt hoffen wir, dass die Zeitschrift auf großes Interesse stößt und wir im Laufe der nächsten Wochen und Monate viele Abonnenten finden werden.

Samstag, 25. Juli 2015

FATMES | neue Edition im Visier

Wir nutzen die Ferien und die unterrichtsfreie Zeit, um das nächste Studienjahr vorzubereiten. Im August werden einige Dozenten der FATMES ein Fortbildungsseminar mit missionstheologischen Themen mitgestalten. Eine norwegische lutherische Missionsgesellschaft im Inneren des Landes ist der Organisator.
Außerdem sind wir dabei Studienmaterial für unsere Studenten zu revidieren und in einer eigenen Edition FATMES zu publizieren.
Das bringt Einiges an Arbeit mit sich. Die Texte müssen verfasst, revidiert und formatiert werden. Aber es macht sehr viel Spaß.
Drei Bücher sind zunächst vorgesehen:
  1. Wörterbuch Griechisch - Französisch - Bambara (398 Seiten)
  1. Kompendium zur griechischen Grammatik und Syntax und ein Vokabelregister mit den gebräuchlichsten Wörtern zur besseren Vorbereitung auf Prüfungen (125 Seiten)
  1. Sammelband mit missionstheologischen Texten von Konferenzen aus dem evangelikalen, ökumenischen und katholischen Spektrum zwischen 1966 bis 2012 (300 Seiten)
Die Texte und Materialien werden schon in anderer Form seit einigen Jahren an der FATMES genutzt, müssen aber neu aufgelegt werden. Das Wörterbuch haben Christiane und ich gemeinsam mit einigen Maliern zwischen 1995 und 2004 Jahre erstellt. Das Kompendium ist Anfang der 2000er entstanden, als Alfred Griechisch an der FATMES unterrichtete. Der letzte Band dient als Ergänzung für die verschiedenen missionswissenschaftlichen Fächer.
Die abgebildeten Cover sind Entwürfe. Außerdem müssen wir noch überlegen, wo wir die Dokumente drucken lassen können.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Islamistische Drohungen in Bamako und anderswo

Seit Tagen kursieren in der malischen Presse Meldungen, dass die extrem islamistischen Bewegungen AQMI&CO. militante Kämpfer mit Waffen und Propagandamaterial in die südlichen Landesteile Malis schleusen. Die gemäßigten Muslime fürchten Anschläge während des großen Id El Fidr-Festes, dass am 18. Juli das Ende des Fastenmonats Ramadan krönt.
Im Zentrum Malis und auf dem Weg von Segou nach Bamako sind bereits einige verdächtige Personen festgenommen worden. Bei den Verhören haben die Sicherheitskräfte herausgefunden, wo die Drahtzieher zu suchen sind. Nachdem die extremen islamistischen Bewegungen nach dem unterzeichneten Friedensabkommen am 20. Juni in die Defensive geraten sind und durch französische Spezialeinheiten Rückschläge hinnehmen mussten, haben sie ihre Strategie umgestellt. Ihr Ziel sei es nach wie vor, so die Meldungen, die Scharia (islamisches Gesetz) in ganz Mali einzuführen.
Bereits in den vergangen Wochen hatte es kleinere Anschläge in malischen Dörfern im Grenzgebiet zur Elfenbeinküste gegeben. Diese Ereignisse sind ernst zu nehmen. Die Regierung der benachbarten Elfenbeinküste hat entschprechende Antiterrorgesetze verabschiedet oder verschärft.
Bisher ist in Bamako und Umgebung nichts schwerwiegendes passiert. Polizei und Gendarmerie verstärken jedoch ihre Patroullien. 
Die Unterzeichnung des Friedensvertrages ist längst noch keine Garantie für einen dauerhaften Frieden im Land. Der beginnt in den Köpfen und Herzen der Menschen. Die Herzen der Islamisten zu erreichen und deren Einstellungen zu verändern wird sehr schwierig sein. Die gemäßigten Muslime streiten unterdessen darüber, an welchem Tag der Fastenmonat beendet werden soll und welche Regeln des Gebets eingehalten werden müssen, damit viel Segen Allahs dabei herauskommt.

Auch in anderen Erdteilen verschärft sich die Situation. Das Ende des Ramadan erhitzt die Gemüter und spült extreme Geister an die Oberfläche. Heute erreichte uns folgende Meldung, die im pro-medienmagazin veröffentlich wurde:


Islamischer Staat will Christen aus Jerusalem vertreiben
Die Terrororganisation Islamischer Staat hat Christen in Jerusalem aufgefordert, die Stadt bis zum Ende des Fastenmonats Ramadan zu verlassen. Andernfalls drohe ihnen der Tod.
Se Bis zum 18. Juli sollen Christen Jerusalem verlassen. Das steht auf einem arabischsprachigen Flugblatt, das der Ableger der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), das „Islamische Kalifat in Jerusalem“, bereits vergangene Woche in einem Viertel im Norden der Stadt verteilte. Laut einer aktuellen Meldung von Radio Vatikan habe der IS den Jerusalemer Christen ein Ultimatum bis zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, dem Id el Fidr Fest am 18. Juli, gestellt. Andernfalls müssten sie mit dem Tod rechnen. Zuerst sollten die Viertel Schuafat und Beth Chanina von Christen gesäubert werden. Danach ziele der IS auf die Grabeskirche in der Altstadt Jerusalems, die Heiligste Stätte der Christenheit in Israel. Auf den Flyern sei außer der Drohung auch das Symbol des Absenders gewesen: die schwarze Flagge des IS.
„Wir müssen die Drohungen ernst nehmen“, habe Weihbischof William Shomali vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ gesagt. Die Flugblätter hätten unter Christen Angst ausgelöst. „Es würde genügen, wenn drei junge Fundamentalisten mit Messern bewaffnet ein christliches Haus überfallen, um Panik in der christlichen Gemeinschaft zu verursachen“, sagte der Geistliche. Der frühere Patriarch Michel Sabbah habe gefasst reagiert. „Wir Christen werden im Land bleiben“, sagte er."

Gebet
Wir beten, dass Gott den Muslimen in Träumen begegnet, die wir mit Worten nicht erreichen können. 
Wir beten, dass Gott unser bescheidenes Zeugnis und das Vorbild unseres Lebens nutzt, um Veränderung im Leben von Muslimen herbeizuführen.
Wir beten dafür, dass es friedlich bleibt und die Christen bei aller Bedrohung und Unsicheit ihren Glauben mutig bekennen.



Samstag, 11. Juli 2015

Regenzeit































Die Bilder entstanden auf der Fahrt zwischen Konna und Mopti-Sévaré. Sandsturm und aufziehende Wolken verwandeln die trockene Savanne in eine wie ausgestorbene Geisterlandschaft. Bedrohlich und faszinierend zugleich. Menschen und Vieh verziehen sich in notdürftige Unterkünfte und sehen zu, dass sie schnell zu Hause ankommen. Der Wind zersaust Bäume, Büsche und Felder. Der Regen prasselt in großen Mengen auf das karge Land, das die Wassermassen nur schwerlich aufsaugen kann. Es entstehen für ein paar Stunden beeindruckende Seenlandschaften. Die trockenen Felder können das kühle Nass gebrauchen. Die Menschen sehnen sich wie jedes Jahr danach, dass der Regen bis Ende September anhält und eine zufriedenstellende Ernte eingebracht werden kann.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Konna | das normale Leben nach dem Bombenhagel

Am Vortag erkundigten wir uns bei unseren Kollegen in Sévaré. Wir wollten wissen, ob es aus sicherheitstechnischen Gründen möglich sei, nach Konna zu fahren. Die Antwort: Kein Problem. Ihr kennt euch aus.
Konna liegt ca. 65 km nördlich von Mopti-Sévaré. Die Mehrheit der Bewohner sind Peulh (Viehhirten und Händler) und Bozo (Fischer). Im Januar 2013 marschierten Jihadisten und Rebellen auf die Stadt zu und lieferten sich ein dreitägiges Gefecht mit malischen Soldaten und den zu Hilfe gerufenen französischen Streitkräften. Der Vormarsch Richtung Süden wurde gestoppt und es gelang, die Islamisten zu vertreiben oder zu "neutralisieren".

Die Gegend ist zzt. wieder enigermaßen sicher.
Am nächsten Tag starteten wir unseren Ausflug nach Konna. Als wir an der Polizeistation am Ortsausgang ankamen, wurden Autopapiere und Pässe kontrolliert. Wir erklärten in Bambara, was wir in Mali tun und wie lange wir schon hier sind. Die Polizisten winkten uns durch und wir konnten ohne Probleme weiterfahren. Für die Sicherheitskräfte macht es einen großen Unterschied, ob Touristen und „Neue“ das Land bereisen, oder solche, die sich auskennen. Die Gegend nördlich von Mopti ist immer noch ein "heißes Pflaster" und wegen der Größe des Geländes von den malischen Sicherheitskräften kaum zu kontrollieren. In Konna lebte in den Tagen der Rebellion ein radikaler Imam, der die Aufrichtung eines Gottesstaates im Macina, so der Name der Gegend, vorantrieb. Während der Kämpfe hat er mit seinen Gesinnungsgenossen die Flucht Richtung Westen angetreten.
Jean T., unser Pastorenkollege vor Ort, und seine Familie konnten damals, einen Tag vor Beginn der Kämpfe Anfang Januar 2013 die Stadt Richtung Süden verlassen. Nach knapp 3 Wochen kehrten sie zurück. Inzwischen hatte die französische Luftwaffe die Rebellenstützpunkte bombardiert. Die meisten der malischen Soldaten hatten die Flucht ergriffen. Viele Bewohner Konnas flohen ebenfalls oder suchten in Nachbardörfern oder in der weiten Savanne westlich des Nigers eine vorübergehende Bleibe. Bei den Hausdurchsuchungen kam ein französischer Soldat ums Leben, zu dessen Ehren am Ortseingang ein Denkmal errichtet wurde. Am Wohnhaus der Pastorenfamilie und einigen der Nebengebäude sind Spuren der Einschüsse zu sehen, die mittlerweile mit Zement repariert wurden. Das Kirchengebäude wurde im Inneren verwüstet, blieb in seiner Bausubstanz aber erhalten.

Bei unserer Ankunft wurden wir sehr herzlich begrüßt. Für die Christen im mittleren Norden Malis ist es immer noch eine Außnahme, wenn Leute aus dem Süden, insbesondere Weiße, ihre Gegend besuchen. Pastor Jean berichtete uns über die neusten Entwicklungen in der Stadt und in der Gemeindearbeit. Der Bürgermeister ist ein angesehener Mann und ein gemäßigter Muslim. Mit seinem Vater haben wir zu Beginn der Gemeindearbeit in Konna im Jahre 1989 mit Erfolg wegen eines Grundstücks am Stadtrand verhandelt. Jean ist inzwischen der dritte Pastor unseres Gemeindebundes. Es ist schwer, Einheimische für den christlichen Glauben zu begeistern. Viel Geduld ist nach wie vor nötig. Um so größer ist unser Respekt vor den Kollegen, die in diesem in vielerlei Hinsicht schwierigen Terrain ihren Dienst tun.
Nach der einstündigen Plauderei stiegen wir in den Wagen und fuhren mit unserem Gastgeber an den kleinen Fischerhafen, der an einem Seitenkanal des Nigers liegt. Die Straße vom Hafen Richtung Innenstadt trägt den Namen des gefallenen französischen Soldaten – Rue de Boiteux. Die Lagerhäuser sind allesamt zerbombt worden. Hier hatte die malische Armee Waffen gelagert, die sich die Rebellen nach der Flucht der Armee „unter den Nagel gerissen hatten“. Die Franzosen machten kurzen Prozess. Gegen die Übermacht aus der Luft hatten die Islamisten keine Chance. Viele Rebellen wurden getötet und bei den anschließenden Razzien festgenommen. Die tiefen Bombenkrater und die zusammengestürzten Häuser zeugen noch heute von den Schreckenstagen Anfang 2013.
Wir fuhren am Marktplatz vorbei und an dem Platz, wo wir zu Beginn der 1990er Jahre Open-Air-Evangelisationen durchgeführt haben. Das Leben, so scheint es, geht wieder seinen normalen Gang. Jean erzählte uns, dass die Leute dennoch Angst haben, dass sich die Rebellen erneut unters Volk mischen und Schaden anrichten könnten. Unachtsame Kinder graben Munition aus und bringen sie zum Explodieren. Dabei starb vor kurzem ein Kind. Ein Team der französischen Armee ist danach angerückt, um eine Bombe zu entschärfen. Sie wurden wie Helden gefeiert, und zu ihren Ehren wurde ein Fest gefeiert. Dafür haben die Peulh ausnahmsweise einige ihrer wertgeschätzten Kühe gestiftet.
Zu der kleinen christlichen Gemeinde in Konna zählen sechs Familien. Es sind meist Beamte und Mitarbeiter von Organisationen, die sich regelmäßig zum Gottesdienst treffen.

Nach dem Mittagessen auf der Veranda des Pastorenhauses verabschiedeten wir uns mit einem Gebet für die Familie und die Stadt. Zuvor waren die Mädchen der Familie zum Markt aufgebrochen, um Getränke zu verkaufen. Ein Peulh schleppte zwischenzeitlich mit seinem Motorrad einen Sack Reis herbei, der vom Sohn der Pastorenfamilie mit Hilfe einer Dreschmaschine geschält wurde. Er ließ ein paar CFA da, die die Familienkasse auffüllen halfen.
Das Leben geht weiter in Konna. Vergessen haben die Menschen die schrecklichen Ereignisse nicht und hoffen sehr, dass es in Mali gelingt, dauerhaften Frieden zu schaffen.

Samstag, 4. Juli 2015

Bamako | Konferenz für Frieden und Versöhnung

Daniel C., der ehemalige Vorsitzende der Ev. Allianz in Mali brachte es während der Konferenz für Frieden und Versöhnung auf den Punkt: Frieden und Versöhnung in Mali sind nicht ohne Gerechtigkeit und Vertrauen zu haben. Ehrliche Vergebung und Bereinigung von Konflikten in der Gesellschaft setzt voraus, dass offen miteinander geredet und ungerechtes Verhalten geahndet wird. Er bezeichnete die französische Intervention im Januar 2012 als ein Eingreifen Gottes, auch wenn die Franzosen selber das vielleicht anders sehen und viele Malier den Franzosen politisches Kalkül vorwerfen. Er begrüßte die Geduld der malischen Regierung, bei den langwierigen Verhandlungen in Ouagadougou und Alger den Ausgleich gesucht zu haben. Auch die Rolle der Christen und der Gemeinden kam zur Sprache. Waffen sind für Christen tabu. Daniel C. betonte vielmehr das große Privileg der Christen, eine geistliche Dimension der Versöhnung innerhalb der Gesellschaft anzusprechen. Frieden ist mehr als das Ergebnis diplomatischen Geschicks. Jesus Christus hat Frieden gestiftet, und der kam nur durch den Einsatz seines Lebens zustande. Der Frieden in der Gesellschaft setzt den Frieden der Herzen voraus. Der tiefgehende Frieden des Herzens ist aber nur durch Jesus Christus zu haben.
Andererseits mahnte er die Christen zu mehr Einheit. Wer sich nach Außen für Frieden und Versöhnung einsetzen wolle, der müsse auch nach Innen Einheit und Versöhnung leben. Er prangerte den Geist der Konkurrenz innerhalb der christlichen Bewegung an, der zu Streit und Trennung führt. Auch Christen werden an ihren Taten gemessen. Wer Versöhnung verkündigt, der muss auch versöhnt leben.
Das waren starke Worte, die der weise Mann an die anwesenden Vertreter aus den Gemeinden richtete. Die Regierung hatte Vertreter aus den Ministerien für Frieden und Versöhnung und für religiöse Angelegenheiten entsandt, die ihre Grußworte weitergaben. Organisiert wurde die Konferenz vom nationalen Jugendkomitee der Ev. Allianz in Mali unter dem Vorsitz von Dr. Yacouba D. Das Treffen war leider schwach besucht. Doch die Direktübertragung per Radio sorgte auf diesem Wege für eine große Zuhörerschaft.

Wir haben die Konferenz sehr begrüßt. Sie zeigt, dass sich malische Christen in das gesellschaftspolitische Geschehen einmischen.