Sonntag, 27. Oktober 2013

Ein Sommer in Frankreich



Wir stellen die Zeit um. Wir verabschieden uns wohl oder übel auf klimatischem Wege vom Sommer und werden von böigen Winden in den Herbst hinein geweht.
Es ist noch nicht lange her, da waren wir mit Zelt, Auto und Fahrrädern im Land unserer Nachbarn, in Frankreich, unterwegs. Sehr beeindruckt hat uns neben den Tagen an der atlantischen Küste ein Besuch in den alten Klosterruinen in Cluny. Die Klosteranlage wurde als Benediktinerkloster am Ende des 9. Jh. gegründet und hat bis zur Französischen Revolution (1789) großen Einfluss auf die französische und europäische Kirchengeschichte gehabt. Das Land wurde den Mönchen von Ludwig dem Frommen, einem Sohn Karls des Großen, geschenkt. Der große Karl hatte eine Kirchenreform angestoßen und die Mönche setzten diesen Weg nun fort. Die Unabhängigkeit von Bischöfen und Königen und die alleinige Verantwortung gegenüber dem Papst nutzen die Cluniazenser, um ihre Macht auszudehnen. Bereits 994 gehörten 65 Klöster inkl. immenser Ländereien dem Hauptkloster in Cluny an.
Im Laufe des Mittelalters entstand in ganz Europa ein ausgedehntes Netzwerk von Klöstern, das sich von Spanien, über Frankreich, Italien bis ins heutige Polen erstreckte. Im Zuge dieser Expansion entstanden neue Klosterorden. Das Auf und Ab der Kirche, ihre internen Intrigen, die Kirche als politischer und wirtschaftlicher Machtfaktor, aber auch der positive Einfluss auf die Kulturgeschichte Europas lassen sich exemplarisch anhand der Geschichte des Klosters in Cluny nachzeichnen. Die wirtschaftliche Machtposition und die politische Vereinnahmung des Klosters wurden unter Kardinal Richelieu (1629), der gleichzeitig politischer Berater und Minister unter König Ludwig XIII. war, zementiert. Am Ende waren der absolutistische Staat und die Kirche die dominierenden Faktoren, die den Hass der Revolutionäre und Kirchenkritiker zzt. der Aufklärung auf sich zog. Dies führte zur Französischen Revolution. Große Teile der Klosteranlage in Cluny wurden in der Folgezeit zerstört oder für säkulare Zwecke (Schulen, Verwaltung) genutzt.
Geschichte ist faszinierend, wenn man in sie eintaucht, sie anfassen kann und sie auf sich wirken lässt. Und sie ist ein großer Lehrer. Wer durch die Anlagen von Cluny läuft, der fragt sich unweigerlich: Wozu ist die Kirche da? Was ist ihr Job? Wo soll sie sich einmischen und wovon sollte sie am besten die Finger lassen? 


Besuch der ehemaligen Klosteranlage des Benediktinierklosters von Cluny (Burgund/ Frankreich) im August 2014

Samstag, 26. Oktober 2013

Achtsamkeit beim Handeln


1. Glaube nicht jedem Worte, und traue nicht jeder Eingebung. Prüfe vielmehr die Dinge vor Gott, behutsam und mit der nötigen Ruhe. Leider geschieht es oft, dass wir von andern lieber das Böse glauben und erzählen als das Gute; so schwach sind wir. Doch vollkommene Menschen glauben nicht so leicht jedem Schwätzer. Denn sie kennen die menschliche Schwäche, die zum Bösen neigt und im Reden leicht zu Falle kommt.
2. Es ist eine tiefe Weisheit, nicht übereilt zu handeln und nicht an seiner eigenen Meinung starrköpfig festzuhalten. Dazu gehört auch, daß man nicht irgendwelcher Rederei Glauben schenkt und das, was man etwa gehört und geglaubt hat, nicht gleich anderen Leuten weitererzählt. Berate dich mit einem klugen und gewissenhaften Mann, und lasse dich lieber eines Besseren belehren, statt deinen Einfällen zu folgen. Ein gutes Leben macht den Menschen weise vor Gott und erfahren in vielen Dingen. Je demütiger ein Mensch ist und je vollkommener er sich Gott unterwirft, um so weiser wird er sein und umso reicher an Frieden. (aus Thomas von Kempen: Nachfolge Christi)

Foto oben aus Cluny: Ausstellung "Die Zeit des Schweigens" von Bruno Rotival



Mali in Zahlen



Weitere Infos zu Mali gibt es hier: http://camali.jimdo.com/mali-land-und-leute/

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Mali | Studienjahr 2013-2014 an der FATMES feierlich eröffnet

Am 22. Oktober 2013 wurde in Bamako das neue Studienjahr an der FATMES (Fachhochschule für ev. Theologie und Missiologie im Sahel) im Beisein einiger Mitglieder des Fördervereins der theologischen Ausbildung in Mali feierlich eröffnet. An der Schule sind zzt. ca. 20 Studierende eingeschrieben. Die FATMES bietet Kurse in einem 3- und 5-jährigen Programm vor Ort an, aber auch Fernkurse, die von Personen bearbeitet werden können, die nicht in Bamako wohnen. Die Einrichtung wurde 2001 gegründet und wird von Mamdou N'Diaye als Studienleiter geleitet. Ab Oktober 2014 werde ich nach unserer Rückkehr nach Mali an dieser Schule missionswissenschaftliche Fächer unterrichten und da aushelfen, wo es notwendig und gewünscht ist. 
Die politischen Entwicklungen der letzten Monate in Mali und die damit verbundene Rückkehr der meisten Missionare haben gezeigt, wie wichtig es ist, malische Pastoren, Evangelisten und Leiter auszubilden, die ihre Gemeinden durch schwierige Zeiten hindurch leiten können. Die FATMES hat genau das zum Ziel. Außerdem würden es sich die Studierenden und die hinter ihnen stehenden Gemeinden überhaupt nicht leisten können, Bachelor- oder Masterstudien im afrikanischen oder westlichen Ausland weit weg von ihrer Heimat zu finanzieren. Die theologische Ausbildung soll möglichst in dem Kulturkreis angeboten werden, wo sie auch später in die Praxis umgesetzt werden soll. Einer meiner Kollegen an der FATMES, der in Europa seinen Master erworben hat, sagte mir: "Die theologische Ausbildung in Europa war solide und fundiert, aber im Studium kamen die Fragen aus dem kulturellen Kontext Afrikas so gut wie nicht vor. Die Ausbildung ging insofern an der Praxis vorbei, die für mich aus afrikanischer Perspektive relevant ist". 

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Weltmission | ein Privileg, dabei zu sein


Weltmission – das ist Gottes Art der Globalisierung. Die Welt sehen und sie verändern. Wir starten, indem wir auf Gott schauen und die Welt wahrnehmen, so wie sie ist: die Menschen, die Vielfalt der Kulturen, die guten und schlechten Tage der Geschichte, das Chaos, die Fortschritte, die Orientierungslosigkeit und die großen und kleinen Gesten der Hoffnung. Da klinken wir uns ein, da machen wir mit und lassen uns von Gott zeigen, wie das geht: Wege zu Menschen finden, damit sie Jesus kennen lernen und ihr Leben in der Kraft Gottes verändert wird.
Missionare sind Leute, die es als ein absolutes Privileg empfinden, mit Gott auf Achse zu sein. Und Missionare arbeiten als Multiplikatoren dafür, dass sich Christen und Gemeinden begeistern lassen für das globale missionarische Unternehmen Gottes mit all den vielfältigen Facetten, die die missionarische Praxis ausmachen - vom persönlichen Gespräch auf der Straße, der Gründung von Gemeinden, über Bildungsprojekte und den Einsatz für die Rechte unterdrückter Menschen usw., bis hin zur Unterstützung von Maßnahmen im medizinischen oder landwirtschaftlichen Bereich.
Missionare, die sich auf den Tanz auf dem internationalen Parkett der Mission vorbereiten wünschen sich, …
  • dass Mission bei Gemeindeveranstaltungen, im Gottesdienst oder Hauskreisen ein zentrales Thema ist und Christen dieses Anliegen im Gebet begleiten, nicht erst dann, wenn ein Missionar aufkreuzt. Mission ist das zentrale Thema der Bibel und tief im Herzen Gottes verankert. Deshalb kann es in Gemeinden und Predigten kein Nebenthema sein.
  • nicht als Einzelkämpfer in Sachen Weltmission unterwegs zu sein, sondern als Mitarbeiter von Gemeinden mit einem besonderen Auftrag, bei dem es gilt, gemeinsam zu beten, zu reflektieren und zu vertrauen, dass die finanzielle und materielle Unterstützung der Arbeit gewährleistet wird.
  • nicht als „Bettler in eigener Sache“, sondern als Personen angesehen zu werden, die ein Recht darauf haben, von Christen und Gemeinden materiell versorgt zu werden.
  • dass Gemeinden es als ein Privileg ansehen, Missionare mit Gebeten und Finanzen zu unterstützen und dies nicht als eine zusätzliche, lästige Pflicht empfinden.
  • Multiplikatoren in den Gemeinden, die das Anliegen der Weltmission eigenständig vorbringen und wachhalten.
  • dass solche Multiplikatoren aus den Reihen der Gemeindeleitungen kommen, denn nur so kann gewährleistet werden, dass Mission im In- und Ausland als Kernaufgabe der Gemeinde präsent bleibt.
  • dass in den Budgetplanungen die finanzielle Unterstützung von Missionaren und ihrer Arbeit einen gleichberechtigten Platz hat – neben dem Gehalt des Pastors oder dem Bau bzw. Unterhalt des Gemeindezentrums usw.
  • dass der Beitrag von Missionsgesellschaften und ihrer Missionare im Bereich von Gesundheit, Landwirtschaft, Bildung u.a. Bereichen stärker als bisher vom Staat anerkannt und finanziell gefördert wird.
Wir sind uns im Klaren darüber, dass diese Wünsche nicht alle in Erfüllung gehen. Doch wir werden weiter dafür arbeiten, dass Mission zu einem zentralen Thema in den Gemeinden wird.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Mali | islamistische Bedrohung hält an


Das Selbstmordattentat in Timbuktu und die jüngsten Anschläge auf Viertel der Stadt Gao und die Zerstörung einer Brücke im Süden der Stadt gehen auf das Konto der Bewegung für die Einheit und den Jihad in Westafrika (MUJAO). Das bestätigte Abou Walid Sahraoui, der Sprecher der genannten Bewegung, gegenüber der  Französischen Presseagentur. Der Angriff gilt den „ungläubigen“ Bewohnern der Stadt Gao, die sich der Einführung der Scharia verweigern. Bei der zerstörten Brücke handelt es sich um eine von zwei Brücken, die die Verbindung ins benachbarte Niger sicher stellen.  Sie dient als Zugang für Händler und alliierte Militärkontingente. Die zweite neuere Brücke wurde leicht tuschiert, ist jedoch noch funktionstüchtig.
Die westlichen und westafrikanischen Verbündeten sind in den Augen der MUJAO Feinde des Islam, die es zu bekämpfen gilt. Von daher steht zu befürchten, dass es auch in Zukunft zu vereinzelten Anschlägen kommt.
Im südlichen Mali ist es friedlich. Die Arbeiten zum Ausbau der Infrastrukturen (Straßennetz) gehen voran und die Maßnahmen zur Stärkung des malischen Schulsystems greifen. Die Gespräche zwischen Vertretern der nördlichen Volksgruppen und der malischen Zentralregierung wurden nach kurzer Unterbrechung wieder aufgenommen. Wir hoffen und beten, dass dies zur Stabilisierung der Situation im Norden Malis beiträgt.