Freitag, 24. Mai 2013

Mali | Versöhnung und Frieden sind die entscheidenden Themen



Die aus dem Norden Malis zurückgedrängten radikalen Islamisten verlegen ihre terroristischen Operationen in westafrikanische Nachbarländer. Im Niger wurde ein Selbstmordattentat mit verheerenden Folgen verübt. Über 20 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um Mitglieder der MUJAO (Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika) handelt. Außerdem haben die radikalen Kräfte erklärt, dass französische Interessen (Industrieanalgen und andere Infrastrukturen) in Zukunft verstärkt Ziel von Attacken sein werden.
Die im hohen Norden Malis liegende Stadt und Region Kidal ist nach wie vor von Tuareg dominiert und beherrscht. Die malische Armee hat bisher keinen Zugang zur Stadt. Dies ist aber nicht in erster Linie dem mangelnden Durchsetzungsvermögen der malischen Streitkräfte geschuldet. Die Franzosen und die Zentralregierung in Mali verfolgen offenbar das Ziel, die Tuareg als serösen Verhandlungspartner zur Befriedung des nördlichen Malis zu gewinnen. Aus diesem Grunde hält man sich offensichtlich mit militärischen Aktionen sehr zurück.
Gekoppelt an diese Situation stellt sich die Frage: Wird es gelingen, die für Ende Juli vorgesehenen Wahlen in ganz Mali d.h. auch in der Region Kidal durchzuführen? Insider bezweifeln dies. Die internationale Staatengemeinschaft pocht jedoch darauf. Einer unserer Pastorenkollegen in Mali gab mir zu verstehen: „Es ist nicht auszuschließen, dass es während den Wahlen hier und da zu Tumulten kommt!“ Wir beten dafür, dass es nicht dazu kommt.
Die öffentliche Meinung in Mali ist gespalten, was die Politik der Regierung und die diplomatischen Schachzüge der Franzosen angeht. Die meisten Menschen in Mali haben die Tuareg auf dem Kieker. Die von der Regierung eingesetzte Kommission für interethnische Versöhnung scheint in ihrer Arbeit nicht vorwärts zu kommen.
Versöhnung zwischen den Volksgruppen des Nordens, militärische Absicherung der zurückeroberten Gebiete, die Eindämmung der terroristischen Aktionen in westafrikanischen Nachbarländern, friedliche Wahlen – das sind in gesellschaftlicher Hinsicht zzt. die wichtigsten Anliegen.
In einigen Regionen Malis ist schon der erste Regen gefallen. Wir hoffen auf eine gute Regenzeit und Ernte. Es wäre neben den politischen Problemen ein weiterer Tiefschlag für die Menschen in Mali, wenn durch Ernteausfälle und die Erhöhung der Lebensmittelpreise die Lage zusätzlich verschärft würde.

Mittwoch, 22. Mai 2013

John Lennox | Gott im Fadenkreuz - warum der neue Atheismus nicht greift



John Lennox. 2013. Gott im Fadenkreuz - warum der neue Atheismus nicht greift. SCM R. Brockhaus. 320 Seiten

John Lennox ist kein Unbekannter, wenn es um die Auseinandersetzung aus gläubiger Sicht mit den Argumenten des neuen Atheismus geht. Nach den Werken „Hat die Wissenschaft Gott begraben?“ und „Stephen Hawking, das Universum und Gott“ wurde nun auch „Gott im Fadenkreuz - warum der neue Atheismus nicht greift“ übersetzt. Der gebürtige Ire, gläubige Mathematiker und Wissenschaftler aus Oxford/England, bietet neuen Atheisten wie Dawkings ("Der Gotteswahn"), Hawking ("Eine kurze Geschichte der Zeit" u.a.) oder Hitchens ("Der Herr ist kein Hirte" u.a.) die Stirn - im wahrsten Sinne des Wortes, lieferte er sich doch mit diversen Vertretern dieser Weltanschauung öffentliche Debatten auf der ganzen Welt.
In seinem neusten auf Deutsch erschienenen Werk setzt er sich mit verschiedenen Argumenten der neuen Atheisten auseinander. Er geht auf das Verhältnis zwischen Gott und Wissenschaft ein, stellt sich dem Vorwurf, die Religion vergifte alles, reagiert auf die Argumentation der angeblichen Widersprüchlichkeit von Wundern und rationaler Wissenschaft und erklärt in diesem Zug, warum der Tod Jesu und das Wunder der Auferstehung so essentiell, notwendig, logisch und gleichzeitig die einzige Lösung für eine sündhafte Welt ist. Dabei streift er den Naturalismus, die Soziobiologie und Themen der Philosophie und Moral. Menschen, die sich noch nie mit Philosophie und anderen wissenschaftlichen Fragen auseinandergesetzt haben, werden stellenweise Schwierigkeiten haben, zu verstehen, worum es gerade geht. Es wird sicher manches Fragezeichen aufgeworfen werden. Dennoch ist dies kein Grund, das Buch sofort aus der Hand zu legen, denn insbesondere die hinteren Kapitel sind auch für Laien gut zu verstehen.
Menschen, die Werke der neuen Atheisten gelesen haben, sollten den darin enthaltenen Ratschlag ernst nehmen: Hinterfragen und nicht einfach alles schlucken. Die 318 Seiten zeigen, dass auch Christen nicht einfach blind an einer abstrusen Weltanschauung festhalten, sondern durchaus logische und nachvollziehbare Gründe für ihren Glauben haben...Wie John Lennox es ausdrückt, ist dieses Buch ein Plädoyer für die Existenz Gottes auf wissenschaftlicher Basis. Er spricht niemals von Beweisen - wer könnte Gott schon beweisen? Aber von Belegen. Wer ernsthaft prüft erkennt, dass es nicht wenige Indizien für die Existenz Gottes gibt.(Rezension www.jesus.de). 

Ich mag Bücher von christlichen Wissenschaftlern, die weder ihre wissenschaftliche Identität einseitig betonen noch ihren Glauben verleugnen, sondern in der Lage sind, beides authentisch miteinander zu verbinden. Es stellt sich in der Debatte um die Entstehung des Universums oder der Existenz Gottes immer mehr heraus: Sowohl Atheisten als auch Theisten arbeiten mit hypothetischen Behauptungen, die weder ganz von der Hand zu weisen noch vollends zu beweisen sind. Und - es gibt gute rationale Gründe, die Existenz Gottes zu belegen und anzunehmen.

Montag, 20. Mai 2013

Mali | Optimismus ist angebracht und Panikmache fehl am Platz

Die Lage im westafrikanischen Mali normalisiert sich langsam. Unsere Gesprächspartner im Land sagen einstimmig, dass die Lage im Süden des Landes ruhig ist und das Leben seinen normalen Gang geht. Stundenweise kommt es in den Städten zu Unterbrechungen bei der Strom- und Wasserversorgung. Das bringt zwar Unannehmlichkeiten mit sich, ist aber aus malischer Sicht kein Grund zur Panik. Zum Glück gibt es Petroleumlampen und Brunnen, mit deren Hilfe Engpässe kurzfristig überwunden werden können. Die Preise für die Güter des täglichen Bedarfs sind in den letzten Monaten gestiegen. 
Einige Missionare sind in die sicheren Städte des Südens zurückgekehrt und gehen ihrer Arbeit nach. In einigen christlichen Presseorganen in Deutschland wird durch Berichte über Ereignisse, die schon längst der Vergangenheit angehören, nach wie vor Angst geschürt und ein verzerrtes Bild der politischen und religiösen Situation in Mali gemalt. Fakt ist: Christen mussten vor über einem Jahr ihre Heimat im Norden Malis fluchtartig verlassen. Von Verfolgung kann aber keine Rede sein. Unter der islamischen Scharia haben bisher die gemäßigten Muslime in Mali mehr gelitten als Christen. Die Malier bereiten sich zzt. auf Neuwahlen vor. Die aktuelle Übergangsregierung soll im August ihr Mandat an eine demokratisch gewählte Regierung abgeben. Dazu sind Präsidentschafts- und Parlamentswahlen notwendig. Der Termin für den ersten Urnengang ist der 28. Juli. Die malische Regierung hofft mit internationaler Hilfe und der militärischen Absicherung durch französische und westafrikanische Truppenkontingente, eine ordnungsgemäße und sichere Durchführung der Wahlen im gesamten malischen Territorium garantieren zu können. Im hohen Norden des Landes wurden die radikalen Islamisten zwar entscheidend zurückgedrängt, doch Selbstmordattentate und Anschläge auf Militärlager der malischen Armee und Verwaltungseinrichtungen mit Todesfolge können nicht ausgeschlossen werden. Solche Anschläge sind im Süden des Landes bisher ausgeblieben. Gott sei Dank. Die Regierung hat inzwischen eine Kommission eingesetzt, die sich um den innerethnischen Dialog der im Norden ansässigen Volksgruppen und Gespräche mit der Nationalregierung in Bamako bemüht. Wir hoffen, dass diese Kommission nicht nur auf dem Papier existiert, als beruhigende Maßnahme gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft, sondern sich wirklich an die Arbeit macht. Der malische Präsident möchte den Dialog mit der MNLA (politische Fraktion der Tuareg im Norden Malis) fördern. Die öffentliche Meinung steht den Tuareg nach wie skeptisch gegenüber, da sich die Tuareg zu Beginn des Konflikts Ende 2011 mit den radikalen Kräften verbündet hatten. Die französische Luftwaffe fliegt Aufklärungsflüge und unterstützt damit die militärische Absicherung der zurückeroberten Gebiete. Die aus dem Norden geflohenen Menschen hoffen auf baldige Rückkehr in ihre Heimat. Erste Hilfsmaßnahmen laufen an, um den Wiederaufbau in den Regionen Timbuktu und Gao zu gewährleisten. Eine Geberkonferenz in Brüssel hat einen Betrag von über 3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Bedingungen sind: Organisation freier Wahlen in ganz Mali und eine transparente Verwendung der Gelder. In Mali sind die Notstandsgesetze nach wie vor in Kraft. Einer unserer Freunde vor Ort sagt: "Die Notstandsgesetze stellen für uns kein Problem dar. Lediglich öffentliche Versammlungen sind untersagt. Wir können uns tagsüber frei  bewegen. Auch Gottesdienste können weiter durchgeführt werden, solange dies in geschlossenen Räumen geschieht."
Von den ehemaligen Putschisten scheint keine reelle Gefahr mehr auszugehen. In der malischen Presse spielen sie kaum mehr eine Rolle. Es kursieren Gerüchte, die mal bestätigt, mal dementiert werden, dass der Anführer der Putschisten Sanogo vom benachbarten Benin Asyl gewährt bekommen soll. Wir verfolgen die Entwicklung in Mali mit großem Interesse und beten, dass sich die Situation beruhigt, besonders im Norden des Landes. Die Menschen in Mali hoffen, dass die Wahlen friedlich verlaufen und blicken insgesamt  optimistisch in die Zukunft. Dieser Sichtweise schließen wir uns gerne an …

Missionarischer Einatz in Redwitz/ Oberfranken


Wir hatten vom 24. bis 28. April 2013 einen sehr gelungenen Einsatz mit der Kirchengemeinde in Redwitz. Der landeskirchliche Kontext war für viele Seminaristen eine neue Erfahrung. Es gab unglaublich viele Begegnungen mit Menschen aus der Gemeinde und darüber hinaus. Mit dazu beigetragen hat die gute Idee, unser Team mittags und abends unter den Kirchenmitgliedern zum Essen aufzuteilen. Von Mittwoch bis Sonntag haben wir fast alles veranstaltet, was man sich nur vorstellen kann: Gemeindeabend zum Kennenlernen, sechs Religionsstunden, Jugendabend, „Mut für Morgen Abend“, Männerschoppen, Frauenfrühstück, Jungschar, Konfirmandenunterricht, Missionsgottesdienst am Samstag, Gottesdienst am Sonntag mit anschließendem Frühschoppen. Die Seminaristen waren gut vorbereitet und sehr motiviert bei der Sache. So durften sie auch erleben, wie Gott Segen geschenkt hat, indem er sich zu ihren Vorbereitungen gestellt hat und die Inhalte einfach sehr gut bei den Redwitzern ankamen. Wir konnten auf der einen Seite die missionarisch gesinnten Mitarbeiter der Gemeinde unterstützen und wieder neu ermutigen und mit ihnen zusammen die erreichen, die das Evangelium noch nicht persönlich kannten. Am Ende waren wir alle sehr dankbar, die Gemeinde und auch wir, weil wir nicht nur viel investiert haben, sondern auch sehr viel zurückbekommen haben. Vielen Dank für alles Mitbeten. (Markus Pfeil)