Donnerstag, 31. Januar 2013

Krieg in Mali

In Mali herrscht zzt. Krieg. Nach dem Vormarsch der radikalen Islamisten und der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Konna (ca. 70 km nördlich der Garnisonstadt Sévaré/Mopti) hat die malische Regierung Frankreich um militärischen Beistand gebeten. Der franko-malischen Allianz ist es mittlerweile gelungen, Konna zurück zu erobern, den Flughafen der Stadt Sévaré zu sichern und die von Islamisten besetzten Städte Timbuktu, Gao und Kidal unter ihre Kontrolle zu bringen. Diese Entwicklung ist von den meisten Maliern begrüßt worden. Westafrikanische Nachbarstaaten sind gerade dabei, Truppenkontingente nach Mali zu entsenden, um die militärischen Erfolge am Boden nachhaltig abzusichern. Viele Islamisten haben sich in unwegsames Gelände im Norden Malis oder nach Südalgerien abgesetzt. Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Man wird abwarten müssen, welche Strategie die radikalen islamistischen Kräfte in Zukunft verfolgen werden. Die Bevölkerung atmet vorerst auf. Westliche Botschaften und Hilfsorganisationen raten ihren Landsleuten und Mitarbeitern, das Land zu verlassen und sich in Sichrheit zu bringen, aus Furcht vor Anschlägen. Die Regierung hat für die nächsten 3 Monate den Ausnahmezustand und die generelle Mobilmachung ausgerufen.
In den eroberten Städten ist es hier und da zu Plünderungen gekommen und auch zu Lynchjustiz an „hellhäutigen Volksgruppen“ (Tuareg, Mauren). Ihnen wird Komplizenschaft mit den radikalen Kräften vorgeworfen.
Mali benötigt nach wie vor unsere Gebete. Das Parlament hat auf Vorschlag der Übergangsregierung einen Plan verabschiedet, aus dem hervorgeht, wie Mali in Zukunft befriedet und Neuwahlen organisiert werden sollen. Wir beten, dass diese Prozesse einvernehmlich und friedlich verlaufen. Zudem soll die malische Armee in Zukunft auch mit Hilfe westlicher Berater und Ausbilder neu aufgebaut werden. Ihr seht: es gibt viel zu tun.
Hinzu kommt, dass sich ca. 400.000 Malier auf der Flucht befinden und zeitweise ihre Heimatorte in umkämpften Gebieten verlassen mussten. Lebensmittel und medizinische Versorgung werden benötigt. Wir hoffen, dass die Familien vor dem Beginn der Landwirtschaftssaison wieder in ihre Heimat zurückkehren können, um ihre Felder zu bestellen.
Einige Mitarbeiter sind mit ihren Familien in ihre Häuser nach Sévaré und Konna (im Zentrum Malis) zurückgekehrt, wo sie für einige Zeit vor Kämpfen und wegen der unsicherern Lage geflohen waren. Heute erhielten wir eine entsprechende Nachricht von Freunden aus Sévaré. 
Außerdem hatten wir Gelegenheit, mit malischen Kollegen in Bamako (Hauptstadt im Süden) zu reden. In Bamako ist die Lage soweit ruhig.  Das Leben geht seinen normalen Gang. Von Truppenbewegungen ist nur sehr wenig zu sehen. Allerdings herrscht eine gewisse Spannung, denn die Leute wissen nicht, ob sich radikale Islamisten in gognito in der Stadt aufhalten. Wie in vielen Städten des Westens herrscht auch dort eine gewisse Angst vor Anschlägen.
Mali und seine Menschen brauchen unsere Gebete. Alle hoffen und wünschen sich so sehr, dass der Friede zurückkehrt und die vorgesehenen Wahlen friedlich verlaufen und Mali so zur politischen Stabilität zurückfindet.

Sonntag, 20. Januar 2013

Mali | auf Scheinverhandlungen hereingefallen ?!



Anfang der 2000er Jahre hat der deutsche Geheimdienst (BND) mit dem heutigen Islamistenführer Iyad Ag Ghali verhandelt, um die Freilassung europäischer Touristen (u.a. 9 Deutsche) zu erreichen, die von algerischen Terrorgruppen entführt worden waren. Die Verhandlungen hatten Erfolg und kosteten den deutschen Staat damals 5 Millionen Euro.
Iyad Ag Ghali ist heute Anführer der islamistischen von Tuareg dominierten Gotteskämpfer Ansar Dine, die zu Beginn des letzten Jahres, der malischen Armee erhebliche Verluste zugefügt haben, wichtige Städte im Norden Malis besetzt haben und seit dem die Scharia konsequent umsetzen.
Die Bundesregierung hat also auf einen Mann gesetzt, der offensichtlich von Anfang an mit „gespaltener Zunge“ gesprochen und den Westen an der Nase herumgeführt hat. Er hat Scheinverhandlungen geführt, um Zeit und Geld zu gewinnen für ein Ziel, das schon lange feststand – die Eroberung Malis und die Einführung der Scharia.
Heute noch fordern viele, man hätte in der Vergangenheit mehr auf Diplomatie und Verhandlungen setzen müssen, um den Konflikt in Mali zu entschärfen bzw. zu vermeiden. Verhandlungen können aber nur dann zum Erfolg führen und nachhaltige Lösungen schaffen, wenn sie früh genug beginnen und man bei dem diplomatischen Schachzügen zumindest weiß, wer Freund und wer Feind ist. Dies genau herauszufinden hat der BND offensichtlich nicht geschafft, der Sicherheit von Geiseln Priorität eingeräumt und damit das Doppelspiel von Iyad Ag Ghali in Kauf genommen.
Umso mehr steht Deutschland heute in der Pflicht, sich aktiv und konstruktiv an der Seite der internationalen Staatengemeinschaft in Mali zu engagieren.

Das macht wütend



Es gibt auf dieser Welt nicht nur Krisenherde, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen. Es gibt nicht nur terroristische Bewegungen, die wie zzt. in Mali und Nordafrika, die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

Es gibt daneben Entwicklungen, die genauso unsere Aufmerksamkeit benötigen und einen wütend machen. Es ist die schleichende soziale Ungerechtigkeit, die auf lange Sicht einen erheblichen Sprengstoff birgt.

Oxfam, eine weltweitagierende Hilfsorganisation, gibt in einem Kommuniqué bekannt:

Die hundert reichsten Menschen der Welt haben im letzten Jahr vier Mal mehr Geld verdient, als es bräuchte, um den Ärmsten dieser Welt zu helfen.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer mehr auseinander. Die besagten 100 Personen haben 240 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Im Gegensatz dazu müssen die Ärmsten auf unserem Planeten mit 1 Dollar und 15 Cent pro Tag klar kommen.

In den letzten 20 Jahren ist das Vermögen der Reichen, die nur 1 % der Weltbevölkerung darstellen, um 60 % angewachsen. Seit der Finanzkrise im Jahre 2008 hat die Geschwindigkeit, mit der die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderklafft, zugenommen, so Oxfam.

Es wäre eine steile These zu behaupten, dass das besagte Vermögen der Superreichen illegal erworben wäre. Dennoch kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das aktuelle kapitalistische System die Reichen bevorteilt und den Armen so gut wie keine Chance bietet.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Mali | französische Bodentruppen involviert

Die Stellungen der Islamisten im Norden Malis sind durch die Luftangriffe der franz. Armee in große Mitleidenschaft gezogen worden. Doch die großen Städte des Nordens sind noch nicht befreit. Islamisten zeigen sich in der Öffentlichkeit und begehen Verbrechen (z.B. sexuelle Übergriffe) an der Bevölkerung, so die Berichte von Menschnrechtsorganisation und Bewohnern der Städte Gao, Tombuktu und Kidal. Solange die genannten Orte nicht von Bodentruppen der westafrikanischen Armeen durchkämmt und von den Resten der islamistischen Brut befreit werden, kann von einem Sieg im Norden nicht die Rede sein .
Gegen Mittag erreicht uns die Meldung, dass offensichtlich aus Mali geflohene Kämpfer der AQMI gemeinsam mit algerischen Terroristen eine Öl-und Gasplattform im Südosten Algeriens überfallen haben, dass es Tote gegeben hat und ein Bus voller Menschen entführt wurde. Als Grund wurde das Vorgehen der algerischen Regierung genannt, die Tage zuvor den Franzosen das Überfliegen von Kampfjets über algerisches Teritorium erlaubt hatte.Dieser Vorgang zeigt, wie schnell die Ereignisse in Mali eine internationale Wirkung erzielen können und wie starkt die Verbindungen der in Mali agierenden islamisitischen Gruppen nach Algerien reichen. Hier wird man gespannt sein können, wie die algerische Regierung reagiert. Das Schema der jihadistischen Terrorbanden ist immer das gleiche: Verlust an eigenen Kämpfern wird dadurch ausgeglichen, dass man Unschuldige meist westliche Bürger entführt, um gefangen gehaltene Terrorkollegen freizupressen. Zudem werden Waffenkäufe mit erpresstem Geld und durch Drogenhandel finanziert - und das alles im Namen Allahs und der universalgültigen Scharia.
Seit heute Morgen sind französische Bodentruppen zusammen mit Einheiten der malischen Armee nördlich von Ségou, der zweitgrößten Stadt Malis, auf dem Vormarsch. Einige Einheiten ziehen weiter und verstärken die Militärpräsenz im Norden (Region) Mopti). Konna, die letzte Woche hart umkämpfte Stadt nördlich von Sévaré, ist noch nicht gänzlich von islamistischen Kämpfern befreit.
Andere französische und malische Truppenkontingente sichern zunächst die wichtigen Orte Niono und die strategisch bedeutsame Nigerbrücke in Markala (Norden von Ségou) ab. Die islamistischen Gotteskämpfer haben sich in der kleinen Stadt Diabali verschanzt und unter die Bevölkerung gemischt, die sie als Schutzschild missbrauchen. Der Guerillakampf hat begonnen. Es steht außer Frage, dass die franz. Armee die Lufthoheit besitzt. Doch auf dem Boden gestaltet sich der Kampf erheblich schwieriger. Und hier wird sich auf lange Sicht der Kampf entscheiden.



Außer den Kämpfern von Ansar Dine (radikal religiös motivierte malische Tuareg und Songhai) und der MNLA (politische Befreiungsbewegung der Tuareg zur Befreiung Nordmalis) sezten sich alle anderen radikalen Gruppen (AQMI und MUJAO) vorwiegend aus Ausländern zusammen (aus Algerien, Mauretanien u.a. Maghrebstaaten sowie Kämpfern aus Nigeria und Pakistan). Es handelt sich hier also um keine einheimischen Taliban. Jeder Malier wird die Islamisten ihrer ethnischen Gruppe zuordnen können und die anderen sofort als Ausländer entlarven. Da letztere, anders als viele der Taliban in Afghanistan, keinerlei Verbindung zu einheimischen Klans und Familien haben, werden sie es schwer haben, auf Rückhalt seitens der malischen Bevölkerung zu stoßen. Die Islamisten werden als unwillkommene Eindringlinge angesehen und als Vertreter eines radikalen Islam (Umsetzung der Sharia), der in Mali mehrheitlich abgelehnt wird. Die Fronten sind in Mali viel klarer als in Afghanistan. 
Dennoch ist die Schlagkraft der radikalen Islamisten nicht zu unterschätzen. Mit ihren schwer bewaffneten und modernem Gerät ausgerüsteten Pick-Ups sind sie sehr flexibel, unberechenbar und gefährlich. 
Aus meiner Sicht gab es keine wirkliche Alternative zum französischen Eingreifen in Mali. Viele Politanalysten des Westens, die Verhandlungen für aussichtsreicher halten oder die den Franzosen neokolonialisitsches Verhalten vorwerfen, haben den Ernst der Lage in Mali, die einer Notwehrsituation gleichkommt, nicht wirklich begriffen. Und wenn Frankeich seinen ambivalenten Ruf in Westafrika als ehemalige Kolonialmacht durch den Militäreinsatz in Mali aufbessern kann - warum nicht? Natürlich sind politische Lösungen immer besser - aber wenn man diesen Konflikt auf politischem Wege hätte lösen wollen, dann hätte man sehr viel früher aufstehen und andere Wege beschreiten müssen und nicht erst kurz vor High Noon, wenn die Colts schon gezogen sind.
Die politische Situation in Bamako ist nicht rosig. Dennoch wäre es falsch, die aktuelle Übergangsregierung als illegitim zu bezeichnen. Gesprächspartner aus Mali teilen diese Einschätzung und sehen in der breiten Unterstützung der franz. Initiative seitens der malischen Bevölkerung einen Beweis für den Rückhalt, den der aktuelle malische Präsident genießt – von einigen Oppositionellen abgesehen. Der Interimspräsident ist eine zivile, von der Verfassung gestützte Person. Er, nicht die Putschisten, hat die Franzosen um ein schnelles Eingreifen gebeten. Der Ministerpräsident ist in den letzten Tagen in Westafrika herumgereist, um die Nachbarstaaten um Unterstützung zu bitten und ihre Grenzen zu schließen, damit die Islamisten nicht flüchten können. Diesen Bitten wurde entsprochen. Diese Beispiele zeigen, dass die Regierung in Mali zwar nicht optimal aufgestellt, aber dennoch handlungsfähig ist. Selbst die zögerlichen und auf Sicherheit bedachten Deutschen sollten dies anerkennen und Mali soweit wie möglich unterstützen.
Wir erhalten Chats und Nachrichten von Freunden aus Mali die besagen: "Wir sind dankbar für alle Freunde, die uns im Gebet in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Ohne das Eingreifen der Franzosen, mit all den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, wäre Mali in die Hand der islamistischen Schergen gefallen. Die malische Armee hätte dem Vordringen der Islamisten nichts entgegensetzen können".

Dienstag, 15. Januar 2013

Mali | Islamistische Hochburgen werden bombardiert

Seit Sonntag ist die französische Armee dabei, die Stellungen der Islamisten im Norden Malis fortwährend zu bombardieren. Ziel ist es, die Waffendepots der Gotteskämpfer, die Kraftstoffreserven sowie Ausbildungslager zu zerstören und so den Nachschub zu unterbinden. Unsere Gesprächspartner berichten von großer Erleichterung unter der Bevölkerung. Die Franzosen werden als Retter gefeiert. Über die internationale Solidarität mit Mali sind die Leute vor Ort sehr erstaunt und erfreut. Die franz. Initiative zum Militäreinsatz in Mali auf Bitten der malischen Regierung wird von den meisten Ländern und internationalen Organisation inzwischen befürwortet.Am Wochenende haben wir wie die Weltmeister gebetet. Das tun wir weiter. Islamisten sind hartnäckige Burschen, die sich nicht so leicht geschlagen geben. Die Aktionen der letzten Tage haben ihnen sicherlich einen harten Schlag versetzt, doch sie haben noch nicht aufgegeben.

Die Karte zeigt die Situation am vergangenen Sonntag und Montag.


Samstag, 12. Januar 2013

Mali | turbulente Zeiten




Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag sind radikale Islamisten vom Norden kommend über die Nationalstraße mit ca. 1.200 schwer bewaffneten Kämpfern auf Pick-Ups auf die Kleinstadt Konna vorgerückt. Tage vorher hatten die Radikalen in den Dörfern um Konna herum ihre Stellungen gefestigt und Waffenlager eingerichtet. Zunächst hatte die malische Armee versucht, durch Warnschüsse das Vordringen der islamischen Gotteskämpfer zu verhindern. Doch vergeblich. Binnen weniger Stunden wurde Konna (65 km nördlich von Sévaré) besetzt und die Kontingente der malischen Armee zur Flucht Richtung Süden gezwungen.
Die Nachricht hat uns in große Sorge versetzt. Wir kennen Konna gut. Dort gibt es eine kleine Gemeinde und eine Pastorenfamilie, die bisher in der nördlichsten Gemeinde unseres Gemeindebundes UEPEM die Stellung gehalten hat. Am Donnerstagmorgen haben wir Telefonkontakt zu einem Pastorenkollegen aufgenommen, der uns versicherte, dass die besagte Pastorenfamilie einen Tag vorher schon Konna verlassen konnte und jetzt in Sicherheit ist.  

Die erhoffte Wende
Es stand zu befürchten, dass die Islamisten angesichts der schwachen malischen Armee nach Sévaré durchmarschieren würden. Doch die Ängste haben sich nicht bewahrheitet. Die offizielle Anfrage des malischen Präsidenten Traoré an seinen französischen Amtskollegen Hollande mit der Bitte um militärische Unterstützung erfolgte am Freitagvormittag. Am Freitagnachmittag sind in Sévaré französische Elitesoldaten und westafrikanische Militärs gelandet, die die malische Armee zzt. bei der Rückeroberung der Stadt Konna und der Absicherung der Frontlinien unterstützen. Konna ist nach schwierigen Kämpfen inzwischen wieder in der Hand der Regierungsruppen. Diese Operation ist in den vergangenen Tagen durch diplomatische Kontakte zwischen Bamako und Paris unter der Hand vorbereitet worden. Frankreich hat in verschiedenen westafrikanischen Ländern Flugzeuge und Fremdenlegionäre stationiert, die binnen kurzer Zeit in der Region eingesetzt werden können.
Am Freitagabend hat der malische Übergangspräsident eine Rede an die Nation gehalten und dabei den Ausnahmezustand verkündet und ein hartes Durchgreifen der Armee und deren Verbündeten gegen die Rebellen des Nordens versprochen. Er hat Wort gehalten. Bei den heftigen Auseinandersetzungen sind die islamistischen Gotteskämpfer der Ansar Dine und ihrer Verbündeten zunächst zurückgeschlagen worden. Die Jihadisten haben Dutzende von Opfern zu beklagen.  Ein hoher Offizier der Rebellen ist bei den Kämpfen am Wochenende ums Leben gekommen. Es hat aber auch auf malischer Seite Tote und Verletzte gegeben. Zehn Zivilisten (darunter drei Kinder) sind bei Gefechten und auf der Flucht umgekommen, elf malische Soldaten sind gefallen und etwa 60 verletzt. Ein französischer Hubschrauberpilot wurde schwer getroffen und erlag später seinen Verletzungen.
Zunächst gab es angesichts des erneuten Vordringens der Islamisten Richtung Süden Panik und Fluchtbewegungen in Sévaré. Sévaré verfügt über einen internationalen Flughafen und eine malische Garnison. Würde Sévaré in die Hände der Rebellen fallen, wäre der Weg Richtung Süden frei. Sévaré liegt nur 500 km Luftlinie von Bamako entfernt.
Wir haben die Ereignisse mit Spannung verfolgt. Telefongespräche mit unseren Freunden in Mali haben uns die riskante Situation im Land und die Ängste unserer Leute vor Augen gemalt. Die Allianz-Mission hat die notwendigen Dispositionen getroffen, um die malischen Mitarbeiter und ihre Familien im Dringlichkeitsfall in sicherere Gebiete im Süden Malis evakuieren zu können. Den Pastorenfamilien und den Gemeinden geht es soweit gut. Die deutschen Missionare der Allianz Mission haben Mali schon seit längerer Zeit verlassen und sind mit ihren Familien zzt. in Deutschland.

Um was sollen wir Gott bitten in solchen Situationen? Wie sollen wir beten?
Gott ist ein Gott des Friedens und wir vertrauen darauf, dass Gott Mali Frieden und ein gutes einvernehmliches Zusammenleben der verschiedenen Religionen und Volksgruppen im Land schenken kann.
Wir bedauern die vielen Toten und Verletzten und wünschen uns, dass das Blutvergießen ein Ende hat. Andererseits sind wir Realisten genug und wissen: Wer sich mit Terroristen anlegt, die gut bewaffnet und ideologisch religiös motiviert ihre Ziele verfolgen, der muss mit blutigen Auseinandersetzungen rechnen. Die Bemühungen, alle beteiligten Gruppen an den Verhandlungstisch zu bekommen sind gescheitert. Die zwischenzeitlichen Eingeständnisse der Tuaregrebellen und der Gotteskämpfer von Ansar Dine haben sich als Lug und Trug herausgestellt. Letztlich bewahrheitet sich die Aussage der Radikalen: Mit uns verhandelt man nicht, mit uns kann man nur kämpfen.

Gott kennt die Welt mit ihren chaotischen Zügen. Er kennt auch die terroristische Gefahr, die seine Gemeinde und das Leben unschuldiger Menschen bedroht. Und wir überlassen es Gottes Souveränität, wie er handelt und welche Mittel er benutzt, um die Geschichte zu lenken. Das schnelle Eingreifen der Franzosen hat sicherlich den Vorstoß der islamistischen Gotteskämpfer gestoppt. Auch wenn das sehr nach menschlicher Strategie aussieht, können wir Gott für die aktuelle Entwicklung in der Region dankbar sein. Die Panik unter der Bevölkerung ist der hoffnungsvollen Zuversicht gewichen, dass die internationale Staatengemeinschaft endlich aufgewacht ist und den Ernst der Lage begriffen hat.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass militärische Aktionen gegen Terroristen glimpflich und ohne Blutvergießen ablaufen können. Das ist kein Cyberwar, der virtuell am PC geführt wird, sondern ein harter Kampf gegen gut bewaffnete und ideologisch religiös aufgeputschte Milizen. Die Rückeroberung des Nordens soll mit Hilfe westafrikanischer Truppen erfolgen und einer wiedererstarkten malischen Armee, deren junge Rekruten durch westliche Ausbilder auf den Einsatz vorbereitet werden sollen. Im Laufe des Wochenendes werden weitere Truppenkontingente aus westafrikanischen Nachbarländern (Nigeria, Niger, Burkina Faso usw.) erwartet. Französische Soldaten sind in Bamako eingetroffen, um die Hauptstadt absichern zu helfen. In der Region Mopti setzen die Franzosen ihre Aufklärungsflüge und gezielten Angriffe gegen radikalislamische Stellungen fort.

Wir sind dankbar
… dass die Situation sich langsam entschärft und die Panik der Hoffnung weicht
… dass die Pastoren Ruhe bewahrt haben und ihre Verantwortung gegenüber ihren Familien und Gemeinden weiterhin wahrnehmen

Wir bitten darum
... dass die christlichen Gemeinden solidarisch bleiben, und die Christen im Vertrauen auf Gott an ihrem Glauben festhalten
… dass die Bevölkerung die Ruhe behält und die Politiker ihre eigenen Ambitionen zurückstecken

Viele malische Gemeinden haben im Vorfeld und als Reaktion auf die beschriebenen Entwicklungen Fasten- und Gebetstage einberufen, so erzählte mir ein befreundeter malischer Kollege. Gott bleibt unsere entscheidende Stütze in diesen turbulenten Zeiten.

Wir beten um Frieden in Mali.