Sonntag, 31. August 2014

Sabalibougou | Start mit einem Rekord

Die Straßen sind gut befahrbar an diesem Sonntagmorgen. Wir überqueren zügig den Niger auf der vierspurigen Fahrbahn und erreichen nach 25 Minuten das 5.000 Bewohner zählende Dorf Sabalibougou. Die letzten Kilometer legen wir auf einer Buckelpiste mit riesigen Pfützen zurück. Es ist schließlich Regenzeit. Wir sind froh, uns mit einem allradbetriebenen Auto fortbewegen zu können.
Mitten im Dorf steht ein Hinweisschild. UEPEM - Eglise Protestante steht da zu lesen. Irgendwo muss sie also sein, die kleine Gemeinde unseres malischen Gemeindebundes. Das zweite Schild übersehen wir, da es mit dichtem Grünzeug überwuchert ist. Wir fragen uns durch, bis uns schließlich einige Kinder neben dem Wagen tänzelnd und eifrig winkend den Weg zeigen. Der Gottesdienst hat schon begonnen. Lauter Gesang mit rhythmischem Trommelschlag dringen an unser Ohr. Hier in dieser Gemeinde wollen wir in Zukunft mitarbeiten. Der Gottesdienst findet auf der geräumigen Veranda des von Pastor Enoc S. erbauten Hauses statt. Es erinnert uns sehr stark an die Zeit, als wir 1990 selber in Soufouroulaye (Region Mopti) auf diese Weise die ersten Gottesdienste gefeiert und Gemeindeaufbauarbeit gestartet haben.
In der letzten Woche hatten wir ein Treffen mit dem zuständigen Pastor Silvain S., der für Sabalibougou und noch weitere drei Dörfer in der Umgebung für Gottesdienste und Gemeindearbeit zuständig ist. Er sagte uns: „Mit 20 bis 30 Leuten einschließlich einiger Kinder könnten wir rechnen. Doch die Leute sind manchmal sehr unpünktlich und unregelmäßig im Besuch des Gottesdienstes.“ Doch was wir erleben, überrascht uns positiv. Über 50 Leute sind da. Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder – letztere in der Mehrheit. So ist das in Mali. "Das ist bisheriger Rekord, der zahlenmäßig am Besten besuchte Gottesdienst, den wir bisher hatten", sagt uns der Pastor später.
Wir werden herzlich begrüßt und stellen uns kurz vor. Der Pastor erklärt, wie wir ab September der Gemeinde unter die Arme greifen und mitarbeiten wollen: Predigtdienste, Arbeit mit Kindern, mit Frauen und Jugendlichen, Besuchsdienste – zweimal pro Monat an Sonntagen und einmal in der Woche an einem Nachmittag. Im Anschluss an den Gottesdienst bleiben alle da – zu einer improvisierten Gemeindeversammlung. Die Leute fragen uns aus und unterbreiten ihre Wünsche an die künftige Zusammenarbeit. Das macht echt Spaß. Frauen sprechen sich für regelmäßige Bibelgesprächskreise aus. Junge Leute plädieren für regelmäßige Treffen, wo ihr Glaube vertieft werden kann. Ein Mann meldet sich zu Wort: „Es wäre sehr schön, wenn wir regelmäßig einen offenen Gesprächskreis in einem unserer Höfe haben könnten. Viele Leute aus dem Dorf wissen gar nicht, dass es hier Christen gibt. Wir haben ein wenig Berührungsängste. Der Teufel nimmt uns den Mut, uns in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Leute sollen aber mitbekommen, wer wir sind! Könnt ihr uns dabei unterstützen?“ Ich stehe auf und sage: „Den Teufel, den müssen wir schon gemeinsam mit Gottes Hilfe verjagen. Öffnet eure Häuser. Wir fangen einfach an, uns gegenseitig zu besuchen, laden andere dazu ein und schauen, was passiert“. Die Leute lachen und applaudieren. 
In den Unterhaltungen nach dem Gottesdienst merken wir, wie sehr Gemeindeleben auf ein Gebäude und die Institution reduziert wird. „Wenn wir erst einmal ein großes Gemeindehaus haben, dann werden die Leute kommen“, so sagt man uns. „Im Dorf gibt es noch viel mehr Christen, die aber lieber in ein benachbartes Dorf fahren, um dort Gottesdienst in einer „richtigen Gemeinde“ zu feiern“.
Das traditionelle, institutionalisierte Gemeindeverständnis ist in den letzten Jahrzehnten von Missionaren stark geprägt worden. Hinzu kommt, dass sich die Christen in Mali am Vorbild der Muslime orientieren. In jedem kleinen Dorf steht eine Moschee – also muss auch ein Gemeindehaus her. Doch es geht auch anders: offene Gesprächskreise in den Höfen sind auch Ausdruck von Gemeinde. Selbst die Muslime knien während des Freitagsgebets zu Hunderten im Schatten der Bäume und beten angeleitet von einem Imam Richtung Mekka. Religiöses Leben ist nicht an die Institution eines Gebäudes gebunden. Wir sind gespannt auf die Arbeit und hoffen, die Menschen von einem offeneren Gemeindeverständnis überzeugen zu können, das ihr Privatleben und ihre Häuser mit einschließt.

Donnerstag, 28. August 2014

Mali | die „Kacke dampft“ und viele Fragen sind ungelöst

Die malische Gesellschaft steht vor einer Reihe ungelöster Fragen. 

Streik | Wer sorgt für soziale Gerechtigkeit?
Letzte Woche gab es einen zweitägigen Generalstreik aller Arbeiter und staatlichen Funktionäre. Der Aufruf der größten Gewerkschaft des Landes (UNTM) stieß auf große Zustimmung. 
In Bamako waren die Fabriken und Behörden dicht. Der Versuch, am Flughafen an unser Gepäck zu kommen, war aussichtslos. Hinter dem Streikaufruf stecken nicht nur finanzielle Interessen. Die Malier sind höchst unzufrieden mit ihrer Regierung. Der Präsident des Landes leistet sich ein funkelnagelneues Flugzeug. Beamte wirtschaften nach wie vor, gedeckt von einem traditionell korrupten System, in ihre eigenen Taschen. Die einfache Bevölkerung bleibt auf der Strecke. An ihrer prekären Lebenssituation ändert sich kaum was. Die Preise für die wichtigsten Grundnahrungsmittel steigen weiter. Händler sollen für eingeführte Waren mehr Zoll bezahlen. Die Regierung steht unter Druck. "Warum macht es unser Präsident nicht genauso wie sein Kollege in Malawi?", fragen die Leute empört. Der Präsident Malawis hatte vor kurzem sein teures Präsidentenflugzeug verkauft und mit dem Geld Tonnen von Reis für seine leidenden Landsleute gekauft. Viele der insgesamt 17 Forderungen der Gewerkschaft wurden positiv beantwortet. Doch wenn es nicht zu einem entscheidenden Einlenken der Regierung bei den restlichen Punkten kommt (z.B. Anhebung des Mindestlohns und des Kindergeldes), steht der nächste Generalstreik ins Haus. Gut, dass es Gewerkschaften gibt. Immerhin hat der malische Präsident die Angelegenheit jetzt zur Chefsache gemacht - und damit seinen eigentlich zuständigen Innenminister ein wenig düpiert. 

Müll | Wohin im dem Abfall?
Ein anderes Problem ist die der Müll in den Straßen der Hauptstadt. Die zentrale Müllabladestelle mitten in der Stadt ist hoffnungslos überfüllt und „stinkt gen Himmel“. Die Menschen haben aus Protest einige Straßen mit Müll verbarrikadiert, um die städtische Verwaltung zum Handeln zu zwingen. Das ganze wird zu einem Politikum. Gestern waren Bagger und LKW unterwegs, um den Müllbergen Herr zu werden. Eine Müllverbrennungsanlage gibt es nicht. So wandert das Zeug von einer Stelle zur andern – und landet schließlich irgendwo auf den Feldern, um dort vor sich hin zu gammeln.

Konflikt im Norden | Wann kommt der Norden endlich zur Ruhe?
Im Norden des Landes hatte die malische Armee am 21. Mai eine herbe Niederlage gegen die MNLA (Bewegung zur Unabhängigkeit des malischen Nordens/ Azawad) erlitten. Seit dem ziehen sich die Soldaten aus den wichtigen Städten im hohen Norden (Kidal, Menaka u.a.) zurück oder halten sich in Militärlagern auf, die einer Ausgangssperre unterliegen.
Die Leute fragen: Ist unsere Armee wirklich so schwach? Oder gab jemand die Order zum Rückzug? Und wenn ja, wer? Geschah dies auf Druck der internationalen Schutztruppe (MINUSMA)? Steckt eventuell die Zentralregierung in Bamako selber dahinter? Und wenn ja, welches Ziel verfolgt sie damit? Für Verwirrung sorgte auch die Meldung, dass ein hoher Richter aus Timbuktu, der mit den radikalen Kräften und Regierungsgegnern zusammen gearbeitet hat, zunächst festgenommen und kurze Zeit später wieder freigelassen wurde.
Zzt. stehen Verhandlungen in Ouagadougou (Hauptstadt des benachbarten Burkina Faso) und in Algier auf der Tagesordnung. Die malische Zentralregierung, die MNLA und ihre Verbündete sowie die Vermittler sitzen gemeinsam am Verhandlungstisch. Um möglichst viel zu ihren Gunsten herauszuschlagen, wollen sich die politischen und militärischen Kräfte des Nordens in eine gute Verhandlungsposition bringen. Deshalb zeigen sie Stärke. Die Stadt Menaka (315 km nordöstlich von Gao) wurde von ihnen eingenommen. Die offiziellen Behörden wurden besetzt und die Polizei aufgelöst. Die Zentralregierung in Bamako schweigt – auch deshalb, um die besagten Verhandlungen nicht von Anfang an zu gefährden. Die Tuareg u.a. Völker des nördlichen Mali streben einen Autonomiestatus ihrer Region an. Einige radikale Stimmen plädieren für eine territoriale Loslösung vom malischen Staatsgebiet. In den Zeitungen war davon zu lesen, dass die Tuareg künftig mit 3.000 Soldaten in der malischen Armee vertreten sein wollen, die für den Norden zuständig ist. Andere Kommentatoren sagen einen weiteren Vormarsch der verschiedenen Rebellengruppen auf die Region Gao voraus. Dort hat die offizielle malische Armee ihre letzten Kontingente zusammen gezogen. Einziger Hinderungsgrund: die Rebellen sind sich untereinander uneins. Dies könnte sowohl ihren Vormarsch verzögern, aber auch eine diplomatische Lösung in Ouagadougou gefährden. Neben den militärischen Aspekten gibt es Forderungen, die sich auf die Entwicklung der Infrastruktur beziehen. Hier liegen also allerhand Forderungen auf dem Tisch, die mit erheblichen Konsequenzen verbunden sind. Algerien, dem großen Nachbarn im Norden und einem der Vermittler im Konflikt, liegt es daran, dass die radikalen Kräfte im Norden Malis gebunden werden, damit sie ja nicht auf die Idee kommen, in Algerien selber wieder Unheil anzurichten. Ein großer Teil der radikalen Kräfte stammen aus Algerien, die Anfang der 2000er Jahre im Zuge des Bürgerkriegs in die Sahara zurückgedrängt wurden.
Viele der radikalislamistischen Kämpfer haben sich aus dem Maghreb und dem Sahelgebiet zurückgezogen oder halten sich versteckt. Einschlägige Quellen besagen, dass einige sich zwischenzeitlich den ISIS-Kämpfern im Irak und in Syrien angeschlossen haben. Die Frage ist: Wann kehren sie zurück? Die religiös-politischen Ziele der islamistischen Gotteskämpfer sind klar: die Errichtung eines Kalifats, das den Nahen Osten, den Mittelmeerraum und große Teile Afrikas umfasst.
Wir sind davon überzeugt, dass wir als Missionare die Fragen der Menschen auf dem Schirm haben müssen. Wir klagen und leiden mit. Wir informieren uns. Wir diskutieren mit. Wir versuchen zu helfen, wo es geht. Und wir sind uns bewusst, dass wir von weltpolitischen Großwetterlagen betroffen sind, denen wir nur mit Hoffen und Beten begegnen können.

Bíldnachweise: maliweb

Sonntag, 24. August 2014

Moribabougou - Händedruck mit Folgen

Vor drei Tagen schaute Pastor Abdias G. bei uns vorbei. Er betreut in Moribabougou eine der größeren Gemeinden im Raum Bamako. Wir kennen uns schon sehr lange. Kurz nach seiner Ausbildung hat er mit seiner jungen Familie bei uns im Hof in Kouloubleni mit gewohnt. Seine Kinder haben von unseren Kindern biblische Geschichten in Bambara zu hören bekommen.
Er erzählte uns von einer kurzen Begebenheit, die uns zu denken gegeben hat. Christiane und ich waren vor zwei Jahren, im August 2012, in der Gemeinde in Moribabougou, als sein Vorgänger noch dort war. Wir hatten die Pastorenfamilie besucht und bei dieser Gelegenheit den Imam (islamischen Geistlichen) des Dorfes kennen gelernt. Wir haben kurz miteinander geredet, uns die Hand gereicht und einen Tee gemeinsam getrunken. An die Details unserer Unterredung erinnern wir uns nicht mehr. Abdias erzählte uns nun, dass der Imam sich noch sehr genau an die besagte Begegnung von vor zwei Jahren erinnern konnte. Er kannte sogar noch unsere Namen. Die kurze Begegnung damals hat das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen im Dorf positiv geprägt. Der Imam gab Abdias zu verstehen: „Damals habe ich verstanden, dass Christen und Muslime keine Feinde sind. Wir haben zwar eine unterschiedliche Religion, aber wir sind Mitmenschen.“ 
Seit dieser Zeit kommen mehr und mehr Muslime zum Glauben und finden den Weg in die Gemeinde. Christen ihrerseits besuchen muslimische Nachbarn und nehmen an deren Leben teil, ohne Berührungsängste zu haben.
Die kurze Begegnung von vor zwei Jahren war sicherlich nicht der Grund für das stetige Gemeindewachstum. Das war einzig und allein Gottes Werk. Mit Sicherheit liegt es entscheidend in der treuen Arbeit der Pastorenkollegen vor Ort begründet und auch darin, dass die Gegend sich eines großen Bevölkerungswachstums erfreut, darunter auch viele Christen, die sich der Gemeinde anschließen. "Die Begegnung damals war wie ein Türöffner", so Abdias, "ihr habt ein positives Zeugnis hinterlassen". Abdias kam, um uns zu grüßen und sich dafür zu bedanken. 
Kleine Gesten, ein Händedruck, ein wenig Zeit, eine interessierte Frage, ein offenes Wort neben einem Kohlefeuer, auf dem Tee zubereitet wird – all das kann bei Menschen eine bleibende Erinnerung mit weitreichenden Folgen hinterlassen - irgendwann, irgendwie. Gott ist groß. 

Freitag, 22. August 2014

Ebola | ein internationaler Notfall

Das Ebola-Virus versetzt die Menschen in den Küstenstaaten Westafrikas in Angst und Schrecken. Selbst in Europa werden Durchfallerkrankungen und Fieberschübe bei Weltreisenden mit dem gefährlichen Erreger in Verbindung gebracht und lösen Panik aus, die jedoch bisher als übertrieben erscheint. Dr. Kent Brantly, der christliche Arzt aus den USA hat es offensichtlich geschafft. Dank vieler Gebete und eines Serums im Versuchsstadium hat er den kritischen Punkt überwunden. Er ist ein Einzelfall und er ist ein Weißer. 

Ca. 2.500 Menschen sind in Liberia, Nigeria, Sierra Leone und Guinea vom Virus befallen. 1.350 Menschen sind bisher gestorben. Die örtlichen Gesundheitssysteme sind überfordert. Quarantänezonen werden eingerichtet. Nachbarländer wie die Elfenbeinküste und Senegal treffen Vorsichtsmaßnahmen. Grenzen werden geschlossen. Mali grenzt im Süden an Guinea und im Westen an Senegal. Die Gefahr ist nicht weit. Dennoch gibt es bisher keine akuten Fälle, die nachgewiesen werden konnten – weder in Mali, noch im Senegal, noch in der Elfenbeinküste.
In Afrika tauchte der Virus erstmals 1976 im Kongo (Ebolafluss) auf. Die Krankheit schien eingedämmt. Doch seit 2014 tauchten erstmals in westafrikanischen Statten einzelne Fälle auf. Seitdem steigt die Zahl der Infizierten und Toten. Jeder Todesfall ist bedauerlich. Doch, so schlimm und sarkastisch es klingen mag: Je mehr Tote es gibt, umso eher handelt die WHO. Je mehr Bürger aus westlichen Ländern betroffen sind, umso mehr Geld wird für Forschung zur Verfügung gestellt und umso mehr Pharmazeuten werden aktiv, um ein wirksames Gegenmittel zu entwickeln. So ist das. Die wirtschaftlichen Interessen dominieren das öffentliche Interesse nach funktionierenden Gesundheitssystemen. Gegen Ebola scheint kein Kraut gewachsen. Oder doch? Weltweit gibt es immerhin zwei bis drei Pharmakonzerne, die dabei sind, Seren zu entwickeln und diese zu testen. Und sie werden weitermachen, wenn Gelder fließen. Aber das alles braucht sehr viel Zeit.
Vor vielen Jahren als Medikamente gegen Malaria entwickelt wurden geschah dies nicht aus reiner Liebe zu Afrika. Es geschah etwas, weil Leute aus dem Westen betroffen waren. Keine Mission und keine Entwicklungshilfeorganisation und kein Unternehmer hätte langfristig in Afrika operieren können, wenn nicht Medikamente gegen die Malaria gefunden worden wären, der auch heute noch die meisten Menschen in Afrika zum Opfer fallen.
Strittig ist, ob das in den USA getestete ZMapp wirklich die richtige Waffe gegen Ebola ist. Es steht nicht eindeutig fest, ob es dieses Medikament war oder die intensivmedizinische Betreuung, die den beiden Amerikanern das Leben gerettet hat. Offenbar gibt es ein japanisches Mittel namens Favipiravir, was schon viel länger getestet wurde und wo die Nebenwirkungen bekannt sind. Auch in deutschen Laboratorien in Hannover und Marburg gibt es Forschungen mit Medikamenten wie Amiodaron und Verapamil, die auch gegen Ebola wirksam sind. Experten raten angesichts der mangelnden Erfahrungen mit wirksamen Medikamenten von übereilten Experimenten ab, deren Wirksamkeit nicht erprobt, deren Herstellung schwierig ist und von denen nur sehr wenig Menschen profitieren können. Sie plädieren vielmehr für die klassische Vorgehensweise: Schulung des medizinischen Personals, Aufklärung der Bevölkerung über Wege der Infizierung, Errichtung von Isolierstationen usw. 
Bereits vor 2014 gab es 1995 und 2000 im Kongo und in Uganda Ebolafälle, wo über 400 Menschen betroffen waren und von denen über 200 verstorben sind. Dort ist zur Eindämmung der Epidemie "klassisch" gearbeitet worden. 
Angesichts des globalen Reiseverkehrs ist Ebola auch eine Gefahr für westliche Bürger. Die großen Epidemien wie die schwarze Pest, die Cholera, die spanische Grippe scheinen der Vergangenheit anzugehören. Doch daraus darf nicht geschlossen werden, dass der Westen grundsätzlich gegen Epidemien gewappnet sei und dass es gegen jede Krankheit ein Mittelchen gäbe. Dies wäre ein Trugschluss. Die Direktorin der WHO hat kürzlich die Ebola-Epidemie als einen „internationalen Notfall“ bezeichnet. Durch die Klimaveränderungen werden auch in Mitteleuropa wieder Mücken auftauchen, die Träger der Malaria sein können. Die vorhandenen Antibiotika werden im Laufe der Zeit Resistenzen entwickeln und längst im Griff geglaubte Krankheiten können wieder ausbrechen. Diese Gefahr wird unterschätzt. Es ist wichtig, die internationale Hilfe im Gesundheitssektor zu intensivieren. Die armen Länder Afrikas werden es alleine nicht schaffen.
Die desaströsen Gesundheitssysteme, die fehlenden und schlecht ausgebildeten Mediziner sowie die Korruption in der Politik verhindern in Afrika sichtliche Erfolge in der wirksamen Behandlung von Krankheiten. Hier muss Druck ausgeübt werden. Und es müssen auch Finanzen zur Verfügung gestellt werden, die kontrolliert im Bereich des Gesundheitswesens eingesetzt werden – am besten durch eine enge Kooperation zwischen Pharmakonzernen und einheimischen Krankenhäusern sowie NGOs, die nahe an der Bevölkerung dran sind und die Hilfe koordinieren und überwachen. Es bringt wenig, den großen Topf auszuschütten und den Regierungen Geld zu geben. Die Kanäle, in die solche Gelder fließen sind längst bekannt. Das Vertrauen ist verspielt.
Woher soll das Geld für effektive Hilfe kommen? Durch die Schaffung eines Solidarfonds, der von Unternehmen gefüllt wird, die sich an der Globalisierung und den Geschäften mit Ländern des globalen Südens eine goldene Nase verdienen oder durch eine Sondersteuer auf Flugtickets u.a. (vgl. UNITAID)
Fragen rund um Ebola beantwortet die Homepage von Ärzte ohne Grenzen: http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/article/fragen-und-antworten-zum-ebola-ausbruch-westafrika-2014
Ein sehr aufschlussreiches Interview gibt es hier: 
http://www.tagesschau.de/ausland/ebola-interview-101.html
Bildnachweise: www.n-tv.de und www.tageschau.de

Montag, 18. August 2014

Erster Gottesdienst in Bamako - und neue Ideen

Wir waren früh losgegangen zum sonntäglichen Gottesdienst nach Bamako-Quinzambougou. Beginn 9.00 Uhr. Freundliche Menschen wiesen uns unseren Platz zu. Männer und Frauen sitzen getrennt. Der Chor empfing die Gottesdienstbesucher mit lebendigen und rhythmischen Liedern. Zwei Reihen hinter uns begleitete eine über 70-jährige Frau die Songs mit einer mit Caurimuscheln bestückten Kalebasse – durch den Gang tanzend und mit dem passenden Takt.  Einfach cool. Bei den Ansagen wurden gefühlte 10 Hochzeiten angesagt, die Gemeindeglieder oder Verwandte betrafen. Ein Baby wurde gesegnet. Der Pastor stellte der Mutter ein paar Fragen zur Erziehung des Kindes. Der Mann stand schweigend daneben und lächelte lediglich in die Kamera des bestellten Fotografen. 
Wir wurden von den Gottesdienstleitern und vom Pastor herzlich willkommen geheißen. „Dr. Alfreid et Madame. Soyez les bienvenues. Aw danse. Vous êtes chez vous“. (Seid uns herzlich willkommen. Ihr seid zu Hause). Das Ende der Predigt ging im Wind und im Prasseln des Regens unter. Das Blechdach des Gemeindehauses verwandelte sich in ein großflächiges Schlagzeug, gegen das keines Menschen Stimme ankam. Der Nachhauseweg musste verschoben werden. Kein Problem. Der Chor hat einfach noch ein paar Zugaben gegeben. Einige Jugendliche nutzten die Zeit, um eine Choreographie für die anstehenden Hochzeiten einzustudieren. Pastor Enoc S. empfing uns zum Begrüßen und Smalltalk in seinem Salon. Nyamakuji (eisgekühler Ingwersaft) wurde gereicht. Köstlich dieses Getränk. Wir fragten nach Möglichkeiten unserer Mitarbeit in den Gemeinden des Bezirks Bamako. Enoc ist der Vorsitzende des Kreisverbandes der UEPEM-Gemeinden im Raum Bamako. Der Mann ist ein absoluter Pragmatiker. In 10 Minuten gelingt es ihm, konkrete, nachvollziehbare Perspektiven aufzuzeigen, mit denen wir sehr viel anfangen konnten. Enoc gab uns so das Gefühl: Schön, dass ihr da seid. Wir können euch gut gebrauchen. Mitten im Gespräch springt eine Katze durchs offene Fenster und zwischen unseren Köpfen ins Zimmer. „Das ist meine Katze. Die ist noch jung und kennt den Weg noch nicht so genau“, sagte Enoc entschuldigend und setzte die Unterhaltung fort.
Nachmittags haben wir uns erst einmal hingesetzt und bei einer Tasse Kaffee die Ideen sortiert und visualisiert. Wir werden die Ideen weiter bedenken und Gott bitten, uns die richtigen Optionen zu zeigen. Die Arbeitsbereiche, in denen wir uns engagieren können stehen zwar fest, doch die strukturelle Anbindung und die geographische Zuordnung unseres Beitrags zum Gemeindeaufbau und zur medizinischen Arbeit müssen noch genau abgesprochen werden. Uns ermutigt, dass Malier mit uns gemeinsam überlegen. Hier merken wir, dass sich im Laufe der Zeit die Mentalität gewandelt hat und das Selbstbewusstsein viel stärker geworden ist. Gut so. 

Freitag, 15. August 2014

Abschied von Deutschland - auf geht's nach Mali



Das hat uns sehr beeindruckt und ermutigt. Vor unserem Abflug heute Vormittag haben uns viele Grüße, Anrufe, Segenswünsche und berührende Worte erreicht. Es zeigt uns wie viele Menschen hinter uns stehen und unseren Weg zurück nach Mali begleiten. Die letzten Tage haben wir im Haus klar Schiff gemacht und unseren Kindern beim Räumen und Einziehen geholfen. Das hat Spaß gemacht. Jetzt sind sie die neuen Herren im Elternhaus. Freunde kamen vorbei, um sich persönlich zu verabschieden. Die letzten Umarmungen am Flughafen in Düsseldorf waren nicht einfach. Doch wir haben großes Vertrauen in unsere Kinder, die zurück bleiben in Deutschland. Wir haben gesehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen und Verantwortung übernehmen. 
Heute in der Nacht werden wir in Bamako landen. Der Flug nach Lissabon, wo wir uns zu einem Zwischenstopp aufhalten, ist gut verlaufen und gab uns die Zeit, die Emotionen ein wenig sacken zu lassen. 
Jetzt freuen wir uns auf die „neue Zeit in Mali“ und sind gespannt auf die ersten Tage, die Besuche und Treffen mit Menschen, mit denen wir in den nächsten Monaten zusammen arbeiten werden. Wir halten euch weiter auf dem Laufenden.