vendredi 29 novembre 2013

Benin | Zwischen Voodoo-Kult und Erweckung - ein Land im Aufbruch

Benin, ein Land an der westafrikanischen Küste, mit seinen 9 Mio. Einwohner, eingeklemmt zwischen dem großen Nachbarn Nigeria im Osten und Togo im Westen. Dorthin wird die Allianz Mission Familie Anafi und Roumana Sounon entsenden und den Aufbau einer theologischen Ausbildungsstruktur unterstützen. Benin ist ein Land voller Farben und vielfältiger Kulturen und Religionen. Christen (42%) und Muslime (28 %) koexistieren mit den traditionellen Religionen des Voodoo, der Ga und Yorouba. Vooddoschreine sind sehr verbreitet in Benin. Bei der Fahrt durch den Ort Ouidah (östl. von Cotonou) erhaschen unsere Blicke Fetische im Inneren von kleinen Gebäuden am Straßenrand oder auch mitten im Ort. Berge von Federn sind dort zu sehen, die Zeugnis von einem regen Opferkult ablegen. Voodoopriester beherrschen die weiße und schwarze Magie und entsprechende Zaubertricks, die ihnen Macht über Menschen geben. Segen und Fluch liegt in ihren Händen. Die Kenntnis dieser Religionen ist für die theologische Ausbildung von großer Bedeutung um  verantwortliche, kontextrelevante Theologie betreiben zu können.
Doch auch christlichen Gemeinden wachsen in Benin. Die Gottesdienste sind gut gefüllt. Unabhängige Gemeinden entstehen, auf eigene Initiative. Man wartet nicht, bis Missionare aus dem Westen ihre Arbeit starten. Die unabhängigen afrikanischen Kirchen wachsen stark im Süden des Landes. Im Landesinneren und im Norden ist der Islam stärker vertreten und die Missionsarbeit gestaltet sich schwieriger. Wunder und Heilungen gehören wie selbstverständlich zum gemeindlichen Leben. „Das Gebet für Heilung wird nicht in besonderen Veranstaltungen angeboten“, so ein verantwortlicher Pastor des Landes. „Wir beten. Gott heilt, oder er heilt nicht. Ganz einfach.“ Auch für den missionarischen Durchbruch, sind diese Erfahrungen wichtig. Erst wenn Animisten und Muslime merken, dass der Gott der Christen „richtig was drauf hat“, dann öffnen sie sich für die Botschaft des Evangeliums, werden Christen und in Gemeinden integriert. Vieles im religiösen Verständnis Afrikas wird über die spirituelle Power definiert und nicht in erster Linie über die Logik eines Bekenntnisses.
Trotz der geistlichen Aufbruchsstimmung gibt es unter den teilweise selbsternannten und schlecht ausgebildeten Pastoren erhebliche Defizite an gründlicher theologischer Ausbildung. Diese ist aber entscheidend, um den Gemeinden Orientierung zu geben und die Bildung von Sekten zu verhindern. Daher freuen wir uns, hier mit der Entsendung von Familie Sounon einen wichtigen Beitrag leisten zu können.  
Alfred Meier wird als Berater den Dienst von Anafi und Roumana Sounon in Benin mit unterstützen. 
Autor: Alfred Meier
Nach unserer Rückkehr nach Mali im August 2014 geht das natürlich noch besser als aus der Westerwälder Provinz.
(aus: allianzmission, aktuell, Ausgabe Dezember 2013/Januar 2014, S.10)

Allianz Mission | 125 Jahre | das Jubiläum


Ein Festival für alle Generationen. Dankbar, fröhlich, hochwertig, zukunftsorientiert, missionsbegeistert. Ein Erlebnis für junge Leute, Familien und Gemeinden. 
Mit dabei: Yassir Eric | Ansgar Hörsting | Silas Kezakubi aus Tansania | 
Lothar Kosse & Band 
www.imission.am

lundi 11 novembre 2013

Haiyan reißt Tausende in den Tod – Taifun Katastrophe auf den Philippinen



 
Am Wochenende ist der stärkste jemals gemessene Taifun auf südöstliche Teile der Philippinen getroffen, mit einer Windgeschwindigkeiten von über 300 km/h. Ganze Dörfer und Städte vorwiegend in der Provinz Leyte sind zerstört. Zwischen 10.000 und 12.000 Tote, so die vorläufige Bilanz der philippinischen Behörden. Eine unvorstellbare Schneise der Verwüstung. Hunderttausende auf der Flucht. Viele Menschen mussten in den Wassermassen ihre Leben lassen. Die Lebensmittel werden knapp. Hilfstruppen der Regierung und Katastrophenhelfer aus der ganzen Welt machen sich auf den Weg. 
Gestern Morgen war ich auf dem Weg in den Gottesdienst. Die Uhr zeigte 9.20 Uhr an. Auf WDR 2 hörte ich eine Kurzreportage von den schrecklichen Ausmaßen der Katastrophe. Besonders berührt hat mich die um Hilfe schreiende  und verzweifelte Aussage einer jungen Mutter - Jessa Valezuela ist ihr Name. Sie sagte dem Reporter: „Ich habe viele meiner Verwandte verloren. All mein Hab und Gut ist zerstört. Ich konnte meine Tochter nicht mehr halten. Der Wind war zu stark, und irgendwann habe ich ihre Hand losgelassen. Ich konnte nicht anders …“. Ich musste schlucken und mir kamen die Tränen. Habe ich da richtig gehört? Eine Mutter hält ihr Kind an der Hand und der Wind reißt es ihr weg und ... Da fehlen die Worte … 
Auch die Allianz Mission ist mit einigen Missionaren auf den Philippinen vertreten. Unsere Kollegin Wiebke schreibt: "Nach dem verheerenden Taifun „Haiyan“ sind die Menschen im ganzen Land deprimiert und hilflos. Wer nicht selber unmittelbar vom Taifun betroffen ist, hat Verwandte, die Hab und Gut oder gar ihr Leben verloren haben. Da die Kommunikation zusammen gebrochen ist, wissen viele nichts über den Verbleib ihrer Angehörigen in den betroffenen Gebieten. Ein Drittel des Landes ist von der Stromversorgung abgeschnitten, sehr viele Städte und Dörfer sind auf Grund der Verwüstung nur mit Helikoptern erreichbar. Die Überlebenden, zu denen wir noch eine Weile Kontakt hatten, haben seit Tagen keinen Zugang zu Lebensmitteln oder Trinkwasser. Die Lage ist verzweifelt. Gebet tut Not! In allem sind wir dankbar, dass wir als AM-Team bewahrt wurden, da wir während des Taifuns nicht in Manila waren, sondern uns in seiner direkten Bahn befunden haben."
Die Allianz Mission ist mit den Mitarbeitern und Partnern vor Ort im Kontakt und versucht dringend benötige Katastrophenhilfe zu koordinieren. Im Communiqué der Mission heißt es: „Der Taifun „Haiyan“ hat auf den Philippinen zu schlimmsten Verwüstungen und Leid geführt. Große Teile der Infrastruktur in den betroffen Gebieten wurden zerstört, deshalb ist es zur Zeit noch schwierig, einen genauen Überblick zu bekommen. Die Allianz-Mission steht mit den Missionaren, einheimischen Mitarbeitern und Partnern vor Ort in Kontakt, um gemeinsam mit der Katastrophenhilfe des Bundes FeG Soforthilfe zu leisten. 
Spenden können auf unsere Spendenkonten mit dem Vermerk „Hilfe Taifun Philippinen“ gegeben werden.
 

Spar- und Kreditbank Witten
IBAN: DE 86 4526 0475 0009 1109 00, BIC: GENODEM1BFG
Volksbank Dill eG
IBAN: DE10 5169 0000 0000 4380 06, BIC: GENODE51DIL

vendredi 8 novembre 2013

Mali | Missionarischer Einsatz während der Weihnachtsferien

Die Planungen für einen missionarischen Einsatz in Mali während der Weihnachtsferien (22.12.13 bis 6.1.14) sind auf Touren gekommen. Die inhaltichen Elemente dessen, was wir während dieses Einsatzes tun können sind mit unseren malischen Partnern abgestimmt. Am 17. Oktober trafen wir uns als Team zu einem afrikanischen Essen, aus Schüsseln und mit bloßen Händen. Wir haben Infos ausgetauscht und in Arbeitsgruppen Ideen für den Einsatz zusammengetragen. Mit 14 Leuten wollen wir im Bereich Sport und Gemeinde gemeinsam mit unseren Freunden in Bamako, der Hauptstadt Malis, ein Fußballcamp durchführen, eine Volleyball-AG anbieten, bei kreativ-missionarischen Aktionen mit Kindern und Jugendlichen und bei der Gottesdienstgestaltung mithelfen. Außerdem sind Besuche in malischen Gefängnissen geplant. Unsere Freunde in Mali freuen sich auf die Begegnung mit uns. Wir sind dankbar dafür, dass sich die politische Situation in Mali weiter stabilisiert. Betet mit uns für gute Absprachen und die weitere Vorbereitung. Jeder der Teilnehmer übernimmt einen Teil der anstehenden Kosten. Der Rest soll durch Spender und Sponsoren zusammen kommen.  

Konkret benötigen wir finanzielle Unterstützung für: 

  • anteilige Flugkosten
  • Mieten von Sportstätten
  • Verpflegung und Unterkunft
  • Organisation von Trainingslager und Turnier
  • Transportkosten in Mali
Spenden, die uns helfen, den Einsatz zu finanzieren, sind herzlich willkommen:
Bankverbindung
SRS Spendenkonto
Westerwaldbank e.G.
BLZ 573 918 00
Kto. 70 083 477
Spendenzweck: Mali 2013

lundi 4 novembre 2013

Mittelalterliche Weichenstellung | Mission oder Inquisition



Was wäre wenn sich der Papst im 13. Jh. für Mission und gegen Inquisition entschieden hätte? 
Im sogenannten dunklen Mittelalter haben sich in längst vergangenen Tagen erstaunliche Weichenstellungen ergeben. Sie haben die Kirchengeschichte wesentlich beeinflusst und zeigen, welche Prioritäten in der damaligen Zeit gesetzt wurden. 
Wir befinden uns am Anfang des 13. Jh.s im spanischen Kastilien. Dort wirkte Diego de Acebo (gest. 1207). Er war zunächst Zisterziensermönch und später Bischof in Osma (1201-1207). Auf gemeinsamen Reisen mit Dominikus (1170-1220) durch Europa wurden beide Zeugen der um sich greifenden Häresien, die der Mutter Kirche das Leben schwer machten. Betroffen waren insbesondere die im Süden Frankreichs beheimateten Katharer (die Anhänger des reinen Glaubens).  
Bischof Diego hatte zunächst vor, unter den Türken zu missionieren und dort den christlichen Glauben zu verbreiten. Die Kreuzzüge in den Orient bewirkten in der Kirche eine kulturelle Horizonterweiterung und hatten dazu geführt, dass in Europa eine gewisse Kenntnis des Islam vorhanden war. Diego sah hier zukunftsweisende Möglichkeiten für die abendländische Kirche und hatte sich sogar schon mit seinen Plänen an den Papst gewandt, damit dieser ihn vom bischöflichen Amt befreit. Diego wollte sich voll und ganz seiner missionarischen Vision widmen. Doch der Mann auf dem päpstlichen Stuhl hatte andere Pläne. Für ihn war die innerchristliche Missionierung, d.h. die Reinigung von Irrlehren in Südfrankreich das vordringlichere Anliegen. Der Historiker Peter von Vaux-de-Cernay berichtet vom päpstlichen Beschluss: Im Jahre des fleischgewordenen Wortes 1206 gelangte der Bischof von Osma names Diego, ein großer und rühmenswerter Mann, an die römische Kurie und gab seinem höchsten Wunsch Ausdruck, auf sein Bischofsamt zu verzichten, damit er umso freier sich der Sache widmen könne, das Evangelium Christi den Heiden zu predigen; doch der Herr Papst Innozenz wollte den Wunsch des heiligen Mannes nicht erfüllen, sondern wies ihn an, an seinem Bischofssitz zu verbleiben.“  
Diego musste daraufhin seine Pläne ad acta legen. Stattdessen wurden Dominikus und Diego 1206 vom Papst Innozenz III. beauftragt, die abtrünnigen Katharer zum Glauben der heiligen römisch-katholischen Kirche zu bekehren und mit Argumenten und seelsorglichem Geschick gegen die Irrelehre vorzugehen. In der Folgezeit wurde zu diesem Zweck der Dominikanerorden als Bettel- und Predigerorden gegründet (1206/07). Diego zog sich 1207 in seinen Bischfssitz zurück und verstarb Ende 1207. 
Die Wanderprediger der Katharer hinterließen aufgrund der asketischen Lebensweise und ihrer rhetorischen Überzeugungskraft großen Eindruck bei der Bevölkerung. Da die Katharer von den französischen Feudalherren gefördert wurden und die sanfte Tour nicht zum Erfolg führte, sah sich die kath. Kirche bald gezwungen, andere Maßnahmen zu ergreifen. 1209 rief der Papst zum Kreuzzug gegen die Katharer (Albigenserkreuzzug) auf. Tausende von Katharern wurden grausam ermordet. Die juristische Form der Inquisition wurde seit 1212 verfeinert und fand ihren Höhepunkt im Jahre 1486. Der Dominikaner Heinrich Kramer veröffentlichte in diesem Jahr den sog. Hexenhammer (lat. Malleus Maleficarum), ein Werk, in dem die Inquisitionsverfahren genau dargestellt und theologisch begründet wurden. 

Was bleibt? Die ursprünglich friedlichen und Armut praktizierenden Mönche wurden zu Handlangern der Inquisition, in die im Laufe der Zeit (13.-18. Jh.) vorwiegend Dominikaner involviert waren. In offiziellen Gerichtsverfahren wurden die Ketzer und Irrlehrer zur Rede gestellt und unter Folter zum Widerspruch ihrer Positionen aufgerufen.  
Die ursprünglichen Pläne der Missionierung von Nichtchristen verwandelten sich so in die Idee der inquisitorischen innerkirchlichen Reinigung. Auch die Mönche des Zisterzienserordens, die vom Papst als Legaten (päpstl. Botschafter) beauftragt waren, setzten den Schwerpunkt nicht auf die Mission, sondern konzentrierten sich auf politische Diplomatie und auf repressive Maßnahmen. Dies führte zu erheblichem Widerstand in der Bevölkerung. 
Bis heute muss sich die Kirche wegen ihrer Folterungen und erzwungenen Geständnisse rechtfertigen. Dies ist die Folge davon, dass die Oberen der Kirche damals die Prioritäten falsch gesetzt haben und die inquisitorische Reinigung der Kirche für wichtiger erachteten als die Missionsarbeit. 

Bild: Dominikus

dimanche 3 novembre 2013

Gott vertrauen | ... bei Plänen, die wir nicht durchschauen.

























Johannes 14,1 | Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Euer Herz erschrecke nicht
Vor der ungewissen Zukunft: Gott vertrauen!
In den ausweglosen Lagen: Gott vertrauen!
An den hoffnungslosen Tagen: Gott vertrauen!
In den angsterfüllten Stunden: Gott vertrauen!

Worte, die das Fürchten lehren,
Krisen, die die Angst vermehren,
Mauern, die die Sicht verbauen,
Pläne, die wir nicht durchschauen.
Menschen, die uns Angst einjagen,
Nöte, die sich überschlagen,
Dramen, die uns sprachlos machen,
Sorgen, die zu schaffen machen.
Euer Herz erschrecke nicht,
glaubt an Gott und glaubt an mich.
Euer Herz erschrecke nicht,
glaubt an Gott und glaubt an mich.

Aufbruch in das Unbekannte,
Schatten wirft das Ungeplante,
Abschied, der uns endlos schwerfällt,
Zweifel, der das Herz zutiefst quält.
Fehler, die man nie verzieh'n kriegt,
Schuld, die schon so lang zurückliegt,
Hoffnung auf den neuen Anfang,
Ängste, weil er so oft misslang.

Text: Heiko Bräuning

vendredi 1 novembre 2013

Evangelisation - klassisch und postmodern (2)

Praktische Folgen des missional inkarnatorischen Lebensstils für jedermann:

Missional bedeutet: die missionarische Sendung wird zum Mittelpunkt des Denkens und Handelns einer Gemeinde. Leitungsstrukturen, Programme, Gottesdienstgestaltung und wöchentliche Aktivitäten werden kritisch daraufhin untersucht, ob sie dem Ziel von Gottes Mission in der Welt dienen oder nicht. Wenn nötig, werden Programme gestrichen und missionarische, weltoffene und für die Gesellschaft relevante Initiativen unterstützt. 

Inkarnatorisch bedeutet: Christen und Gemeinden leben der Welt zugewandt, sie nehmen am gesellschaftlichen Leben teil, sie gestalten ihr Gemeindeleben und ihre Verkündigung so, dass Menschen es als bedeutsam, als lebensverändernd empfinden und es für sie nachvollziehbar wird.
Die Kirche bewegt sich in einer gemeinsamen Welt und gestaltet sie im Sinne Jesu:
 


  • Wir feiern Gottesdienst in der Welt.
  • Unsere Botschaft ist mit unserem Leben verbunden.
  • Wir identifizieren uns mit den Themen, Fragen und Schicksalen der Menschen in unserer Umgebung.
  • Wir bauen Beziehungen auf und praktizieren räumliche, langfristige und echte Nähe.
  • Wir sind für Mitmenschen im beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Bereich spontan verfügbar und ansprechbar.
  • Wir helfen und packen gerne an und verzichten auf manipulative Techniken der Rhetorik und Argumentation.
  • Wir sind in der Lage jederzeit die große Geschichte des Evangeliums weiterzugeben.
  • Wir können begründen, warum wir Christen sind und was dieser Glaube für unser alltägliches Leben bedeutet.
  • Es reicht nicht aus, nur „gute Botschaft“ zu sein und sie auszustrahlen. Christen und Nichtchristen benötigen das autoritative Wort des Evangeliums, als Einladung zum Glauben und Korrektiv.
  • Gemeinden  wenden sich ab von veranstaltungsorientierter organisierter Evangelisation zu natürlicher ins Leben eingebundener Evangelisation.
  • Gemeinden werden bescheidener, was ihre bauliche Infrastruktur angeht. Sie investieren mehr in dezentrale Strukturen im privaten und öffentlichen Bereich (Café, Theater, Hauskreise usw.)
  • "Es geht nicht darum, wieder mal zu wagen, Traktate zu verteilen, sondern etwas wirklich Neues anzugehen. Durch Jesu Missionsauftrag ist die Gemeinde eine gesandte Gemeinde, deren Herz dafür schlagen muss, in die Welt der Leute einzutauchen und sich auf sie einzulassen. Wir können nicht erwarten, dass attraktive Veranstaltungen die Leute in die Gemeinde ziehen. Wir müssen raus gehen." (Benjamin Rudolph, LEAP Network)
Missionaler Lebensstil – Tipps für jedermann 

Mit Nichtchristen essen gehen 
Im Restaurant oder in der Familie. Arbeitskollegen und Nachbarn einladen. Unterhaltungen führen. Fliehe aus der christlichen Subkultur. 

Laufe durch deine Stadt, statt zu fahren.
Nimm deine Umgebung bewusst wahr. Spaziergänge durchs Dorf oder durchs Stadtviertel, um Menschen zu sehen und evtl. mit ihnen zu Plaudern. Begrüße Leute, die du noch nicht kennst. Zeig Interesse. Stelle Fragen. 

Sei beständig
Kaufe in den selben Läden ein, tanke an der selben Tankstelle, gehe ins selbe Restaurant. Entwickele Stammorte, wo die Möglichkeit besteht, die gleichen Leute zu treffen und Präsenz zu zeigen. Baue Beziehungen zu Nichtchristen auf. 

Teile ein Hobby mit einem Nichtchristen.
Finde heraus, welche Interessen und Hobby dein nichtchristlicher Nachbar hat (Fußball, Bowling, Fahrradfahren, Sportstudio, Musik, gemeinsame Hausaufgabenhilfe). Tue das, was dir Spaß macht mit einem Nichtchristen zusammen. Finde den „dritten Ort“, neben Familie und Gemeinde. 

Diene deinem Nachbarn.
Kleine Hilfsdienste, Nachbarschaftshilfe. Sei kreativ. 

Sprich mit deinen Kollegen.
Gemeinsame Treffen nach der Arbeit oder am Wochenende. Bete für sie. Nutze deinen Arbeitsplatz für Gespräche über den Glauben – ganz natürlich. 

Engagiere dich in einem Verein.
Ehrenamtliches Engagement in einem Verein, der sich für die öffentlichen Belange der Gesellschaft einsetzt. Einmal pro Monat. Setze dich dafür dein, dass deine Gemeinde in solchen Vereinigungen präsent ist. 

Nimm am gesellschaftlichen Leben teil.
Dorffeste, Reinigungsaktionen, Konzerte, Einklinken ins kulturelle Leben. Bete für dein Dorf/ deine Stadt.

Aus dem i muss ein ! werden. 

 
Wir brauchen beide Ansätze, jedoch den missionalen in Zukunft mehr als den klassischen.   
Bisher spielte die klassische Evangelisation eine herausragende Rolle wenn es um Mission und Verkündigung des Evangeliums ging. In Zukunft muss es umgekehrt sein. Der missionale Lebensstil aller Christen muss zur Hauptsache werden und die klassische Evangelisation muss eine Nebenrolle einnehmen. Damit das Wirklichkeit wird, müssen Gemeinden, aber auch Missionswerke umdenken. Es geht nicht um ein MakeUp, um neue Farben, neue Flyer und neue Profile eines immer gleichen Ansatzes. Es geht um ein StartUp, um einen neuen Ansatz, der die missionarische Sendung der Gemeinde in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet:

  • nicht immer mehr attraktionale evangelistische Programmangebote,
  • sondern mehr praktische Vorbilder für natürliche Evangelisation im Alltag,
  • mehr Sensibilisierung von Gemeinden für die Notwendigkeit eines missionalen Lebensstil, (Missionswerke mehr als Coaches und weniger als Akteure)
  • mehr nachhaltige Begleitung von Menschen, die kreativ-missionarische, beziehungsorientierte und alltagstaugliche Initiativen gestartet haben und denen weder die traditionelle Gemeinde, noch das klassische Missionswerk eine Hilfe ist.
Heute benötigen wir verstärkt Evangelisten,  
  • die die zu erreichenden Menschen in ihren Milieus kennen und mit ihnen leben
  • die in Gemeinden integriert sind und ihr helfen, ihre missionarische Sendung wahrzunehmen. 
Teil 1 gibt es hier: http://alfredmeier.blogspot.de/2013/11/evangelisation-klassisch-und-postmodern.html

Evangelisation – klassisch und postmodern (1)


Worum geht es bei Evangelisation? 
Bei der Evangelisation geht es darum, die biblische Botschaft zu verkündigen. Es geht aber auch um das Angebot der Umkehr zu einem neuen Leben unter der Herrschaft Gottes, um Integration in eine christliche Gemeinschaft, darüber hinaus um Weltgestaltung, um persönliche Veränderung und gesellschaftliche Transformation auf der Grundlage des Evangeliums und der biblischen Werte. 

So war es gedacht: 
Menschen evangelisieren, indem sie durch Worte und ihren Lebensstil im Kontext des alltäglichen Lebens auf Gott den Schöpfer und Jesus Christus den Erlöser der Welt und Herr des Lebens aufmerksam machen. Ziel ist es  außerdem, Menschen zu erklären, wie sie eine persönliche Beziehung zu Gott aufnehmen und leben können. Evangelisation, so verstanden, ging von einzelnen Christen, von Wanderpredigern, von Hauskreisen und Gemeinden aus, die mitten in der Gesellschaft ihre Verantwortung auf ganz natürliche Weise wahrgenommen haben.Öffentliche Ansprachen hatten ihren Platz in der pioniermissionarischen Arbeit oder waren eingebettet in das gemeindliche Leben. So hat Paulus beispielsweise in der Öffentlichkeit evangelisiert und gleichzeitig als Zeltmacher gearbeitet und im beruflichen Kontext Kontakte geknüpft. Nach der Zeit der Gemeindegründung in Thessaloniki hat die Gemeinde selber evangelistisch-missionarische Initiativen gestartet (1Thess 1,2ff) - ohne den Spezialisten Paulus.

Und das hat sich geändert … 
Gesellschaftliche und kirchliche Umbrüche haben dazu geführt, dass die Evangelisation ihren zentralen Platz im kirchlichen Leben einbüßte. Sie wurde im Verlauf der Geschichte die Sache von besonders begabten Berufsevangelisten, die als Wanderprediger mehr oder weniger organsiert neben den offiziellen Kirchen in Erscheinung traten. Im Laufe des Mittelalters entstand das sog. christliche Abendland. Jeder war formal Mitglied der Kirche. Die Folge: Evangelisation war nicht mehr notwendig. Im Laufe des hohen und späten Mittelalters (12.-14. Jh.) kam es zu innerkirchlichen Fehlentwicklungen, die Kritiker auf den Plan riefen. Ihr Ziel war es, die basics des christlichen Glaubens neu in Erinnerung zu rufen. In der Folgezeit fand die öffentliche Evangelisation besonderen Anklang in Zeiten …
  • kirchengeschichtlicher, philosophischer und sozialer Umbrüche, um die Wahrheit des Evangeliums zu proklamieren und zu verteidigen,
  • als das normale christliche Leben an Ausstrahlung verloren hatte und die etablierten Kirchen kein adäquates Mittel mehr fanden, die Menschen durch das Zeugnis des Lebens zu erreichen.


Beispiele:
  • vorreformatorische Wanderprediger in Zeiten der theologischen Krise der kath. Kirche (14./15. Jh.)
  • methodistische Evangelisation in der geistlichen und sozialen Krise in England (18. Jh.)
  • pietistische Erweckungsbewegung in Europa als Antwort auf die Philosophie der Aufklärung (18./19. Jh.)
  • evangelistische Großveranstaltungen in Deutschland nach dem Desaster des 2. Weltkrieges (nach 1945)
  • evangelistische Wortverkündigung als Antwort auf die humanistische und politische Unterwanderung des Missionsgedankens in der ökumenischen Bewegung (seit 1950)
Die englischen Methodisten (Wesley&Co.) haben neben der  verbalen Evangelisation sehr viel Wert auf soziales Engagement gelegt.

 
Missionswerke oder freiberufliche Evangelisten 
  • agieren als eigenständige Körperschaften neben den Kirchen
  • organisieren punktuell evangelistische Events mit dem Ziel, zum Glauben an Jesus Christus einzuladen,
  • kooperieren mit schon bestehenden Gemeinden und unterstützen diese bei dem Bemühen, Menschen in die Nachfolge Jesu einzuladen und in die Gemeinde zu integrieren. 

Ziele der klassischen Evangelisation 
  • Kurzfristig: Sündenerkenntnis beim Zuhörer und Hinweis auf das Angebot von Vergebung, Annahme Gottes, seine Liebe und die Gnade der Rettung in Jesus Christus 
  • Mittelfristig: Glaubenswachstum und Integration in eine lokale Gemeinde
  • Die klassische Evangelisation ist geprägt von der KOMM-STRUKTUR (zentripetal = auf die Mitte zusteuern, auf das innere Zentrum fixiert sein):
    Einladung an einen vorbereiteten Ort zu kommen,
    Programme sind auf ihre Attraktivität für den Zuhörer/Zuschauer abgestimmt,
    Einladung zum Glauben,
Zunächst versuchen Gemeinden und einzelne Christen mit Mitmenschen über ihren Glauben zu reden. Sie wagen es, den eigenen Tellerrand punktuell zu verlassen, in der Hoffnung, den ein oder anderen Zeitgenossen vom Glauben und vom "inneren Ambiente" der Gemeinde zu überzeugen. Doch die nachhaltigen Erfolge sind eher bescheiden. Aufgrund der empfundenen Ohnmacht reift nun der Entschluss, Spezialisten von außen mit an Bord zu nehmen, damit "der Ausflug" über den Tellererand hinaus gelingt. Ziel und Methoden bleiben jedoch die gleichen: Kommt zu uns, bekehrt euch und werdet Mitglied unserer Gemeinde. Durch den professionellen Aufwand der öffentlichen Veranstaltungen entstand zunehmend der Eindruck, dass wirksame Evangelisation nur noch von gut ausgestatteten, auf performance ausgerichteten Gemeinden und von Missionswerken durchgeführt werden kann, die über die technischen und medienwirksamen Mittel verfügen.

 
Ist diese Form der klassischen, organsierten Evangelisation noch zeitgemäß?

Zeitgenosse A. aus N: 
„Einmal im Jahr finde ich einen Flyer in meinem Briefkasten. Dort werde ich von Christen zu einer Evangelisation eingeladen. Ich frage mich: Warum laden die mich nicht persönlich ein? Und warum sollte ich zu denen gehen, wenn sie nicht bereit sind, zu uns zu kommen, wenn wir im Dorf unsere Feste feiern?

Christine M. aus B: 
„Am Arbeitsplatz als Krankenschwester hatte ich die besten missionarischen Möglichkeiten, um meinen Kollegen zu erzählen, warum ich Christ bin und was mir Jesus bedeutet.“

Pastor L. aus  M: 
„Wir können diese Dinge (Programmangebote der Gemeinde) noch ewig weiter anbieten, aber die Leute werden nie kommen und Teil der Gemeinde werden. Und ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun kann“.

Theologie A. aus K: 
„Die Effektivität unserer missionarischen Bemühungen hängt nicht von der Professionalität und Originalität unserer Angebote ab. Sie steht und fällt mit der Tatsache, ob unsere Leiter es verstehen, in die Welt der Nichtchristen einzutauchen und dort mit Hingabe zu dienen.“

Kritischer Berufsevangelist aus A: 
„Die Gemeinden fragen immer mehr danach, wie sie kontinuierlich im normalen Alltag das Evangelium leben und verkündigen können. Eventevangelisationen werden immer unwichtiger“.

Mitarbeiter aus M: 
„Die klassische Evangelisation hat für viele Gemeinden  eine Alibifunktion nach dem Motto: die Spezialisten können das besser als wir. Und sie ist letztlich eine Ohnmachtserklärung: mit der missionarischen Ausstrahlung im normalen Leben funktioniert das  nicht, also holen wir uns jemand von außen, der uns wenigstens punktuell helfen kann“.

Kritischer Gemeindeleiter aus U: 
„Wir gehen in Gemeinden, die die Unerreichten nicht erreichen. Jedes Jahr bekehrt sich nur 1 Person im Verhältnis zu 85 Gemeindemitgliedern.“

Missionar aus A: 
„Wenn sich Missionswerke und Evangelisten in Deutschland als Diener der Gemeinden verstehen, dann stellt sich die Frage:  Wie sieht denn ein zeitgemäßer, effektiver Dienst aus, der Gemeinden hilft, in der heutigen Zeit ein ganzheitliches, von der Gesellschaft wahrgenommenes Zeugnis des Evangeliums zu sein ohne sich auf Spezialisten zu verlassen, die von außen hereingeschneit kommen?“

Analyse der Kirche von England: 
„Welche Faktoren spielen eine Hauptrolle, wenn Menschen zum Glauben kommen? Das Ergebnis war tief enttäuschend: Große Events spielten keine entscheidende Rolle, christliche Medien spielten nur eine recht kleine Rolle. Was aber bedeutend war, waren Beziehungen. … christliche Ehepartner, Arbeitskollegen, der Pastor, der ins Haus kam, Menschen, die etwas ausstrahlen und einen nicht wie ein Missionsobjekt behandeln, sondern in ruhiger Selbstverständlichkeit von dem reden, was ihr Leben im Innersten zusammenhält.“ 

Anfragen an die klassische Evangelisation

  1. Großevangelisationen als Aktion, als Event, die mit mehr oder weniger großem Aufwand aufgezogen werden, sind eine Erfindung der Neuzeit und waren im 19. Jh. bis in die 1990er Jahre ein wirksames und gern benutztes Instrument zur Verkündigung des Evangeliums.
  2. Evangelistische Events behalten als Grundstruktur die meist monologe Verkündigung bei und benutzen dabei moderne Mittel der Präsentation und der Medien (Theater, Satelliten). Das auf Dialog gründende Zeugnis wird meist vernachlässigt.
  3. Bei den genannten Ansätzen besteht die Gefahr, den Menschen auf eine unnatürliche Art und Weise als "Missionsobjekt" zu instrumentalisieren.
  4. Evangelisation bleibt statisch (= unbeweglich) und irrelevant (= bedeutungslos), wenn sie als Verkündigung objektiver Wahrheiten die dynamische Veränderung konkreter, kontextgebundener Einstellungen und Lebensumstände aus den Augen verliert. Evangelisation ist nur dann Verkündigung guter Nachricht, wenn sie Proklamation bibl. Wahrheit mit Situationsrelevanz verbindet und die gesamte Existenz des Menschen in den Blick nimmt.
  5. Evangelisation als Aktion wird organisiert. Evangelisation, eingebunden in das glaubwürdige Leben von Christen, ist der organische Weg.
  6. Kritik an Massenevangelisationen: Anheizen von Emotionen,  manipulative Techniken, mangelnde Sensibilität für den kulturellen Kontext, hoher organisatorischer und finanzieller Aufwand, der nicht im Verhältnis zur erhofften Wirkung steht.
  7. Die klassische Evangelisation ist wenig effektiv. Nur 5 % der Christen geben Eventevangelisationen als wesentlichen Faktor ihrer Bekehrung an, 76 % kommen jedoch durch Kontakte zu Freunden und 22 % durch das vorbildliche Leben christlicher Leiter (Pastoren) zum Glauben an Jesus.
  8. In der klassischen Evangelisation wird der Punkt auf dem i zur Hauptsache gemacht.
  9. Die klassische Evangelisation baut auf einer dichotomischen (zweitgeteilten)  Denkweise auf, wo die Bereiche Gott und Welt voneinander getrennt sind.
  10. Das klassische evangelistische Schema baut auf attraktive Programme. Es ist vorwiegend wirksam für Menschen innerhalb der Gemeinde (m0) und in deren unmittelbarem Umfeld (m1). Um Menschen über signifikante kulturelle Barrieren hinweg zu erreichen, bleibt der klassische Ansatz größtenteils unwirksam.
  11. Die öffentliche Evangelisation, als externe Maßnahme, kann dazu führen, dass das missionarische Bewusstsein in den Gemeinden entschärft wird, so dass lokale Initiativen erst gar nicht entstehen. Das in Eph 4,11 erwähnte Amt (bzw. Funktion) des Evangelisten, das zum Aufbau der Gemeinden dient, befindet sich nicht mehr in, sondern vorwiegend außerhalb der Gemeinde. Der Evangelist kommt von außen und agiert evangelistisch und vernachlässigt seine eigentliche Aufgabe: die Gemeinde zuzurüsten "für das Werk des Dienstes" (V. 12).