Dienstag, 24. September 2013

Mali | Flüchtlinge kehren zurück in den Norden

Am vergangenen Samstag sind Christen, die während der Zeit der Rebellion aus ihrer Heimat im Norden Malis geflüchtet waren, wieder zurückgekehrt. Kurz vor dem Eintreffen der radiaklen Islamisten in Gao hatte der Pastor der Baptistengemeinde seine Familie (Bild rechts) in Sicherheit bringen können. Gemeinde- und Pastorenhäuser wurden in der Folgezeit ausgeraubt, geschändet und zerstört. Pastor André Thera, einer meiner ehemaligen Studenten in Bamako und Mitglied des nationalen Exekutivkomitees der Baptistengemeinden in Mali, begleitete die Familie des Pastors zum Busbahnhof in Bamako (Hauptstadt Malis). Unsere Gebete begleiten ihn und seine Familie. Sie müssen eine neue Existenz aufbauen und die Christen in Gao neu sammeln nach der Zeit der Krise. Die Rückkehr wurde möglich nachdem die Islamisten Anfang des Jahres zurückgedrängt wurden und das Gebiet durch Armee und Sicherheitskräfte abgesichert werden konnte. Die Zufahrtswege sind auch für Zivilisten wieder offen. Auch die Schulen sind wieder zugänglich. Das Leben normalisiert sich langsam. Die Rückkehr der Pastorenfamilie ist ein mutiges Signal und ein starkes Zeugnis dafür, dass Christen auch in Zeiten von Verfolgung und Flucht an ihrem Glauben festhalten.


Montag, 23. September 2013

Mali | Marokkaner bilden Imame in Mali aus - und was tun wir?

Letzte Woche ist Ibrahim Boubacar Keita (IBK), der neue Präsident Malis mit Pomp und Gloria und einem großen Empfang in Bamako/Mali geehrt worden. Präsidenten aus afrikanischen Nachbarstaaten, Diplomaten aus aller Welt und als einziger Europäer, der Franzose Francois Holland, waren anwesend. Auch der marokkanische König, seine Excellence Mohammed VI gab sich die Ehre. Während seines Aufenthaltes hat er mit IBK ein Abkommen unterzeichnet. Marokko wird mehrere Projekte finanzieren und begleiten. Der Aufbau eines Krankenhauses in einem Stadtteil Bamakos soll gefördert und der Wiederaufbau zerstörter Infrastrukturen im Norden Malis ermöglicht werden. Und ... Die Ausbildung von 500 Imamen, die der malekitisch-islamischen Richtung angehören, soll finanziert und personell unterstützt werden. Die Malekiten repräsentieren einen gemäßigten Islam, dem auch die Mehrheit der malischen Muslime angehört. Mit der Maßnahme soll die Bevölkerung gegen radikal islamistische Strömung geimpft werden. Mit anderen Worten: der Islam wird gestärkt und an gesellschaftlichem Einfluss zunehmen.
Das werden wir wohl in diesem Äon nicht mehr erleben: Westliche Regierungen und NGOs finanzieren die Ausbildung von Pastoren als Beitrag zur positiven Prägung und Befriedung der Gesellschaft. 
Als ich den Bericht in der malischen Presse las, fand ich einen weiteren Grund, der unsere Rückkehr nach Mali im nächsten Jahr und die Notwendigkeit der christlich-theologischen Ausbildung in Mali rechtfertigt. Während sich in Deutschland Bibelschulen "gegenseitig auf die Füße treten", sind Christen in Mali in der Minderheit und warten auf Unterstützung im Bereich der theologischen Ausbildung. Vielleicht gelingt es uns in absehbarer Zeit nicht, 500 neue malische Pastoren, Missionare und Gemeindegründer auszubilden - doch unseren Beitrag dazu wollen wir leisten. Es geht nicht, dass wir im Westen aus Gründen der Sicherheit zu Hause bleiben und die "Jungs aus dem islamischen Lager" ihre Sache machen lassen.

Mali | Versöhnung als Herausforderung für die christliche Missionsarbeit in Mali


Die Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker weißt in einem Statement auf die große Herausforderung hin, vor der der kürzlich neu gewählte malische Präsident und seine Regierung stehen. "Vordringlichste Aufgabe von Ibrahim Boubacar Keita muss es sein, die Straflosigkeit zu beenden. Nur so kann eine Versöhnung zwischen den verfeindeten ethnischen Gruppen in dem westafrikanischen Land erreicht werden", erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Dem Ausgleich zwischen Tuareg, Arabern und afrikanischen ethnischen Gemeinschaften komme eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung Malis nach dem Bürgerkrieg zu. "Keita hat zwar die Versöhnung zwischen den aufständischen Tuareg in Nord-Mali sowie den Arabern und afrikanischen Ethnien im Süden des Landes zu einem seiner wichtigsten Regierungsprojekte erklärt. Doch es reicht nicht aus, einen dafür zuständigen Minister zu ernennen und neue gemischte Kommissionen zu bilden", sagte Delius. "Das Misstrauen zwischen den Volksgruppen sitzt tief und kann nur überwunden werden, wenn aufrichtig über die von allen Konfliktparteien begangenen Menschenrechtsverletzungen informiert wird und die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Bislang gibt es leider wenig erkennbare Bemühungen, die Straflosigkeit zu beenden." (Link zum Text: www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=9679)
Während den militärischen Auseinandersetzungen im Norden Malis kam es zu massiven Menschrechtsverletzungen seitens der am Konflikt beteiligten Parteien. Sowohl die Tuareg, als auch die radikalen Islamisten und Angehörige der malischen Armee haben Verbrechen begangen, die gegen jegliche Konventionen verstoßen. Die Folgen waren Mord und Tod aber auch ein nachhaltiges Misstrauen zwischen einigen Volksgruppen in Mali.
Und es stellt sich die Frage: Welche Rolle spielen Christen, christliche Kirchen und Missionsgesellschaften angesichts dieser enormen Herausforderungen in der malischen Gesellschaft?
Der christlich-missionarische Auftrag besteht nicht nur in der Verkündigung in geschlossenen Räumen, die wir selber schaffen und die uns sicher erscheinen. Er besteht auch nicht nur im „Gebet aus sicherer Distanz“ für Regierungen und politische Verantwortungsträger. Er schließt die riskoreiche, aktive Verantwortung und die Gestaltung der Gesellschaft mit ein. Nicht nur Beten, nicht nur Christus als Herrn und Retter verkündigen, sondern auch Gemeinden auf den Weg nehmen, damit sie Gesellschaft im Sinne biblischer Werte mitgestalten. So wird deutlich, dass Jesus etwas zu tun hat mit gelingendem Leben. Denn er ist Friedensstifter. Ich wünsche mir, dass Pastoren und Vertreter der Evangelischen Allianz in Mali aktiv werden, der Regierung ihre Hilfe anbieten und die Möglichkeit zu vermittelnden Gesprächen nutzen, wo immer sie sich ergeben. Viele Christen, die ihre Heimat im Norden Malis während der Rebellion verlassen mussten, sind auf dem Rückweg. Sie werden wieder Gottesdienste feiern und präsent sein vor Ort. Das sind starke Zeichen der Normalisierung und Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung des gesellschaftlichen Heilungsprozesses.
Mediation ist eine zentrale Aufgabe der Gemeinde Jesu. Mediation ist Seelsorge an der Gesellschaft. Mediation heißt Frieden stiften. Frieden stiften ist ein zentraler Aspekt des Reiches Gottes und damit der Mission Gottes in dieser Welt, in die wir uns einklinken. 


Bildquelle: www.france24.com

Donnerstag, 19. September 2013

Es geht auf die Zielgerade


… zumindest, was meine Tätigkeit am Theologischen Seminar Rheinland betrifft. Die vorletzte Lehrerklausur mit intensiven Beratungen über das Studienjahr 2013/14 und die anstehende Studienreform ist geschafft. Im Juni 2014 wird die Zeit am TSR für mich vorbei sein. Ich freue mich, dass das neue Studienjahr bald beginnt – und ich freue mich, dass es mein letztes ist. Denn ab Sommer 2014 geht es wieder zurück nach Afrika.
Über 30 neue Studierende erwarten wir am Ende des Monats zum Eröffnungsgottesdienst im Neues Leben-Zentrum in Wölmersen. Im kommenden Jahr werden 85 Schüler am TSR eingeschrieben sein. Ich freue mich auf das Wiedersehen, auf den „letzten Walzer“ und auf ein spannendes Jahr der Vorbereitung auf die Rückkehr nach Mali.
Die Leute fragen uns: „Warum bleibt ihr nicht in Deutschland? Dort habt ihr eure Familie, ein Haus, Arbeitsplätze, medizinische Versorgung. Warum wollt ihr das alles aufgeben und unbedingt nach Mali zurück, zurück in den Staub, in die Armut und in unsichere Verhältnisse? Und was wird aus euren Kindern?
Es ist ganz nett und auch beruhigend, in einem Land zu leben, wo die Versorgung gewährleistet ist und man sich ein gutes bürgerliches Leben aufbauen kann. Doch Haus, Verwandtschaft, Freunde, medizinische und wirtschaftliche Versorgung dürfen uns nicht daran hindern das zu tun, was Gott von uns möchte. Deutschland zu verlassen und nach Mali zu gehen, das bedeutet sicherlich auch Opfer und Verzicht. Verzicht ist für uns aber etwas Positives, wenn er einem höheren Ziel dient und man dazu nicht gezwungen wird, sondern sich frei dafür entscheiden kann.
Ein gewisses Gefühl der Unsicherheit reist immer mit. Doch bei Mission steht nicht der negativ besetzte Gedanke des Verzichts im Mittelpunkt. Mission ist für uns etwas sehr Positives und Wertvolles. Auf den Spuren Gottes in dieser Welt entdecken wir großartige Dinge, die unseren Horizont enorm erweitern. Und wir  haben in der Vergangenheit erfahren, dass uns die afrikanische Kultur sehr bereichert hat und damit Vieles von dem ausgleicht, worauf wir im Vergleich zu Deutschland verzichten müssen. Neue Freunde, andere kulturelle Sichtweisen, neue Sprachen, Glücklich sein, obwohl man nicht alles hat …
Und außerdem gibt es auch in Mali Häuser und Ärzte. Zwei unserer Kinder sind in Mali geboren worden. Und mit Kronen und Zahnfüllungen kennen sich auch malische Zahnärzte aus … Es ist nur wichtig, dass man nicht zu viel vergleicht, sich anpasst und flexibel ist.
Von 1988 bis 2006 waren wir lange Zeit mit unserer Familie unterwegs in Mali. Dort haben wir uns in den verschiedenen Bereichen der Gemeindegründung, der strategischen Leitung, medizinischen Arbeit und theologischen Ausbildung engagiert. Wir haben Gemeinden gegründet und Fundamente gelegt.
2006 sind wir mit unserer Familie nach Deutschland zurückgekommen, um unsere Kinder zu begleiten und ihnen gute Voraussetzungen für eigene Lebensperspektiven zu ermöglichen. Mittlerweile sind sie alle erwachsen, gehen eigenständige Wege, sind eingebunden in ihre sozialen Netzwerke und wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen können. Kinder loszulassen ist nicht einfach. Aber es hat entscheidend etwas mit Vertrauen in die eigene Erziehung zu tun. Wir haben unseren Kindern das mitgegeben, was aus unserer Sicht wichtig ist, um im Leben zu bestehen. Wir haben versucht ihnen vorzuleben, dass es wichtig ist, Jesus zu kennen, diszipliniert zu arbeiten, Ziele anzustreben und zu erreichen und Gott einzubeziehen in den eigenen Lebensweg. Und jetzt vertrauen wir, dass das hängen geblieben ist und sie damit klar kommen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen und tun, was Gott von ihnen möchte.
Für uns bestand durchaus die Option, für immer in Deutschland zu bleiben. Doch die Tür einer möglichen Rückkehr nach Mali wollten wir nicht ganz zustoßen. Während der verschiedenen Aufenthalte in Mali, seien es Urlaubszeiten oder bei missionarischen Einsätzen, haben wir gemerkt, wie sehr uns Mali und seine Menschen am Herzen liegen. Und wir sind in Mali immer wieder gefragt worden: Wann kommt ihr wieder zurück? Es gibt noch so viel zu tun für euch.
Hinzu kommt, dass ich im Laufe der Jahre gemerkt habe, dass ich in Deutschland nicht die Akzente setzen kann, die ich in Mali setzen könnte. Ich hatte das Gefühl, „mit angezogener Handbremse“ zu agieren und dass ein Großteil meiner Begabungen brach liegt. Mir haben die Weite und die Freiheit gefehlt, die mein Leben als Missionar über die Jahre geprägt haben. Irgendwann stellt sich dann die Frage: Kannst du dir vorstellen, die restlichen Jahre deines Arbeitslebens mit dem zu verbringen, was du gerade tust? Und diese Frage konnte ich in meinem Herzen nicht beantworten, ohne ständig an Mali zu denken.
All diese Überlegungen haben schließlich zu dem Entschluss geführt, dass wir im Sommer 2014 wieder zurückgehen nach Mali. Dort erwarten uns Herausforderungen und ein nach der politischen Krise verändertes Land.  Es erwarten uns Arbeiten, die aus unserer Sicht notwendiger zu tun sind als das, was wir gerade in Deutschland tun. Und wir geben zu, dass auch etwas Nostalgie dabei ist, wenn wir an Mali denken. Wir freuen uns auf die restliche Zeit in Deutschland, auf die Arbeit, die noch zu tun ist und auf alle Begegnungen.

Weitere Infos gibt es hier: www.camali.jimdo.com

Mittwoch, 18. September 2013

Alles viel zu gefährlich ... oder was?


„In Afrika ist es viel zu gefährlich. In den Medien lese ich dauernd von Bürgerkriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Da kriegen mich keine zehn Pferde hin“. So beschreiben einige meiner Gesprächspartner die Lage, wenn wir auf die Sicherheit in Mali und andere afrikanische Länder zu sprechen kommen.
Mein Eindruck ist, dass wir im Westen die Fragen nach Risiko und Sicherheit mit zweierlei Maß messen. So ist auf der Seite des Auswärtigen Amtes zu lesen: „Von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Bamako (Hauptstadt Malis) wird abgeraten. Auch wenn sich die Sicherheitslage in der Hauptstadt entspannt hat, besteht weiterhin ein erhöhtes Risiko, Opfer von Entführungen und/oder Gewaltverbrechen zu werden. In Bamako wurden die Sicherheitsmaßnahmen bei der Zufahrt zum Flughafen und am Flughafen selber verschärft (Straßenkontrollen, Streifen).“ Fakt ist, dass es auch während der Zeit der Krise und nach dem Militärputsch im März 2012 keinerlei Entführungen von westlichen Bürgern in Bamako oder im südlichen Mali gegeben hat – nachzulesen auf der Homepage von controlrisk. Dies wird jedoch offiziell in diplomatischen Kreisen nicht erwähnt bzw. vernachlässigt. Trotz der Androhung von Anschlägen in der Wahlperiode im August/September 2013, ist die Wahl friedlich verlaufen und es bestand keinerlei Gefahr. Zunehmend kehren auch westliche Personen nach Mali zurück, um sich in der kirchlichen und entwicklungspolitischen Arbeit zu engagieren. Diese positiven Entwicklungen werden zu wenig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die o.g. amtliche Erklärung löst trotz aller Differenzierung bei unbedarften Personen das Gefühl aus: „Bleib lieber zu Hause, solange noch ein gewisses Restrisiko besteht.“

Szenenwechsel …
In Berlin wurde vor einigen Tagen eine 20-jährige Frau Opfer eines gewalttätigen Raubüberfalls, dem sie nur knapp entkommen ist. Mit letzter Kraft konnte sie ein Krankenhaus aufsuchen und behandelt werden. Aber nirgendwo ist zu lesen, dass vor Reisen nach Berlin Abstand zu nehmen wäre.
In Österreich dreht ein Irrer durch, knallt Menschen mit seiner Flinte ab und es kommt bei der landesweiten Verfolgung zu Todesopfern. Dennoch werden auch weiterhin Touristen in die Alpenrepublik strömen. 
In Schulen westlicher Städte kommt es regelmäßig zu Amokläufen, wo traumatisierte und irre Menschen ihre Mitbürger abschießen. Das versetzt die Betroffenen für eine bestimmte Zeit in Angst und Schrecken. Die Schulen werden geschlossen und nach der Trauerzeit wieder geöffnet. Keiner würde jedoch auf die Idee kommen aufgrund dieser Ereignisse eine Reisewarnung auszusprechen: „Vor Reisen nach XY ist wegen der latenten Gefahr, die von Psychopaten und Irren ausgeht, bis auf Weiteres abzusehen.“ 
Im Ranking der gefährlichsten Städte der Welt, kürzlich veröffentlicht im Kölner Stadtanzeiger, rangiert die US-amerikanische Stadt Detroit an vierter Stelle, direkt nach einigen kriminellen Dauerbrennern in Lateinamerika und Afrika, wo Drogenmafia und terroristische Splittergruppen ihr Unwesen treiben. „Mit dem Niedergang der Automobilindustrie ist Detroit in den vergangenen Jahren zur kriminellsten Großstadt der USA aufgestiegen. 2008 wurden hier 40,6 Morde, 36,4 Vergewaltigungen und 675,1 Überfälle pro 100.000 Einwohner begangen. Zu kämpfen hat die Polizei vor allem mit dem Drogenhandel und der Prostitution.“ – so die Kölner Zeitung. Das Auswärtige Amt weist auf die terroristische Bedrohung und erhöhte Sicherheitskontrollen bei Reisen in die USA hin und darauf, sich vor Taschendieben in Acht zu nehmen. Dass man möglicherweise in Detroit Angst um sein Leben haben muss, ist dort nicht zu lesen.
Die westliche Perspektive in Bezug auf die Frage nach Risiko und Sicherheit ist sehr stark auf das individuelle Wohl, auf günstige wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen konzentriert. Positive Entwicklungen in ehemals unsicheren Regionen z.B. in Afrika werden zu wenig gewürdigt und problematische Entwicklungen in Teilen des Westens werden im Verhältnis dazu in den amtlichen Warnmeldungen verharmlost bzw. als bedauerliche Momentaufnahmen ohne Auswirkung auf die langfristige Entwicklung der Sicherheit dargestellt. 
Natürlich ist es wichtig, auf Gefahren und Risikopotentiale hinzuweisen. Nur, wenn man dies tut, dann sollte dies auf eine ausgewogene Weise geschehen und nicht einseitig. 
In keinem Teil der Welt kann absolute Sicherheit garantiert werden. Überall gibt es ideologisch verwirrte Irre, geldgierige Entführer und mental desorientere Menschen, die mit Waffen in der Hand ihr Unwesen treiben und Unsicherheit verbreiten.

Quelle Graphik: http://www.controlrisks.com

Freitag, 13. September 2013

Mali | das Leben gewinnt


Das Leben in Mali normalisiert sich zunehmend. Nach den friedlich verlaufenen Wahlen sind die Malier voller Hoffnung. Natürlich, wie in allen funktionierenden Demokratien, hat die Opposition etwas auszusetzen an der Zusammensetzung der Regierungsriege und der Benennung der Minister. Die Wahlverlierer der Anti-Putschisten formieren sich hinter Soumaila Cissé, der bei den Präsidentschaftswahlen unterlegen war. Doch dies führt nicht zu öffentlichen, gewaltsamen Ausschreitungen. Die Sicherheitskräfte des Landes sind angewiesen, die Kontrollen zu verstärken, um angedrohte Terroranschläge (11. September lässt grüßen) zu verhindern. Die Vorbereitungen für die Parlamentswahlen laufen allmählich an.
Westliche Ausländer kehren nach Mali zurück. Die Situation in der Region Bamako ist laut Aussagen von Freunden vor Ort ruhig und stabil. Dennoch ist es angebracht, auf Sicherheitshinweise zu achten und sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben. Hilfsgelder für den Wiederaufbau von öffentlicher Infrastruktur (Straßen, Schulen usw.) fließen. Die Kirchen des Landes organisieren Konferenzen in aller Öffentlichkeit, musizieren, tanzen und predigen. Selbst Reisen in die während der Krise bedrohten Region Mopti sind wieder möglich. Die Nationalstraße in den Norden war bis vor einigen Wochen noch tabu für den zivilen Verkehr. Sie ist mittlerweile auch für Zivilisten wieder befahrbar. Die Baptistengemeinden haben in Bamako einen großen Gottesdienst veranstaltet, um die Flüchtlinge aus den christlichen Gemeinden des Nordens zu verabschieden und ihre Rückkehr in die Heimat (Timbuktu, Gao u.a. Orte im Norden Malis) mit Gebet und ermutigenden Worten zu begleiten. All das sind positive Zeichen der Hoffnung und der Normalisierung. 
In Gao wurden ehemalige Sympathisanten der MUJAO (islamistische Bewegung) gesichtet, die so tun, als ob nichts gewesen wäre. Die Bevölkerung behält diese Leute kritisch im Blick. Die Militärpräsenz im Norden Malis seitens der malischen und westafrikanischen Armeen ist nach wie vor stark. Im Nordwesten kam es während einer Patrouille zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen malischen Soldaten und Banditen. Die Informationen zu diesem Ereignis sind widersprüchlich. Ob es sich wirklich um Banditen oder um bewaffnete Kämpfer der MNLA (polit. Fraktion der Tuareg) handelte ist nicht ganz klar. Die Tuareg misstrauen nach wie vor der offiziellen Armee und klagen an, von ihr attackiert worden zu sein. Diese Entwicklungen zeigen: Es wäre fatal, die Truppen aus dem nördlichen Krisengebiet zu schnell abzuziehen, nur weil es jetzt in Bamako eine neue Regierung gibt und die Wahlen friedlich verlaufen sind. Die Franzosen reduzieren zwar allmählich ihre Kontingente, bleiben aber mit ihrem Überwachungspotential präsent.  Die Errichtung eines eigenen Ministeriums für Aussöhnung und Entwicklung des Nordens ist berechtigt. Die Rivalitäten und Blessuren aus der Zeit der Krise sind groß und auch, nach wie vor, die politischen Ambitionen der Tuareg. Die innermalische Diplomatie steht vor großen Herausforderungen. Doch die Grundlagen sind gelegt und die Hoffnung auf langfristig stabile Verhältnisse in Mali lebt. Wir begleiten die Prozesse mit unseren Gebeten und durch ermutigende Worte, wenn wir mit unseren Freunden in Mali in Kontakt sind.

Donnerstag, 5. September 2013

Mali | auf einem guten Weg


Die politische Krise in Mali ist überwunden. Die Präsidentschaftswahlen sind friedlich und ohne große Beanstandungen verlaufen. Ibrahim Boubacar Keita, seit 4. September offiziell im Amt, ist der neue starke Mann im Land. Mit Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft ist es der Übergangsregierung unter Präsident Traoré gelungen, die Rebellion im Norden des Landes einzudämmen sowie den Vormarsch der radikalen Islamisten zu verhindern. Nach wie vor hat Mali große Probleme, die durch die kritische Lebensmittelversorgung sowie die jüngsten Schäden und Opfer während der Regenzeit bedingt sind. Die künftige Regierung hat die schwierige Aufgabe, die Sicherheit Malis durch Polizei und Armee zu gewährleisten und den Prozess der Versöhnung zwischen den von der Rebellion im Norden betroffenen Volksgruppen (vor allem Tuareg, Songhai und Peulh) konstruktiv zu gestalten. Die Tuareg drängen nach wie vor auf politische Autonomie in denen von ihnen bewohnten Gebieten im nördlichen Mali. 
Die Schulen waren während der 18-monatigen Krise zeitweise geschlossen. Kinder und Eltern waren verunsichert. UNICEF hat ein Programm aufgelegt mit dem Ziel, die Kinder zum Schulbesuch zu ermutigen und dabei zu unterstützen.  Die Schulen im ehemals besetzten Gao und in Timbuktu haben nach und nach ihren Betrieb wieder aufgenommen. Angesichts der zerstörten Infrastruktur fehlt es an Stühlen und Bänken in den Klassen. Die Schulen in  Kidal sind nach wie vor geschlossen. Im Süden Malis läuft der Schulbetrieb normal. Das Problem hier: überfüllte Klassen. Dieses Problem wird verstärkt durch die vielen Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Die Zahl dieser Kinder wird auf 75.000 geschätzt, so der Sprecher von UNICEF Marixie Mercado.Die Lage in der Region Mopti, dem Grenzgebiet zwischen dem ehemals besetzten Norden und dem Süden des Landes,  ist relativ sicher. Die starke Präsenz auch westafrikanischer Sicherheitskräfte in der Gegend garantiert einen relativen Schutz der Bevölkerung. Was ist jetzt seitens der internationalen Partner nötig? Kein zögerliches Abwarten, sondern sichtbare und praktische Zeichen der Ermutigung. Sich informieren, konkret nachfragen und dort helfen, wo Malier dies für nötig erachten, durch persönlichen Einsatz und materielle Unterstützung.