Freitag, 31. Oktober 2014

Sanfil | Fußball mit Migranten aus Libyen


Um halb sechs bin ich losgetigert – nach Sanfil zu „meinen Jungs“ aus dem Nachbarviertel. Fußballtraining am Freitagnachmittag stand auf dem Programm. Wir haben uns etwas aufgewärmt, soweit das bei Mitte 30 Grad überhaupt notwendig ist. Wir kennen uns seit einigen Monaten und auf dem Weg zum Fußballfeld werde ich von Jung und Alt begrüßt.
Einer unserer Jungs sagte, dass sie seit ein paar Tagen mit jungen Leuten aus Libyen kicken. Ich wurde eingeladen mitzumachen und habe eine Stunde lang mitgespielt. Dass man bei diesen Witterungsbedingungen leicht ins Schwitzen kommt, ist logisch. Die fünf Migranten sprachen wenig Französisch und kein Wort Bambara. Aber wenn der Ball rollt, weiß jeder, was er zu tun hat. Es hat mich gefreut zu sehen, wie Integration durch den Sport funktioniert.
Parallel haben die Jungs, die regelmäßig zusammenspielen, auf dem großen Platz nebenan ihren Trainingskick absolviert. Es wurde langsam dunkel und wir trafen uns zu einem letzten Austausch. Ich bekam mit, dass der Trainer ziemlich sauer war, weil die Regeln des Fairplays nicht respektiert wurden. „Ihr wollt alle nur gewinnen“ sagte er sehr aufgebracht, „und dabei haut ihr euch gegenseitig die Knochen um. Dabei vergesst ihr, dass ihr alle Malier seid und vielleicht Morgen in einem Team spielt und unser Stadtviertel vertretet. Reißt euch gefälligst am Riemen!“ Er erntete beschämte, aber zustimmende Blicke.
Ich dachte so bei mir: Hier wäre werteintegriertes Training wichtig. Der Trainer lud mich ein, auf sein Motorrad zu steigen. Er nahm mich mit bis zur Hauptstraße. Unterwegs unterhielten wir uns weiter über die Stimmung im Team und über ein Fußballturnier im Viertel, das wir demnächst gemeinsam organisieren wollen. Die Kontakte werden intensiver und ich beschloss: Hier bleibst du weiter am Ball. 

Donnerstag, 30. Oktober 2014

FATMES | Qualität verbessern, anpacken und Ideen umsetzen


An der FATMES, wo Alfred seit Anfang Oktober Missionsgeschichte und Missionstheologie unterrichtet, wurde inzwischen auf Wunsch der Lehrerkonferenz ein Arbeitskreis eingerichtet, dessen Aufgabe darin besteht, den Studienleiter zu unterstützen und als eine Art Denkfabrik neue Ideen zu entwickeln. Die Notwendigkeit des Qualitätsmanagements wird zwar gesehen, doch die nötigen Maßnahmen wurden bisher nur unzureichend umgesetzt. Es gibt immer noch Entwürfe von vor zehn Jahren, die zwar auf dem Tisch liegen, aber bisher nicht konsequent umgesetzt bzw. angepasst wurden. Hier gilt es tief Luft zu holen und den Staub wegzublasen. 

Eine gute Idee hat nur dann Qualität, wenn sie umgesetzt wird.

Wir hatten bisher zwei Sitzungen. Dort haben wir die wichtigsten Baustellen benannt und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Qualität und der Verwaltung unserer Schule zuammengetragen. 

Folgende Fragen sind uns wichtig geworden:
  • Wie gelingt es, die Studenten besser zu beraten und zu begleiten?
  • Wie können wir die Lehrer in ihrer Arbeit ermutigen?
  • Wie kann die Qualität des Unterrichts aufrechterhalten und verbessert werden?
  • Wie schaffen wir es durch internationale Kooperationen, das Ausbildungsprogramm zu akkreditieren?
  • Welche Feinjustierungen müssen stattfinden, um unser Studienprogramm (Curriculum) zu aktualisieren d.h. an die aktuellen Herausforderungen in den Gemeinden und in der Gesellschaft anzupassen?
  • Welche neuen Zertifikatsprogramme wollen wir anbieten, um die theologische und praktische Kompetenz der vielen Mitarbeiter in den Gemeinden und christlichen Organisationen in den verschiedenen Arbeitsbereichen zu verbessern?
  • Wie können wir die Zusammenarbeit mit den bereits bestehenden Bibelschulen in Mali intensivieren?
  • Wie können wir die Öffentlichkeitsarbeit der FATMES verbessern?
  • Welche pädagogischen Angebote können wir unterbreiten, um die praktische Kompetenz unserer Studenten zu fördern?
In vielen dieser Bereiche haben wir konkrete Ideen gesammelt, die von den drei Mitgliedern des Arbeitskreises im Laufe der nächsten Wochen konkretisiert werden. Wir sind uns bewusst, dass nur ein Höchstmaß an Flexibilität und die Bereitschaft, den Status quo in Frage zu stellen, die angestrebten Veränderungen herbeiführen können. Die in Mali gängige und von Franzosen erlernte „Chefmentalität“ ist hier eher hinderlich. Diese Mentalität besteht darin, dass Anordnungen von oben und die Delegation von Arbeiten zwar üblich sind, die Entscheidungen aber immer vom Chef getroffen werden müssen. Trotzdem … wir sind auf einem guten Weg.

Was geschieht konkret?
  • Im Januar findet ein Treffen der FATMES-Studenten mit Schülern der Bibelschule in Bougouni statt. Dort werden auch Dozenten der FATMES Vorträge halten.
  • Die Bemühungen auf Ebene der CITAF (Conseil des Institus théologiques d’Afrique francophone), eine Anerkennung unseres Bachelor- und Masterprogramms zu erhalten, gehen weiter. Der Studienleiter der FATMES nimmt an diesen Treffen teil. Die CITAF ist eine westafrikanische Plattform von theologischen Ausbildungsstätten, die das Ziel verfolgt, Ausbildungsprogramme zu homologieren und deren Akkreditierung anzustreben.
  • Jeder Dozent wird einen Syllabus für seine Fächer erarbeiten. Diese dienen dazu, Inhalt, Zielsetzung und Methoden sowie die Arbeitsbelastung der einzelnen Kurse besser benennen zu können.
  • Das internationale System LMD (Bachelor-Master-Doktor), angelehnt an den Bologna-Prozess, ist an der FATMES von Beginn an eingeführt worden. Was fehlt ist die Zuordnung der entsprechenden credits (konkrete Arbeitsbelastung der Studenten) zu den einzelnen Fächern.  
  • Wir haben im Zuge der Erarbeitung eines Zertifikatsangebots Kontakte zur Vereinigung der christlichen Frauen innerhalb der Ev. Allianz in Mali, zur Christlichen Vereinigung für Kommunikation (Medienarbeit) und zur sportmissionarischen Organisation EPHRATA aufgenommen. Wir wollen im Gespräch mit den Praktikern vor Ort den Bedarf ausloten und gemeinsam mit ihnen ein Aus- und Fortbildungsangebot erarbeiten.
  • Zur Verbesserung der Außendarstellung haben wir einen Blog eingerichtet und berichten dort in Wort und Bild über Entwicklungen an der FATMES.
Die FATMES ist ein wichtiges Instrument für die Weiterentwicklung der malischen Gemeinden. Hier lohnt es sich zu investieren. Herzlichen Dank für alle Begleitung im Gebet. 

Sonntag, 26. Oktober 2014

Bamako | Ebola macht uns betroffen und treibt uns ins Gebet


Es war kein gewöhnlicher Gottesdienst, den wir heute Morgen in der großen UEPEM-Gemeinde in Bamako-Quinzambougou erlebt haben. Auch hier hat der erste Ebola-Fall in Mali sichtbar Wirkung gezeigt. Einer der Gemeindeältesten verlas ein Kommunikee und machte auf die schwierige Situation der Menschen in Liberia aufmerksam. Dort versammeln sich die Christen regelmäßig in Gemeindezentren, um sich an Gott zu wenden und ihn um Hilfe zu bitten und für die vom Ebola-Virus betroffenen Familien zu beten. Manche Familien sind ganz in die Gemeindehäuser umgezogen. 
Ein Mann aus Guinea, der eine lange Zeit wegen einer Fortbildung in Bamako gelebt hat und Mitglied der Gemeinde in Quinzambougou war, wurde verabschiedet. Er kehrt zurück nach Conakry, der Hauptstadt Guineas. In seinem Abschiedswort sagte er: „Ich habe schon einige Freunde und Verwandte wegen des Ebola-Virus verloren. Wir sind auf eure Gebete angewiesen. Gott möge uns alle schützen.“ Es waren bewegende Worte und jeder im Raum hat die Betroffenheit gespürt. Ein Bruder aus dem Ältestenkreis nahm ihn zum Abschied in den Arm und betet für ihn.

Enoc S., der Pastor der Gemeinde, verlas zum Beginn seiner Predigt über das Gebet einen Auszug aus dem Text, den die Regierung an alle religiösen Kreise verteilt hatte. Darin waren Hygienemaßnahmen enthalten: Hände waschen, intensive Begrüßungszeremonien vermeiden, um die Übertragung des gefährlichen Virus zu verhindern. Ich saß mitten unter den Leuten und habe beobachtet, wie man sich gegenseitig ansah. Sich nicht mehr wie gewohnt begrüßen, das schien einigen doch sehr fremd zu sein.
In der Gemeinde fand heute ein Gebets- und Fastentag statt. Nach einer kurzen Pause nach dem Gottesdienst kamen die Leute zurück und haben für verschiedene Anliegen gebetet. In Westafrika, wo die Gesundheitsvorsorge und die medizinische Behandlung zu wünschen übrig lassen, hat man verstanden: Gott ist unsere einzige Hilfe, trotz aller Ratschläge und Vorsichtsmaßnahmen, die es zu beachten gilt.

Freitag, 24. Oktober 2014

Bamako | Besuch in der Blindenschule



Es war eine besondere Erfahrung. Gemeinsam mit einem Vertreter des Zentrums für Solidarität aus unserer Nachbarschaft sind wir heute in den Osten Bamakos gefahren. Der Monat Oktober ist in Mali der Solidarität gewidmet. Unser Ziel war der Besuch einer Schule für Sehbehinderte. Dieses Zentrum wurde 1973 im Stadtviertel Faladjé im Namen der Union Malienne des Aveugles (UMAV, dt. Malischer Verband für Blinde) gegründet. In dem Zentrum werden zzt. über 200 sehbehinderte und nichtbehinderte  Kinder gemeinsam pädagogisch betreut.  In der Grundschule werden nur blinde Kinder eingeschult. 



Sie genießen in kleinen Klassen eine ihrer Behinderung gerechte schulische Betreuung. Hier wird die sog. Brailleschrift (eine von Louis Braille 1825 entwickelte Punkt- bzw. Blindenschrift) angewendet. Die Kinder stechen mit Hilfe von Schablonen und Stecknadeln Löcher in ein Papier. 
So entsteht ein Text, der von ihnen selber gelesen werden kann. Wir haben den Lehrern ein wenig über die Schulter geschaut und waren beeindruckt von deren know-how und ihrer Geduld. 

In der Mittel- und Oberstufe wird auch die Inklusion praktiziert. Behinderte und gesunde Kinder sitzen dichtgedrängt nebeneinander und lernen Französisch und Mathematik gemeinsam. Wir haben beobachtet, wie die gesunden Kinder ihren behinderten Freunden geholfen haben, ihre Lernutensilien zu finden oder sie an der Hand zu nehmen und an ihren Platz zu führen. Der Direktor erklärte uns, dass die Regierung eine Quote festgelegt hat und jedes Jahr einige aus dem Zentrum als Beamte in den Staatsdienst übernommen werden.


In einigen Klassen unterrichten sehende und sehbehinderte Lehrer gemeinsam. Bei dem Gang über das Gelände wurden wir vom Direktor der Schule und Leuten aus der Verwaltung begleitet. Am Ende haben wir Puppen für die Kinder übergeben, die Freunde aus Deutschland uns mitgegeben hatten. Der Direktor war darüber sehr erfreut und dankbar und sagte uns: „Diese Puppen kommen wie gerufen. Wir werden sie in der Grundschule und im Kindergarten unseres Instituts bei der Früherziehung einsetzen“. Zusätzlich hatten wir ein paar Bälle besorgt. Sie werden beim Fußballspiel zum Einsatz kommen. Es gibt auf dem Gelände der Schule einen eigens für Sehbehinderte eingerichteten Fußballplatz. Das hätten wir gerne mit eigenen Augen gesehen, wie sehende und blinde Kinder gemeinsam Fußball spielen. 



Nach der Übergabe haben wir über unseren christlichen Glauben gesprochen und den über vierzig Lehrern und Leuten aus der Verwaltung das Lukasevangelium und einige evangelistische Traktate überreicht. Was wir haben, das geben wir: Puppen, Bälle und Gottes Wort.

Ebola | erster Fall in Mali

Ein zweijähriges Mädchen ist in Mali an dem Ebola-Virus erkrankt. Das bestätigen mehrere Zeitungen und Internetplattformen in Mali. Der Gesundheitsminister Ousman Koné hat gestern Abend ebenfalls im malischen Staatsfernsehen ORTM zu dem Vorfall Stellung bezogen. Die Gesundheitsbehörden im betroffenen Krankenhaus in Kayes haben die Situation wohl im Griff. Das Mädchen hatte mit seiner inzwischen verstorbenen Mutter im benachbarten Guinea (Region Kissidougou im Süden des Landes)  gelebt. Die Großmutter  war nach Guinea gereist, um das verwaiste Mädchen nach Mali zu holen. Das geschah vor zwei Wochen. Der Gesundheitszustand der Kleinen hat sich dank der schnellen Behandlung schon gebessert, so die Verantwortlichen. Außerdem seien alle Personen, die mit dem Mädchen in Kontakt gekommen sind, in Quarantäne isoliert worden. Das sind ca. 40 Personen. 
Die malische Regierung versucht jede Panikmache zu vermeiden. Dennoch machen sich die Menschen Sorgen. Das ist aus den Reaktionen im Internet klar zu entnehmen. Einige fragen: „Wieso hat niemand am Grenzübergang etwas bemerkt. Wie konnte es dazu kommen, dass die Reisegruppe unkontrolliert bis nach Kayes reisen konnte, das einige hundert Kilometer weiter im Norden liegt?“
Da ist was dran, denn wie sich bei der Befragung der Reisenden herausgestellt hat, haben sich schon vor Reiseantritt Symptome der Krankheit gezeigt. Die Großmutter war mit dem Kind in einem Reisebus unterwegs. Ob bei einer verschärften Kontrolle an der Grenze, die Entdeckung des Virus in dem konkreten Fall erfolgreich gewesen wäre, bleibt Spekulation. Im Gedränge in einem Bus und bei dem Chaos an einem westafrikanischen Grenzübergang gehen eine ältere Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm leicht unter. 
Dass der Virus im Krankenhaus entdeckt wurde, spricht zumindest für die Funktionalität der Kontrollen vor Ort. Dennoch haben die Menschen in Mali im Allgemeinen kein großes Vertrauen in ihr eigenes Gesundheitssystem.
Die Ev. Allianz Malis hat bereits vor einigen Monaten gemeinsam mit UNICEF eine Sensibilisierungschampagne an der malisch-guineischen Grenze durchgeführt. Diese soll nun auf den Distrikt der Hauptstadt Bamako ausgedehnt werden. Die Regierung hat Aufklärungssendungen erstellen lassen, die über Radiosender ausgestrahlt werden sollen. Hier versuchen wir auch als Allianz Mission zu helfen und unsere Partner der christlichen Radiostation ESPOIR in Bamako zu unterstützen.

Wir beten, dass Mali von der Ebolaseuche verschont bleibt. Wir beten darum, dass keine Panik unter der Bevölkerung ausbricht und auch wir persönlich ruhig bleiben können. Gott ist groß.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Sabalibougou | kaum zu bändigen

Der Ausflug nach Sabalibougou hat heute richtig viel Spaß gemacht. Leider war der Direktor heute wegen einer Fortbildung nicht in der Schule. Er ließ sich vertreten und deshalb waren wir unsicher, ob die Einladung zum Spielenachmittag bei den Kindern am Morgen verständlich angekommen war. Doch wir wurden einmal mehr überrascht. Erst 15 Kinder. Dann kamen sie aus allen Ecken. Schüler unserer Schule. Kinder aus der Nachbarschaft. Kinder von anderen Schulen. Am Ende hatten wir reichlich Mühe, die 50 Kinder zu bändigen, in Gruppen aufzuteilen und einigermaßen geordnet die vorbereiteten Spiele durchzuführen. Eltern kamen vorbei, um zu sehen, was wir auf dem Schulhof mit ihren Kindern "machen". Ihren Gesichtern nach zu urteilen waren sie ganz zufrieden.
Wir versuchen anhand der Spiele und der Wettbewerbe den Kindern Spaß, Teamwork und Ehrgeiz zu vermitteln. Eine gute Ergänzung zum Unterricht am Vormittag.

Am Ende stürmten dann alle ins Schulgebäude, um auf die biblische Geschichte zu hören. Heute besprachen wir mit den Kindern das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Das ist natürlich ein Ambiente, das den Kinder aus ihrer dörflichen Umgebung sehr vertraut ist. Schafe stehen an allen Ecken, in Höfen und auf freiem Feld. Auf unsere Frage, wie sie sich verhalten hätten, wenn ein Schaf in der Herde fehlt, meinte ein Junge selbstbewusst: "Ich wäre auch dem verlorenen Schaf hinterher gelaufen - sogar bis nach Frankreich". Wir haben kurz über Jesus Christus gesprochen, der verlorenen Menschen nachgeht. Vor allem aber versuchten wir zunächst auch die menschliche Seite der Geschichte auszuloten. Die Kinder haben verstanden: Wir sind füreinander verantwortlich. Wenn jemand zurückbleibt und nicht mitkommt, dann haben wir die Aufgabe, den Schwachen nachzugehen. Ein gelungener Nachmittag.





Samstag, 18. Oktober 2014

Mali | schon seit zwei Monaten hier


Vor zwei Monaten wachten wir morgens unter einem Moskitonetz auf und wurden uns endgültig bewusst: wir sind zurück in Mali.
Draußen stand die Sonne schon hoch am Himmel und die Temperaturen lagen weit über 35 Grad. Die Luft war voller afrikanischem Staub. Wir warteten auf den nächsten Regen.
Zurück in Mali. Auf diesen neuen Lebensabschnitt haben wir uns emotional und praktisch lange Zeit vorbereitet. Doch die Veränderung dann live zu erleben, das ist dann noch mal ein anderes Paar Schuh‘.
Mit ein paar Eindrücken und Schlaglichtern wollen wir die letzten Wochen Revue passieren lassen, querbeet und ungeordnet:
  • Viele bekannte Gesichter. Menschen, die wir kennen und die uns das Einleben leichter machen.
  • Ab und zu ein paar Tränen, weil unsere Kinder und der kleine Pauli so weit weg sind.
  • Solo, der schon seit gefühlten zwanzig Jahren mit Christen zu tun hat und immer noch kein Nachfolger Jesu ist
  • Erste Versuche, einen Frauentreff und einen Männerkreis in Sabalibougou zu etablieren, jedoch bisher ohne großen Erfolg. Wir bleiben am Ball.
  • Motorradfahrer en masse, von denen wir den Eindruck haben, dass sie keinen blassen Schimmer von Verkehrsregeln haben.
  • Viehhirten, die ihre Schafe und Kühe zwischen den Autos hertreiben und das Chaos noch größer machen als es schon ist.
  • Unerwartete Perspektiven für die sportmissionarische Arbeit mit engagierten Mitarbeitern und hoffnungsvollen Kontakten in den Stadtvierteln.
  • Frisches Gemüse auf den Märkten. Hektisches Treiben. Fünf Jungs, die alle unsere Tasche tragen wollen. Einkaufen macht Spaß.
  • Tubaburufe (Bezeichnung für Weißhäutige) von entfernt stehenden Kindern, bei denen wir den Eindruck haben, dass sie das Wort Tubabu schneller sagen können als Mama und Papa.
  • Frauen am Rand der Straße, die ihre Lasten auf dem Kopf zum nächsten Markt tragen – und das in der prallen Sonne. Bewunderung.
  • Muezine, die uns früh morgens aus dem Schlaf reißen. Einige von ihnen bräuchten dringend ein paar Lektionen Gesangsunterricht, zur Förderung harmonischer Melodieführung.
  • Wir haben das große Glück, als Ehepaar vieles gemeinsam machen zu können, in der Gemeinde, in der Schule, in der FATMES, im Büro bei der Vorbereitung und beim Erstellen von Grundkursen. Zeit zum Beten und Lesen der Bibel.
  • Immer mehr Autos und immer mehr Schlaglöcher.
  • Duruni (öffentliches Verkehrsmittel), Taxen und LKW fahren auf den großen Verkehrsachsen grundsätzlich links. Überholt wird rechts.
  • Die Masse der Malier, die sich ohne soziale Absicherung kreativ aber mühsam durchs Leben schlagen, ein ständiger Kampf ums Überleben.
  • Immer noch Schlagzeilen, die von korrupten Politikern und Beamten reden. Alle regen sich auf, ändern tut sich wenig. Frust.
  • "Schrottreife Kisten", 15, 20 Jahre alt, die mit ihren Öl verbrennenden Motoren die Luft verpesten. 
  • Junge Leute, die schwitzend und für einen Hungerlohn in ihrem Handwagen Waren von Lagerhäusern zu Baustellen transportieren. Großen Respekt.
  • Pastor Enoc Sagara, der immer noch voller Ideen ist, praktisch orientiert und der uns sehr geholfen hat, konkrete Packenden zu finden bei der Umsetzung unserer Ideen. 
  • An der Kreuzung warten immer noch die jungen Sidibés & Co. mit ihren Handwagen und Ständern voller Brillen in allen Größen und Farben. Keme duru - der Preis ist ein wenig gestiegen. Doch jedes Mal wenn wir vorbeikommen, würden wir am liebsten eine kaufen.
  • An Schreibtischen auf Kosten der Allgemeinheit vor sich hin dösende Zöllner und Beamte, denen wir am liebsten die Ohren lang ziehen würden.
  • Missionare der Allianz Mission sind Mangelware. Teamwork funktioniert vor allem mit Maliern vor Ort.
  • Die Dominanz von Jugendlichen und Kindern in den Gottesdiensten, die in Chören und als Gottesdienstleiter den Rhythmus und das Geschehen dominieren.
  • Die Gebetsanliegen in den Gemeinden drehen sich um das persönliche Wohl und gemeindeinterne Anliegen. Das politische Chaos im Norden des Landes oder die Christenverfolgung im Irak kommen kaum zur Sprache. Wo ist der weite Horizont?
  • Wir sind happy, dass wir uns in die konkrete Arbeit stürzen können und kaum mit Strukturfragen  und langwierigen Sitzungen beschäftigt sind – bis auf ein paar wenige Ausnahmen.
  • Wir freuen uns, dass Malier auf uns zukommen mit ihren Ideen und Vorschlägen und wir nicht selber alles initiieren müssen.
  • Die Privatschule in Sabalibougou ist ein echtes Geschenk, ein gutes Arbeitsfeld für Christiane und eine tolle Möglichkeit ganzheitlicher Missionsarbeit.
  • Die FATMES ist nach wie vor das Arbeitsfeld, wo Alfred sich am ehesten austoben kann. Doch es gibt dort viel Staub auf den Büchern. Und auch sonst ist Vieles liegengeblieben in den letzten Jahren. 
  • Wir genießen die "Freiheit des Missionars", Teams aufzubauen, uns vielseitig betätigen zu können, zu gestalten, Visionen zu spinnen und Ideen umzusetzen. 
  • Gott hat uns gemeinsam nach Mali geschickt. Wir brauchen einander und werden die Herausforderungen gemeinsam angehen - mit Gottes Hilfe. Gemeinsam oder gar nicht.
  • In den eigenen vier Wänden der Zentrale der Allianz Mission fühlen wir uns wohl und ziehen uns nach einem anstrengenden Tag gerne dorthin zurück. 
  • Wir erleben Gott als den großen Vater, der mitgeht und sich besonders dort zeigt, wo wir mitten im Leben auf Menschen treffen und in Situationen, wo wir an unsere Grenzen kommen.
Wir spüren, dass viele Freunde uns und unsere Arbeit im Gebet tragen.  Das macht Mut.

FATMES | aus dem Staub geholt


Das Schild stand jahrelang an der Straße vor der Zentrale der Allianz Mission in Bamako, wo von 2002 bis 2010 der Unterricht an der FATMES stattfand. Zeitweise sind hier 40 Studierende und Dozenten ein und ausgegangen. Mittlerweile hat die FATMES in einem anderen Stadtteil ihre Bleibe gefunden. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, denn das neue Studienzentrum bietet hervorragende Möglichkeiten der Fortbildung, für theologischen Unterricht in den verschiedenen Fachbereichen der Theologie und Missionswissenschaft, aber auch für Seminare und Konferenzen gemeinsam mit Zielgruppen und Gemeinden. 
Dass das Schild der FATMES, das an die "Gründerzeit" vor über 10 Jahren erinnert, im Staub eines Lagerraums vor sich hin verrottete, das fanden wir zu schade. Wir haben es hervorgeholt, gründlich gereinigt, und jetzt ziert es unser Büro. Ein wenig Nostaligie muss schon sein.


Mittwoch, 15. Oktober 2014

Sabalibougou | Der schwarze Jesus kommt ins Dorf


Es war wirklich den Versuch wert. Normalerweise haben die Kinder mittwochnachmittags schulfrei. Wir hatten dennoch den Direktor der Schule in Sabalibougou gebeten, die Kinder zu fragen, ob sie Lust hätten, nochmal auf den Schulhof zu kommen. Wir hatten ein paar Spiele geplant und eine biblische Geschichte vorbereitet. Als wir vorfuhren waren es halb Vier. Die Sonne stand noch hoch und es war ziemlich heiß und schwül. Es herrschte gähnende Leere auf dem Schulhof. 
Und dann ... Als wir uns dem Schulgebäude näherten, hörten wir die Stimmen der Kindern. Die Bude war gut gefüllt. 30 Kinder saßen brav auf ihren Bänken. Selbst der Direktor war noch da geblieben, um uns zu unterstützen.
Als wir zum Spielen nach draußen gingen, kamen noch Kinder aus der Nachbarschaft hinzu. Die Kinder hatten sichtlich Spaß – und wir auch. Ab und zu mussten wir die Kleineren auf den Arm nehmen oder trösten, wenn sie in der Gefahr standen, unter die Räder der Meute zu geraten. Es war immer unser Traum, den Ansatz einer missionalen und für die Gemeinschaft relevanten Missionsarbeit zu verwirklichen. Wir sind bereits in der kleinen christlichen Gemeinde in Sabalibougou tätig und helfen beim Predigen und der Gestaltung von Gottesdiensten mit. Christiane unterrichtet in der öffentlichen Privatschule. Diese Kontakte wollen wir nutzen, um im Dorf eine offene Kinderarbeit aufbauen, an der sich alle beteiligen können und die von der Öffentlichkeit und den Eltern wahrgenommen wird. Weg aus den vier Räumen der Gemeinde, raus in den Staub des Dorfes. Und an diesem Nachmittag ist ein erster Schritt in diese Richtung gelungen.  


Christiane und ich haben die Zachäusgeschichte aus Lukas 19 im Dialog erzählt und dabei immer wieder die Kinder einbezogen und gefragt: Ob sie eigentlich wüssten, wo Jericho liegt? Was der Typ da auf dem Baum macht? Ob sie auch runter gekommen wären, wenn sie ein Fremder dazu aufgefordert hätte? Ob sie auch das Geld zurückgegeben hätten? Die Antworten waren sehr interessant und vielseitig. Die Kinder waren sehr aufmerksam.


Beim Erzählen der Geschichte haben wir die künstlerisch wertvollen Bilder aus der Serie JESUS MAFA benutzt.  Christen aus dem kamerunischen Dorf Mafa haben die biblischen Geschichten nachgespielt. Dabei wurden Fotos erstellt, die dann anschließend gemalt wurden. Jesus ist in diesen Szenen ein Afrikaner, die Jünger auch -  und all die Zuschauer. Wir arbeiten gerne mit dem von Katholiken erstellten Material, da die Identifikation sofort gegeben ist und der Eindruck entsteht: Jesus kommt zu uns nach Afrika. 

Dienstag, 14. Oktober 2014

Sabalibougou | Wie alt bist Du?


Der erste Unterrichtstag  war für Christiane sehr ermutigend. Inzwischen haben sich 34 Kinder für das erste Schuljahr eingeschrieben. In den letzten Tagen sind immer noch einzelne dazu gekommen. Offensichtlich gibt es einige Eltern, die das Geschehen an der neuen Privatschule im Dorf erst einmal von weitem beäugen und sich umhören, bevor sie sich entscheiden, ihre Kinder dorthin zu schicken. Der Tag begann mit dem Hissen der malischen Fahne und dem Singen der Nationalhymne. Erstaunlich, den Text kannten die Kinder auswendig und sie haben kräftig mit geträllert. Dann, aufstellen und geordnet den Klassenraum betreten. Das muss schon gut organisiert und geübt werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Metalltür dem kollektiven Ansturm der Meute nicht standhält oder der ein oder andere verletzt wird. 

Im Sozialkundeunterricht, den Christiane verantwortet, lernen die Kinder, einander zu begrüßen und ihre Eltern mit dem gehörigen Respekt anzusprechen. Die Erklärung folgt in Französisch und teilweise in Bambara. Heute hat Christiane den Kindern zudem beigebracht zu sagen, wie alt sie sind (Quel âge as-tu? dt. [käll aasch a tü?].  Das ist schon ziemlich anspruchsvoll, da viele Kinder gar nicht wissen, wann sie geboren wurden. Kollektives Lernen im Sprechchor und dann immer wieder durch die Reihen gehen, einzelne Kinder ansprechen und die Lektion individuell einüben. Hesekiel S., der Direktor der Schule sagte uns am Rande: "Im ersten Schuljahr zu unterrichten ist am schwierigsten". Da hat er Recht. Aber Christiane hat es sehr viel Spaß gemacht und die Kinder haben gut mitgemacht.

Bücher, Staub und eine fleißige Dame


Staubige Bücher einzusortieren und schmutzige Regale und Schränke zu säubern, das ist wahrlich keine Arbeit, die man sich aussucht. Aber es ist eine Arbeit, die zzt. gemacht werden muss, weil sich niemand in den letzten Jahren so richtig um die Bibliothek der FATMES gekümmert hat. Der Studienleiter hatte uns gefragt, ob wir uns um die Bibliothek verantwortlich kümmern könnten. Und wir haben Ja gesagt …
Bücher sind falsch eingeräumt worden. Teilweise sind die Schränke von Termiten angefressen worden und müssen repariert werden. Christiane macht sich trotz allem an die Arbeit, um ein wenig Ordnung zu schaffen. Alfred hilft vor dem Unterricht mit. Viele der Bücher sind noch nicht kodiert und etikettiert worden. Es gibt noch jede Menge Arbeit zu tun, die uns wahrscheinlich das Studienjahr über begleiten wird.

Die FATMES braucht eine gut geordnete Bibliothek, einmal als notwendiges Hilfsmittel, das Dozenten und Studierende für ihre Recherchen benötigen, aber auch, um die Qualität und den Standard unseres Instituts zu heben. Deshalb ist diese Arbeit nicht umsonst, auch wenn es richtig staubt und man richtig ins Schwitzen kommt. 

Dienstag, 7. Oktober 2014

Sabalibougou | Schulstart mit 24 Erstklässlern


Einige Eltern kamen auf den letzten Drücker und ließen ihre Kinder in der neuen christlichen Privatschule in Sabalibougou einschreiben. 18 der Kinder waren pünktlich. Am Ende des Vormittags standen 24 auf der Liste. Die kleinen Leute kamen schick gekleidet und teilweise mit Rucksack zur Schule, einige in Begleitung ihrer Eltern. Der gestrige Feiertag war den Kindern noch anzusehen. Der Direktor der Schule Hesekiel Sagara brachte den Kindern Begrüßungsformeln bei und einige Worte in Französisch. 



Christiane war damit beschäftigt, Eltern zu begrüßen, die Kinder einzuschreiben und an ihrem ersten Schultag bei Laune zu halten und für etwas Ruhe zu sorgen. Einige der Kinder waren etwas aufgeregt und schüchtern. Zur Pause hatten wir ein paar Küchlein mitgebracht und an die Kinder verteilt. Das war eine gute Idee, denn die Eltern hatten den Kleinen nichts mit auf den Schulweg gegeben. Wir sind auf die weiteren Erfahrungen gespannt. Heute war nur die Einführung und noch kein normaler Unterricht.



Sonntag, 5. Oktober 2014

Fête de Tabaski | Tausende Schafe für das höchste islamische Fest



Idu I-Adha (arab. Opferfest), Aid-El-Kebir (arab. großes Fest), Tabaski (gebräuchlicher Name in Westafrika) oder einfach Schafsfest (fête des moutons) ist neben dem Fest des Fastenbrechens (Id-alfitr) am Ende des Ramadan (Fastenmonat) das wichtigste Fest im islamischen Kalender. Es findet nach dem islamischen Mondkalender am 10. des Monats Dhu-I-Hiddscha zum Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka (Haddsch) und 50 Tage nach dem Ende des Fastenmonats statt. 
Die vielen verschiedenen Bezeichnungen haben mich neugierig gemacht. Die arabischen Ursprünge sind klar. Mich interessierte deshalb die Frage: Woher stammt die in Westafrika gebräuchliche Bezeichnung Tabaski?
Beim Nachforschen bin ich auf interessante Querverbindungen gestoßen. Das Wort in seiner heutigen Form kommt von den Wolof (senegalesische Volksgruppe). Senegal wiederum grenzt an Mauretanien. Die Mauren sind historisch gesehen arabisierte Tuareg, die sich vor langer Zeit bei der Suche nach einer adäquaten Bezeichnung für das Opferfest am lateinischen Wort pasqua orientiert haben. Die Nähe zum latinisierten Mittelmeerraum mit seinen starken christlichen Einflüssen macht diese Erklärung nachvollziehbar. Das lat. pasqua seinerseits stammt vom hebräischen Wort pesakh. Historiker gehen davon aus, dass Teile der ehemaligen Berber noch sehr lange nach der islamischen Invasion an der jüdisch-christlichen Tradition festgehalten haben. Sie benutzen das Wort Tafaska. Das Wort Tabaski hat also ursprünglich jüdisch-christliche Wurzeln. Hinzukommt, dass es in der nordafrikanischen Region schon vor der islamischen Invasion ein Fest gegeben hat, das von Tänzen und "karnevalistischen Umzügen" (Spiele, Musik, Verkleidung, Theater) begleitet war. Tanz, lebendige Farben und schicke Kleider sind bis heute Bestandteil des malischen Tabaskifestes. Es ist typisch für den westafrikanischen Volksislam, dass sich arabisch-islamische Elemente mit traditionellen Bräuchen vermischt haben.
Das jüdische Passahfest, das christliche Osterfest sowie das muslimische Opferfest haben einen gemeinsamen Nenner: das Schaf, das im wörtlichen bzw. symbolischen Sinn geopfert wird, um Leben zu retten und den Bund mit Gott zu besiegeln.
In Bamako haben in den letzten Tagen Herden von Schafen die Straßen gesäumt. Auf Schultern oder festgebunden auf den Rücksitz des Motorrades oder auf den Dächern der Durunis (öffentl. Verkerhsmittel) wurden sie von den Märkten in die Höfe transportiert. Hunderte Schneider haben neue, farbige Kleider genäht und dabei ein gutes Geschäft gemacht. Und heute sind die Straßen am Vormittag fast wie leergefegt. Die Menschen besuchen die Moscheen, wo den islamischen Gottesdiensten eine besondere Liturgie zum Feiertag zugrunde liegt. Auf dem Weg nach Sabalibougou sehen wir am Straßenrand hunderte Gläubige im Schatten einer Baumallee niederknien zum Feiertagsgebet.
Die Muslime erinnern sich an Abraham, der Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen als Vater ihres Glaubens dient, der die göttliche Probe bestanden hat und bereit war, sich Gott total unterzuordnen und seinen Sohn Isaak zu opfern (Sure 37,99-113; Gen 22,1-9). Glücklicherweise schickte Gott einen Widder vorbei, der anstelle des Sohnes geopfert wurde. Den Muslimen ist es geboten, am Tabaskifest ein Schaf zu opfern und es aus Dankbarkeit für Gottes Bewahrung mit Freunden und Bedürftigen zu teilen. Deshalb herrscht um die Mittagszeit reges Treiben in den Höfen. Das Blöken der Schafe wird immer weniger – logisch, und die eine oder andere gebratene Keule wechselt den Besitzer. Selbst die Wächter an unserem Haus haben was abbekommen - ein, zwei Schafsköpfe, die sie gereinigt und dann auf einem Kohlefeuer gebraten und anschließend genüsslich verspeist haben. 
Nachmittags machen sich die Leute auf den Weg, um Verwandte zu besuchen. Fernseh- und Radiostationen bringen Sondersendungen zum Fest und die Stimmen sich echauffierender Imame sind aus den Lautsprechern und von den Minaretten (Turm einer Moschee) zu hören. In den Städten drehen sich Karusselle und auf den wenigen Grünflächen in der Stadt oder am Ufer des Nigers werden Picknicksachen ausgebreitet.
Natürlich ist diese Gelegenheit für uns Christen wie gemacht, nicht nur an unsere Version der Abrahamsgeschichte zu erinnern, sondern auch an Jesus Christus, der den Opfertod am Kreuz zur Versöhnung aller Menschen auf sich nahm.


Freitag, 3. Oktober 2014

Fatmes | Das Studienjahr nimmt langsam Fahrt auf


Am Montag (1.10.) fand die Eröffnungszeremonie in Niamakoro in den Räumen der Hochschule statt. Die Veranstaltung war in den letzten Jahren etwas dürftig besucht, sagte uns der Studienleiter Mamadou N. Dieses Jahr kamen ca. 50 Leute. Das hat uns alle positiv überrascht. Vertreter von Missionsgesellschaften und nationalen Gemeindeverbänden, Studierende, Lehrer und Freunde des Instituts füllten die Stuhlreihen in der Bibliothek. Das war ermutigend. Zurzeit sind ca. 30 Studenten in den verschiedenen Programmen und Kursen eingeschrieben.
Pastor Thaddée D. hielt eine Predigt zum Thema „Exzellenz im christlichen Dienst“. Ein großes Thema, an dem man sich leicht die Zähne ausbeißen kann. Thaddée stellte als wichtige Faktoren die enge Verbindung zu Jesus, hingebungsvolle Liebe für Menschen und die Sache, Kompetenz sowie andauerndes Engagement heraus. Auch in Mali setzt man sich hohe Ziele, doch bei der Umsetzung fehlt es oft an guter Organisation und andauerndem Engagement. Von daher kam der Aufruf zur rechten Zeit. Wir beten, dass alle Beteiligten in diesem Jahr konstruktiv zusammenarbeiten und die Strukturen so angepasst werden, dass sie funktionieren und wir damit einen Schritt weiter kommen auf dem Weg zur angestrebten Exzellenz. Die FATMES ist jetzt 12 Jahre alt. Im Vergleich zu den alten europäischen Unis und Fachhochschulen, die auch alle längst nicht problemlos funktionieren, stecken wir noch in den Kinderschuhen. Von daher machen wir uns keinen unnötigen Stress und gehen Schritt für Schritt weiter, um internationalen Standards zu entsprechen und gleichzeitig eine für westafrikanische Verhältnisse praktikable Struktur zu finden. 
Maurice S., der Vorsitzende des Fördervereins der FATMES dankte der Norwegischen Lutherischen Mission und der Allianz Mission für ihre Unterstützung und langjährige Zusammenarbeit und eröffnete offiziell das Studienjahr. Der Vorsitzende der Ev. Allianz Malis und gleichzeitig Lehrer für Systematische Theologie an der FATMES, Dr. Yussuf D. sprach das Segensgebet.
Wir freuen uns darauf, wenn das Studienjahr endlich losgeht. 

Für uns klärt sich langsam aber sicher, in welchen Bereichen wir an der FATMES tätig werden können. Neben dem Unterricht werden wir uns um die Bibliothek kümmern. Inzwischen haben die Arbeiten zum Bau des ersten Stockwerks begonnen. Das ist ermutigend. Aber auch hier kommt Arbeit auf uns zu, z.B. bei der Koordination und Aufsicht der laufenden Arbeiten. 



"Die FATMES will im nächsten Jahr drei Seminare für ehrenamtliche Mitarbeiter durchführen und neue Zertifikatsprogramme auflegen", so der Studienleiter in seiner kurzen Ansprache. Das alles soll internationalen Standards entsprechen und muss entsprechend geplant und durchgeführt werden. Der Fachbereich Islamwissenschaft soll neu strukturiert und den aktuellen Herausforderungen angepasst werden. All das ist die Arbeit einer Fachkommission, in der Alfred mitarbeiten wird.

Aber alles der Reihe nach …
Am 2.10. startete erst einmal die Einführungswoche. Wie studieren? Wie gestaltet sich der Prozess wissenschaftlicher Recherchen? Was sind die Ziele und Aufgaben der Theologie? Was motiviert uns, wenn wir Theologie studieren? Mit welchem Ziel tun wir das? – All diese Fragen werden in Unterrichtsform und in Workshops erörtert.

Wir sind mit vielen in den Gemeinden davon überzeugt, dass die FATMES eine wichtige Rolle einnimmt für künftige Pastoren, Missionare, Evangelisten und Gemeindegründer, aber auch für christliche Unternehmer, sozial engagierte Leute und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Gemeinden.