mercredi 29 avril 2015

Mali | gerüstet für alle Jahreszeiten

Sicher auf Malis Straßen unterwegs. Diese Monstren an Sattelschlepper gibt es en masse in Mali - auf offener Strecke, aber auch in den Innenstädten. Meist haben sie schon einige Hunderttausend an Kilometer auf dem Buckel, bevor sie Europa verlassen und an die Küsten Afrikas geschleust und in das Innere Afrikas verfrachtet werden. 
Es ist ein verkehrstechnischer Teufelskreislauf. Die Straßen gehen kaputt, weil Untergrund und Teerdecken für die Vieltonner viel zu schach sind. Schnell entstehen Risse und Fahrrillen mit augewälztem Teer an den Rändern. Hitze und Regenwasser tfragen ihr übriges zum vielerorts schlechten Zustand der Straßen bei. Dass die Reifen so aussehen, liegt daran, dass sie bis zum letzten Fetzen strapaziert und durch die vielen Schlaglöcher ramponiert werden. Von aschglatt und dünnhäutig über griffig und rissig ist alles zu haben - für jede Jahreszeit eben. Trotzallem staunen wir nicht schlecht über die Finesse der Reparateure. Hier werden Reifen im wahrsten Sinne des Wortes zusammengenäht - immer noch gut für ein paar Kilometer, bis der große Knall sie auf den Gummifriedhof schleudert.

mardi 28 avril 2015

FATMES | ob das noch gelingt

… vor der Regenzeit im Juni auch den Rohbau des zweiten Bauabschnittes der ersten Etage fertigzustellen? Schaun wir mal. 
In dieser Woche haben die Handwerker begonnen, die zuvor gefertigten Zementsteine zu Mauern zusammenzufügen. Langsam wird der Grundriss sichtbar. Wir haben heute die Baustelle besichtigt. Bei an die 50 Grad in der grellen Sonne verarbeiten drei Maurer Mörtel und Steine. Respekt. Dank der großzügigen Hilfe von Freunden und Spendern aus Deutschland und Norwegen konnten die bisherigen Bauabschnitte finanziert werden. 

Es ist eine Investition in die Zukunft der theologischen Ausbildung in Mali. Ein Teil der ersten Etage besteht aus Klassenräumen, ein anderer aus Büro- und Seminarräumen, die an Organisationen vermietet werden sollen. Der erwirtschaftete Erlös dient dazu, die finanzielle Unabhängigkeit der FATMES zu gewährleisten. Die Finanzstruktur des akademischen Betriebes ist so aufgestellt, dass durch die Studiengebühren, die Zuwendungen von Maliern und die Jahresbeiträge der Mitglieder des Trägervereins (APFT) eine autonome Arbeitsweise möglich ist.
Von Anfang an haben wir überlegt, wie wir ein System schaffen können, das auch den Unterhalt des Gebäudes ohne Unterstützung aus dem Westen ermöglicht - deshalb die Idee mit der Integration von Büroräumen, die zur Miete freigegeben werden. Schon jetzt sind drei Büros an die Ev. Allianz in Mali vermietet. Das schafft finanzielle Entlastung.

Der Bau der FATMES ist eine in Mali geborene Idee. Sie entstand 1997 während einer nationalen Missionskonferenz in Koutiala und wurde während des Aufenthalts einer malischen Delegation in Südafrika vertieft. Drei malische Pastoren aus unterschiedlichen Denominationen waren daran beteiligt. Anschießend wurden in Bamako eine Arbeitskommission und ein Trägerverein gegründet (weitere Infos: Geschichte und Ziele der FATMES). Die Baupläne wurden von ehrenamtlich tätigen malischen Technikern entwickelt. Die Verwirklichung des Baus und die Bauaufsicht geschehen durch einen malischen Unternehmer.
Im malischen Kontext wachsen islamische Zentren, Ausbildungsstrukturen und Moscheen aus dem Boden. Jedes Stadtviertel verfügt über eine eigene Moschee. Die Finanzierung erfolgt meist durch arabische oder nordafrikanische Staaten, die sich die Förderung des Islam in Westafrika auf die Fahnen geschrieben haben. Mithilfe des malischen Staates und befreundeter Staaten werden an die 500 Imame ausgebildet. Angesichts dieser Entwicklung können wir nicht die Arme übereinander schlagen, oder uns „unter dem Baobab versammeln“.  Auch deshalb haben malische Leiter die Idee einer theologischen Ausbildungsstätte in Bamako initiiert, unterstützt und gefördert. Die Investition in Menschen und deren theologische Ausbildung lohnt sich und hilft, das Überleben der malischen Gemeinden in einem zunehmend islamistischen Kontext zu sichern. Bisher wurden Kandidaten zu einer qualifizierten Ausbildung ins afrikanische oder westliche Ausland geschickt. Die Kosten waren immens hoch und konnten nur durch westliche Unterstützung gedeckt werden. Die Ausbildung an der FATMES erlaubt es, kostengünstiger mehr Studenten im kulturellen Kontext ihrer künftigen Tätigkeit auszubilden und die finanzielle Abhängigkeit zu mindern.

Wir halten es aus diesen kontextuellen Gründen in Mali für vertretbar, dass Projekte (z.B. Baumaßnahmen) punktuell gefördert werden. Der nachhaltige Unterhalt der Struktur soll aber auf lokaler Eigenständigkeit beruhen. 
Unsere Devise lautet daher: Ja zur finanziellen Förderung punktueller Maßnahmen, die auf lokalen Initiativen beruhen. – Nein zu einem System, das auf Dauer Abhängigkeiten schafft. 
Die bisherigen Erfahrungen an der FATMES seit ihrem Start im Jahre 2002 bestätigen, dass dieses Konzept aufgeht.

lundi 27 avril 2015

Titibougou | großer Andrang beim 2. Volleyballturnier

Die Mobilisierung ist gelungen
Der Andrang war groß. Im Vergleich zur ersten Ausgabe des Volleyballturniers im November letzten Jahres hatten sich doppelt so viele Mannschaften angemeldet. Drei verschiedene Gemeindeverbände waren vertreten. Das lokale Team aus Titibougou- Fonbabougou setzte sich aus Christen und Nichtchristen zusammen. Solche Initiativen finden wir gut und wollen wir fördern. Leider sind sie schon in der Gruppenphase ausgeschieden. Es fehlte ihnen noch ein wenig die Spielpraxis.
Am Samstag war der Bürgermeister des Ortes anwesend. Die meist jugendlichen Zuschauer feuerten die Teams an. Die Temperaturen lagen an den beiden Spieltagen jeweils über 40 Grad. Wir haben geschwitzt wie die Weltmeister. Am Sonntag zogen Wolken auf und ein kurzer Regenschauer brachte Erfrischung. Die Gruppenspiele wurden am Samstag und die Finalspiele am Sonntag ausgetragen. Nach der Gruppenphase qualifizierten sich die Teams aus Moribabougou, Kalabankoro, Bamako-Coura und Dioumanzana-Fadjigila für die Finalspiele. Schließlich gingen die Spieler aus Kalabankoro souverän als Sieger vom Platz. Jede Mannschaft erhielt eine Urkunde und die beiden erstplatzierten Teams einen Pokal.
Eine Aktion von BOGOWULI
Das Turnier wurde von der sportmissionarischen Aktionsplattform BOGOWULI organisiert. Das Team von BOGOWULI ist in die Jugendarbeit unserer Partnergemeinden der UEPEM im Bezirk Bamako integriert. Unser Ziel ist es, die sportlichen Begegnungen zu nutzen, um Christen und Nichtchristen zusammenzubringen und evangelistisch tätig zu sein. Nach dem Finalspiel und vor der Übergabe der Preise hat Alfred daher eine evangelistische Andacht gehalten. Grundlage war die Zachäusgeschichte aus Lukas 19. Im sportlichen Bereich wechselt ein Trainer Ersatzspieler, die vielleicht sportlich nicht so gut drauf sind oder lange verletzt waren, in die Mannschaft ein. Das mag zu Zweifel und Unmut bei etablierten Spielern oder bei den Zuschauern führen. Doch der Trainer weiß, was er tut. Er integriert und ermöglicht die Rückkehr ins Team. Er ermutigt die Außenseiter und Schwachen und signalisiert damit: auch ihr gehört dazu.  Genau so hat sich Jesus verhalten. Jesus nimmt sich Zeit für die „kleinen Leute auf den Bäumen“, für die Verletzten und Außenseiter. Er lädt sich selbst bei ihnen ein, um Gemeinschaft herzustellen und so die Grundlage für gesellschaftliche Integration und ein erneuertes Leben zu schaffen.
Die Möglichkeiten des Sports nutzen
Sportliche Veranstaltungen bergen großartige Möglichkeiten, sie beinhalten aber auch potentielle Gefahren.

Chancen:
  • Wir begegnen Nichtchristen. Wir teilen das Evangelium und sagen ganz offen, was uns motiviert.
Gefahren:
  • Die Christen bleiben unter sich. Die missionarischen Möglichkeiten des Sports bleiben ungenutzt. Wir haben gemerkt, dass es hier noch einen großen Nachholbedarf gibt. Bisher werden Turniere vorwiegend innerhalb der christlichen Subkultur ohne Beteiligung von Nichthristen z.B. während der christlichen Sommercamps durchgeführt. Hier wollen wir auf Dauer ein neues, missionarisches Bewusstsein schaffen.
  • Das Materielle steht im Vordergrund. Die Mannschaften schreiben sich ein, in der Hoffnung, mit einem mit Geld gefütterten Umschlag, einem neuen Volleyballnetz oder ein paar Bällen nach Hause fahren zu können. Nicht Mission, sondern dotierte Titel und die Ehre des eigenen Teams stehen hier im Vordergrund. 

Auf einen zu großen materiellen Anreiz haben wir in diesem Jahr bewusst verzichtet. Es gab lediglich Urkunden und zwei Pokale als symbolische Geste. Der Trainer der Siegermannschaft sagte uns unverblümt: „Wir sind eigentlich gekommen, um ein Volleyballnetz zu bekommen. Die Urkunde und der Pokal bedeuten uns nichts.“ Kein Wort des Dankes an die Organisatoren, lediglich eine direkte, fast unverschämt klingende Forderung. Vor der Veranstaltung hatten wir alle Teilnehmer auf unsere Zielsetzung hingewiesen, die vorwiegend im Ideellen (Begegnung, Evangelisation) und nicht im Materiellen (wertvolle Preise abstauben) liegt. 
Schon bei der Gründung der Aktion BOGOWULI hatten uns die Pastoren der Gemeinden gefragt, ob denn auch Geld im Spiel sei. Das ist leider in Mali so: Sobald eine neue Idee Fuß fasst, wird sie als „Projekt“ verstanden, das mit einem mehr oder weniger großen Budget ausgestattet ist. Und – wenn dann auch noch ein Weißer mit im Boot sitzt, riecht es bei einigen Leuten verdächtig nach Geld. Also fragt man nach, ob und was denn dabei „herauskommt“, wenn man sich engagiert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir die Teams auch mit dem notwendigen Material ausstatten, soweit vorhanden, um sie zu ermutigen, weiterhin sportlich tätig zu sein. Die Teams aus Kouloubleni und Moribabougou haben vor dem Turnier jeweils ein Netz erhalten, weil sie während des Vorbereitungsseminars Ende März ihren Bedarf artikuliert hatten. Die Jugendlichen aus Moribabougou haben dann anschließend intern eine Sammlung initiiert, um den noch fehlenden Ball zu erwerben. Das Verteilen von Material soll keine Selbstverständlichkeit werden und erst gar nicht an eine "Forderung" seitens der Teams geknüpft sein.

Christliche Sportler motivieren und missionarische Chancen nutzen
Die Leute, die bei BOGOWULI mitmachen, engagieren sich alle ehrenamtlich. Und damit haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht. Beim Turnier waren Jerome als Punktrichter, Paul und Ismael als Reporter, Christiane als Krankenschwester und Alfred als Schiedsrichter eingesetzt. 
Im Anschluss wurde Alfred von Ismael, der als Sportreporter bei Radio ESPOIR tätig ist, interviewt und nach seinen Eindrücken und Zielen in Bezug auf die sportmissionarische Arbeit von BOGOWULI befragt. Das Interview wird am Montagabend im Radio ausgestrahlt.

Wir wollen weiterhin an unserer Grundidee festhalten: Der Sport soll der missionarischen Zielsetzung zugeordnet sein – auch wenn das noch nicht von allen verstanden wird.

jeudi 23 avril 2015

Mali | Mission in Krisenzeiten

Politische Krisen und Katastrophen führen zu instabilen Verhältnissen. Die Sicherheit von Menschen kann nicht mehr gewährleistet werden. Entwicklungen geraten aus dem Ruder, und das starke Gefühl „Wir haben die Dinge nicht mehr im Griff. – Schnell weg hier!“ greift um sich.
Westliche Bürger, Diplomaten, Entwicklungshelfer und Missionare sind in Regionen, die von radikalen (zunehmend islamistischen) Kräften bedroht werden, besonderen Risiken ausgesetzt. Ihr Leben ist möglicherweise in Gefahr. Außerdem müssen sie mit Entführungen und Anschlägen auf ihre Infrastrukturen rechnen. Die psychische Belastung steigt enorm an, und die Kontinuität der Arbeit gerät in Gefahr.
Immer dann, wenn in einem Land eine Krise ausbricht, so wie das zzt. in Mali der Fall ist, dann hauen die Auswärtigen Ämter der westlichen Staaten Reisewarnungen raus. Das klingt dann folgendermaßen: „ Bis auf weiteres wird vor Reisen nach Mali gewarnt. Alle Deutschen, deren Aufenthalt in Mali nicht unbedingt erforderlich ist, sollten das Land mit den bestehenden kommerziellen Flügen verlassen.“ Solche Warnungen sind verständlich und zeugen von Verantwortung, die ein Staat seinen Bürgern, die sich in Krisengebieten aufhalten, schuldig ist. 
Dennoch ist zu fragen:
  • Sind die Reisewarnungen Auswärtiger Ämter und Sicherheitsbeauftragten die einzige Grundlage, auf die sich Missionare und Missionsgesellschaften, die in Krisengebieten operieren, stützen sollen?
  • Sind im Falle Malis Einschätzungen und Ratschläge von malischen Unternehmern, Pastoren, Freunden und Kollegen, die die Situation vor Ort selber erleben und überblicken, nicht auch zu berücksichtigen? Welchen Stellenwert haben sie?
  • Gehören Missionare zu Leuten, „deren Aufenthalt nicht unbedingt erforderlich ist“?
  • Inwiefern steht insbesondere das hochgradig entwickelte deutsche Sicherheitsbedürfnis – auch in unseren christlichen Kreisen – der missionarischen Arbeit in Krisengebieten im Weg?
  • Welchen Stellenwert haben die Ratschläge von Verwandten und Heimatgemeinden?
  • Was ist letztlich ausschlaggebend für unsere Entscheidungen, wie wir uns in kritischen und latent bedrohlichen Situationen verhalten sollen: Gottvertrauen oder menschliches Sicherheitsdenken
Verantwortlich denkende und handelnde Missionare haben Familien und es ist sicherlich unangebracht, unüberlegte und vom missionarischen Idealismus motivierte Entscheidungen zu treffen, die uns blind ins Verderben rennen lassen. Doch sollen wir einfach zu Hause bleiben, nur weil die Welt hier und da gefährlicher geworden ist, als wir uns das wünschen? Sollen wir uns einfach zurückziehen, nur weil die Diplomaten oder liebe Mitchristen aus Gemeinden es anraten? Ist das der richtige Weg? Wie kann eine verantwortliche Entscheidung aussehen zwischen "sich in Sicherheit bringen" und "dem missionarischen Auftrag treu bleiben"?
Welche Hilfestellungen lassen sich aus biblischen Texten für das Verhalten von Missionaren entnehmen, die besonderen Risiken ausgesetzt sind?

Kompletter Text des Artikels zum herunterladen: Mission in Kristenseiten

mardi 21 avril 2015

Sabalibougou | Klasse Impressionen

Es spielt eigentlich keine so große Rolle, was gerade unterrichtet wird. Auch ganz egal, dass die Nationalhymne zwar stimmgewaltig, aber ziemlich schief daher kommt. Manche kommen zu spät und packen kurz nach Unterrichtsbeginn erst eimal das Frühstück aus. Andere fangen an, sich um ihren Sitzplatz zu balgen. Wie auch immer - die Schüler der ersten Klasse in der kleinen christlichen Schule in Sabalibougou sind einfach knuffige, liebenswerte Menschen - jeder mit seinem Charakter, seinem Dickkopf, seinen Talenten, seiner Herkunft ...
Die Kinder lernen langsam aber sicher lesen und schreiben. Höflich begrüßen sie uns mit Bonjour Madame, bonjour Monsieur. Sie werden aufmerksamer beim Unterricht und machen Fortschritte. Das bestätigen auch die Rückmeldungen einiger Eltern in Sabalibougou. Hesekiel S., der Direktor der Schule hat zzt. einen Praktikanten an der Seite. Er ist noch Student und möchte das Schulleben kennenlernen. Die Schule macht kleine Schritte nach vorne. Das ist ermutigend ...

dimanche 19 avril 2015

Bamako | Seminar für Ehepaare

Die Gemeinde der UEPEM in Quinzambougou hatte uns zu einem Seminar für Ehepaare eingeladen – nicht als Redner, sondern als Teilnehmer. Der verantwortliche Pastor meinte, wir seien doch jetzt schon so lange verheiratet und könnten den ein oder anderen Rat weitergeben. Anbetungslieder, anschließend ein gemeinsames Essen und ein einführender Vortrag zur harmonischen Gestaltung des Familienlebens standen zunächst auf dem Programm. Die Aussprache lief etwas zögerlich an. Schon zu Beginn der Veranstaltung fiel es einigen zusehends schwer, dem Aufruf des Gemeindeältesten Folge zu leisten. Die Übung war eigentlich ganz einfach: die Paare sollten sich doch bitte diesmal nebeneinander setzten. Das ist schon ungewöhnlich, da im normalen Gottesdienst Frauen und Männer getrennt sitzen. Mit viel Gedruckse und schamvollen Schmunzeln war die Aktion schließlich vollendet.
Christiane und ich hatten uns beim Betreten des Raums ganz natürlich nebeneinander gesetzt – aber wir sind ja auch Tubabs (Weiße), die sowieso Vieles anders machen. Normalerweise sitzen wir auch getrennt, doch wir dachten, der Anlass des Seminars geböte es, es entgegen den Regeln der Kunst diesmal anders zu machen.
Die meisten haben ihre Fragen und Anmerkungen während einer Pause auf Zettel geschrieben - eine gute Methode, die bei diesem Thema und einer schamorientierten Kultur angebracht ist. Nacheinander wurden die Fragen dann abgearbeitet und viele haben sich dann in dieser „anonymen Atmosphäre“ beteiligt. Einige Fragen drehten sich um den gemeinsamen Besitz und die „Gütertrennung“. Ein Teilnehmer sagte uns: "Wenn mich meine Familie im Dorf um finanzielle Unterstützung bittet und ich ihnen antworte, ich müsse mich erst einmal mit meiner Frau beraten, dann ist das für meine Verwandten wie eine "Kriegserklärung." Diese Anmerkungen zeigt, dass die jeweilige Herkunftsfamilie immer noch einen sehr hohen Stellenwert hat und es für junge Familien gar nicht so einfach ist, eine gewisse Unabhängigkeit zu entwickeln. Beratungsgespräche mit der Ehefrau werden wohl eher als eine individualistische Untergrabung des traditionellen Familienverständnisses angesehen. Was bedeutet es aber, wenn in der Bibel zu lesen ist: Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen, zu seiner Frau ziehen und die beiden werden "ein Fleisch" sein (Gen 2,24). Unser Gesprächspartner gab zu: "Es ist in Mali nicht einfach, die biblischen Vorgaben für Ehe und Familie umzusetzen, weil die Großfamilie immer das letzte Wort haben will."
Im weiteren Verlauf der Aussprache ist uns aufgefallen, dass 90 % der angesprochenen Probleme auf eine mangelnde Kommunikation zwischen Mann und Frau zurückzuführen sind. Ein zur Gemeinde gehörendes Paar aus Kamerun sprach dies auch unverblümt an. Sie sagten: „Es wird Zeit, dass sich die Tradition und Kultur in Mali bezüglich der Familie und Ehe etwas verändert und Christen mit einem guten Beispiel voran gehen“.
Wenn wir als Gäste und Fremde einen malischen Hof betreten, wird uns Wasser und Essen gereicht, und man nimmt sich viel Zeit zum Plaudern. Unsere Frage lautete: „Warum ist die Gesprächskultur zwischen Männer und Frauen in ihren Ehen weniger entwickelt als im Umgang mit Fremden, die bei ihnen zum Besuch aufkreuzen?“ In Mali wird viel geredet, bevor Entscheidungen getroffen werden – doch in den Ehen und Familien gibt es da offensichtlich einen großen Nachhohlbedarf.


Fotos: J. Togo

Bassian | Sport und Evangelisation

Großes Treffen der Jugend unseres Gemeindedistrikts Bamako-Quinzambougou. Ca. 40 Jugendliche machten sich am Samstagmittag mit uns auf den Weg ins 70 km entfernte Bassian. Schon vor einigen Monaten hatte dort ein evangelistischer Einsatz stattgefunden. Die Kontakte sollten vertieft werden. Der Dorfchef hatte versprochen, ein Grundstück für ein Gemeindehaus zur Verfügung zu stellen. 
Auf dem Programm stand am Nachmittag ein Fußballspiel, das die sportmissionarische Plattform AKTION BOGOWULI durchgeführt hat. Es kamen reichlich Zuschauer. Der Verantwortliche für die Jugend im Dorf hieß uns herzlich willkommen. Vor dem Anpfiff hatten wir die Möglichkeit, eine kleine evangelistische Andacht zu halten. 
Das Abendessen ließ etwas lange auf sich warten und wir hatten die Möglichkeit, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Inzwischen war es dunkel. Beim Eingang in die Freiluftdusche begegnete uns ein Skorpion. Im Nachbarhof hatte man fast zeitgleich zwei Schlangen erschlagen. Fast hatten wir es vergessen - in Mali gibt es auch Schlangen und Skorpione, neben der Handvoll islamistischer Gangster, die den Leuten durch ihre gemeinen Attacken das Leben schwer machen.
Es war schon ziemlich spät, als die Frauen uns auf dem Schulhof des Dorfes das Essen servierten. In der Nacht fanden sich ca. 400 Leute aus dem Dorf ein, um sich zwei evangelistische Filme anzuschauen und der Predigt von Pastor Abdias D. zuzuhören. Diese Tatsache zeigt, dass die Offenheit groß ist und es sich lohnt, weiter in Evangelisation und Gemeindegründung in Bassian zu investieren. Anschließend, es war schon weit nach Mitternacht, legte die Band los und die Leute haben bis in den frühen Morgen getanzt. Der Lärm des mitgebrachten Stromaggregats wurde von der Musik übertönt. Wir hatten unser Zelt dabei und haben uns irgendwann zurückgezogen. Viel geschlafen haben wir nicht. 
Am nächsten Morgen machten wir uns um halb sechs auf zur zweistündigen Rückfahrt auf größtenteils staubiger und mit Schlaglöchern übersäter Piste. Anschließend hatte Alfred noch eine Predigt in unserer Gemeinde in Sabalibougou zu halten. Erst am Sonntagabend merkten wir, dass uns etwas Schlaf fehlte und uns die Müdigkeit überfiel.

Mali | Integration von Koranschulen ins öffentliche Schulsystem

Der Ministerrat des Landes hat eine Gesetzesnovelle (projet de loi) beraten, die die Integration der Koranschulen in das öffentliche Bildungssystem vorsieht. Obwohl die Abstimmung im Parlament noch aussteht, werden hier unübersehbare Signale gesetzt.
In der Bildungspolitik wird die islamistische Tendenz in Mali deutlich sichtbar und diskutiert. Am Ende stellt sich die Frage: Entpuppt sich die malische Bildungspolitik als eine islamische Missionsstrategie? Wird der Staat, der eigentlich laizistisch aufgestellt und eine Kontrollfunktion gegenüber den Religionsgemeinschaften ausübt, zum Förder der Mehrheitsreligion?
Die in Mali weit verbreiteten Madrasa (dt. Ort des Studiums, z.B. franko-arabische, allgemein bildende Schulen mit Schwerpunkt Islam) sind schon länger integriert und unter staatlicher Aufsicht, wie auch die christlichen Schulen. Doch die vielen Koranschulen an den Ecken und in den Höfen individuell agierender Imame sind es noch nicht. Hier lauert die Gefahr der radikalen Indoktrinierung und der Ausnutzung der Kinder, die als Koranschüler zum Betteln rausgeschickt und zu Straßenkindern erzogen werden und das erbettelte Geld zum Vorteil des Imam abgeben müssen.
Seit dem September 2014 gibt es eine von der Regierung eingesetzte Kommission, die die Frage der Integration von Koranschulen untersuchen und Vorschläge erarbeiten soll. 

  • Welche Bedeutung haben die Koranschulen in der Gesellschaft?
  • Welche Rolle spielen sie im nationalen Bildungssystem?
  • Wie können Koranschulen an das öffentliche Schulsystem angepasst werden?

Der Generalsekretär des Bildungsministeriums gab zu verstehen: "Die Koranschulen bilden ein wesentliches Element unseres Bildungssystems, geründet auf dem Verstehen des Koran und der sich daraus ergebenden Wissensgebiete". Dieses Statement lässt zumindest keinen Zweifel daran, dass Koranschulen ein rein religiöses Interesse verfolgen. Sollten diese Schulen integriert werden, müsste logischerweise auch für den christlichen Religionsunterricht die Tür offen sein.  
Als das Gesetzesvorhaben öffentlich wurde, gab es unter vielen Christen einen starken „verbalen Protest“. Ist er berechtigt? 
  • Einerseits nein. Denn der Staat hat das Recht, die Kontrolle über die religiöse Erziehung auszuüben, wenn er die Gefahr der Radikalisierung, der sozialen Benachteiligung oder wirtschaftlichen Ausbeutung sieht. Die Integration wäre also eine staatliche Maßnahme gegen die Radikalisierung des Islams in Mali.
  • Andererseits ja, wenn sich herausstellen sollte, dass die Muslime einseitig von der staatlichen Förderung profitieren und die Christen leer ausgehen. Theoretisch hätten die Christen die Möglichkeit, im Namen der Laizität, die Förderung des christlich geprägten Religionsunterrichts einzufordern. Ob Christen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden, wird und muss sich zeigen. Sie sind in der Minderheit …
Die erwähnten Maßnahmen haben ein doppeltes Gesicht.
  • Einerseits tragen sie dazu bei, die radikalen Strömungen des Islam besser zu kanalisieren und zu kontrollieren. Durch Grundlagenkurse werden die vielen Analphabeten mündiger und weniger anfällig gegenüber Extremisten, die in Hinterhöfen ihre Lehren verbreiten und junge Leute für den Jihad gewinnen wollen. Der religiöse Lehrplan unterliegt den schulischen Aufsichtsbehörden. 
  • Andererseits wird den muslimischen Hardlinern des Landes ein großer Wunsch erfüllt, wenn der Staat sich in die „gemäßigte Islamisierung“ des Landes einklinkt. Der Staat wird so zum Förderer und Missionar des Islam (Dawah).
Eigentlich erlaubt es eine laizistische Verfassung nicht, konfessionell gebundene Schulen, ob christlich oder muslimisch, ins staatliche Schulsystem zu integrieren. Die Konfessionsschulen haben einen eigenen, privatrechtlichen Status und unterliegen der Aufsicht des Staates, werden aber separat verwaltet. 
Ein Student der Rechtswissenschaft sagte uns: "Bevor die vom Ministerrat getroffene Entscheidung umgesetzt wird, wäre logischerweise erst eine Verfassungsänderung zu verabschieden, weil hier die laizistische Struktur unterlaufen wird." Das Dekret des Ministerrats bezüglich der Integration der Koranschulen müsste normalerweise erst vom Parlament verabschiedet werden. Es bleibt zu hoffen, dass es hier genügend Abgeordnete gibt, die verfassungsmäßige Bedenken anmelden. Jede Koranschule müsste wie auch christliche Schulen eigens bei den Behörden angemeldet und von ihnen beaufsichtigt werden. 
Meine Vermutung ist, dass der Druck seitens der islamistischen Lobby in Mali so groß ist, dass die Novelle der Integration von Koranschulen überhaupt auf den Weg gebracht wurde. Die meisten dieser Koranschulen verfügen weder über die infrastrukturellen noch pädagogischen Voraussetzungen, die für eine Anerkennung notwendig wären.

Woher kommt der Wandel in der malischen Gesellschaft?
Die malische Verfassung von 1991 garantiert Laizität und freie Religionsausübung. Sie besagt weiterhin, dass der Staat die Gewaltenteilung garantieren muss und die religiösen Führer eine moralische Instanz bilden, sich aber aus dem Alltagsgeschäft der Politik herauszuhalten haben.
Das Konzept der Laizität à la française hat ihren Ursprung in der antiklerikalen Stimmung in den Tagen der großen französischen Revolution von 1789. Die kath. Kirche sollte mundtot gemacht und ihr Einfluss reduziert werden, da man ihr Komplizenschaft mit der herrschenden Klasse vorwarf, was auch begründet war. Es erfolgte hier nicht nur eine Trennung zwischen Kirche und Staat. Die staatlichen Distanzen versuchten außerdem die religiösen Inhalte aus dem öffentlichen Leben zu verbannen (z.B. kein Religionsunterricht an der Schule, Kirchtürme fielen, Klöster wurden in Schulen und Verwaltungsgebäude verwandelt usw.). Religion wurde zur Privatsache erklärt und dem Individuum überlassen. Da die strikte Neutralität des Staates in Sachen Religion jedoch atheistisch und antiklerikal unterwandert war, wurde das Christentum durch diese Maßnahmen benachteiligt. 
Marquis de Condorcet (1743-1794), ein liberaler Revolutionär, trat 1792 dafür ein, das Bildungswesen sowohl von staatlichen als auch von kirchlichen Einflüssen zu befreien. Er gilt daher als ein Vorreiter des laizistischen Bildungssystems in Frankreich. 
1905 wurde das kirchliche Vermögen verstaatlicht, ein eindeutiges Zeichen der Trennung und der Oberhoheit des Staates. 
In Frankreich gibt es eine liberale (institutionelle Trennung von Staat und Kirche) und eine radikale Interpretation (Verbot jeglicher religiöser Betätigung außerhalb des privaten Umfelds) des laizistischen Konzepts. Die Kirchen in Frankreich lehnen letzteres ab. Die kath. Kirche hat jedoch eigenständig auf ihren Status als Staatsreligion verzichtet, erkennt die alleinige Unterordnung unter den Staat wegen ihrer universellen Anbindung an den Papst jedoch nicht an. 
In Mali ist der Islam de facto eine Staatsreligion, obwohl die Verfassung einen solchen Zustand eigentlich verhindern soll. Der Begriff "état laic" muss daher von seiner geschichtlichen Entwicklung her verstanden und im jeweiligen Kontext interpretiert werden.
In Mali gibt es Strömungen, die Laizität des Staates als westliche Vorgabe zu entlarven und als für die afrikanische Gesellschaft irrelevant zu erklären. Alternative Interpretationen der Laizität sind nicht ungewöhnlich. Auch in Deutschland wird Laizität anders interpretiert als in Frankreich. In Afrika ist es allerdings ein no go, die Religion lediglich als Privatsache abstempeln zu wollen. Religionsfreiheit als individualistisches Gut anzusehen, ist dem kollektivistischen Denken Afrikas eher fremd. Die Religionszugehörigkeit wird sehr stark von der Tradtion der Ahnen und dem Familieverband bestimmt. Das beweisen Zeugnisse von Menschen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind. Sie werden vom Kollektiv (Familie) unter Druck gesetzt. Das individuelle Denken, das jeder Person die Entscheidung für eine bestimmte Glaubensrichtung zugesteht, ist in der malischen Gesellschaft nicht verankert. Ein Beispiel: Ein frisch zum christlichen Glauben bekehrter Schüler aus einer muslimischen Familie, wurde von der Familie ausgeschult und in eine weitentfernt liegende Stadt in eine Koranschule geschickt. Solche Beispiele gibt es viele.

Der Islam gehört zu Mali, so die islamistischen Protagonisten, und zwar nicht nur als Religion für den Einzelnen. 90 % der Menschen in Mali sind nominell muslimisch. Der Islam ist insgesamt eine sinnstiftende kulturelle Instanz, die das Denken, das gesellschaftliche Zusammenleben, die Gerichtsbarkeit und auch politische Entscheidungen beeinflusst. Gilles Holder, Anthropologe, beobachtet die seit Jahren zunehmende Bedeutung des Religiösen in der malischen Gesellschaft und schreibt: „Die malische Gesellschaft ist traditionell dem Islam verbunden. Der Islam beeinflusst und strukturiert mehr und mehr die Gesellschaft, und die malische Nation solidarisiert sich zunehmend mit der muslimischen Identität.“
In Mali ist es ein eher moderater, von der malikitischen Tradition geprägter Islam. Wahhabiten und radikale Sunniten sowie Sufisten und politische Salafisten sind erst sehr viel später in Erscheinung getreten.
es bleibt abzuwarten, welche Formen die geplante Integration annehmen wird:
  • Islam- und Koranunterricht an den Schulen
  • privatrechtlicher Status von Koranschulen
  • oder ...
Quellen:
Christine Mauratet, 2011. Dix ans après le 11-septembre : Au Mali, la montée du religieux dans un Etat laïc, www.rfi.fr
Jean-Michel Ducomte. 2001. La laïcité. (Les Essentiels, Band 202).Toulouse: Editions Miland,
Roger Mehl. 1990. Artikel „Laizismus“ in der Theologische Realenzyklopädie (TRE, Bd. 20), Berlin: de Gruyter, S. 404–409,

vendredi 17 avril 2015

Mali | ausgezogen, die Demut zu lernen

Aus dem städtischen Verkehr sind die bettelnden Straßenkinder nicht wegzudenken. An Ampelkreuzungen warten sie mit ihren leeren Tomatenbüchsen, klopfen an die Scheiben und hoffen, hier und da eine Münze zu erhalten. Manche haben einen Eimer Wasser dabei, eine Spritzflasche und einen Lappen – ungefragt waschen sie die Autoscheiben und hoffen auf finanzielle Gegenleistung. Von den Verantwortlichen Kommunalpolitikern wird die geschilderte Praxis längst als eine „Plage“ wahrgenommen. Gewalt unter und an Kindern ist an der Tagesordnung. Kinder nehmen Schaden an Leib und Seele. Bei den meisten der Kinder handelt es sich um bettelnde Kinder aus Koranschulen. Die Hauptakteure und Verantwortlichen dieser Entwicklungen sind die Imame und Meister an den Koranschulen. In diesen Schulen gehört nicht nur der Islamunterricht zum alltäglichen Programm, sondern auch das Betteln auf der Straße. Es steht für die Verantwortlichen außer Frage: „Der Koranunterricht war und ist eine Stütze der malischen Gesellschaft. Deshalb muss er reorganisiert und unterstützt werden“. Doch gleichzeitg soll den negativen Seiten des Phänomens Einhalt geboten werden. Seit kurzem befasst sich die COMADE (Coalition malienne des droits des enfants) mit der Problematik. 
Das ganze System hat mittlerweile Tradition in Mali. Es stammt aus dem arabischen Orient und ist von den islamischen Karamogo (Lehrern) in ländlichen Gegenden zur Finanzierung der Koranschulen übernommen worden. Das Betteln wird als eine pädagogische Methode angesehen. Kinder sollen die Tugenden der Genügsamkeit, der Geduld, der Demut sowie der Solidarität und der Komplementarität erlernen. Die Moral von der Geschicht ist ganz einfach: „Im Leben ist der Mensch immer auf andere angewiesen. Wenn du in Not bist, bitte andere im Namen Allahs dir zu helfen!“
Da die Koranlehrer einfache, meist arme Leute waren, konnten sie die Ernährung ihrer Schüler (talibés) nicht sicherstellen. Deshalb wurden die Kinder auf die Straße geschickt, um von Haus zu Haus Lebensmittel zu erbetteln. Das tägliche Programm war darauf abgestimmt – ein paar Stunden Koranunterricht und dann ab raus - betteln. Die Praxis erlaubte es den Kindern zumeist, sich durchzuschlagen und von „der Hand in den Mund“ zu leben.
Später wurde dieses Phänomen infolge der Landflucht ins urbane Leben übertragen. In Mali fand in den 1970er und 1980er Jahren wegen der großen Trockenheit eine große Migration vom Land in die Stadt statt. Die Koranlehrer zogen mit und übernahmen ihre traditionellen Praktiken. In der Stadt sammelten die bettelnden Kinder (garibouts) keinen Reis, sondern harte Münzen. Das Geld wurde zum Kauf von Lebensmitteln, Medikamenten usw. benutzt. Die Kinder erlernten in den Jahren unterwegs Solidarität und wurden „reife Menschen“. Die beschriebene Ordnung gehört jedoch schon lange der Vergangenheit an.

Heute hat sich das Bild gewandelt. Die Kinder werden als Trittbrett der Koranlehrer ausgenutzt. Kinder verbringen immer mehr Zeit auf der Straße, setzen sich dort ungeahnten Gefahren aus und müssen das „erwirtschaftete Bettelgut“ an ihren Meister abgeben. Diese kümmern sich kaum um die Entwicklung der Kinder. Kinder werden wie Vieh behandelt, das zum Arbeiten ausgenutzt wird, so der Journalist F. Sissoko. Die Kinder berichten: „Wir werden nur zum Betteln rausgeschickt. Der Meister kümmert sich einen Dreck um den Unterricht und um unsere Erziehung. Auch Medikamente besorgt er nicht. Wir suchen nur nach Essen und das Geld müssen wir abgeben“ Aus vielen der bettelnden Koranschülern werden schließlich Kinder, die ihr Leben dauerhaft auf der Straße verbringen. Ihre notdürftigen Behausungen errichten sie in der Nähe von Moscheen und Kirchen. Heute wird gebettelt, morgen geraten sie in die Hände von Drogendealer. Mädchen werden zu Prostituierten.
Uns ist geraten worden, die bettelnden Kinder nicht zu unterstützen, obwohl ihr Elend zum Himmel schreit und es uns in der Seele weh tut. Wenn wir ihnen helfen, unterstützen wir lediglich ein System, das wir zutiefst verabscheuen. Sicherlich sind diese negativen Auswüchse von aufrichtigen Muslimen so nicht gewollt. Doch eine Religion, die zusieht, wie ihre Kinder im Namen des Koran und der Tugend der Demut ausgenutzt werden und auf der Straße verkümmern, können wir nicht gutheißen.
Jedes zerlumpte Kind mit seiner Büchse in der Hand ist ein Schrei der Traurigkeit und des Zorns, sagt F. Sissoko. Der Schrei richtet sich anklagend an die Eltern, die blind geglaubt haben, ihre Kinder würden in der Koranschule etwas fürs Leben lernen. Es ist ein Schrei, der sich an die Politiker richtet, den skrupellosen Koranmeistern Einhalt und Paroli zu bieten. 

Heute Mittag trafen wir ein halbes Dutzend Straßenkinder mit roten Dosen und blauen Plastikeimer bewaffnet am Gemüsestand. Wir kamen ins Gespräch. "Der Karamogo hat uns geschickt", erklärten sie uns. "Ihre Koranschule befindet sich in Sanfil." Das Stadtviertel ist uns gut bekannt. "Am Morgen haben wir im Koran gelesen, jetzt sollen wir auf der Straße Geld für den Meister einsammeln." So ist das Leben ...
Die rote Büchse und die aufgehaltene Hand spiegeln eine Mentalität, die unserer Auffassung von Menschenwürde widerspricht. Kein Mensch hat es verdient, erzwungenermaßen und alleingelassen auf der Straße die Tugend der Demut zu erlernen. Im Namen Allahs, eine milde Gabe - so der Standardsatz der Kinder auf der Straße. Dieser Satz und die dahinterstehende Praxis des Bettelns mögen Teil der malischen Tradition und Kultur sein. Doch es regt sich an dieser Stelle der Widerstand im Namen des Evangeliums und des biblischen Menschenbildes. Wir sagen: Im Namen Gottes, erzieht und versorgt eure Kinder und nutzt sie nicht aus. Schützt sie und liefert sie nicht den Gefahren der Straße aus. Wartet nicht, bis irgendeine Hilfsorganisation eure Kinder aufgabelt und versorgt. Habt ihr kein Ehrgefühl?
Mit unserem Engagement in der Straßenkinder-WG von REMAR im Osten Bamakos helfen wir, die Not zu lindern, den Kindern Liebe zu geben und ihnen Ausbildung und eine familiäre Atmosphäre zu gewähren. Doch letztlich muss am System gearbeitet werden. Das ist nicht die Stärke der evangelikalen Christen. Sie verbinden lieber die Wunden (Diakonie), als die Krankheit auszurotten (Transformation).

Quellen:
Zoumana Coulibaly. 2015. Séminaire d’information et de partage d’idées sur la mendicité : La COMADE et les Maitres Coraniques du District en conclave . Bamako : L'Indicateur du Renouveau (6.1.2015)
Fily Sissoko. 2015. Les talibés à Bamako : Des marchepieds pour les maîtres coraniques. Bamako : Tjikan (10.2.2015)

jeudi 16 avril 2015

Mali | warum Mali immer islamistischer wird

Selbst junge Mädchen tragen eine Djibab über Kopf und Schultern. Das war vor zehn Jahren eher selten. Im alltäglichen Leben tauchen immer mehr Frauen auf, die einen den ganzen Körper und das Gesicht bedeckenden Tschador tragen. Diese Frauen gehören meist zur Gruppe der in Mali immer mehr an Einfluss gewinnenden Wahhabiten. An den Mauern entdecken wir Werbebanner mit der Aufschrift: Lerne den Koran lesen und verstehen! Die Moscheen des Landes bieten islamische Grundlagenkurse an.  Der Hohe Islamische Rat erhält immer mehr Einfluss in der Politik.  An dessen Spitze steht der Imam Mamadou Dicko, ein ausgewiesener Wahhabit. Seit 2012 wird die Laizität des Staates im wieder in Frage gestellt. Manche plädieren für verfassungsmäßig verankerte Einführung einer moderaten Scharia in Mali. Der Versuch schlug bisher fehl.
Für die zunehmende Isalmisierung gibt es makropolitische und für die westafrkanische Region spezifische Gründe.


Die makropolitischen Gründe der Radikalisierung des Islam
  • Schon gegen Ende des 19. Jh. wurde bei der Bildung der salafistischen Muslimbruderschaft in Ägypten eine antiwestliche und antikoloniale Strömung deutlich, die sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr verfestigt hat. 
  • Weltweit hat sich der Islam seit dem Untergang der Talibanherrschaft in Afghanistan (1996-2001) und den  Anschlägen in New York (2001) sowie der amerikanischen Reaktion in Form des Irakkriegs inzwischen zunehmend radikalisiert. Die Taliban stammen ursprünglich aus Pakistan (Paschtun) und zeichnen sich durch eine deobandische Theologie, Struktur und Rechtsauffassung aus. (Deoband ist eine indische Stadt im Bundesstaat Uttar Pradesh, in der seit 1866 eine islamische Hochschule beheimatet ist. Die dort verbreitete Lehre ist sehr dogmatisch, weiß sich dem ursprünglichen Islam verpflichtet und eher antiwestlich).
  • Das internationale Terrornetzwerk von Al-Quai-da u. Co. wäre ohne die jüngsten Ereignisse und Entwicklungen seit den 1990er Jahren nie so einflussreich geworden. Als der amerikanische Präsident am Tag nach dem Anschlag in New York die Achse des Bösen beschrieb und darin die islamische Welt einbezog, lief das Fass über. Die westliche Politik wurde als antiislamisch interpretiert. Der Kampf der Kulturen wurde eröffnet. Der Botschafter der USA in Mali wurde einberufen und hat eine Tournee durch malische Moscheen unternommen, um die Situation zu entschärfen, die amerikanische Position zu erklären und so die „heiße Luft aus dem kurz vor der Explosion stehenden Ballon zu nehmen“.
  • Der sog. Arabische Frühling, der vom Westen (viel zu früh) als Sieg der Demokratie gefeiert wurde, hat islamistische politische Gruppierungen an die Oberfläche gespült. Trotz aller Makel waren die Muslimbrüder in Ägypten durch eine demokratische Wahl an die Macht gekommen – die aktuelle Militärregierung dagegen nicht. Ein anderes Bespiel ist die Partei Ennadha in Tunesien. Die Leute fragen sich: "Was ist das für eine Demokratie, die nur Mehrheiten akzeptiert, die passen?" Die aufgezeigten Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf das politische Bewusstsein der religiösen Führer in Mali. Die Gründung religiös politischer Parteien liegt im Trend. Demokratie ist in Mali entgegen aller Bekundungen eher eine Sache auf dem Papier und einiger Intellektueller - die Masse identifiziert sich damit nicht. Und das wissen die religiösen Führer.
Die Auswirkungen der Islamisierung in Mali und einigen Nachbarländern

In den nordafrikanische Maghrebstaaten und in einigen Nachbarländern Malis wie Burkina Faso, Niger und Tschad nimmt die Islamisierung zu - mit mehr oder weniger radikalen Untertönen. Die internationale Radikalisierung des Islam hat also auch Auswirkungen auf den an sich eher als moderat geltenden Islam in Mali. Die Muslime in Mali konzentrieren sich immer mehr auf ihre religiösen Wurzeln. Und das hat Gründe.
  • Europa schottet sich gegen afrikanische Migranten und Flüchtlinge ab. Die Grenzen werden dicht gemacht. Dies führt auch dazu, dass radikale islamische Strömungen zum Auffangbecken enttäuschter Menschen werden. Statt einen Job in Europa zu finden, finden sie möglicherweise eine „Anstellung“ in einer salafistischen Miliz. Die Entdeckung terroristischer Trainingscamps im südlichen Mali zeigt, dass der Islamismus nicht nur für den Norden eine Gefahr darstellt. Aminata Traoré, Journalistin und Autorin merkt an: „Die muslimische Bevölkerung des Südens fühlt sich festgehalten und eingeschweißt wie in einer Büchse. Sie können nicht raus und man verbietet ihnen, diese Büchse zu verlassen. Die Konsequenz ist die, dass das Risiko einer sozialen Explosion wächst. Die Menschen radikalisieren sich, besinnen sich auf ihre Wurzeln, d.h. auf die des Islam.“
  • Die jungen Leute in Mali gehen wieder in die Moscheen. Manche aus Pflichtbewusstsein, viele aus Überzeugung. Die Religion wird zum Zufluchtsort der von hoher Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit geprägten Jugendszene. Ein Jugendvertreter aus Bamako bestätigt diesen Trend: „Wenn die Jugendlichen keine Arbeit finden, wenden sie sich der Religion zu. Die Wahhabiten nehmen sie auf. Wenn du zwei oder drei Jahre regelmäßig in die Moschee gehst, dann greifen sie dir wirtschaftlich unter die Arme. Wenn du keine Hoffnung mehr hast, dann hilft dir die Religion.“
  • Islamische Vereine schießen aus dem Boden. Die größte seit Jahren tätige Vereinigung gruppiert sich um Cheik Haidara, der es schafft, ein Stadion mit 50.000 Menschen zu füllen. Es sind meist Analphabeten, arme Leute, die sich von der Regierung vernachlässigt sehen. In Bamako-Bankoni steht eine nagelneue Moschee, eine riesige Koranschule und ein Gesundheitszentrum. Haidara predigt einen moderaten Islam. Mamadou Dicko dagegen ist ein Wahhabit, der den arabischen sunnitischen Islam vertritt. Sein Anspruch, die Politik des Landes zu bestimmen ist mit Händen zu greifen. Ein Beispiel ist der vom Hohen Islamischen Rat angeführte Kampf für eine traditionelle am Koran orientierte Familienpolitik. Konkret: Frauen sind zum Gehorsam verpflichtet, der Mann ist der einzige Chef der Familie, das Heiratsalter wurde heruntergesetzt, Mädchen haben kein Mitspracherecht usw.). Der damalige Präsident ATT hat dem Druck der Islamisten nachgegeben und die liberale Fassung des Familiengesetzes auf Eis gelegt.
  • Journalistische Dummheiten im Namen der Pressefreiheit, wie die Charlie-Hebdo-Affaire schüren den Hass gegenüber dem Westen, der sich religiösen Gefühlen anderer gegenüber als unsensibel erweist. Das Attentat auf ein Restaurant in der malischen Hauptstadt wurde zumindest teilweise mit dem Slogan „Je ne suis pas Charlie!“ begründet.
  • Im Norden Malis sehnen sich die Menschen nach Sicherheit. Die kann die malische Zentralregierung mit ihrer schwachen Armee nicht garantieren. Die islamistischen und autonomen Milizen des Nordes schon. Sie rekrutieren junge Leute, manchmal auch Kinder, versorgen sie mit Essen und Medikamenten, indoktrinieren sie  und bilden sie an der Waffe aus. Die Präsenz der internationalen Schutztruppen wird als Einmischung interpretiert. Besonders Frankreich hat mit dem negativ belasteten Ruf der alten Kolonialmacht zu kämpfen. 
Die Radikalisierung in den nördlichen Gebieten Malis hat aus meiner Sicht drei Hauptgründe:
  • Die Tuaregfrage wurde seit der Zeit der Kolonialisierung und in der Zeit der Unabhängigkeit nicht zufriedenstellend gelöst. Die Tuareg haben sich im Kampf gegen die Franzosen stark engagiert. Firhoun, der Chef der lwllimminden (Tuareg) widersetzte sich der französischen Kolonialmacht im Bereich des Nigers zwischen Timbuktu und Gao. In den Jahren 1902 - 1916 formierte sich der Widerstand, der durch die übermächtigen Franzosen niedergeschlagen wurde. Für dieses Engagement sind sie nach der Unabhängigkeit ihrer Meinung nach nicht genügend „entschädigt“ worden, in Bezug auf politischen Einfluss, Territorium und wirtschaftliche Vorteile. Auch die verschiedenen Abkommen in den 1990er Jahren, die durch den damaligen malischen Präsidenten Alpha O. Konaté initiiiert wurden, konnten keine endgültige Lösung herbeiführen. Es kam zu militärischen Konflikten, die Hilfsorganisationen zum Rückzug zwangen.
  • In der Phase des algerischen Bürgerkriegs zwischen 1991-2001 haben die radikalen Kräfte (Islamische Front FIS u.a.) eine Niederlage hinnehmen müssen. Viele der Kämpfer haben sich samt Waffen in das südlich angrenzende Mali zurückgezogen. Ihre islamistische Ideologie haben sie nicht aufgegeben - das Territorium ihres Kampfes hat sich lediglich in Richtung Süden verschoben. 
  • Der dritte Grund liegt im Untergang des von Gaddafi beherrschten Libyen. Söldner der libyschen Armee, darunter auch viele Malier, zogen sich wie zuvor viele Algerier in die Unwegsamkeit der malischen Wüste (Sahara) zurück. Der durch westliche Einmischung verursachte Crash hat die politische Stabilität der ganzen Region untergraben. Die Leute sagen: „Warum mischt sich der Westen in alles ein. Die glauben, sie hätten für alles die richtige Lösung – was aber nicht stimmt!“
Was sind die Folgen? 
Die nach Autonomie strebenden Tuareg, die radikalen Kämpfer aus dem algerischen Bürgerkrieg und die mit modernen Waffen ausgerüsteten Söldner gehen eine Koalition ein, um die teilweise sehr unterschiedlichen Interessen gemeinsam im Kampf gegen die malische Armee zu erreichen. Wirtschaftliche Interessen (Bodenschätze, Drogenhandel) sowie politische und religiöse Ziele sind ineinander verwoben. Es entsteht ein nicht mehr zu kontrollierendes Gemisch. Die einen verfolgen rein politische Ziele (Autonomie, aber keine Scharia). Die anderen streben die gesamtmalische Herrschaft im Namen des Islam und die Einführung der Scharia an. Den Franzosen wird permanent Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Der Vorwurf lautet: Sie bekämpfen einerseits den islamistischen Terrorismus, unterstützen aber gleichzeitig die Autonomiebestrebungen der Tuareg, um sich langfristig den Zugriff auf die Bodenschätze im Norden des Landes zu sichern. Die Freilassung einer französischen Geisel und die zeitgleiche Freilassung hochgefährlicher Terroristen aus malischer Obhut hat in der malischen Bevölkerung sehr viel Unmut hervorgerufen. 
Die Aktionen der Rebellen können von der malischen Armee nicht gekontert werden. Bamako verliert die Kontrolle und es entsteht eine landesweit bedrohliche Situation, ein Flächenbrand, der auch von den gut ausgerüsteten internationalen Schutztruppen in der Weite der Sahara kaum gelöscht werden kann. Hinzu kommt der Putsch vom März 2012, der Mali damals in die Isolierung trieb und wirtschaftlich sowie militärstrategisch weiter geschwächt hat.

Die internationale Staatengemeinschaft, die Nachbarländer Malis und die Regierung in Bamako geraten unter Druck. Frieden scheint nur möglich, wenn den Minderheiten und damit auch den extremen Forderungen ein Stück weit nachgegeben wird. Die seit 2012 tagenden Friedenskommissionen in Bamako, Ouagadougou und Algerien gelingt es nur sehr schwer, die unterschiedlichen Interessen einer nachhaltigen politischen Lösung zuzuführen.
Die schleichende aber mittlerweile doch sehr offensichtliche Islamisierung des Landes ist eine Folge dieser Kompromisssituation und einer permanenten Schwäche der Zentralregierung in Bamako. Imame mischen sich in die Politik ein, gründen Unterstützerkreise für bestimmte politische Bewegungen und „empfehlen“ den Gläubigen einen Kandidaten zur Wahl, der der Sache des Islam am ehesten förderlich ist. Es entstehen neue Moscheen und islamische Bildungszentren. Hunderte von jungen Geistlichen werden nach Marokko zur theologischen Ausbildung geschickt. Dort werden sie zu malikitischen Imamen ausgebildet. Diese Maßnahmen werden aus der Staatskasse oder von arabischen Geldgebern finanziert.

Was bedeutet die Entwicklung für die Christen?
Solange der Islam in Mali moderat bleibt, haben die Christen nicht um ihre Existenz zu fürchten. Muslime können Christen drohen oder ihre Lebenssituation schwierig gestalten. Doch auch Christen, nicht nur Muslime, haben einen Glauben, der sie ermutigt, die Hoffnung nicht aufzugeben und weiter Flagge zu zeigen. Die landesweit gutbesuchten Ostergottesdienste haben gezeigt, dass die Christen nicht bereit sind, sich einschüchtern zu lassen. 
Die zunehmende Islamisierung der Politik wird ihnen aber Nachteile in der Rechtsprechung und im Bereich der wirtschaftlichen Förderung einbringen. Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: der öffentliche Protest gegen die zunehmen Islamisierung, gegen die die christliche Minderheit kaum eine Chance hat oder die konstruktive Flucht nach vorne, die Freiheiten nutzen, christliche Schulen gründen, eigene familienpolitische Grundsätze formulieren, den Schutz des Staates im Namen der Laizität und von der Verfassung garantierten Religionsfreiheit einfordern …

Leider ist in den christlichen Kreisen Malis die Mentalität des konstruktiven Protests und der leisen Revolution von unten unterentwickelt. Man erträgt die Situation, statt sie zu verändern. Hinzukommt, dass die Gemeinden in Mali den islamischen Maßnahmen der von arabischen Großmuftis finanzierten massenhaften Ausbildung von geistlichen Leitern und dem zunehmenden Bau von Moscheen finanziell kaum etwas entgegenzusetzen hat. Die einen leben von Spenden, die anderen stützen sich auf den Staatshaushalt befreundeter arabischer Staaten. Die christlichen Missionen ziehen sich langsam zurück. Im Gegenzug dazu steigt die Anzahl malisch-arabischer Initiativen zur Förderung des Islam. 
Meine Hoffnung ist, dass der traditionell moderate Islam in Mali und die Bereitschaft zur friedlichen Koexistenz eine weitere Radikalisierung verhindern. Die Malier haben gelernt zwischen Muslim und Muslim zu unterscheiden. Schon in den Jahren des algerischen Bürgerkriegs und den gewaltsamen Talibanbewegungen in den 1990er Jahren wurde deutlich: Das ist nicht der Islam, den wir wollen. - Doch seit dem ist das Klima rauer und radikaler geworden. 
Und für die Christen gilt: Jetzt ist die Zeit zu handeln, zu reden, sich einzumischen und zu gestalten. Dazu brauchen wir Verantwortungsbewusstsein, Mut und Gottvertrauen und eine auf Gestaltung und Ganzheitlichkeit ausgerichtete Theologie, die unserem Handeln den Rücken stärkt.

Quellen:
Christine Mauratet, 2011. Dix ans après le 11-septembre : Au Mali, la montée du religieux dans un Etat laïc, www.rfi.fr
Jean-Michel Ducomte. 2001. La laïcité. (Le
s Essentiels, Band 202).Toulouse: Editions Miland,
Roger Mehl. 1990. Artikel „Laizismus“ in der Theologische Realenzyklopädie (TRE, Bd. 20), Berlin: de Gruyter, S. 404–409,

mardi 14 avril 2015

FATMES | Die Predigt und der Griot

Das war eine homiletische Übung der besonderen Art. Die Studenten erhielten die Aufgabe, in zwei Gruppen eine Predigt zu Johannes 3,1-18 vorzubereiten. Sie sollte aber nicht im üblichen Monolog vorgetragen werden, sondern so, wie es in Mali die traditionellen Griots machen. Die Predigt wurde von zwei Protagonisten aus der jeweiligen Gruppe vorgetragen.
Griots treten zu zweit auf. Der Anlass ist meist ein öffentlicher - Geburtsage, Kindersegung bzw. Namensgebung, Gedenktage, Hochzeiten, selbst bei Trauerfeiern. Im animistischen und muslimischen Milieu ist der Griotstil generell als eine wirksame Methode der Kommunikation anerkannt.
Der Griot hält eine stark mit Gesten untermauerte Rede, erinnert an die Geschichte der Familie oder lobt die Leute in höchsten Tönen. Dabei wird er von seinem Partner bestätigt, ja geradezu ermutigt oder angefeuert. Anschließénd macht ein Gefäß die Runde, wo die Zuhörer die Möglichkeit haben, den Griot für seine rhetorische Meisterleistung "zu entlohnen".
Es sind kurze Formeln, die dabei benutzt werden wie kosebe - ja, genau, oder do fara a kan - füge noch was hinzu, oder ein einfaches namu - ja, hab verstanden, oder an kalan - lehre uns oder auch ein stark tonalisiertes hm! - ein Ausdruck der Verwunderung oder Überraschung usw. Manchmal wird der Griot von seinem Partner durch kleine Lobeshymnen unterbrochen. Diesen traditionellen Stil sollten die Studenten benutzen und ihre vorbereitete Predigt, ca. 10 Minuten lang, vortragen.

Es war die reine Freude. Manchmal wurde das Ganze zwar etwas zu theatralisch, und wir hatten den Eindruck, dass die agierenden Personen die Botschaft überlagern. Doch wir haben gemerkt, dass es eigentlich sehr schade ist, wenn diese Art des lebendigen, dialoghaften und gestenreichen Vortrags nicht stärker in der missionarischen Gemeindearbeit genutzt würde. 
Anschließend haben wir die Vorträge analysiert und die Vor- und Nachteile herausgearbeitet. Wir waren uns einig: im traditionellen sonntäglichen Gottesdienst wäre dieser Predigtstil eher eine Provokation, doch für den evangelistischen Rahmen oder bei Jugendkonferenzen sehr wohl geeignet. Auch für Radiopredigten hielten wir den Stil für sehr brauchbar.
Wir haben auch zusammengetragen, warum dieser Stil in den Gemeinden eher als verpönt angesehen wir. Er erinnert wohl zu sehr an Animismus und Islam, und außerdem ist Geld im Spiel - weshalb Missionare der ersten Generation sich davon distanziert haben. Er ist einer heiligen Rede im Gottesdienst nicht würdig und angemessen. Ein Pastor, der sich bei der Predigt zu stark bewegt und herumgestikuliert wird wohl weniger ernst genommen, sagt man. Bei dieser Position sind die Gemeinden bis heute geblieben ... Doch eigentlich gehören die Bewegung wie die Rede und der Dialog gleichermaßen zur afrikanischen Kultur. Es gibt einige malische Evangelisten, die diesen Stil beherrschen und praktizieren und dabei bei Nichtchristen auf große Aufmerksamkeit stoßen.
Mal sehen, was die Studenten daraus machen ... 

FATMES | Straßenkinder im Fokus der Missionspraxis

An der FATMES haben wir heute im Rahmen des missionspraktischen Kurses darüber nachgedacht, wie Straßenkinder in Mali erreicht und betreut werden können. Karim Ou. von REMAR (Rehabilitation marginalisierter Kinder) war zu Gast und hat zu diesem Thema referiert und Fragen beantwortet. Die Organisation REMAR wurde Anfang der 1980er Jahre von einem Spanier gegründet und arbeitet mittlerweile in 70 Ländern weltweit; davon befinden sich 16 in Afrika. Wir kennen Karim von unserer Arbeit in der Straßenkinder-WG im Osten Bamakos. Für unsere Studenten an der FATMES war es ein neues Feld. 
Sehr wenige Pastoren haben sich bisher mit der Straßenkinderproblematik in Mali beschäftigt, geschweige denn eine Strategie parat, die es ihnen erlaubt, diesen vom Leben gezeichneten Kindern zu begegnen und sie mit dem Evangelium zu erreichen. Karim selber hat in seiner Biographie eine „dunkle Phase“ erlebt. Er ist dank der Hilfe von Christen und mit der Kraft des Evangeliums von Drogen frei geworden. Später hat er Theologie studiert und eine Frau geheiratet, die eine ähnliche Biographie wie er aufzuweisen hat. Gemeinsam leiten sie jetzt die missionarische Straßenkinderarbeit in Bamako und Umgebung. Neben Straßenkindern haben sie auch mit Prostituierten und Drogenabhängigen zu tun.
Die Kinder im Zentrum sind Waisenkinder, solche, die nachts auf der Straße aufgegabelt wurden sowie Kinder, deren Eltern zu arm sind, um ihre Kinder aufzuziehen. In der ländlichen Umgebung von Bamako gibt es außerdem ein Zentrum, wo Drogenabhängige rehabilitiert werden. Der Ansatz der Arbeit ist ein ganzheitlicher. Die Kinder in der WG erhalten regelmäßige Mahlzeiten und medizinische Betreuung. Sie leben wie in einer Familie zusammen und gehen in die Schule. Außerdem lernen sie Gottes Wort kennen, singen und beten. Karim berichtete von Kindern, die im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben auf der Straße verbringen (de la rue) und von Kindern, die von ihren Eltern bzw. von islamischen Lehrern (Imam) zum Betteln auf die Straße geschickt werden (dans la rue). Bei der Aussprache im Anschluss an den Vortrag wurde deutlich, dass die Gemeinden in Mali diese Kinder kaum im Blick haben und sich dieser Problematik zum großen Teil verschließen. Der Nachmittag hat dazu beigetragen, den Horizont für die soziale Problematik in Mali zu weiten. Kontakte wurden ausgetauscht und ein Begegnungsnachmittag in einem Zentrum von REMAR vereinbart.
Es macht Freude zu sehen, dass Inhalte ins Herz gehen und zu konkreten praktischen Maßnahmen führen.

dimanche 12 avril 2015

Bamako | konstruktive Leute für die Sportmission

Heute Nachmittag saßen wir mit sechs Leuten unserer sportmissionarischen Aktionsgruppe Bogowuli zusammen. Es war ein sehr konstruktives Treffen. Zwei junge Mitarbeiter, die sich im Bereich Fußball anagieren wollen, sind dazu gestoßen. Wir haben uns über die jüngsten Entwicklungen ausgetauscht und weitere Aktionen geplant.
  • Am 30. und 31. März fand ein sportmissionarisches Seminar in Kouloubleni statt, wo wir u.a. die Regeln des Volleyballspiels und die missionarischen Möglichkeiten des Sports erklärt haben. Das Seminar wurde von Jugendlichen unserer UEPEM-Partnergemeinden, aber auch von Leuten anderer befreundeter Gemeinden aus der Nachbarschaft besucht.
  • Am 18. April, also nächsten Samstag, werden wir gemeinsam mit der Gemeindejugend unseres Distrikts und Jugendlichen aus Bassian im Rahmen eines missionarischen Einsatzes ein Fußballspiel organisieren. Zu diesem Ort, der eine Autostunde von Bamako entfernt liegt, bestehen seit einiger Zeit gute Kontakte. Der Bürgermeister von Bassian hat uns eingeladen, und wir wollen die Begegnungen rund um den Fußball zu Gesprächen über den Glauben nutzen. Am Abend soll eine evangelistische Veranstaltung folgen.
  • Am 25. und 26. findet ein Volleyballturnier in einem Nachbarort von Bamako statt. Sechs Mannschaften, Christen und Nichtchristen, werden daran teilnehmen.
  • Unser Ziel ist es, in den nächsten Wochen und Monaten eine regionale Fußballmannschaft bestehend aus talentierten Spielern aus der Gemeindejugend aufzubauen. Wir wollen mit ihnen eine Trainingseinheit und Fußballspiele mit Mannschaften aus benachbarten Stadtvierteln unseres Einzugsgebiets im Osten Bamakos organisieren. Ein junger Mann unseres Teams wird die Jugendkreise abklappern und sich auf die Suche nach interessierten Spielern machen.
  • In Sabalibougou sind junge Trainer auf uns zugekommen. Sie wünschen eine enge Zusammenarbeit mit uns, um Fußballturniere mit Kindern und Jugendlichen im Dorf zu organisieren. Die Kontakte sind durch die Spiele-Sport-AG an der christlichen Schule am Ort entstanden, die wir jeden Mittwoch anbieten.

Außerdem haben wir über langfristige Ziele und Perspektiven nachgedacht, z.B. über eine Sportlerbibel in französischer Sprache mit Zeugnissen malischer und anderer frankophoner Sportler.
Wir überlegen, ob wir uns mit einem Sportteam in der Gefängnisarbeit in Koulikoro engagieren können. Bei einem der nächsten Besuche in der Anstalt werden wir diese Idee mit dem Leiter des Gefängnisses besprechen.
Wir wünschen uns für die mittelfristige Zukunft einen Sportmissionar mit einer Fußball-Trainerlizenz. Es wäre uns dabei wichtig, dass er die Kultur und Sprache Malis gut kennenlernt, einen guten Draht zur Jugend aufbaut, unseren Rhythmus aufnimmt und an der Basis ansetzt.
Konkret bedeutet das …
  • die Ziele unserer Aktionsgruppe Bogowuli zu unterstützen und uns mit seiner Kompetenz zu beraten, z.B. bei der Durchführung sportmissionarischer Seminare
  • unsere anvisierte Regionalmannschaft zu betreuen und im Rahmen von Turnieren und Stadtmeisterschaften zu etablieren,
  • junge Trainer, Christen und Nichtchristen, aus den Stadtvierteln und benachbarten Dörfern im Sinne eines holistischen Ansatzes (life coaches) auszubilden,
  • uns zu helfen, Turniere mit Jugendmannschaften an Orten durchzuführen, die im Rahmen der evangelistischen Arbeit erreicht werden sollen,
  • die Kontakte zu etablierten Vereinen und zur sportmissionarischen Organisation EPHRATA zu vertiefen. 
Unsere Perspektiven und Ziele lassen sich wie folgt visualisieren:

samedi 11 avril 2015

Tenenkou| Der Traum vom Gottesreich im Macina lebt

Ausbreitung des Gottesreiches um 1830
Quelle: http://fr.wikipedia.org/wiki/Empire_du_Macina
Seit Monaten kursieren die Gerüchte. Der Traum von der Auferstehung des von Sekou Amadou & Co. beherrschten islamischen Gottesreichs im Macina (1819-1862) lebt. Das Gebiet in der Region Mopti war im 19. Jh. vor der Kolonialisierung durch Frankreich eine Theokratie (Kalifat), die durch den Clan der Barry (Volksgruppe der Peulh) ins Leben gerufen wurde. Es erstreckte sich von Mauretanien über Timbuktu und Mopti bis ins Land der Mossi (Burkina Faso). Die Peulh aus Fouta Toro haben sich seit dem 14. Jh. im Norden des heutigen Senegal niedergelassen und dann weiter nach Osten in den heutigen Sahel ausgebreitet. Der Clan der Dicko war Anfang des 19. Jh. zunächst dominierend. Sekou Amadou vom Clan der Barry gelang es aus seinem Exil heraus, die Muftis von Djenne anzugreifen (1818), die ihrerseits vom Bambarakönig in Segou unterstützt wurden. Sein Sieg führte dazu, dass er 1819 den Heiligen Krieg ausrief und den Bau der berühmten Moschee in Djenne anordnete. Das neue Gottesreich nannte er Diina (Glaube an den Islam) und teilte es in fünf Regionen. Um sie zu verwalten berief er militärische und religiöse Führer. Sekou Amadou gründete zudem seine neue Hauptstadt in der Region Mopti und nannte sie Hamdallaye (dt. Gotteslob), von der heute nur noch die Ruinen existieren. Hamdallaye zählte in seiner Blütezeit 300.000 Einwohner, die in 60 verschiedenen Stadtvierteln wohnten. Ein Wall von 5.600 Metern Länge wurde zum Schutz der Stadt errichtet. Neben den Wohngebieten und dem Herrscherhof ließ Sekou Amadou eine große Moschee errichten. Heute steht an dem historischen Ort ein eher schmuckloses Gotteshaus. Von der großen Stadt sind nur noch einige Lehmhäuser an der Nationalstraße übriggeblieben. Auf dem Weg zum ehemaligen Palast begegnen uns Hirten mit ihren Tieren. Am Rande stehen armseilige Hütten aus Stroh. 
Der ehemalige Palast ist heute ein traditionsträchtiger Pilgerort. Ein kleines Metalltor steht offen. Dahinter zeigt sich eine mehr oder weniger komplette Steinmauer, die die Größe des Herrscherhofes erahnen lässt. Auch die Gräber der zur Herrscherdynastie gehörenden Barrys und deren Verwalter sind noch vorhanden. Bei unserem Besuch Ende März trafen wir einige Gläubige, die betend vor den Mausoleen knieten. In der malikitischen Tradition ist dies üblich, bei den radikalen Sunniten aber eher verpönt, was die Zerstörung der Mausoleen in Timbuktu durch extremistische Salafisten in den Jahren 2011 und 2012 gezeigt hat.
Hamdallaye befindet sich zwischen Mopti und Djenne in der Nachbarschaft von Soufouroulaye, wo wir Anfang der 1990er Jahren eine Gemeinde gegründet haben. Der Hangar im großen Herrscherhof zeigt noch heute den Platz, wo sich der große Rat (40 religiöse und militärische Berater) zusammenfand. Im Laufe der Herrschaft wurden Koranschulen eingeführt, ebenso die Scharia nach malikitischer Lesart. Alleine in Hamdallaye gab es 750 Koranschulen.
Die malikitische Rechtsschule wurde seit dem 8. Jh. entwickelt und ist bekannt dafür, der eigenen Rechtssprechung und religiösen Praxis mehr Raum zu gewähren als es die traditionelle Hadith vorsieht. Offiziell sind Malikiten muslimische Sunniten, die ihre Sunna auf die Kultpraxis im alten Medina zurückführen, die aber von der des Propheten hier und da abweicht.  
Zurück ins 19. Jh. ... Die Peulh forderte Sekou Amadou auf, sich sesshaft zu machen und das traditionelle Nomadentum aufzugeben. Die übrigen Volksgruppen wurden ins System integriert, Opfer des Heiligen Krieges oder zu Dienern (rimmaybe) der herrschenden Peulh erklärt und für die Viehzucht und Landwirtschaft „verwendet“.

Im Jahre 1844 starb Sekou Amadou, der Begründer des Reiches. Sein Sohn Amadou Sekou und später sein Enkel Ahmadou Ahmadou folgten ihm an der Spitze des Gottesstaates. Das Reich überlebte bis zum Jahr 1862. Die Armee von El Hadj Oumar Tall, einem Anführer der Tukuleur, war zu stark. Das Gottesreich von Macina ging unter. Doch die Erinnerung an die Herrschaft der Peulh lebt. 

Seit 2014 gibt es offiziell eine "Bewegung zur Befreiung des Macina". An deren Spitze steht (bzw. stand) ein islamistischer Prediger namens Hammadun Koufa aus Niafunke (Stadt südl. von Timbuktu). Während des Vorrückens der Rebellen auf Konna Anfang 2013 ist er in einer Moschee in Erscheinung getreten, um offiziell die Theokratie auszurufen. Das war wohl ein wenig zu früh. Franzosen und alliierte Truppen haben dieses Vorhaben vorerst gestoppt.
Einige sind der Meinung, dass Hammadun Koufa schon bei den Kämpfen um Konna im Januar 2013 umgekommen sei. Andere sagen, er halte sich im Macina oder im Grenzgebiet zu Mauretanien versteckt. Wie dem auch sei … seine Anhänger engagieren sich im Kampf um die Auferstehung der Diina von Macina. Ihnen wird die Beteiligung bei den jüngsten Attacken auf Tenenkou und der Bedrohung der Nachbarstadt Dialobe nachgesagt. Sie fordern die Rückkehr zur „alten Ordnung“ – zum islamistischen System des Gottesreiches von Macina. Die Gegend wird von den malischen Sicherheitskräften vernachlässigt und bietet daher einen idealen Rückzugsort für Banditen und Islamisten.
Zurzeit scheinen die islamistischen Ambitionen in der Gegend noch ein Traum und ein großes Abenteuer zu sein. Es wird von der malischen Zentralregierung abhängen, ob es ihr gelingt, die Region abzusichern und die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass ein islamistischer Staat in Mali keine Zukunft hat. 

Für an der Historie Malis interessierte Menschen ist die Geschichte des peulhschen Gottesstaates und die Verbindung zu der heutigen Bewegung um Koufa ein interessantes Kapitel. 

Literatur zum Thema:
L'empire peul du Macina, 1818-1853, von Amadou Hampâté Bâ und Jacques Daget, erschienen in Nouvelles Editions Africaines
Un empire peul au XIXe siècle. La Diina du Maasina, von Bintou Sanankoua, erschienen bei Karthala ACCT.

vendredi 10 avril 2015

Gebet | Sportmission

Herzliche Einladung zum Gebet. 
Die Sportmission ist ein noch junger Arbeitsbereich der Allianz Mission in Mali. Sie ist in die Jugendarbeit unseres Partnerbundes UEPEM im Distrikt Bamako integriert.