vendredi 12 décembre 2014

Weihnachtsgrüße aus Mali

Der Text aus Lukas 1, 76-80 hat mich besonders angesprochen, weil er genau in die Adventszeit passt. Die Rede ist von Johannes dem Täufer. Er ist es, den man Prophet des Höchsten nennt. Er wurde vor Jesus geboren. Er hat den Weg für ihn bereitet. Er berichtet dem Volk, dass in Jesus die Menschen die Vergebung ihrer Sünden bekommen, weil Gott so barmherzig mit ihnen ist. Diese Barmherzigkeit zeigt sich konkret im Erscheinen Jesu, der das „aufgehende Licht aus der Höhe ist, das allen Menschen erscheinen wird.“
Jesus ist nicht nur für die gekommen, denen es gut geht! Er ist besonders für die Armen und Schwachen in unsere Welt gekommen, um ihnen das Licht zu bringen. Auch für die, die im Gefängnis sitzen, oder die, die auf der Straße betteln müssen, damit sie etwas zu essen bekommen.  Deshalb hat mich der Text besonders angesprochen, weil in Mali viele Menschen noch nichts vom Heiland der Welt wissen und noch im Dunkeln sind. Hier sind wir täglich mit der Armut und der Not mancher Leute konfrontiert und wollen ihnen besonders die Liebe Jesu in Wort und Tat nahe bringen.
Wir als Missionare wünschen uns, dass wir durch unsere Arbeit, wie Johannes, den Weg Jesu zu den Menschen vorbereiten können.

Fürchtet Euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. (Lukas 2,10-11)

Wir sind Gott dankbar für seine Gegenwart auch in dunkler Zeit. Denn gerade da erscheint sein Licht umso heller. In seiner Nähe brauchen wir keine Angst zu haben. Er ist der Herr.

Wir wünschen euch allen weiterhin eine gesegnete Weihnachtszeit.

Mali | eine kleine Bilanz und was uns wichtig ist

Seit Mitte August sind wir zurück in Mali - Zeit für eine kleine Bilanz am Endes des Jahres. Wir haben darüber nachgedacht und aufgeschrieben, was uns Mission bedeutet und welche Werte uns bei der Umsetzung wichtig sind. Die folgende Graphik verdeutlicht auch die unterschiedlichen Arbeitsbereiche, in denen wir bereits tätig sind bzw. solche, wo wir uns erst einmal umgeschaut haben.


Was ist Mission?

MISSION – mit Gott unterwegs. Das ist der grundlegende Gedanke, der uns nach wie vor begeistert. Wir sind Mitarbeiter Gottes, privilegierte Leute und mit ihm unterwegs an dem Ort, wo Gott schon ist und wo er uns hinführt (Joh. 20,21). Wir sind nicht die Macher, sondern Teilhaber. Wir dienen Menschen und arbeiten in Strukturen, sind aber nicht deren Sklaven (1Kor 9,19).

Welche Werte sind uns wichtig?

INNOVATIV. Wir tun unsere missionarische Arbeit als freie Leute. Wir nehmen uns die Freiheit, neue Ideen in den Raum zu stellen und nach Möglichkeit zu deren Umsetzung beizutragen. Das gehört zur Berufung des Missionars (1Kor 9,1.19a).

INTEGRIERT. Wir arbeiten mit malischen Mitarbeitern und Kollegen zusammen. Wir integrieren uns in schon bestehende Strukturen, begleiten dort Mitarbeiter und klinken uns in Arbeitsprozesse ein. Neue Arbeitszweige entwickeln wir gemeinsam und versuchen sie sinnvoll in vorhandene Strukturen zu integrieren. So wird Nachhaltigkeit und Gemeinschaft gewährleistet. Integrative partnerschaftliche Zusammenarbeit reflektiert am ehesten den biblischen Gedanken der Koinonia und des Leibes Jesu Christi (1Kor 12,14ff).

HOLISTISCH. Unsere Arbeit ist ganzheitlich und berücksichtigt wenn möglich alle Aspekte der menschlichen Existenz. Gott hat uns geboten, kulturschaffend zu sein und uns um die Schöpfung zu kümmern (Gen 1,26f). Er hat uns Menschen anvertraut, die Erziehung benötigen. Er lässt uns schwachen und armen Menschen begegnen, die er liebt, und die unserer Fürsorge bedürfen. Der alttestamentliche Kulturauftrag, das gesellschaftliche Mitwirken, das kritische prophetische Wort gehören mit zur Mission, ebenso das Doppelgebot der Liebe (Mat 22,37-40) und die vielfältigen Aspekte der neutestamentlichen Missionsaufträge, die Jesus seinen Jüngern vor und nach Ostern anvertraut hat. Er hat uns die Botschaft der Liebe, der Gnade, der Vergebung und der Hoffnung vermittelt, die wir an andere weitergeben. Er erteilt uns den Auftrag, Menschen zu Jünger zu machen, sie in ihrem geistlichen Leben zu fördern, Gemeinden zu gründen und an seinem Reich mitzubauen.

Wo arbeiten wir mit?
  • SOZIALARBEIT: Die Gefängnisarbeit in Koulikoro (integriert in die Arbeit der Ev. Allianz in Mali - AGEMPEM) und die Straßenkinderarbeit in Bamako-Boulkassoumbougou (integriert in die Arbeit der NGO REMARD MALI: dt. Reintegration von Marginalisierten Menschen), sind beides Arbeiten mit einem ganzheitlichen Ansatz, die den Menschen am Rande der Gesellschaft zugutekommt. Wir überlegen, in diesen beiden Arbeitsbereichen ab Januar 2015 punktuell mitzuarbeiten.
  • ERZIEHUNG: Der Sozialkundeunterricht an der christlichen Schule PAS A PAS (dt. Schritt für Schritt) in Sabalibougou dient der Erziehung von Grundschulkindern. Gleichzeitig nutzen wir den Kontakt zu den Kindern, um mit ihnen im Rahmen der AG Sport-Spiele-Bibel an jedem Mittwochnachmittag Gemeinschaft zu haben und ihnen die Bibel näher zu bringen. Zu diesen Treffen kommen ca. 60 Kinder, Schüler aus der christlichen Schule und aus der Nachbarschaft. Diese Arbeit ist ausbaufähig. Sie ermöglicht es uns auch, zu den Familien der Kinder Kontakt aufzubauen. 
  • GEMEINDE: Sowohl die Arbeit an der Schule, als auch die offene missionarische Kinderarbeit und die Mitarbeit in der Gemeindeaufbauarbeit (integriert in die Arbeit der UEPEM- unseren malischen Gemeindebund) geschehen an einem Ort. Damit ist ein ganzheitliches Zeugnis im Dorf Sabalibougou möglich. Wir beraten die kleine Gemeinde und machen strategische Vorschläge für den Gemeindewachstumsprozess und klinken uns selber dort ein.
  • SPORTMISSION: Die Gründung der sportmissionarischen Arbeitsgruppe BOGOWULI dient der Förderung des Sports. Die sportmissionarische Arbeit geschieht in punktueller Zusammenarbeit mit EPHRATA (sportmiss. Organisation in Mali) und ist in die Jugendarbeit des Distrikts Bamako der UEPEM-Gemeinden integriert. Der Sport bietet vielfältige Möglichkeiten, Kontakte mit Menschen in den Dörfern und Stadtvierteln Bamakos zu knüpfen (Gemeindedistrikt der UEPEM im Raum Bamako). Auch hier liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde, denn neben dem Spaß am Sport (Turniere in Fußball und Volleyball, Kontakt zu Fußballclubs) wollen wir die Menschen mit dem Evangelium erreichen und ihnen biblische Werte fürs Leben vermitteln.
  • GRUNDKURSE und THEOLOGISCHE AUSBILDUNG: Im Rahmen der Literaturarbeit übersetzen wir theologische Dokumente sowie Glaubensgrundkurse ins Französische und Bambara. Sie finden in gemeindlichen Bibelgesprächskreisen Anwendung und werden in kontextualisierter Form in der theologischen Zeitschrift ESPERANCE veröffentlicht. Diese Arbeit ist in den Christlichen Verein für Kommunikation (ACCM) integriert. Hier arbeiten wir im Redaktionsteam mit und verfassen auch selber Artikel. Die Zielsetzung der theologischen Fort- und Ausbildung wird zudem stark an der FATMES (Fachschule für ev. Theologie und Missiologie im Sahel) betont. Dort helfen wir beim Unterrichten vorwiegend missionswissenschaftlicher Fächer und in der Bibliothek. Die APFT (Verein zur Förderung der theolog. Ausbildung) ist der Trägerverein der FATMES, wo wir uns bei der Umsetzung von Ideen und Beschlüssen beteiligen. Der Verein hat die Aufgabe, die Arbeit an der FATMES zu begleiten und Fortbildungsseminare für die Gemeinden anzubieten.

jeudi 11 décembre 2014

Mali | vielseitig engagiert - Christianes Arbeit im Überblick

Christianes Arbeit in Mali entpuppt sich mit der Zeit als sehr vielseitig, in unterschiedlichen Arbeitsbereichen und an verschiedenen Orten bringt sie ihre Gaben ein. "Mir liegt sehr daran, dass unsere Arbeit ein Beitrag ist, der unseren malischen Geschwistern hilft, ihre Visionen zu verwirklichen und Lücken zu schließen." 

1 Mitarbeit in der Bibliothek an der FATMES, Bamako-Niamakoro:


Die Bücher in der Bibliothek müssen neu sortiert, kodiert und etikettiert werden. Hier bringt sich Christiane mit sehr viel Geduld ein. Der Studienleiter der FATMES hatte uns angefragt, ob wir die Bibliothek beaufsichtigen und auf Vordermann bringen können. Jeden Montag- und Dienstagnachmittag steht diese Arbeit auf dem Programm.

2 Gestaltung von Kindernachmittagen in Sabalibougou:



Jeden Mittwochnachmittag versuchen wir mit 50 bis 60 Kindern Spiele zu organisieren und erzählen ihnen biblische Geschichten.

3 Sozialkundeunterricht an der christlichen Privatschule in Sabalibougou:



Jeden Dienstagmorgen fahren wir zur Schule nach Sabalibougou. Sozialverhalten und Hygiene waren bisher die wichtigen Themen, die Christiane mit den Kindern behandelt hat. "Die Arbeit mit den Kindern, die alle Erstklässler sind, macht sehr viel Spaß, ist aber auch sehr herausfordernd. Ich muss sehr viel investieren, um die Konzentration der Kinder aufrecht zu erhalten. Deshalb versuche ich die Kinder an praktischen Übungen zu beteiligen und zum Mit- und Nachmachen zu ermutigen. Wir hoffen, im Laufe des Schuljahres auch den Kontakt zu den Eltern zu intensivieren." 

4 Übersetzung von Glaubensgrundkursen in Bamako:



Die Übersetzung von Texten zu Themen wie "Jesus nachfolgen", "Die Bibel verstehen", "Die 10 Gebote" usw. ist ein wichtiger Beitrag. Die Texte verwenden wir in Bibelgesprächskreisen in der Gemeinde. Teilweise sollen sie auch in abgewandelter und kontextualisierter Form in der theologischen Zeitschrift ESPERANCE veröffentlicht werden.

In den letzten beiden Wochen haben wir uns punktuell in ein Straßenkinderprojekt und in die Gefängnisarbeit eingeklinkt. Christiane überlegt, wie sie sich hier ab 2015 engagieren kann. 

Bamako | Radio gegen Ebola


Vor einigen Wochen hat die Allianz Mission eine Aktion gestartet: RADIO IM KAMPF GEGEN EBOLA. Im Monat November sind für diese Aktion Sonderspenden eingegangen. Dafür sagen wir allen ein herzliches Dankeschön. Das Geld haben wir den Verantwortlichen des Christlichen Vereins für Kommunikation in Mali (ACCM) überreicht. Der Vorsitzende des Vereins, Pastor Abdias D., ist ein Pastor unseres Gemeindebundes. In einem kurzen Interview hat er uns mitgeteilt, wie die Spendengelder verwendet werden:
  • Die EBOLA-Problematik wird redaktionell im Büro des Vereins in Bamako aufbereitet und die Texte in die Sprachen Bambara und Bobo übersetzt. Dabei ist es wichtig, inhaltlich nahe an den Vorgaben der malischen Gesundheitsbehörden, der UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation zu bleiben. 
  • Anschließend werden die Infospots zwei Monate lang über christliche Radiostationen in Bamako (malische Hauptstadt, Radio ESPOIR: Sprache Bambara), in Tominian (im Osten Malis, Radio PARISSIN: Sprache Bobo) und in Welessebougou (im Südwesten Malis, Radio DJITUMU: Sprache Bambara) ausgestrahlt. 
  • In Bamako laufen sehr viele Kampagnen in Französisch. Leider wird dadurch nur ein Teil der Bevölkerung erreicht. Aus diesem Grunde werden die von der Aktion RADIO IM KAMPF GEGEN EBOLA finanzierten Sendungen in malischen Sprachen aufbereitet. Die beiden zuletzt genannten Radiostationen erreichen vor allem die Bevölkerung auf dem Land. 
  • Die Radiosendungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über EBOLA und sind zudem ein starkes Zeugnis gesellschaftspolitischen Engagements der Christen in Mali.
Des Weiteren laufen zurzeit Testsendungen über EBOLA in der Bozosprache im Raum Selingué (Gebiet an der Grenze zu Guinea). 
Die Situation an der EBOLA-Front beginnt sich langsam zu entspannen. Das ist erfreulich und eine klare Antwort auf alle Gebete, die wir an Gott gerichtet haben. Die Entwicklung birgt aber auch eine Gefahr – Nachlässigkeit und Verharmlosung. Deshalb rufen die Behörden weiterhin eindringlich dazu auf, die Hygienevorschriften zu beachten und die Sensibilisierung auf einem hohen Niveau zu halten. In den letzten drei Wochen hat es keine neuen EBOLA-Fälle gegeben. Die in der Klinik Pasteur (Bamako) in Quarantäne lebenden Soldaten der internationalen Schutztruppe haben die Klinik inzwischen verlassen. Ca. 30 weitere Personen befinden sich in einer Spezialklinik noch unter Aufsicht. 

mercredi 10 décembre 2014

Sabalibougou | Bibelgesprächskreis zum Zweiten


Der zweite Anlauf war eine ermutigende Erfahrung. Drei Wochen zuvor waren die vereinbarten Treffen mehr oder weniger im Sand verlaufen, da die Leute nicht kamen, obwohl sie selber Tag und Stunde der Treffen festgelegt hatten. 
Nachdem wir letzten Sonntag noch einmal herzlich zum Bibelgesprächskreis am Mittwochnachmittag eingeladen hatten, waren wir gespannt, wie das Echo diesmal sein würde. Am Sonntag hatten alle bekundet, wie wichtig ihnen Gebetstreffen unter der Woche sind. Sie wollen zudem die Bibel besser kennen lernen und ihre Fragen loswerden. Viele der Gemeindeglieder kennen sich untereinander noch nicht so gut. Von daher ist die Gemeinschaft auch ein wichtiger Gesichtspunkt.
Nach dem Kinderprogramm an der Schule kamen wir etwas verschwitzt und verdreckt gegen 16.45 Uhr im Hof an. Zu unserer großen Überraschung waren sieben Leute aus unserer kleinen Gemeinde in Sabalibougou anwesend. Ein Lied zu Beginn und ein Gebet. Danach haben wir gemeinsam aus Lukas 3 die Geschichte von Johannes dem Täufer gelesen und uns darüber ausgetauscht. Alle möglichen Fragen wurden gestellt, auch solche, die absolut nichts mit dem Bibeltext zu tun hatten. "Warum Christen nicht regelmäßig 40 Tage lang fasten ... woher die Juden kommen und in welchem Land sie leben ... welchen Gott die Menschen vor der Ankunft Jesu angebetet haben ... woher der Gottesname Jahve kommt ... ob Johannes in den Augen seiner Zeitgenossen nicht irgendwie ein Verrückter gewesen sei, so wie der aufgetreten ist usw." So ergab sich eine sehr muntere Gesprächsrunde, die länger dauerte als ursprünglich geplant.
Aber so soll es sein. Die Leute sollen selber reden, Fragen stellen, ihre Meinung sagen und so eigenständige Positionen entwickeln.
Da wir nächste Woche nicht bei dem Treffen dabei sein können, haben wir Pastor Silvan S. aus Doukourakoro gebeten, uns zu vertreten. Wir sind sehr gespannt, wie es weitergeht und beten für Kontinuität, gute Gemeinschaft und für Wachstum der kleinen Gemeinde.

Koulikoro | Verbrecher in Ketten und weißen Hemden


Heute Morgen starteten wir nach Koulikoro. Dort gibt es ein Männergefängnis, wo zurzeit knapp 90 Personen einsitzen. Enoc. S., der die christliche Gefängnisarbeit im Namen der Ev. Allianz in Mali koordiniert, war unser Begleiter. Wir wollten die Situation im Knast kennen lernen und mit den Verantwortlichen überlegen, ob und wie wir uns in Zukunft dort engagieren können.
Koulikoro liegt 65 km östlich von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt. Die Straße dorthin ist zwar asphaltiert, aber mit zahlreichen Schlaglöchern bestückt, so dass wir erst nach einer Stunde Fahrt am Gefängnis ankommen. Wir werden herzlich empfangen. Wir übergeben einen Sack Reis, etwas Seife und Zucker für die Gefangenen und etwas Tee für die Wachmannschaft. Wir reden mit dem Wachpersonal über die Weihnachtsgeschichte und überreichen 50 Exemplare des Lukasevangeliums und evangelistische Traktate. Sofort wird jemand herbeigerufen, um die Schriften an die Gefangenen zu verteilen
Einer der Wächter führt uns durch den Knast und die Zellen. In einem Schlafsaal sind ca. 20 meist jüngere Verbrecher eingekerkert. Wir sehen einen jungen Mann, der mit Ketten gefesselt ist und sich kaum bewegen kann. Er hat einen Mord auf dem Gewissen und wartet noch auf sein Urteil. Viele der Langzeitinhaftierten haben seit 10 Jahren kein Familienmitglied mehr gesehen. Die Schlafmatten sind teilweise zerfetzt oder gar nicht vorhanden. Doch die Zellen sind zu unserer großen Überraschung sauber gefegt. In der heißen Zeit, so unser Begleiter, hält man es in den Zellen kaum aus. Deshalb hat man draußen auf dem Hof einen vergitterten Raum errichtet, der vor Regen und Sonneneinstrahlung schützt und den Winddurchzug ermöglicht. Wir unterhalten uns kurz mit dem ein oder anderen und wünschen ihnen gute Perspektiven für die Zeit nach dem Knast und Gottes Segen.
Auf dem gleichen Gelände befinden sich moderne Gebäude. In diesen gut erhaltenen Reihenhäusern sind Militärs, Verwaltungsbeamte und ehemalige Minister aus Ruanda inhaftiert, die 1994 in den Völkermord involviert waren, schuldig gesprochen wurden und jetzt in Mali ihre langjährigen Haftstrafen absitzen.
Einer der ruandischen Inhaftierten ist Krankenpfleger und kümmert sich im Auftrag der Gefängnisleitung um die Kranken. Er präsentiert sich in einer schwarzen Hose und weißem Hemd. Doch eine weiße Weste hat auch er nicht. Er zeigt uns seinen kleinen Behandlungsraum. Der ist zwar spärlich eingerichtet aber sauber. In einem kleinen Metallschrank befinden sich einige Medikamente und Verbandsmaterial. Christiane tauscht sich mit ihm aus und fragt nach den Krankheitsfällen, die er behandelt. Wir nehmen eine Liste mit, auf dem er die fehlenden Medikamente notiert hat. Die Ursachen für die Erkrankungen liegen besonders in der einseitigen bzw. zu dürftigen Ernährung begründet.
Am Rande erkundigen wir uns nach Möglichkeiten, bei weiteren Besuchen, in den Zellen der Gefangenen eine Andacht zu halten. Dies wird ausdrücklich begrüßt. Enoc erzählt uns, dass ab und zu ein Imam vorbei schaut. Diese Besuche finden jedoch bei den Gefangenen weniger Anklang, da er sie ständig wegen ihrer Straftaten „zur Minna macht“, statt ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Es wäre ebenfalls möglich, mit den Jugendlichen Sport zu treiben. Im Hof der Gefängnisanlage gibt es eine Basketballanlage und ein Multifunktionsfeld, wo wir auch Fußball spielen könnten.
In Mali sind die meisten Gefängnisse überbelegt. Die medizinische Versorgung und die Ernährungslage sind defizitär. Das ging aus dem jüngsten Bericht von internationalen Menschenrechtsorganisationen hervor. Der Knast in Koulikoro macht da keine Ausnahme.
Auf der Rückfahrt überlegen wir gemeinsam mit Enoc, wie ab 2015 unser Engagement aussehen könnte. Evtl. zwei bis dreimal im Monat dort aufkreuzen, um Andachten zu halten, bei der medizinischen Versorgung mitzuwirken, Sport zu treiben mit den Gefangenen und die besonders Schwachen mit Essen zu versorgen.

Wir haben noch keine Entscheidung getroffen und warten den Januar 2015 ab.

mardi 9 décembre 2014

Sabalibougou | mein Vater ist heute verstorben

… mit dieser traurigen Nachricht kam Salimata T. am Montagmorgen in die Schule. Zunächst wollte es der Direktor nicht glauben und ließ nachfragen. Am Dienstag haben wir gemeinsam mit dem Direktor der Schule, unserem Kollegen Enoc. S. und einem Dorfältesten die Familie besucht. Die Mutter war sehr gefasst und hat sich über unseren Besuch und die überbrachten Beileidsbekundungen gefreut. Salimatas Vater (RIP) hat in der nahegelegenen Stadt Bamako als Beamter in der Verwaltung gearbeitet. Die Familie war erst vor 4 Monaten in ihr noch nicht ganz fertiggestelltes Haus auf dem Hügel von Sabalibougou umgezogen. Salimata hat noch drei weitere Geschwister. Als wir sie gebeten haben, uns ihr Haus zu zeigen, standen ihr während der Fahrt die Tränen in den Augen. 
Wir beten für die Kleine, dass sie den Verlust gut verkraftet und in der Schule weiterhin gut mitkommt. Nach der Visite ist sie mit uns zurück zur Schule gefahren. Der zwischenzeitlich unterbrochene Unterricht wurde fortgesetzt …

dimanche 7 décembre 2014

Sabalibougou | ein Huhn, Spaghetti und Brote zum Advent


Der Gottesdienstbesuch war besser als in den letzten Wochen. Einige Frauen waren wieder dabei, die wir lange nicht gesehen haben. Pastor Silvain S., der offiziell für die Gemeinde zuständig ist, war zu Besuch. Die Predigt überließ er mir. Schließlich war ich an der Reihe. Außerdem hätte mein höheres Alter ihm geboten, mir den Vortritt zu lassen. Über die Zeichen Gottes in der Geschichte habe ich heute gesprochen (Jes. 7,14; 5.Mose 4,33ff und Lukas 2). Gott richtet Hinweisschilder und Zeichen seiner Gegenwart auf: die Wahl einer jungen Frau, die ein Kind gebiert, das Emmanuel genannt wird, der Gott unter uns; die Zeichen der Gegenwart Gottes während der Wüstenwanderung und die Windeln und die Krippe bei der Geburt Jesu – mal große, mal eher unscheinbare Hinweise darauf, dass Gott etwas Besonderes vor hat mit seinen Leuten. Doch immer ist auch Glauben notwendig. Je kleiner das Zeichen, desto größer muss der Glaube daran sein, dass Gott sich in den kleinen, unscheinbaren Dingen des Lebens als der „Gott unter uns“ erweist.

Der Gottesdienst war von Aufmerksamkeit und Lebendigkeit geprägt. Anschließend schloss sich eine kleine Gemeindeversammlung an, wo wir über die Zukunft des Frauen- und Männertreffs gesprochen haben. Jeder hat seine Ideen beigesteuert. Der Männertreff soll nächste Woche endlich starten, nachdem der erste Termin geplatzt war. Mal schauen, wer diesmal kommt. Die Frauen wollen sich zunächst untereinander besuchen und einander sensibilisieren für das gemeinsame Bibelstudium und Gebet.  Nach Weihnachten werden wir dann sehen, ob der Frauenkreis wieder belebt werden kann. Christiane hatte sich im September schon mit einigen Frauen getroffen, doch das Interesse hatte schon nach kurzer Zeit nachgelassen.

Eine Familie hatte ein Huhn mitgebracht. Andere steuerten Spaghetti, Getränke und Brote bei. Vor dem Gottesdienst wurden mit einem Eselskarren Brennholz und Küchenutensilien angeliefert. Heute war die Gemeinde eingeladen, zum Essen zu bleiben. Während die Frauen sich nach der kurzen Besprechung am Kochtopf unterhielten, saßen die Männer in einer eigenen Runde zusammen und diskutierten über theologische Fragen. Warum es bei den Protestanten keine Pilgerreisen gibt, wollte jemand wissen. Jemand anderes fragte nach der Bedeutung der Rede in fremden Sprachen und deren Bedeutung für die Gemeinde und das Wirken des Heiligen Geistes.

Solche Treffen sind Gold wert. Gemeinschaft wird gefördert. Wir lernen uns besser kennen und tauschen uns aus. Der heutige Sonntag war eine große Ermutigung. Übrigens – alle 20 Personen, die sich um die Schüsseln geschart hatten, haben etwas abbekommen von dem einen Huhn. Alle sind satt geworden … nein, es war kein Wunder … es war wohl eher auf die in Mali ausgeprägte Fähigkeit des Teilens zurückzuführen.

samedi 6 décembre 2014

Bamako | zu Besuch beim malischen Fußballmeister


Das war ein Event der besonderen Art. Paul F., unser christlicher Freund, hatte uns Karten besorgt. Vor 5 Jahren hatte der Fußballclub Stade Malien als erstes malisches Vereinsteam eine afrikanische Trophäe erkämpft. Jedes Jahr wird daran am 5. Dezember erinnert. Hinzu kommt, dass am Wochenende die Spiele der malischen Meisterschaft beginnen – Erinnerungsfeier und Saisoneröffnungsfeier in einem. Stade Malien hat in Mali den Stellenwert, der in etwa mit dem von FC Bayern München oder dem BVB Dortmund zu vergleichen ist, alles eine Nummer kleiner versteht sich. 
Über 500 Leute waren anwesend. Darunter jede Menge Fans, muslimische Geistliche, Fernsehreporter und Journalisten, Vereinsfunktionäre, Trainer und ehemalige Spieler - aber auch wir, die einzigen Weißen im großen Rund des mit Vereinssymbolen, Wappen und Banderolen dekorierten Vereinshangars. Paul und ein weiterer Journalist führten im Duett und in alter Griotmanier (traditioneller Dialog) durch die Veranstaltung. Ein Imam sprach ein Gebet auf Arabisch, das die wenigsten verstanden. 

Neben uns saß Emmanuel T., ein in die Jahre gekommener Pastor und ehemaliger malischer Nationalspieler. In den 1960er Jahren hat er außerdem für Stade Malien gekickt. Wir werden persönlich vorgestellt. Nachdem wir in Bambara bekunden, dass wir uns über die Einladung freuen und Fans des Clubs sind, wird heftig applaudiert. Pastor Emmanuel spricht ein Gebet. Er lobt Gott für den Erfolg, bittet um eine erfolgreiche Saison und dass die Spieler unverletzt bleiben. Manchmal hatten wir den Eindruck, die Veranstaltung sei halb Vereinsfeier, halb Gottesdienst. Aber das ist in Mali völlig normal. Die vom Verein errungenen Titel sind nicht nur der Verdienst guter Vereinsarbeit und begabter Trainer sowie talentierter Spieler. Auch Gott ist im Spiel – ihm wird gedankt und der Erfolg zugeschrieben. Die einen sprechen vom muslimischen Allah – die Christen vom Matigi Yesu Krisita. Paul F. lässt in seiner Moderation ganz nebenbei die Bemerkung fallen, dass nicht nur der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte im Monat Dezember errungen wurde, sondern dass auch Jesus Christus, der Retter der Welt, in diesem Monat seinen Geburtstag feiert.
Verdienten Spielern des Vereins wird das Mikrophon gereicht und sie erzählen Geschichten aus alten Tagen. Der Erfolgstrainer von 2009 erzählt sehr leidenschaftlich von der großen Anspannung aus der Saison 2008/2009, von dem Druck, der auf ihm lastete. Am Schluss seiner Ansprache versagt ihm die Stimme und er weint. Das ist Sport – authentische Leidenschaft für eine bedeutsame Nebensache.
Am Ende werden wir zum Essen eingeladen. Cheick Diallo, ebenfalls ein verdienter Spieler des Vereins und ehemaliger malischer Nationalspieler, begrüßt uns persönlich.
„Ich werde euch demnächst mit Paul besuchen“, sagt er „und euch die Geschichte vom Stade Malien erzählen.“  Wir laden ihn ein und freuen uns auf die Begegnung. Der Sport, so hat uns der Nachmittag gezeigt, ist eine sehr niedrigschwellige Plattform, um auf der Ebene gemeinsamer Interessen Kontakte zu knüpfen und unseren Glauben an Jesus ins Gespräch zu bringen.
Die Saison hat schon gut begonnen für die Stadisten. Letzten Sonntag haben sie den malischen Supercup gewonnen. Wir waren im Stadion und haben mitgefeiert.

vendredi 5 décembre 2014

Boulkassoumbougou | Besuch bei REMAR – einem Straßenkinderprojekt



Gestern fuhren wir mit Pastor Enoc nach Boulkassoumbougou  zu REMAR– einem Projekt, in dem Straßenkinder und Waisen aufgenommen und versorgt werden. REMAR ist eine ONG (Nicht-Regierungsorganisation), die vom malischen Staat anerkannt ist. Die Organisation wurde 1982 von spanischen Christen gegründet und arbeitet mittlerweile in 70 Ländern weltweit. REMAR bedeutet im hiesigen Kontext: REintegration MARrginalisierter Kinder.
Die Verantwortlichen arbeiten zudem sehr eng mit der Polizei, dem Familienministerium und dem Bürgermeisteramt zusammen. Die Organisation trägt sich durch Spenden. Die Mitarbeiter werden nicht bezahlt, sondern arbeiten ehrenamtlich. Die Miete des Hauses, die Lebensmittel und das Schulgeld werden allerdings von REMAR übernommen.
Als wir ankamen, wurden wir freundlich von allen Kindern und Mitarbeitern begrüßt. 15 Personen leben zusammen in einem kleinen Hof. Das Besondere am Konzept von REMAR ist, dass die meisten  Mitarbeiter ehemalige Straßenkinder sind und sich von daher gut in die Situation der Kinder hineinversetzen können. Eine Mitarbeiterin trug einen Säugling auf dem Rücken. Es ist nicht ihr eigenes Kind. Die leibliche Mutter des Kindes, das inzwischen 3 Monate alt ist, war bei der Geburt verstorben. 


Eines der Kinder ist ein Waisenkind, dessen Mutter an AIDS verstorben ist. Kinderschicksale. Am qualmenden Kochtopf sehen wir eine junge Frau. Sie ist ca. 16 Jahre alt und ungewollt schwanger. Sie wurde von dem jungen Mann verlassen und auch von ihrer Familie verstoßen. Jetzt lebt sie in der Wohngemeinschaft und kümmert sich mit um die jüngeren Kinder. Was nach der Geburt ihres Kindes geschieht, das weiß sie noch nicht.

Tagsüber gehen die schon schulpflichtigen Kinder in eine Privatschule.  Wir hatten Bälle, Seilchen usw. dabei und wollten mit den Kindern spielen. Doch leider war der Hof so klein, dass dieses nicht möglich war. Wir erzählten die Geschichte vom Barmherzigen Samariter in Französisch und Bambara. Die Kinder hörten aufmerksam zu. Nach einem Gebet verteilten wir, gewissermaßen als ein kleines Weihnachtsgeschenk, noch Kuchen, der freudig angenommen wurde. Dann verabschiedeten wir uns. Der Besuch hat uns sehr beeindruckt. Das Konzept ist einfach, aber durchdacht und ein starkes Zeichen praktischer Nächstenliebe.

Missabougou | unter Kollegen


Jeden Donnerstagmorgen treffen sich die Pastoren des Gemeindebezirks Bamako zum Austausch, zum Bibelstudium und zum Gebet. Heute waren wir in Missabougou, einer Gemeinde ca. 20 Minuten von Bamako entfernt. Wir starteten mit Begrüßung bei Kaffee und Tee. Der gastgebende Pastor hielt eine Andacht. Anschließend wurden Gebetsanliegen ausgetauscht, die wir dann gemeinsam vor Gott gebracht haben. Einige Kollegen berichteten von schwierigen Situationen in ihren Gemeinden, über Uneinigkeit, über Versuche, das Gemeindeleben zu intensivieren, über neue strategische Ansätze, über Menschen, die Schwierigkeiten haben im Glauben, die Zweifel haben oder von Familien, die neu hinzugezogen sind, und sich noch nicht richtig integriert haben. Es kommen ganz normale Fragen des pastoralen Dienstes zur Sprache. Es ist eine lockere Atmosphäre, wo ich mich als Missionar und Pastorenkollege gut integrieren kann. Es tut gut, Ebenen der Begegnung zu haben, wo sich die Gespräche nicht um Strukturen, Projekte oder Geld drehen. Hier unter Kollegen macht es keinen Unterschied, ob du Missionar bist oder nicht. Alle sitzen im gleichen Boot. Seit September fahren Christiane und ich in zweiwöchigem Abstand nach Sabalibougou, um dort bei der Gottesdienstgestaltung, beim Predigtdienst und der Gemeindeaufbauarbeit mitzuhelfen - als Co-Pastoren sozusagen unter der Leitung eines malischen Kollegen aus einem Nachbarort.
Da einige Kollegen einen weiten Weg zurücklegen müssen, gibt es natürlich ein gemeinsames Mittagessen zum Abschluss.

mercredi 3 décembre 2014

Sabalibougou | Trockenwäsche und Spielen im Schulhof

Wie jeden Dienstag fuhr ich auch heute Morgen wieder nach Sabalibougou zur christlichen Schule Pas á Pas (dt. Schritt für Schritt), um dort das Fach Sozialkunde zu unterrichten. Die ersten Kinder waren bei meiner Ankunft schon dabei, die Fahne zu hissen. Dann wurde sich in Reih und Glied aufgestellt und angetreten wie beim Militär und die malische Nationalhymne gesungen. Jedes Kind ging anschließend einzeln in die Klasse.


Das heutige Thema war: Ich wasche mich. Dazu hatte ich Eimer, Seife und Handtuch mitgebracht. Erst klärten wir, warum man sich überhaupt waschen muss. Dann durfte jedes Kind das wollte  demonstrieren, wie man sich von Kopf bis Fuß wäscht (nur als Trockenwäsche versteht sich ), und jeder sollte nochmal die Gründe dafür nennen. Das machte den Kindern offensichtlich Spaß. Ich merke, ich muss mit Mund, Händen und Füssen arbeiten, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu erhalten und sicher zu gehen, dass sie den Inhalt der Lektion auch behalten. Mal erkläre ich Dinge in Französisch, mal in Bambara.


Wiederholt wurde zudem noch das Thema der letzten Stunde: Ebola - wie schütze ich mich gegen diese schreckliche Krankheit. Die Kinder hatten die richtigen Antworten parat: Keine Begrüßung mehr mit Handschlag, nur ein Kopfnicken; Hände oft waschen, keine toten Tiere anfassen usw.
Es war schön zu sehen, dass die Kinder das gut behalten haben – in der Theorie!  In der Praxis wollten sie uns bei der Ankunft trotzdem die Hand geben! Ebenso wussten alle noch, dass man zum Wasserlassen auf die öffentliche Freilufttoilette geht. Trotzdem erwischte Alfred mehrere Kinder beim Pinkeln im Hof!


Heute Nachmittag waren wir wieder zum Spielen in der Schule. Die 30 etwas älteren Jungen  (ca. 7-10 Jährige) spielten auf einem ca. 6 mal 20 Meter großem Feld Fußball, während die kleineren Jungen und  die Mädchen sich mit Sackhüpfen, Seilspringen, Tauziehen, Gummitwist, Frisby etc. vergnügten. 
Jede Woche kommen ca. 50 Kinder auf den Schulhof nach Sabalibougou. Sie sind mit Eifer dabei. Heute waren einige etwas übereifrig. Deshalb gab es heute kleine Verletzungen, aber zum Glück hatte ich Pflaster und Desinfektionslösung mit dabei.


Zum Abschluss stürmen alle in den Klassenraum. Heute erzählte Alfred die Geschichte vom großen Festmahl aus Lukas 14, 15ff. Die Kinder fanden es echt cool, dass der Gastgeber die Armen und Bettler von den Straßen eingeladen hat, nachdem die hohen Herren die Einladung in den Wind geschlagen hatten. So ist Reich Gottes ...


Dann wurden wir von den Kindern zum Auto begleitet.Wir fuhren noch bei Pastor Enocs Haus in Sabalibougou zum Grüßen und Plaudern vorbei. Wir fanden Enoc auf der Veranda sitzend beim Vorbereiten einer Predigt. Unser Gespräch wurde durch das Quaken und Plantschen der Enten im Hof untermalt.

mardi 2 décembre 2014

Advent | darauf warten wir


Jesaja 35,1 : „Die Wüste und Einöde wird sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und blühen wie ein Narzissenfeld.“

Advent ist eine globale Angelegenheit. Der Start ins neue Kirchenjahr beginnt mit dem Anzünden von Kerzen. Unscheinbar kündigt sich die Ankunft eines Retters an. Die einen warten sehnsüchtig darauf, weil sie den Verheißungen der Propheten aus alten Zeiten Glauben schenken. Die anderen gehen ihrem alltäglichen Geschäft nach und legen sich ihre eigenen Zeitpläne zurecht. Die einen atmen auf, die anderen bekommen es mit der Angst zu tun, weil sich mit der Ankunft Jesu die Zeichen der Zeit gehörig verändert haben.
Jeder hofft und wartet. Jeder schaut sich auf seine Weise nach dem Licht um, das die Finsternis verscheucht.
Auch wir hier im warmen Mali, wir warten. Wir warten darauf, dass sich die Gemeindehäuser in lebendige Räume der Freude über die Ankunft Jesu füllen. Wir warten auf den Tanz und das gemeinsame Essen. Wir warten darauf, dass die Gemeinde Jesu in Mali die Weihnachtszeit nutzt, um verstärkt auf die Botschaft vom Mann aus Nazareth aufmerksam zu machen.
Wir warten mit den vielen Verzweifelten auf Besserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation. Die Mächtigen hören es nicht gerne, wenn man ihnen vorwirft, Verfassungen zu ihren Gunsten zu ändern und Mandate zu verlängern, damit sie noch etwas länger mit goldenen Gabeln essen können. Und dabei geht die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin leer aus. Und der Zorn der einfachen Leute wächst. Und wir wollen sie in ihrer Situation nicht mit Vertröstungen auf eine ferne bessere Zukunft alleine lassen.
Wir wollen arbeitend warten und in aller Vergänglichkeit noch ein paar Bäume pflanzen.
Wir warten auf positive Nachrichten aus den Reihen der WHO und aus dem Gesundheitsministerium. Wir warten mit vielen Maliern darauf, dass es zu keinen weiteren Ebola-Fällen kommt und dass sich die Tests der Menschen, die sich noch in Quarantäne befinden, als negativ erweisen.
Wir warten darauf, dass es bei den Verhandlungen in Algerien, wo es um die politische Zukunft der nördlichen Regionen Malis geht, vorwärts geht. Wir hoffen auf konstruktive Verhandlungen und auf ein tragbares Ergebnis, das von Dauer ist und sich nicht als eine Fata Morgana im heißen Wüstensand erweist.
Gott kommt zu uns. Und er wirkt auch in diesen verzwickten Situationen - als Friedensfürst, als Ratgeber und Held, als Wundertäter (Jesaja 9,5). In Mali ist es warm, aber nicht hell. Die dunklen Wolken sozialer und politischer Konflikte ziehen durch die verdreckten Städte und über die kargen Landschaften und umhüllen die Herzen der Menschen. Deshalb hoffen wir: "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell" (Jesaja 9,1). 

Auch wir warten, auf Klarheit und Frieden im Herzen. Am 12. dieses Monats, mitten in der Weihnachtszeit, werden wir für ein paar Tage nach Deutschland reisen. Die erste Station wird Leipzig sein. Dort soll Christiane in einer Klinik medizinisch untersucht werden. In unseren Köpfen kreisen Wahrscheinlichkeiten. Unser Hirn sucht nach Ursachen und gleichzeitig verscheuchen wir sie, die Spekulationen unserer Diagnosen. Was wäre wenn? Wir warten auf Klarheit.
Wir hoffen, wir beten, wir rufen aus der Finsternis unserer Herzen zu dem, der unser Licht ist. Mit viel zu kleinem Glauben halten wir uns an dem fest, der unsere Hilfe ist. Und unsere Unruhe und die Ungewissheit des Abwartens geben wir mit Tränen in den Augen an den ab, der unser Friede ist. Wir klammern uns an die Zusagen göttlicher Worte:
„Der Herr wird gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er’s hört“ (Jesaja 30,19).
Auch so kann ein Advent verlaufen. Warten auf Antworten auf drängende Fragen. Kleine Lichter, die wir anzünden in ungewissen Tagen unter schattigen Bäumen.
Wir wissen uns getragen, von dem großen Gott des Himmels und der Erde, von dem Sohn des Höchsten, der Kranke heilt und Trostlosen Hoffnung gibt. Und wir danken allen lieben Menschen, die sich mit uns sorgen und für uns beten.

jeudi 27 novembre 2014

Kati | Schlaglichter aus dem Knast

Beitrag von Dr. Karsten Pascher


Mit Pastor Enoc in einem der 5 Gefängnisse im Raum Bamako: Fast 280 Personen sind hier untergebracht. Konzipiert ist es für 80 Menschen. Ein großer Gitterkasten mit ein bisschen Wellblech drüber. Dahinter dunkle
Räume mit kaum Licht und wenig Belüftung. Das sei schon die Luxusvariante, sagt uns eine holländische Missionarin, die mit Enoc und ein paar anderen Pastoren zusammen arbeitet. Früher gab es den "Auslauf" noch nicht. Da saßen alle in den dunklen Zellen. Einmal, wenn man viel Glück hat auch zweimal am Tag gibt es ein bisschen Brei zu essen. Gemüse? Fleisch? Vergiss es! Trotzdem ist die Stimmung fröhlich. Die Männer freuen sich über unser Kommen. Auch die Beamten begrüßen uns herzlich. Die Christen sind zuverlässig. Sie kommen 1-2x in der Woche und sie bringen Essen und auch ein paar Medikamente mit. Verantwortlich für die Arbeit ist die evangelische Allianz. Das Budget ist klein, aber immerhin wird nicht nur geredet, sondern auch etwas getan. Zu Weihnachten gibt es dann auch mal ein Stück Seife. Alles Mangelware, vor allem wenn du keine Familie in der Nähe hast. Pastor G. ist für dieses Gefängnis verantwortlich. Er hat selbst lange gesessen. Er war Straßenräuber und hat dann im Knast Jesus kennen gelernt. Die Frau, die er umgebracht hat, hatte noch im Sterben immer wieder nach Gott gerufen. Das hat ihn nicht losgelassen. Als er frei kam wurde er Pastor und jetzt erzählt er im Knast von Jesu Liebe. Nun sitzen hier ca. 100 Männer mit uns in diesem käfigähnlichen Gitterkasten. Ein paar Lieder werden gesungen mit Gitarre. Wenn die Gitarre nicht mit dabei ist, beschweren sie sich. Dann werden wir kurz vorgestellt und wir richten ein paar Worte in der Sprache der Peulh an die Gefangenen. Die, deren Muttersprache das ist, haben ihren Spaß und antworten fröhlich. Die anderen fragen uns, wo denn unsere Kühe sind. Ein Peulh ohne Kühe - das gibt es doch gar nicht. Dann predigt Pastor G.. Auch in Deutschland kennen wir Gefängnisgottesdienste, aber hier ist das anders. Während in Deutschland die Frauen das Interessanteste waren, hören diese Menschen aufmerksam zu (Wir haben auch nur 2 Frauen dabei ;-) ). Im Hintergrund "duschen" sich andere hinter hüfthohen Mauern: Bei 280 Leuten kann nicht jeder mit der Körperpflege bis zum Abend warten. Dann gibt es das Essen, das wir mitgebracht haben: Die 45 dünnsten wurden auf eine Liste geschrieben.  Einzeln aufgerufen stellt jeder eine kleine Schüssel hin. Reis, etwas Fleisch und Süßkartoffeln werden ausgeteilt. Einer nach dem anderen holt dann seine Schüssel wieder ab. Erstaunlich diszipliniert geht das zu. Wer nicht zu den auserwählten 45 gehört, der bekommt trockenes Weißbrot. Die Bäckereien geben das ab, wenn es 2-3 Tage alt ist. Ein Sack voll mit knochentrockenen Weißbroten für 1 Euro 50. Wie gesagt, das Budget ist knapp. Aber wenigstens die 45 sind heute satt geworden. Enoc, Pastor G. und die holländische Nyagali - diese Menschen liegen ihnen am Herzen. Da braucht man nur hinzuschauen. Und die Männer im Knast spüren das.

mercredi 26 novembre 2014

Bamako | Nur leere Tonnen machen Lärm

… besagt ein afrikanisches Sprichwort. Den Vorwurf, nur leere Worte zu verbreiten, ohne wirklichen Inhalt und konkrete Taten, den müssen sich die politischen und religiösen Leiter in Mali zurzeit gefallen lassen. Die einen weil sie nicht tun, was sie versprochen haben und die anderen, weil sie schweigen und sich zu wenig einmischen.
Der Journalist Boubacar S. bringt es auf den Punkt: "Die religiösen Leiter glauben an einen Gott, ans letzte Gericht und sie vollbringen gute Werke der Barmherzigkeit. Aber dabei darf es nicht bleiben." Hier unten mitten in der Gesellschaft haben fromme Leiter einen Job zu erledigen.  
Nach dem Sturz des in den Senegal geflüchteten Präsidenten und der Zeit der Übergangsregierung haben die meisten der religiösen Führer des Landes, sowohl Christen als auch Muslime, den 2013 gewählten Präsidenten unterstützt, in der Hoffnung, dass er den malischen Karren, festgefahren im Dreck von Rebellion, Wirtschaftskrise und Putsch, wieder herausziehen kann. Nach dessen Wahl sind sie auf den Präsidentenhügel marschiert und haben dem neuen Staatsoberhaupt hoch und heilig versprochen, ihm mit Rat und Gebeten zur Seite zu stehen. Sie haben munter der Aufforderung zugestimmt, den Mächtigen auch das zu sagen, was den Wegen Gottes nicht entspricht. Genau das ist nach malischer Auffassung die Aufgabe religiöser Führer. Sie sind nicht nur dazu da, den Mächtigen den Segen Gottes zuzurufen und ihnen Honig um den Mund zu schmieren. "Amtswürde hat nichts mit belanglosem Stolz zu tun und Ehre nichts mit Hochmut", so der Journalist Boubacar S. Doch genau dahin ist die malische Politik abgestürzt, in visionslose Belanglosigkeit und ehrlosen Hochmut.
Geistliche Leiter sollen mutig die Wahrheit sagen, wenn alle anderen wegen moralischer Befangenheit ihre Glaubwürdigkeit verloren haben, weil sie in Vetternwirtschaft, Korruption, krumme Geschäfte und gleichwertige Skandale verstrickt sind. Wenn die Mächtigen auf Kosten ihres eigenen Volkes Politik betreiben und sich bereichern, dann müssen die geistlichen Leiter des Landes zu Propheten werden und Kritisches sagen – wenn nicht jetzt, wann dann?
In der Tat hören wir von vielen Skandalen, falschen Rechnungen und Bestechungsgeldern. In Algier wird über das Schicksal Malis verhandelt und die Bevölkerung fühlt sich schlecht informiert und abgehängt. Die Kritik in der malischen Bevölkerung nimmt zu. Doch was ändert sich?
„Die Malier sind geduldige Leute“, sagte uns letztes Wochenende ein Uniprofessor. „Die lassen die Verantwortlichen machen, bis sie mit ihrem Gehabe an die Wand gefahren sind. Vorher wird nur geredet, abgewartet, aber nicht entscheidend gehandelt“.
In kritischen Zeiten klare Worte sagen und mit gutem Beispiel voran gehen, das ist die Aufgabe geistlicher Leiter. Nur so wird sich die Mentalität eines Volkes verändern.
In Mali gibt es zu wenige Leute, die es wagen, die Wahrheit zu sagen. Selbst wenn Leute um die Missstände wissen, wird lieber ein Tee getrunken und gescherzt als Tacheles geredet. Das beobachten wir auch in christlichen Kreisen.
Doch die Öffentlichkeit erwartet, dass die Stimme der Pastoren hörbar wird, dass ethische Positionen formuliert werden, dass Glaube relevant und die Gesellschaft transformiert wird.
Boubacar S. schließt seinen kritischen Artikel mit den Worten: „Wenn ihr wirklich mit Gott im Bunde steht, dem Gott Mohammeds und dem Gott Jesu Christi, dann erwarten wir von euch, dass ihr auf die gesellschaftlichen und politischen Skandale reagiert. Gott erwartet von euch, dass ihr euch mit Schweiß auf der Stirn engagiert. Stattdessen herrscht Funkstille.“
Gesellschaftstransformation als missionarischer Auftrag der Kirche mag in christlichen Kreisen des Westens hier und da noch umstritten sein. Hier in Mali wird sie sogar von Journalisten eingefordert. Dazu muss die Gemeinde Jesu aber noch ein wenig wacher werden. Die Reden müssen lauter, mutiger und prophetischer, sie müssen gesellschaftskritischer werden. Und die Taten müssen viel stärker von Hoffnung und überzeugender Ethik geprägt sein - gerade in einem Land wie Mali, das zu den ärmsten der Erde zählt.

dimanche 16 novembre 2014

Titibougou | ordentlich Staub aufgewirbelt

Das war unser erstes sportmissionarisches Event. Vor einigen Wochen haben wir mit einem Mitarbeiter aus einer unserer UEPEM-Gemeinden eine sportmissionarische Aktionsplattform gegründet. Sie heißt BOGO WULI – sport | transformer la vie (dt. Staub aufwirbeln – durch Sport das Leben verändern). In Titibougou, einem Dorf am westlichen Ende Bamakos haben wir mit mehreren Mannschaften aus christlichen Gemeinden ein Volleyballturnier veranstaltet. Auf einem kleinen Platz mitten im Dorf haben wir unser mobiles Netz installiert. Jeder hat angepackt. Als die Teams ankamen haben wir kurz die Regeln und den Verlauf des Nachmittags erklärt. 
Im Beisein von ca. 100 Zuschauern aus dem Dorf fanden die Gruppen- und Finalspiele statt. Ali Bogolan, ein alter Freund aus den 1990er Jahren in Kouloubleni, stellte uns kostenlos Stühle, seine Verstärker, Lautsprecher und Mikros zur Verfügung. Dazu die passende Musik zum Anheizen und Abtanzen zwischendurch. Das Ambiente stimmte. Einer der Spieler war ein junger Mann namens Ismael, der bei Christiane Mitte der 1990er Jahre in den Kindergottesdienst gegangen ist, sich dann bekehrt hat und jetzt sportmissionarisch aktiv ist – als Volleyballer und Fußballer. Das ist echt eine runde Geschichte, die Spaß macht und die zeigt, dass unser Dienst auch ohne unser Beisein irgendwann Früchte trägt.Christiane und ich haben als Schiedsrichter fungiert. Einer der Zuschauer hat sich das Mikro geschnappt und als Reporter die Spiele engagiert kommentiert und den jeweiligen Punktestand durchgegeben. Am Ende habe ich mir das Mikro genommen und eine kurze Andacht gehalten. Dabei habe ich Beobachtungen aus dem Spiel mit Werten fürs Leben und der biblischen Botschaft verknüpft. Es ging dabei um Teamgeist, um ein gutes Zusammenspiel, um gegenseitige Ermutigung beim Rückstand usw. Diese Elemente habe ich auf den Alltag der Menschen übertragen und dabei die Verbindung zu 1. Korinther 12 (die Gemeinde als menschlicher Körper, wo ein Glied für das andere da ist) hergestellt. Anschließend wurde ich von Ismael, der bei einem christlichen Radiosender in Bamako mit für die Sportsendungen zuständig ist, interviewt. Der Nachmittag hat ganz einfach Spaß gemacht und uns gezeigt, dass der Sport eine tolle Möglichkeit ist, Menschen zusammenzubringen und biblische Botschaft zu kommunizieren, ohne dabei große zwischenmenschliche Hürden überwinden zu müssen.

Die Aktionsplattform BOGO WULI ist Partner der malischen sportmissionarischen Organisation EPHRATA. Über weitere Ideen haben wir schon nachgedacht. Wir wünschen uns eine noch bessere Integration in die Jugendarbeit unserer Gemeinden. So haben wir die Möglichkeit, das missionarische Bewusstsein zu stärken und gleichzeitig den Sport in den Stadtviertel Bamakos zu fördern.

Sabalibougou | Ebola-Aufklärung im Gottesdienst


Das Händeschütteln beim Begrüßen nimmt zunehmend ab. Die Leute haben hier und da im Radio gehört, dass der Ebola-Erreger sich über Körperschweiß übertragen kann. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht falten die Leute ihre Hände vor dem Gesicht zusammen und grüßen auf Distanz. Die Regierung hat in den letzten Tagen Imame und Pastoren noch einmal dringend dazu aufgerufen, während der Gottesdienste in Moscheen und Gemeindehäusern bei der Sensibilisierung der Bevölkerung mit zu helfen. Mittlerweile sind 256 Personen in Quarantäne und werden in verschiedenen Gesundheitszentren medizinisch überwacht. In Mali gab es mittlerweile 5 Todesfälle. Die Öffentlichkeit ist gewarnt. Gestern berief der Präsident des Landes eine Sondersitzung von Ministern und Vertretern der Gesundheitsbehörden ein. Die Zeichen stehen auf Rot. Der Präsident Ibrahim Boubacar Keita sagte eine Reise ins Innere Malis ab, um die Entwicklung in der Hauptstadt zu verfolgen und entsprechende Anweisungen zu geben.
Christiane und ich haben unseren Leuten in der kleinen Gemeinde Sabalibougou auf Bambara und mit Hilfe von selbst erstelltem didaktischen Material (Zeichnungen) die Symptome von Ebola erklärt und aufgezeigt, wie man sich durch das Einhalten von Hygienemaßnamen und Verhaltensänderungen schützen kann. Kinder und Erwachsene waren aufmerksam bei der Sache. Wir sind auf einige Rückfragen eingegangen. Danach kam die Predigt über das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld aus Matthäus 13. Ob es nun Gottes Wort ist oder wichtige Informationen, in beiden Fällen kommt es darauf an, Worte zu hören, zu verstehen und umzusetzen. Gemeinsam haben wir den Gottesdienst mit Gebeten für Anliegen aus der Gemeinde und die Ebola-Kranken in Mali beendet und Gott um seinen Schutz angefleht.

Im Anschluss haben uns die Leute das Material aus den Händen „gerissen“. Kinder und Erwachsene wollten sich die Zeichnungen und die Infos zu Ebola noch einmal genauer anschauen. Das Interesse war groß. Das macht uns zuversichtlich. Die Botschaft ist angekommen. Die Leute sind sensibilisiert. 

jeudi 13 novembre 2014

Bamako | Training beim malischen Fußballmeister


Am Donnerstag hatte ich die Gelegenheit, eine Trainingseinheit bei Stade Malien zu besuchen. Paul F. hatte mich dazu eingeladen. Er ist Mitglied im Verein und ein großer Fußballfan. Die Stadisten sind aktueller malischer Fußballmeister. Die offizielle Meisterschaftssaison hat noch nicht begonnen. Am Samstag findet das Halbfinalspiel im malischen Pokal statt. Auch hier ist Stade Malien Favorit. In der kommenden Saison warten außerdem Herausforderungen in der afrikanischen Championsleague. Auf dem Gelände waren ca. 400 Leute, die dem Training zugeschaut haben. Paul hat mich einigen seiner Freunde und Fans des Vereins als Christ, Freund und neuen Anhänger des Vereins vorgestellt.  Ein paar Gespräche über Fußball, die politische Entwicklung in Mali, über den Unterschied zwischen Katholiken, Orthodoxen und Protestanten, die Aussichten des Vereins für die nächste Saison … einfach nur Small-talk, ein Anfang. Du kannst jederzeit wieder kommen, riefen mir einige beim Abschied zu. Am Ende hat Paul mich mit Cheik Diallo bekannt gemacht. Er war in den 1970er Jahren malischer Nationalspieler und hat die meiste Zeit seiner Fußballkarriere in Frankreich verbracht. Jetzt begleitet er das Training von einem bequemen Stuhl aus und gehört zum erweiterten Trainerstab. Ein interessantes Treffen -–auch hier, nur ein Kontakt. Der Nachmittag hat mir gezeigt, was möglich ist. Einfache Kontakte am Rande eines Fußballfeldes, die alle Möglichkeiten eröffnen, biblische Themen ins Gespräch zu bringen und meinen Glauben an Jesus zu bezeugen.

mercredi 12 novembre 2014

Bamako | Krankenpfleger verstirbt an dem tödlichen Ebola-Virus


Wir haben alle aufgeatmet als der Gesundheitsminister am Montagabend Entwarnung gab. Die Personen, die im Kontakt mit dem an Ebola verstorbenen Mädchen standen und in Quarantäne waren, sind gesund. Keiner von ihnen hat die für Ebola typischen Symptome gezeigt. Schon vor zwei, drei Tagen haben uns Leute gefragt: „Können wir jetzt weitermachen wie vorher, uns grüßen wie vorher, ohne die strikten Hygienevorschriften zu beachten?“ Diese Frage zeigt, dass viele Menschen in Mali noch nicht wirklich begriffen haben, worum es geht. Es geht letztlich nicht darum, Anordnungen zu befolgen, sondern darum zu verstehen, was hinter diesen Maßnahmen steckt. Es geht nicht um Gehorsam, sondern um den Schutz vor einem gefährlichen Virus. Der Mangel an Hygiene und das Ignorieren bestimmter Verhaltensregeln erhöht das Risiko, von Ebola-Kranken angesteckt zu werden.
Gestern Abend (11.11.) ist ein Krankenpfleger, der in einer Klinik in Bamako gearbeitet hat, an Ebola verstorben. Er hatte die Pflege eines alten Imam (Marabout) übernommen, der sich in Guinea angesteckt hatte. Von der Deutschen Botschaft in Bamako erhielten wir heute Morgen eine entsprechende Bestätigung und den Aufruf, weiter die strikten Verhaltensregeln zu beachten. Die Gefahr ist noch nicht vorbei. Die betroffene Klinik PASTEUR wurde inzwischen desinfiziert und für drei Wochen geschlossen. Die Regierung tut alles, um die Bevölkerung aufzuklären, ohne dabei Panik zu verbreiten. Doch das Problem liegt woanders. Die Gesundheitsbehörden haben es nicht in der Hand, ob die Empfehlungen und Hygienemaßnahmen von der Bevölkerung akzeptiert und umgesetzt werden.
Die Reaktionen in der facebook-group STOP EBOLA zeigen, dass viele von einem mystischen, religiös überhöhten Denken oder auch vom Misstrauen gegenüber den Ideen des Westens, der UNICEF u.a. Organisationen geprägt sind.
„Nur Gott kann uns beschützen“, sagen sie. Ja, natürlich ist das wahr. Aber das schließt verantwortliches Handeln nicht aus, sondern ein.
„Ebola ist eine Erfindung des Westens, um die Afrikaner zu eliminieren oder einzuschüchtern“, schreibt ein anderer. Was soll man gegen solche Verschwörungstheorien unternehmen?
Zum Glück nehmen die meisten die Warnungen ernst und bescheinigen den Gesundheitsbehörden, dass sie eine gute, verantwortliche Arbeit machen.
Doch viele fragen auch kritisch zurück: „Wie konnte es dazu kommen, dass die Großmutter des erkrankten Kindes unbehelligt in einem Überlandbus über Bamako nach Kayes reisen konnte?“ Mit wie vielen Menschen ist sie wirklich in Kontakt gekommen?“ Inzwischen stellt sich heraus, dass die Oma mit ihrem Enkel zehn Tage in Bamako verbracht hat.
„Wieso haben die betroffenen Familien und Verwandten nichts unternommen, obwohl die Sensibilisierungschampagnen der Regierung in Sachen Ebola auf Hochtouren laufen?“
„Warum werden die Grenzen nach Guinea nicht geschlossen?“
Es gibt Menschen, die einfach weitermachen wie vorher, die einfach nicht verstehen oder verstehen wollen. Dabei riskieren sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Mitbürger.
Journalisten von AFRIKAN haben den Verlauf der Übertragung des Ebola-Virus im Fall des gestern verstorbenen Krankenpflegers recherchiert. Das, was dabei ans Licht gekommen ist, zeugt von Unverantwortlichkeit, charismatisch-religiöser Überheblichkeit und Naivität.
Der Ende Oktober verstorbene Marabout (islamischer Geistlicher und gleichzeitig traditioneller Heiler) war, so die Internetplattform AFRIKAN, auf Wunsch einer von Ebola betroffenen Familie aus der Grenzregion Mali-Guinea (Kouremale) ins südliche Guinea gereist. Er sollte Allah und die Geister um Hilfe anrufen und für Heilung beten. Dass es sich bei dieser Person um einen Imam handelte, wurde inzwischen auch von anderer Seite bestätigt. Die Heilung blieb jedoch aus. Die an Ebola erkrankten Menschen in Guinea verstarben. Der Marabout reist danach unbehelligt in Begleitung von zwei seiner Frauen und seinem Sohn zurück nach Mali. Er erkrankt und lässt sich zunächst in einer Privatklinik in Siguiri (Region Kankan im Norden Guineas) behandeln. Die Behandlung zeigt keine Erfolge und die Familie beschließt den ca. 70-jährigen Imam in der besagten Klinik PASTEUR in Bamako behandeln zu lassen. Dort wurde er mit Verdacht auf Lungenentzündung behandelt. Andere Quellen sprechen von "Unwohlsein", Symptome, die zumindest angesichts der sensiblen Lage in Westafrika hätten aufhorchen lassen müssen. Doch der Imam verstirbt. Die Klinik informiert jedoch nicht die Behörden, so wie es zu erwarten gewesen wäre. 
Der Normalbürger fragt sich: Ein Patient kommt aus Guinea nach Mali und erkrankt. Warum wurden zu diesem Zeitpunkt nicht schon die Alarmglocken geläutet? Stattdessen erteilt die Klinikleitung auf Drängen der Familie die Erlaubnis, die Leiche abzuholen, in einer nahegelegenen Moschee (Diala) zu waschen, zurück nach Kouremale zu transportieren und dort traditionell zu begraben  – ohne Hinweis auf jegliche Vorsichtsmaßnahmen. Erst als der behandelnde Krankenpfleger einige Zeit später erkrankt, schlägt die Klinik Alarm. Der Direktor der Klinik erklärte am 11.11. in einer Pressekonferenz, dass die Gesundheitsbehörden erst sehr spät darüber informiert hätten, dass es sich im Fall des verstorbenen Imam um einen Ebola-Verdachtsfall gehandelt hätte. Weiterhin gibt er zu verstehen, dass er die Krankenakte noch nicht studiert hätte und nur über Informationen verfügt, die "man ihm zugetragen hätte". Diese Erklärungen kommen bei Journalisten und in der Bevölkerung sehr schlecht an. Eine Klinik mit gutem Ruf hätte seriöser vorgehen müssen und beim Beachten aller Maßnahmen angesichts der sensiblen Lage selber herausfinden müssen, ob eine Ebola-Erkrankung vorliegt oder nicht. So wird der "Schwarze Peter" hin und her gereicht. Die WHO fordert die Behörden auf, die Moscheen in Diala und in Bamako-Djikoroni, wo die Personen aus dem Umfeld des Imam verkehrten zu desinfizieren und vorübergehend zu schließen. Auch eine der beiden Frauen ist laut einem Kommunikee der WHO vom 10.11. inzwischen verstorben. Der Sohn wurde positiv auf Ebola getestet und wird in einer Klinik in Siguiri (Guinea) behandelt. 
Wie viele Menschen sind mit dem erkrankten Imam und dessen Familienangehörigen in Kontakt gekommen? Wie viele Menschen haben die besagten Moscheen besucht und sind mit dem Virus in Berührung gekommen? Keiner kann diese Fragen genau beantworten.
Was nützen also all die Vorschriften und Empfehlungen, wenn unverantwortlich handelnde Menschen diese missachten? An dieser Stelle könnte ich mich aufregen über den islamischen Fatalismus (Gott hat es so gewollt. Er wird es schon richten), über das mystische Weltbild und das damit einhergehende defizitäre Menschenbild … doch das hilft im Moment auch nicht weiter.

Inzwischen sind 106 Menschen in Mali in Quarantäne und werden medizinisch überwacht, darunter auch Angehörige der UN-Schutztruppen (MINUSMA). Die WHO und die UNO haben ein waches Auge darauf, wie sich die malischen Gesundheitsbehörden jetzt verhalten. Die Sensibilisierung muss weiter gehen – über Zeitungen, TV und Radiostationen, aber auch in den christlichen Gemeinden. Solange die Risiken der Übertragung bestehen, muss das Bewusstsein wach gehalten werden. Der Tod des Krankenpflegers wird die Menschen aufrütteln und ihnen zeigen: Die Lage ist ernst. Die Gefahr ist nicht vorbei. Das Kopieren einiger Vorschriften alleine hilft uns nicht. Wir müssen kapieren, was dahinter steckt und sie auch beachten sowie eigenverantwortlich unser Verhalten überdenken. Trotz allem vergessen wir dabei nicht: Nur Gott kann uns wirklich helfen. Aber wir sind im gleichen Maße verpflichtet, uns verantwortlich zu verhalten.