Dienstag, 31. März 2015

Kouloubleni | Sport und Gemeinde im Fokus

Es war das erste sportmissionarische Seminar, das die junge Aktionsplattform BOGOWULI auf dem Hof der UEPEM-Gemeinde in Kouloubleni durchgeführt hat. 15 junge Sportler aus verschiedenen Gemeinden aus dem Ostteil Bamakos waren dabei. BOGOWULI ist ein sportmissionarischer Arbeitszweig, der in die Jugendarbeit des Gemeindebezirks der UEPEM-Gemeinden in Bamako integriert ist. Jerome T., Lehrer und Mitglied von BOGOWULI hat die Ziele unserer Arbeit vorgestellt und ich habe erklärt, wie der Sport als missionarische Möglichkeit für die Gemeinden genutzt werden kann. Zwischen den theoretischen Einheiten standen die Regeln des Volleyballspiels im Mittelpunkt, die dann gleich in Form kleiner Übungen und einem Trainingsmatch eingeübt wurden – Pritschen, Baggern, Aufschläge, Stellungsspiel, Rotation, Ballannahme, Stellen und Schmettern. Manchmal ging es noch etwas holprig zur Sache, doch die Leute waren motiviert und es wurden Fortschritte sichtbar.
Im April haben wir zu einem zweitätigen Volleyballturnier eingeladen, wo christliche und nichtchristliche Mannschaften miteinander um einen Cup spielen. Wir hoffen, dass die Jugendlichen in unseren Gemeinden nicht unter sich bleiben, sondern den Sport als Gelegenheit nutzen, Kontakte zu knüpfen und die Berührungsängste zu den muslimischen Altersgenossen abbauen. 

Sonntag, 29. März 2015

Missabougou | Rhythmus durch und durch

Der Gottesdienst in Missabougou war heute ein Erlebnis. Zwei Chöre gaben ihr Bestes zur Ehre Gottes. Eine Musikband, die jederzeit den Rhythmus traf und deren Gitarristen mit Soloeinlagen glänzten. Tanzende Kinder, Jugendliche – eine ältere Dame, die mit einer Kalebassenrassel den Takt vorgab und zwischendurch Tänze auf den Betonboden zelebrierte. Das Zusammenspiel der Generationen gerade beim Gesang ist schon beeindruckend.
Auch der heutige Gastprediger saß nicht nur still und die Predigt abwartend auf seinem Stuhl. Die Hände hebend fügte er sich in den Swing des Gottesdienstes ein. Musik, Tanz, Chor und Gemeindegesang, Predigt, Kollekte einsammeln – alle Elemente fügen sich wie Puzzleteile zusammen. 
Vor der Predigt gingen die ca. 60 Kinder geschlossen in einen anderen Raum. Die älteren trugen die Holzbänke. Der Leiter der Kinderarbeit ist ein älterer Herr, der diese Arbeit schon sehr lange macht und dem wir die Liebe zu den Kindern abspüren. Die Predigt war fast ein Sprechgesang. Von Gesten begleitet, die Stimme variierend, fast frei vorgetragen im Stile eines Griots – der dialogische Elemente einbaut und die Predigt zu einer Mischung von Gespräch und Vortrag ausgestaltet. Beeindruckend. Zur Ehre Gottes.

Samstag, 28. März 2015

Sévaré | Einweihung des Gemeindehauses

Einen Tag nach der Hauptversammlung fand in Sévaré die offizielle Einweihung des Gemeindehauses statt. Abdias D., der Vorsitzende des Gemeindebezirks Bamako und Sekretär des neugewählten nationalen Leitungskreises der UEPEM-Gemeinden hielt die Predigt. Pastor Enoc S., der neue Präses, nahm die Einweihung vor. Das Gemeindehaus wird schon seit geraumer Zeit genutzt. In Mali wie auch in Deutschland ist es üblich, dass ein Gemeindehaus offiziell seiner Bestimmung übergeben wird. 
Das alte Gemeindehaus wird inzwischen für Kleingruppen und die Sonntagschule genutzt. Wir erinnern uns an die Anfänge der Arbeit, die von den Familien Muhlack und Katzwinkel (AM-Missionare in den 1990ern) gestartet wurde. Danach wurde die Arbeit von den Pastoren David D., Emmanuel Y. und Timothée P. fortgesetzt. Die Arbeit geht weiter. Die Kleinstadt Sévaré gilt als Tor zum Norden. Die Infrastruktur wurde in den letzten Jahren stark ausgebaut. Es entstanden neue Geschäfte und Ausbildungszentren. Das Regionalkrankenhaus wurde mittlerweile von der Regionalhauptstadt Mopti nach Sévaré verlegt. Am Ort gibt es auch eine christliche Schule, die mit Hilfe der Allianz Mission aufgebaut wurde und einen guten Ruf in der Stadt hat. Wir wünschen uns, dass die politische Situation stabil bleibt und die Gemeinde ihre Möglichkeiten missionarisch nutzt.

Donnerstag, 26. März 2015

Soufouroulaye | Hauptversammlung unseres Partnerbundes UEPEM

Es war die erste Reise in das nördliche Arbeitsgebiet der Allianz Mission seit unserer Rückkehr nach Mali im August letzten Jahres. Die Straße nach Ségou ist mittlerweile in einem sehr guten Zustand. Ziel unseres 4-tägigen Ausflugs war die diesjährige Hauptversammlung unseres malischen Partnerbundes – UEPEM (Union des Eglises Protestantes Evangéliques au Mali in Soufouroulaye. An diesem Ort haben wir Anfang der 1990er eine Gemeinde gegründet, die nach uns von malischen Pastoren weiter betreut und aufgebaut wurde.
Kurz vor Soufouroulaye treffen wir auf ein paar Wagen der UN-Schutztruppen. Die Sicherheitslage in der Gegend ist zzt. ruhig. Im hohen Norden Malis hingegen gibt es weiterhin Übergriffe. Die endgültige Unterzeichnung des Friedensabkommens seitens der Rebellen läst weiter auf sich warten. 
Wir haben uns auf das Wiedersehen mit alten Freunden und Kollegen gefreut. Über 50 Delegierte aus den Gemeinden waren zur Hauptversammlung angereist. 
Die gemeinsame Arbeit erstreckte sich über das Verabschieden der verschiedenen Arbeitsberichte des Präses, der Kreisvorsteher und der verschiedenen Arbeitskreise der UEPEM. Das ist für den Zusammenhalt der Gemeinden wichtig. Andererseits führten die vielen Berichte dazu, dass die Zeit zum Austausch zu gering ausfiel. Die Arbeit gestaltet sich insgesamt positiv. Die Gemeinden wachsen laut Statistik. Die Gemeinden entwickeln zunehmend einen Geist der Eigenständigkeit. Kritische Äußerungen bezogen sich auf bestimmte Verfahrensfragen, die auf Kreisebene nicht den vereinbarten Satzungen entsprachen. Die in den verschiedenen Arbeitsgebieten tätigen Missionare der UEPEM teilten zeugnishaft ihre Erfahrungen und Sorgen. 

Es gibt zzt. 43 UEPEM-Gemeinden in Mali, die von 23 Pastoren betreut werden. Die Gottesdienste werden von 3.835 Personen (Kinder und Erwachsene) besucht, von denen ca.1.100 getauft sind. Die Zahl der Pastoren und Gemeindegründer ist angesichts der großen missionarischen Herausforderungen und der notwendigen Betreuung der bestehenden Gemeinden zu klein. Die vielfältigen Danksagungen an die Allianz Mission zeigen einerseits das gute Verhältnis zwischen Gemeinden und Mission, verbergen aber auch den Wunsch der weiteren personellen und finanziellen Unterstützung. Die von den Gemeinden verabschiedeten und von der Allianz Mission finanzierten Projekte beziehen sich vorwiegend auf den Eigenbedarf (z.B. Bau von Gemeinde- und Pastorenhäuser, Kauf von Grundstücken und einem Traktor, der Geld für die Distriktkasse erwirtschaften soll). Damit ein Projekt von der AM finanziel unterstützt wird, müssen die Gemeinden 20 % des Gesamtvolumens selber aufbringen. 
Nur ein geringer Teil der für das laufende Jahr genehmigten Projektgelder sollen für Evangelisation genutzt werden. Es wurde kein Projekt aufgeführt, das explizit die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung abdecken hilft. Der Hinweis auf einen ganzheitlichen Ansatz in der missionarischen Arbeit und die gesellschaftliche Verantwortung der Gemeinden stieß bei vielen auf Unmut und Unwollen. In den Gesprächen zwischendurch habe ich aber auch viel Verständnis für die kritische Anmerkung herausgehört. Es wurde deutlich, dass das neue Entwicklungsbüro der Gemeinden bisher keine biblisch gestützten Kriterien für eine kirchliche Entwicklungsarbeit erarbeitet hat. Das herkömmliche Denken: Gemeinden verwalten sich selber und evangelisieren - die Hilfsorganisationen und Missionsgesellschaften sind für alles andere zuständig - lässt sich nur schwer aufbrechen.
Die Begegnungen rund um die Essschüsseln gaben uns die Möglichkeit, am persönlichen Ergehen unserer Geschwister Anteil zu nehmen, viel zu lachen und die in den Sitzungen angesprochenen Themen weiter zu vertiefen. 
Am Donnerstagnachmittag erfolgte ein Wahlmarathon. In diesem Jahr wurde das Leitungsgremium der UEPEM erneuert. Wir hoffen auf gute Ideen, die die gesamte Arbeit nach vorne bringt und beten für die neuen Verantwortlichen. 
Der scheidende Präsident Hesekiel S. übertrug die Leitungsverantwortung seinem Nachfolger im Amt Pastor Enoc. S. - symbolisch mit einem Peulhhut und einem Hirtenstab. Enoc war von 2003 bis 2011 schon einmal Präses der UEPEM. Er ist ein Mann, der Wort und Tat zusammenbringen kann. Das macht Mut für die künftige Entwicklung.

Sonntag, 22. März 2015

Dialakoroba | Schritte zur Gemeindegründung

Dialakoroba liegt 50 km südlich von Bamako. 14 Jugendliche aus Bamako, Pastor Enoc S., Christiane und ich haben uns am Samstagmittag auf den Weg gemacht. Der für die Gegend verantwortliche Missionar Prospère erwartete uns am Ortseingang. Am Ort gibt es eine christliche Familie, zu der lose Kontakte bestehen. Hier hatten wir uns für den missionarischen Kurzeinsatz einquartiert. Im Hof herrschte reges Treiben. Qualm aus Kochtöpfen, Frauen beim Frisieren, laute Musik aus Boxen. Feierlichkeiten waren angesagt. Die gastgebende Familie, die oberflächlich mit dem christlichen Glauben vertraut ist, wollte am Sonntagmorgen ihr Kind segnen lassen. Dazu waren Verwandte und Freunde eingeladen.
Zunächst aber haben wir uns unseren Fußball geschnappt und sind mit ein paar Leuten zum Fußballplatz mitten im Dorf gelaufen. Wir haben einfach ein wenig gekickt und ein paar Übungen gemacht. Allmählich trudelten einige Kinder und Jugendliche ein. Die haben wir einfach eingeladen mitzumachen. Unser Ziel war es, ein paar Kontakte zu knüpfen und auf die evangelistische Abendveranstaltung und den Film aufmerksam zu machen. Das Gekicke bei 40 Grad und im typisch malischen Staub hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht und reichlich verdreckte Klamotten beschert. Leider war heute Markttag im Dorf. Die meisten Jugendlichen waren beschäftigt. Aus diesem Grund war ein offizielles Fußballspiel heute leider nicht möglich.
Christiane hat sich immer wieder zu den Frauen an den Kochtopf gesetzt und sich unterhalten. Nach der Dusche unter freiem Himmel und dem Abendessen ging es los mit den Vorbereitungen auf das Abendprogramm. Es war wie in alten Zeiten. Die für die Technik verantwortlichen Mitarbeiter schleppten einen Stromerzeuger an. Eine Leinwand wurde aufgebaut. Die Projektionstechnik ist allerdings sehr viel moderner geworden. In den 90ern haben wir Betttücher zusammen genäht und als Leinwand benutzt. Kinoreife 16mm Filmrollen kamen auf laut knatternden Projektormaschinen zum Einsatz. Faszinierend was heute mit einer vollgeladenen Batterie und ausgefeilter Technik möglich ist. Der „Jesus-Film“, der 1979 von Campus für Christus gedreht und inzwischen in vielen Sprachen synchronisiert wurde, stand auf dem Programm. Jesus redete die Sprache des Landes – Bambara -  zumindest an diesem Abend. Die Verwandten der gastgebenden Familie und einige Leute aus dem Dorf waren dabei.
Einige wenige blieben zurück und stellten Fragen. Kurz vor Mitternacht tauschten wir uns über den Tag aus, besprachen das Sonntagsprogramm und schlossen den langen Tag unter freiem Himmel mitten auf einem Feld mit Gebet ab.
Christiane und ich, aber auch andere Teilnehmer hatten ihr Zelt dabei. Die anderen schliefen auf Matten unter einem Strohdach. Es herrschte Campingatmosphäre.
Nach dem Frühstück war Gottesdienst angesagt. Ca. 30 Leute waren bei dieser Premiere dabei: Lieder, eine kurze evangelistische Predigt, Kindersegnung - alles im Hof unter einem Strohdach und einer Plastikplane. Unser Gastgeber wurde während des Gottesdienstes ständig von Gratulanten angerufen und musste noch einige Dinge für die Feier regeln. An seinem Verhalten haben wir gemerkt, dass ihm Gottesdienste noch ziemlich fremd sind. Die Frauen hörten der Predigt in einem gewissen Abstand von der Hofküche aus zu und sangen einige der Lieder mit. 
Ein paar Griots (malische Sänger und Poeten, die bei größeren Anlässen das Wort ergreifen) hatten sich unters Volk gemischt. Sie lobten nach dem Segensgebet den Hausherrn und die Eltern des Kindes in höchsten Tönen. Anschließend erhielten wir Kolanüsse, Datteln und ein paar Bonbons. Das ist ein traditioneller Brauch, um Fremde und Gäste zu ehren.
Unsere Gastgeber stellen auch in Zukunft ihren Hof für Bibeltreffs und Gottesdienste zur Verfügung. Ein Anfang ist gemacht. Jetzt kommt es darauf an, dass die Nacharbeit kontinuierlich geschieht und gut organisiert wird. Ein Plan dafür steckt schon in der Tasche. Die UEPEM-Gemeinde aus Bamako-Quinzambougou ist offizieller Partner der missionarischen Arbeit, für die unser kamerunische Kollege Propsère im Gebiet zwischen Dialakoroba im Osten und Dangassa im Westen Richtung Niger zuständig ist.
Am Sonntagmittag sind wir gesund und müde in Bamako gelandet. Die beiden Tage waren eine gute Erfahrung. Dafür sind wir Gott dankbar. Einiges könnte noch besser organisiert werden - klar, aber die Jugendlichen haben ihre Zeit und Talente zur Verfügung gestellt und sich eingagiert. Kontakte wurden geknüpft. Die Tür steht offen in Dialakoroba und es hat sich gezeigt: Gemeindeaufbauarbeit braucht Geduld, Menschen, die sich einsetzen, eine gute Strategie und das kräftige Wirken Gottes.

Samstag, 21. März 2015

Mali | Bruchstücke. Eindrücke. Wirklichkeit. Widersprüche. Staubige Poesie.

Mali ist nicht das Land der großen Bühne.
Theater wird hier trotzdem gespielt.
Kein Dschungelcamp mit geschminkten Figuren.
Eingeflogen. Alles Gelogen. Vorgetäuschte Affairen.
Und Millionen schauen zu.

Sahel. Echter weiter Raum.
Im Abseits der großen Metropolen.
Interesse mäßig.
Einschaltquoten gering.
Keine Inszenierung.
Das Schicksal ist der Regisseur.
Keine künstliche Show.
Doch das wahre Leben bietet reality am laufenden Band. 

Ein faszinierendes Land. Kein Paradies. 
Vielfalt. Kultur. Farbe. Herzlichkeit.
Aber auch ethnische Konflikte, subtil und real.
Freundlichkeit nach außen. Groll im Herzen.
Kein Rückzug in heile Welten möglich. 
Kein Kunstnebel und keine Souffleure. 
Kein doppelter Boden. Alles real life. 

Viel Sand in der Luft und im Getriebe. 
Staub zwischen Zehen und Zähnen. 
Keine Lichtstrahler, die Szenen künstlich erhellen. 
Die Sonne steht hoch und sticht zu. Blauer Himmel.
Dunstglocken über der Stadt.
Smogalarm, den keiner meldet.
Vierzig Grad. Kein Fieber!
Kein Entrinnen.

Im Restaurant nebenan haben Radikale zugeschlagen. 
Granatensplitter haben Menschen in den Tod gerissen. 
Wut gegen den Westen schafft sich freien Lauf. 
Wir sind nicht Charlie. 
Rache ist angesagt.  
Allah ist groß – Islamisten sind‘s nicht. 
Feiglinge sind es im schwarzen Tuch. 
Im Dorf nebenan. Ein Trainingslager. 
Ein Haufen von Koranen, Kalaschnikows und Munition.  

Verhandlungen in der Wüste. Seit Monaten. 
Viel Hin und Her. Verträge werden ausgehandelt, halbherzig nur. 
Seitenlanges Dokument. 
Die vielen Analphabeten kennen es nur vom Hörensagen. 
Die Masse ist wieder ausgeliefert. 
Umsetzung fraglich. Frieden – keine Ahnung.

Eliteeinheiten kämpfen gegen Extremisten.
Die Menschen ums Überleben.
Wie immer. Alltag.

Fremde Soldaten in gepanzerten Four-Wheel-Drives. 
Fremde Vermittler am anderen Ende der Sahara. 
Klimatisiertes Hotel. 
Diplomatie und verdeckte Absichten – wie immer. 
Trauen tut ihnen niemand so recht. 
Schutzmächte im Land. 
Das eigene Schicksal ist fremdbestimmt.
Transporter werden gestoppt, von Minen zerfetzt. 
Geschrei von Müttern und ihren Kindern. 
Anschläge! Drahtzieher? Gerüchte.

Frau mit Kindern am Straßenrand. 
Bettelnd und schwitzend. 
Willst du mein Kind nicht adoptieren? 
Im Staub der Straße liegen die Bretter für die große realityshow.
Exodus – Hoffnung auf verheißenes Land. 
Die Hoffnung lebt. 
Nur sehen wir sie nicht. 
Wo ist der Befreier? 
Einen Mose gibt es hier nicht, weit und breit. 
Einer, der das Meer teilt.
Der auf den Felsen schlägt und die Feinde in die Wüste jagt. 

Die Fama, die großen und Mächtigen. 
Reden können sie. 
Doch ohnmächtig sind sie wie nie zuvor. 
Da vorne steht die Zukunft des Landes auf dem Spiel. 
Doch in den Hinterstuben bewegt sich immer noch die korrupte Hand. 
Jeder weiß es. 
Wut hinter verdeckter Hand. 
Aufschrei und hitzige Debatten beim Tee. 
Ändern tut sich nichts.

Die Kämpfer sind weg. 
Den Visionären sind die Augen verbunden. 
Ausgewandert. 
Schreibtischtäter. 
Den großen Plan – wer hat ihn versteckt?

Dienstag, 17. März 2015

FATMES | Fortschritte beim Bau

Seit geraumer Zeit steigen uns die Arbeiter aufs Dach. Unser theologisches Seminar in Bamako (FATMES) hat sich in eine Baustelle verwandelt. Der erste Bauabschnitt der ersten Etage ist in vollem Gange. Der Rohbau ist soweit fertiggestellt. Das Dach wurde letzte Woche gegossen. Bisher sind ca. 27.500 € investiert worden. Mit dem Fortgang der Arbeiten sind der Studienleiter, Dr Mamadou N. und wir voll zufrieden.
Wenn die Gelder weiter zur Verfügung stehen, wollen wir noch vor der Regenzeit den zweiten Bauabschnitt in Angriff nehmen. 
Der Lehrbetrieb an der FATMES geht unterdessen weiter. Das Schaufeln und Hämmern auf der Baustelle wird meist um 16.00 Uhr eingestellt. Da der Unterricht erst um 16.30 Uhr beginnt, wird der Schulbetrieb also nicht gestört. 
Wenn das erste Stockwerk bezugsfertig ist, bietet es Raum für Büros und größere Klassenräume. Die Büros sollen vermietet werden. Die erzielten Gewinne werden benötigt, um das Gebäude im Schuss zu halten und Strom- und Wasserrechnungen zu bezahlen. 
Wir sind allen Spendern, die uns bei der Finanzierung und beim Ausbau der FATMES helfen von Herzen dankbar.

Mittwoch, 11. März 2015

Sabalibougou | Kampf um Tore, Punkte und Kuchen

Es war eine Premiere. Auf einem an die Schule angrenzenden Sportplatz haben wir heute ein Fußballturnier mit Jungs im Alter von 8 bis 13 Jahren organisiert. Gleichzeitig fanden auf der anderen Seite des Platzes Spielwettbewerbe für kleinere Kinder und Mädels statt. Glücklicherweise war Berenice mit von der Partie. Sie ist Vertretungslehrerin an der christlichen Schule Pas à Pas am Ort. Die Veranstaltung haben wir im Namen der jungen sportmissionarischen Aktionsplattform BOGO WULI durchgeführt. Vor jedem Spiel haben wir den Sinn von Fairplay und Zusammenspiel erklärt. BOGO WULI bedeutet  - Staub aufwirbeln.  Das ist uns an diesem Nachmittag ganz gut gelungen. Bei jedem Zweikampf entstanden beträchtliche Staubwolken. Die Kinder haben um Ball und Tore gekämpft. Die Siegermannschaft erhielt einen Lederball, die zweitplatzierten einen festen Gummiball. Das Training kann also weitergehen.
Bei den Jüngeren standen Dosenwerfen und Seilhüpfen auf dem Programm. Auch hier herrschte gute Stimmung. Wir haben gemerkt, dass wir mit wenig Mitteln viele Kinder begeistern können. Wir bräuchten allerdings ein paar Mitarbeiter mehr, damit die ganze Angelegenheit weniger mühsam und mit etwas mehr Disziplin über die Bühne gehen kann.
Am Schluss haben wir uns im Klassenraum der Schule versammelt. Hier gab es Siegerposen mit viel Lärm. Die Verteilung des Kuchens, den wir mitgebracht hatten, war mal wieder ein „Kampfspiel“ der besonderen Art.

Viele Malier sind der Meinung, dass da, wo Missionare aus dem Westen eine Aktion starten, viel Geld im Spiel ist und irgendwo ein Tresor versteckt ist. Wir wissen seit langem um diese Einstellung, aber sie geht uns trotzdem auf den Geist, weil sie das Mühen um eigene Initiativen und das Menschliche an den Rand und das Materielle in den Vordergrund drängt Es ist unsere Absicht zu zeigen, dass Geld nicht das Wichtigste ist, um etwas zu bewegen. Das Entscheidende ist die Zeit, die wir mit Menschen verbringen und nicht die Komitees, die eingesetzt werden und das Material, was wir investieren. 

Koulikoro | Schlaglichter aus dem Knast

Alle zwei Wochen fahren wir ins Gefängnis ins knapp 70 km entfernte Koulikoro. Die Wachen kennen wir mittlerweile gut. Enoc S., der die Gefängnisarbeit im Namen der Ev. Allianz in Mali verantwortet, begleitet uns. Heute war auch ein junger Pastor einer Baptistengemeinde mit von der Partie, der die Gefängnisarbeit kennenlernen möchte.
Das Thema der heutigen Andacht war die Bekehrungsgeschichte von Paulus aus Apostelgeschichte 9. Gott stoppt den Lebenslauf von Menschen, die voller Überzeugung meinen, das Richtige zu tun, in Wirklichkeit aber gegen Gott und seine Leute agieren. Gott greift ein. Ein Kurswechsel ist möglich – damals für Paulus und auch für Leute von heute, die etwas ausgefressen haben und dafür hinter Gitter müssen. Nach der Andacht stelle ich Fragen, lasse einen Teil des Gesagten von den Gefangenen selber wiedergeben und frage nach, was sie für sich gelernt haben. Anschließend beten wir für die Anliegen der Leute. Heute erzählten uns die Gefangenen von ihrer Mutlosigkeit, von Krankheiten und davon, dass in den letzten beiden Wochen zwei Mitgefangene verstorben sind.
Christiane war parallel mit Enoc S. und dem zuständigen Krankenpfleger der Anstalt im Behandlungszimmer. Nacheinander wurden Kranke aufgerufen und behandelt. 
Christiane hat sich die Kranken mit angeschaut, Tabletten verteilt oder Ratschläge gegeben. Einer der Gefangenen hat wahrscheinlich einen Tumor. Wir haben ein wenig Geld dagelassen, um den Transport in ein Krankenhaus in Bamako zu ermöglichen. Für solche Fälle hat man in der Anstalt kein Geld. Der verantwortliche Wachmann versprach uns, sich noch am Nachmittag zu melden, um den Krankentransport zu bestätigen.
Christiane hatte außerdem die Gelegenheit, mit zwei inhaftierten Frauen, die gerade ihre Küchensachen reinigten, über den Glauben an Jesus zu reden, 

Im Knast gibt es viel Not. Es fehlt an Geld, um die Versorgung sicher zu stellen. Wir tun, was wir können. Wir bringen Medikamente mit, etwas Essen und erklären den Leuten Gottes Wort, zeigen ihnen durch unsere Präsenz, dass Gott niemanden vergisst und machen Mut zum Neuanfang. Heute ist uns noch einmal klar geworden was es bedeutet, die geringsten Brüder im Knast zu besuchen (Matth. 25,36.40). Die Verwandten kehren den Inhaftierten meist den Rücken zu. Die Arbeit ist vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein - aber vor allem ist sie eine Investition in das Leben von Menschen. Auf der Rückkehr erhielt Enoc S. einen Anruf von einem Kollegen, der am gleichen Vormittag in einem anderen Knast unterwegs war. Dort sind vor kurzer Zeit zwei Gefangene entlassen worden, die im Gefängnis Christen geworden sind. Was tun sie nach ihrer Freilassung? Sie laden ein Missionsteam in ihr Dorf ein, um ihren Familien die Möglichkeit zu geben, ebenfalls Nachfolger Jesu zu werden. Das sind wunderbare, hoffnungsvolle Kreisläufe. Sie entstehen dann, wenn wir das Kleine und Unscheinbare wagen und den Rest Gott überlassen.

Montag, 9. März 2015

Bamako | Schlaglichter nach dem Anschlag

Das Attentat hat die malische Hauptstadt mitten ins Herz getroffen - zumindest scheint so der Eindruck ein paar Tage nach dem Blutbad im Stadtviertel Hippodrom, wo Gäste eines Restaurants, Europäer und Malier, einem feigen Anschlag zum Opfer fielen. Wie schon sooft werden vorerst heftigst die Alarmglocken geläutet - in zwei Wochen wird das Leben wieder seinen normalen Gang gehen - so ein alter in Mali lebender Franzose in einem Interview. Wir werden sehen...
Die folgenden Reaktionen und Schlaglichter haben wir heute aus der Presse und in persönlichen Begegnungen als Reaktion auf den Terroranschlag vom Wochenende aufgeschnappt:
  • Die im hohen Norden Malis agierende algerische Terrorgruppe Mokhtar Belmokhtar Al-Mourabitoune hat sich inzwischen zum Anschlag in Bamako bekannt. Ihr Motiv: Wir haben Rache geübt, dafür dass man im Westen den Namen unseres heiligen Propheten Mohammed in den Schmutz zieht und am Tod unseres Mitkämpfers Ahmed Tilemsi, der durch internationale Spezialeinheiten im Norden Malis getötet wurde.
  • In der ländlichen Umgebung von Bamako gibt es Terrorzellen, schwer bewaffnet mit Koran, Waffen und Munition, die von malischen Fallschirmjägern entdeckt wurden, aber auf der Flucht sind. Zusammenhänge mit dem Anschlag in Bamako sind unklar.
  • Ein Student: „Die malische Polizei wird die Sicherheit der Bewohner Bamakos nicht gewährleisten können. Sie sind zu schlecht ausgebildet.“
  • Presse: Mali hat das Hilfsangebot Frankreichs, zusätzliche Polizisten und Spezialeinheiten zu entsenden, angenommen. - Das wird nicht allen gefallen. Ausgerechnet die alte Kolonialmacht Frankreich springt wieder in die Breche. 
  • Die gewöhnlichen Streifenpolizisten können zwar Taxifahrer und LKW-Fahrer wegen Überladung zur Rechenschaft ziehen oder Autopapiere kontrollieren, doch unsere Sicherheit werden sie nicht garantieren können.
  • Die Wächter an den Privathäusern werden die Flucht ergreifen, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr ist.
  • Professionelle Wächter von Security-Services tragen zwar Schlagstöcke und Uniformen, doch auch sie wären schwerbewaffneten Terroristen schutzlos ausgeliefert.
  • Ein besorgter Malier ruft uns an und fragt, ob es uns gut geht.
  • Der malische Präsident war am Schauplatz des Geschehens. Er übermittelt den Angehörigen der Opfer sein Beileid und ruft die Bevölkerung auf, sich als „soldatische Patrioten“ zu erweisen, und dass jeder „mit seinen eigenen Waffen“ zur Sicherheit des Landes beiträgt. Gemeint sind wohl genauer sicherheitsrelevante Hinweise. Doch der Gebrauch des Wortes „Waffen“ im aktuellen Kontext klingt irgendwie nach Selbstverteidigung.
  • Unsere Beobachtung: Die Geldautomaten in der Hauptstadt sind besser bewacht als Restaurants, die stark von Europäern frequentiert werden. - An einem der uniformierten und bewaffneten Geldautomatenbewacher sind wir heute vorbeigefahren: Er saß in seinem Stuhl und war eingenickt. 
  • Ein Student fragt: „Wann werden Maßnahmen ergriffen, um die FATMES (unsere theolog. Ausbildungsstätte) zu bewachen?
  • Ein lange in Mali wohnender Franzose bedauert die steigende anti-französische Stimmung im Land.
  • Der Chef der Polizei in Yirimadio (östl. Vorort von Bamako) bestätigt, dass suspekte Personen vor dem Wochenende in die Hauptstadt gereist seien. Er habe schon vor dem Attentat ein ungutes Gefühl gehabt … Nach dem Anschlag wissen plötzlich viele Leute mehr als sie vorher zugeben wollten.
  • Unsere Pastorenkollegen sind besorgt und schweigen.
  • Unsere Freunde aus Deutschland fragen besorgt nach, beten für Bewahrung und für die nötige Freiheit des Herzens, unserer Arbeit weiter nach zu gehen.
Bamako ist unsicherer geworden. Die malische Hauptstadt ereilt wohl das gleiche Schicksal wie London, Kopenhagen, Washington, Paris, Madrid, beinahe Bremen usw.
Bei uns persönlich herrscht keine panikartige Stimmung. Wir sind vorsichtiger. Wir beten. Wir bleiben noch.

Donikela | sportmissionarische Kontakte im Dorf der Coulibalys

Gestern waren wir den ganzen Tag über in Donikela (dt. das Dorf derer, die weise handeln unterwegs. Das 5.200 Einwohner zählende Dorf der Bambara liegt ca. 20 km von der) Hauptstraße Richtung Kolokani (knapp 100 km westlich von Bamako) entfernt. Die verkehrsberuhigenden „gendarmes couchés“ (sich quer über die Fahrbahn erstreckenden Asphalterhebungen in Siedlungsnähe) hätte man sich glatt sparen können. Die Schlaglöcher größeren Ausmaßes tragen schon ihren Teil dazu bei, einen angemessenen Verkehrsfluss zu verhindern. Der Weg nach Donikela führt uns quer in den Busch. Wir folgen roten staubigen Pfaden, auf denen sich normalerweise nur Motorräder und Eselskarren fortbewegen. 
Paul C. (li), unser Freund und Mitarbeiter in der Sportmission und sein Sohn haben uns auf der Reise begleitet. Paul kommt aus diesem Dorf. Sein Wunsch ist es, dass es in Donikela bald eine Gemeinde entsteht und die Zahl der Christen steigt. Für uns war es nach der Anschlagsnacht in Bamako eine willkommene Abwechslung. Der Weg durch den verstaubten Busch und die Begegnungen mit den vielen Coulibalys  in der dörflichen Idylle hat uns gut getan. Wir hatten einen Fußball dabei, ein paar Traktate und ein Plakat, das unsere sportmissionarische Arbeit im Gemeindebezirk Bamako die AKTION BOGO WULI (dt. Staub aufwirbeln), vorstellt. Paul hatte schon zuvor die Jugendlichen gefragt, ob sie Lust auf ein Fußballmatch hätten. Die Antwort fiel positiv aus.

Zunächst wurden wir unter einem mit getrockneten Hirsehalmen bedeckten und von Holzplanken gestützten Hangar empfangen. Begrüßung und Palaver beim Tee, dazu Erdnüsse. Später reichte man uns das klassische To-Gericht (ziemlicher steifer Hirsebrei mit etwas schleimiger Kräuter- und Gewürzsoße). Ein Genuss (… ist nicht sarkastisch gemeint). Der zweite Gang bestand aus Reis und etwas Fischsoße. Eine Stunde später wurden wir in einen anderen Hof geführt. Dort servierte man uns Nudeln mit Rindfleisch.
Einige Frauen zeigten uns Unterrichtsmaterial, mit dessen Hilfe sie Lesen und Schreiben lernen. Eine christliche kanadische Organisation engagiert sich im Dorf, fördert ein Alphabetisierungsprogramm für Frauen und baut eine Grundschule. 
Stolz präsentierten uns die Frauen ihre bereits erworbenen Kenntnisse. Wir hatten ein paar christliche Traktate in Bambara dabei. Daraus lasen wir ihnen ein paar Sätze vor. Inhaltlich ging es um die Person Jesu: Wer ist Jesus Christus? Was hat er im Auftrag Gottes bewirkt? usw. Die Menschen in Donikela sind vorwiegend Animisten. Unsere Gespräche wurden den ganzen Tag über von keinem Muezzin gestört, der die Leute mit lauten Schreien zum Gebet gerufen hätte.
Am Nachmittag organisierten wir zunächst mit den Kindern und später mit den Erwachsenen ein Fußballspiel. Ca. 100 Leute waren als Zuschauer dabei. Bayernfans gibt es wohl überall auf der Welt - selbst in einem staubigen Dorf mitten in Mali. Vor den beiden Spielen haben wir eine kurze „sportmissionarische Andacht“ gehalten. 

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde war vor Ort und holte eigens seine Amtsschärpe mit den malischen Fahnen hervor und führte den Anstoß aus. Tolle Atmosphäre. Eine Premiere. Der Bürgermeister lud uns ein, wieder zu kommen und auch in den Nachbardörfern Fußballturniere zu veranstalten.  



Dieser Ausflug war ein toller Erfolg. Wir haben Kontakte geknüpft und Vertrauen gewonnen. Die Einladung für den nächsten Besuch steht. Ob es zu einer kontinuierlichen Arbeit in der Gegend kommt hängt auch von den missionsstrategischen Überlegungen unseres Gemeindebezirks in Bamako ab. Wir werden sehen. Sportmission jedenfalls ist eine tolle Möglichkeit, Menschen zu begeistern und sie mit dem Evangelium bekannt zu machen. 
Auch die Schirmherrin der Veranstaltung zeigte sich sehr zufrieden.


Dugurakoro | Wahlen zum neuen Vorsitzenden des Gemeindebezirks Bamako-Quinzambougou


Dugurakoro liegt ca. 30 Minuten von Bamako entfernt. Die ca. 100 Mitglieder zählende Gemeinde am Ort wird von Pastor Silvain S. geleitet. Die Gemeinde war am Samstagmorgen Gastgeberin der Hauptversammlung des Gemeindebezirks Bamako-Quinzambougou (Kreisratssitzung). Auf dem Programm stand der Bericht des scheidenden Vorsitzenden Enoc S. und Neuwahlen des Leitungskreises. 
Die Atmosphäre war konstruktiv, die Wahlen zogen sich etwas lange hin, doch das Prozedere war für alle nachvollziehbar. Das neue 7-köpfige Komitee wird von Pastor Abdias D. (ganz re) angeführt. Ihn kennen wir schon sehr lange. Er war in den 1990er Jahren einer meiner Schüler an der Bibelschule in Bougouni und eine Zeit lang Student an der FATMES (theolog. Seminar in Bamako). Er leitet die Gemeinde in Missaboougou und ist zudem Vorsitzender des Vereins für christliche Kultur und Kommunikation (Radioarbeit - ACCM) in Bamako.
Enoc S. ist als Berater immer noch im Komitee. So wird Kontinuität gewährleistet.
Wir hoffen auf gute, weiterführende visionäre Ideen und beten um Weisheit bei der Leitung der Gemeinden. In Bamako und Umgebung gibt es zzt. viele Möglichkeiten und offene Türen. Um sie zu nutzen bedarf es einer guten Strategie, die die Gemeinden mit einbezieht. Wir als Missionare werden uns hier und da einklinken und mitarbeiten. Im Gemeindebezirk Bamako gibt es zzt. 27 Gemeinden und Gottesdienstorte, die von 12 Pastoren betreut werden. Die Gottesdienste werden von 2.400 Personen besucht. Die strategischen Überlegungen gehen dahin, die Arbeit Richtung Koulikoro (Osten) und in der Gegend von Dangassa und Niamana (Westen) auszuweiten. Damit das geschehen kann, bedarf es einer besseren Einbeziehung der ehrenamtlichen Mitarbeiter und einer weitsichtigen Ausbildung weiterer Pastoren und Evangelisten. 
Einige Pastoren hatten von dem Terroranschlag in Bamako gehört, der sich in der Nacht zuvor ereignet hatte. Insgeheim hatte ich gehofft, dass jemand dieses Ereignis thematisiert und für die Sicherheitslage in Bamako gebetet hätte. Leider kam es dazu nicht. 
Der scheidende Vorsitzende Pastor Enoc S. (li) hat das Amt 24 Jahre lang begleitet. Fazit: Ein kurzer improvisierter eingeschobener Dank eines Pastorenkollegen. Erwartet hätte ich ein offizielles Wort des neuen Vorsitzenden, Dank für das ausgesprochene Vertrauen und einige Erklärungen darüber, wie er sich die künftige Arbeit vorstellt. Nun denn. Die Sitzungsarbeit gehört zum Glück nicht zu unseren Schwerpunkten und in die "diplomatischen Feinheiten" müssen wir uns auch nicht einmischen.

Samstag, 7. März 2015

Bamako | Attentat mit Todesfolge in der malischen Hauptstadt

In der Nacht vom Freitag auf Samstag fielen kurz nach Mitternacht Schüsse in einem Restaurant Bamakos - zwei Stadtviertel östlich von uns entfernt. Ein Vermummter  kletterte auf die Empore eines Restaurants warf Granaten nach unten und schoss anschließend mit einem Maschinengewehr wild um sich. Auf der Flucht ging die Schießerei weiter u.a. mit Polizisten auf Streife. Augenzeugen berichten, dass die Attentäter dabei auch auf Wohnhäuser geschossen haben. Dabei kam ein Passant ums Leben. Vor Ort haben die Sicherheitskräfte zwei Verdächtige festgenommen. Die vorläufige Bilanz des Attentats : fünf bis sechs Tote und ein Dutzend Verletzte. Zwei oder drei Europäer (darunter ein Franzose, ein Belgier) und drei Malier fanden den Tod, darunter ein Kellner, ein Polizist und der besagte Passant. Zehn bis zwölf Personen wurden teilweise schwer verletzt und in benachbarten Krankenhäusern behandelt bzw. in der Nacht noch nach Europa ausgeflogen. Ob es noch weitere Opfer unter den Gästen gab wird man sehen. Unter den Verletzten befinden sich einige Schweizer. Nach dem Attentat floh der Attentäter mit einem Komplizen in einer schwarzen Limousine. Ein anderer entkam auf einem Motorrad. 
„Tod den Weißen“, soll der Typ gerufen haben. Andere Zeugen wollen „Allah-uh-akbar“-Rufe gehört haben.  Keiner kennt genau die Motive der Attentäter: Djihadisten, oder Rassisten, die einfach nur Europäer hassen?
In der Straße Bla-Bla im Stadtvierteil Hippodrome reihen sich Bars und Restaurants aneinander. Am Wochenende ist das Vierteil stark frequentiert, unter anderem von vielen Europäern. In der Nacht erreichte uns bereits eine Not-SMS der deutschen Botschaft in Mali. „Attentat mit Todesfolge. Täter sind flüchtig“, war da zu lesen. „Bitte bis auf weiteres keine Restaurants aufsuchen und zu Hause bleiben. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden.“
In den sozialen Netzwerken und Kommentaren drücken viele Malier ihr Bedauern aus. Die politischen Parteien und die Regierung verdammen den feigen Akt und versprechen Aufklärung. Die internationale Diplomatie zeigt verbale Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus. Die üblichen Töne: Wir lassen uns von Terroristen nicht unterkriegen. In Mali sind Schutztruppen der UNO stationiert - Soldaten und Berater aus aller Herren Länder. 
Heute Vormittag war Alfred zu einem Treffen mit Gemeindevertreter unseres Bezirkes ca. 30 km von Bamako entfernt unterwegs. Unsere Pastoren hatten auch schon von den Ereignissen gehört. Das Attentat ist seit den Militäroperationen im Norden Malis das erste in der Hauptstadt, die bisher von Unruhen und Anschlägen verschont geblieben ist. 
Die bange Frage, die sich heute alle stellen: „Wie sicher ist Bamako? Haben die Sicherheitskräfte die Lage in der malischen Hauptstadt noch im Griff?“ – Vertrauenswürdig ist die Lage jedenfalls nicht.
Falls der Anschlag von Djihadisten verübt wurde, wäre er aus unserer Sicht möglicherweise auch ein Echo auf die für die Islamisten und nach Autonomie strebenden Gruppen kritischen Lage im Norden des Landes. Malische Milizen und die französischen Spezialeinheiten drängen die Islamisten immer weiter zurück. In den westafrikanischen Nachbarländern (Nordkamerun, Niger, Nigeria) ist die Lage wegen des Terrors, der von der islamistischen Gruppe Boko Haram ausgeht noch schlimmer und kritischer. Außerdem hat sich das gesellschaftliche Klima seit den Attentaten in Frankreich und den unnötigen Veröffentlichungen der Karikaturen von Charlie Hebdo aufgeheizt und entlädt sich jetzt offensichtlich an Europäern, die den Islamisten mit ihrer freizügigen und respektlosen Lebensart auf den Senkel gehen. Irgendwie war dieses Attentat keine wirkliche Überraschung. Hinweise auf Anschläge in Bamako hat es seitens der Sicherheitsdienste und Botschaften in den letzten Wochen und Monaten immer wieder gegeben. Gott sei Dank haben sich die Meldungen bisher nicht bewahrheitet. Bis gestern Nacht ...
Wir achten auf die Vorsichtsmaßnahmen und die Empfehlungen unserer Diplomaten. Doch die sind letztlich auch nur machtlos. Deshalb vertrauen wir uns weiter Gottes Schutz an. Andere Antworten haben wir zurzeit nicht.

Bildquelle: http://www.maliweb.net/insecurite/communique-du-gouvernement-du-mali-sur-la-fusillade-a-bamako-845472.html

Dienstag, 3. März 2015

Sabalibougou | Fegen will gelernt sein


Diese Schulstunde hat Spaß gemacht. Christiane hat fünf Besen mit in die Schule genommen. Auf dem Stundenplan stand: Wie halte ich Klassenraum und Schulhof sauber? Kurze Einführung und dann ging es los: Die Schulbänke hochstellen, den Boden sauber fegen, Papierschnipsel im Schulhof auflesen. Das hat ganz gehörig Staub aufgewirbelt. Doch die Kinder wussten wie es geht. Ein ganzer Kübel voller Plastik- und Papiermüll wurde aufgesammelt. 
Es gibt Kinder, denen brauchten wir nur den Besen in die Hand zu drücken und sie haben blitzartig losgelegt. Andere haben sich vor der Arbeit gedrückt und irgendwelche Ausreden parat gehabt. Doch letztlich hat jeder irgendwie angepackt.



Am nächsten Tag trafen wir uns zum Spielnachmittag mit den Kindern. Die meisten waren mit Fußballspiel und Seilspringen beschäftigt. Ein Junge aus der 1. Klasse hat sich heimlich einen Besen geschnappt und auf eigene Initiative hin den Klassenraum gefegt, in dem zuvor die biblische Andacht stattgefunden hat. Es macht einfach Spaß, wenn der Lernerfolg so offensichtlich wird.