Dienstag, 30. Oktober 2012

Mali | Beratungen über Militärstrategie in Bamako



In Mali scheint die Entscheidung gefallen. Ein militärisches Eingreifen wird als die logischste Maßnahme angesehen, um das Problem der Teilung des Landes und der radikal-islamistischen Bedrohung zu lösen. Verhandlungen sind gescheitert. Es wird konkret. 
Spiegel-Online berichtet am 30.10.12: "Am Dienstag treffen sich in der malischen Hauptstadt Bamako internationale Militär- und Verteidigungsexperten, um die Strategie für eine Intervention zu erarbeiten: Die Staatengemeinschaft will den Kampf gegen die radikalen Islamisten aufnehmen, die den Norden von Mali seit Monaten terrorisieren. Denn sie befürchten eine Destabilisierung der gesamten Region, wenn die Extremisten in dem westafrikanischen Chaos-Staat nicht gestoppt werden. Die EU will sich mit einer Ausbildungsmission beteiligen. Kanzlerin Merkel gab bereits grünes Licht für eine Beteiligung von Bundeswehrsoldaten - ein riskanter Einsatz."

Riskant wird der Einsatz für die Truppen, die eingreifen. Krieg ist immer die letzte Maßnahme, und Kriege erfordern Opfer von Menschenleben.  
Riskant auch für die Staaten, die sich engagieren, denn das Engagement wühlt die radikale internationale islamische Szene immer mehr auf, und Gegenattacken in anderen Teilen der Welt sind nicht auszuschließen.
Riskant ist die Entwicklung aber vor allem für die Bevölkerung im Norden des Landes. Sie müssen befürchten, als menschliches Schutzschild instrumentalisiert zu werden. Die radikalen Islamisten hatten schon vor Wochen damit begonnen, Minenfelder anzulegen, um sowohl die Flucht aus dem Norden zu verhindern, aber vor allem den Vormarsch der Truppen aus dem Süden zu erschweren.

Was können wir tun?
Die Situation aufmerksam verfolgen und uns informieren.
Beten: Um Weisheit bitten, dass all die Strategen die richtigen Entscheidungen treffen und wirksame Maßnahmen ergreifen.
Beten für die Christen im Land, für die Verantwortlichen Pastoren und Entscheidungsträger, die die malische Regierung beraten.
  

Bildnachweis: spiegel-online vom 30.10.2012

Montag, 29. Oktober 2012

Ist doch sowieso alles nur Theorie. (1)

Die Theorie hat keinen guten Ruf. Sie ist grau, langweilig und eintönig. Sie verbreitet eine trübe Stimmung – so wie der graue Nebel, der Landschaften verdeckt und ihre Farben nicht zur Geltung kommen lässt. Wir benutzen die Farbe grau und reden von der grauen Vorzeit, sehen alles grau in grau, wenn wir eine pessimistische Grundhaltung zum Ausdruck bringen wollen. Uns graut vor etwas, wenn wir uns Herausforderungen stellen und mit unangenehmen Dingen beschäftigen müssen.

Ausgerechnet Johann Wolfgang Goethe, der große deutsche Schriftsteller, hat der Theorie diesen schlechten Ruf eingebrockt. In Goethes Faust lästert Mephisto: „"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und Grün des Lebens goldner Baum."
Der Satz suggeriert: Nicht auf die graue Theorie, sondern auf die Praxis, das blühende Leben kommt es an.
Was ist eigentlich eine Theorie? Wozu sind sie nützlich? Welche Bedeutung hat die Bildung von Theorien in der theologischen Arbeit?

Woher stammt das Wort Theorie? 
Theorie - das ist ein sehr alter Begriff aus der griechischen Sprache. Er ist aus zwei Wörtern zusammengesetzt – thea/theo (Anschauung/ Gott) und horáein (sehen). Die enge Verbindung zum Begriff theos (Gott) ist nicht zufällig.
Aus diesen beiden Wortelementen ist das Verb "theorein" entstanden. Es meint „genau hinschauen, dem Ursprung der Dinge auf den Grund gehen “.  Der Theoretiker in diesem Sinn ist also kein Träumer, sondern ein Sucher, jemand, der den Sinn hinter den Dingen und Erfahrungen ergründen möchte.
Auch das Wort „Theater“ hat hier seinen Ursprung. Leute kommen zusammen, und schauen sich ein Bühnenspiel (Theaterstück) an. Da Theaterstücke die Wirklichkeit lediglich pointiert, verzerrt, bildhaft und lückenhaft wiedergeben, ist das „theoretisieren“ zu einer Tätigkeit geworden, die nur sehr bedingt etwas mit dem wahren, richtigen Leben zu tun hat. Theorie in diesem Zusammenhang ist also ein nicht ganz ernst zu nehmendes, lückenhaftes, den Zuschauer amüsierendes Spektakel.
In dem Substantiv „Theorie“ verbergen sich aber auch Wörter wie „to theion“ (das Göttliche) und „to theia“ (die göttlichen Dinge). In Kombination mit dem Verb „horáein“ ergibt sich also der Sinn: das Göttliche/Gott anschauen. Das ist die menschliche Perspektive. 
Aus der göttlichen Perspektive könnte man umgekehrt auch sagen: Gott schaut genau hin.  Auch Gott will verstehen, was im Kosmos und in der Menschheitsgeschichte passiert und diesen Entwicklungen auf den Grund gehen. Ist Gott also auch ein Theoretiker? Möglicherweise.

Diese beiden Sichtweisen klingen auf jeden Fall schon ernsthafter und gründlicher als ein von Menschen entworfenes Theaterstück.
Der Theoretiker ist also jemand, der genau hinschaut – und aufgrund der Entstehungsgeschichte könnte man sagen: er schaut Gott an. Da Gott in der klassischen Philosophie der griechischen Antike „der Eine“, das „absolut Gute“, oder "das erste Prinzip" ist, der/das außerhalb der sichtbaren Welt existiert, muss der Theoretiker sich notwendigerweise von der Vielfalt des bunten Lebens lösen, um sich dem Einen kontemplativ und gedanklich zu nähern.
Aus dieser Gedankenkombination ist Theorie im Lateinischen gleichzusetzen mit "contemplatio" (spekulative Schau). Da sich im Mittelalter die Kontemplation auf geistige Arbeit, Bibelstudium und Gebet bezog, ist die Annahme entstanden: Theorie bedeutet, sich zurückzuziehen und sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen, den Dingen auf den Grund gehen, Prinzipien erschließen – losgelöst vom eigentlichen wahren, bunten, vielfältigen Leben.
Aber, das ist nicht die einzige Möglichkeit, den Begriff "Theorie" zu definieren.
Grau ist die Theorie nur dann, wenn sie um des Nachdenkens selbst betrieben wird, sich also im Selbstzweck verliert. Bunt bleibt sie, wenn sie den konkreten, beweglichen Dingen des Lebens auf der Spur bleibt und zur Gestaltung des Lebens beiträgt.

Demnächst mehr:
Wie haben die alten Philosophen den Begriff Theorie definiert und gedeutet?
Brauchen wir in der Theologie Theorien und wenn ja, welche?

Samstag, 27. Oktober 2012

Mali | angespannte Bewegung: Ist ein Militärschlag unvermeidlich?




Die Würfel sind gefallen. Die UNO hat eine Resolution beschlossen und einen Militäreinsatz der westafrikanischen Union in Kooperation mit der Afrikanischen Union und anderen internationalen Partnern in Mali befürwortet.
Die malische Regierung hatte vor Wochen diesen Antrag mit Unterstützung Frankreichs eingereicht. Das ist ein klares Signal an die radikalen Islamisten, die seit Monaten den nördlichen Teil Malis besetzt halten und mit Biegen und Brechen die Scharia (islamisches Gesetz) einführen wollen. In den nächsten Tagen soll eine Militärstrategie erarbeitet werden.
In Frankreich haben Exilmalier vor der Botschaft von Katar in Paris demonstriert. Es ist offensichtlich, dass dieses Land mit seinen Petrodollar die terroristischen Operationen im Norden Malis unterstützt. Außerdem haben einige der in Frankreich lebenden Malier vor dem Europäischen Parlament in Straßburg demonstriert und ihrer Forderung nach einer zügigen  Wiederherstellung der territorialen Einheit ihres Landes Ausdruck verliehen.

Es kommt Bewegung in die Geschichte.

In Mali: Der Hohe Islamische Rat in Mali hatte Wochen zuvor versucht, die Jihadisten von einem gemäßigteren Vorgehen zu überzeugen. Ihr Argument: Der Koran untersagt eine gewaltsame Durchsetzung der Scharia. Dieser Versuch ist bis auf Weiteres gescheitert.
Zudem hatten die gemäßigten Muslime des Südens vorgeschlagen, eine gemäßigte Scharia in Mali einzuführen, um den radikalen Gotteskämpfern entgegen zu kommen. Dieser Vorstoß wurde von der malischen Regierung abgelehnt. Gut so, denn das hätte möglicherweise die Aufhebung der Laizität (Trennung von Staat und Religion) bedeutet, mit negativen Auswirkungen für die Christen. Weit über 80 % der Malier sind Muslime. Eine gemäßigte, an der Scharia angelehnte Gesetzgebung würde die Religionsfreiheit der Christen erheblich einschränken. Betroffen wären die Redefreiheit, die missionarische Arbeit nach Außen, christliche Schulen, die Herausgabe christlicher LIteratur usw.
Unterdessen finden in der Hauptstadt politische Treffen und Demonstrationen statt. Die Forderung nach einem militärischen Vorgehen findet zunehmend Anhänger.

International: Die UNO hat einen Beauftragten für den Sahel ernannt. Desgleichen tat die Afrikanische Union. Ziel ist es, den Rahmen für eine militärische Intervention zu schaffen. Westliche Länder haben zudem ihre logistische und technische Unterstützung zugesagt. Konkret: Wir helfen bei der Luftüberwachung, mit Waffenlieferung, bei der Ausbildung malischer Soldaten und bei der Beratung, wenn es um militärische Strategien zur Rückeroberung des Nordens geht. Auf diese Entscheidungen reagiert man im Süden des Landes erleichtert. Viele Malier vertrauen ihren Nachbarn (Burkina Faso, Elfenbeinküste usw.) nicht und werfen ihnen Halbherzigkeit vor. Jeder weiß: Wenn es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommt, dann kann der Sieg über die radikalen Kräfte nur mithilfe der internationalen Partner gelingen.
Die Tagesschau der ARD meldete:  "Die Menschenrechtslage, die Sicherheitslage und die humanitäre Lage sind wirklich bedrückend", sagte Außenminister Guido Westerwelle. Wenn sich manche in Europa fragten, was das mit ihnen zu tun habe, so solle man sich die Nähe Malis vor Augen führen: Vom Norden Malis aus müsse man eine Grenze überwinden und dann sei man am Mittelmeer, erläuterte Westerwelle.
Zuvor hatte Entwicklungsminister Dirk Niebel die Lage so bewertet: "Die Staatlichkeit droht verloren zu gehen. Mali ist ein Land am Abgrund, und wir wollen nicht, dass es ein verlorener Staat wird. Ungefähr zwei Drittel der Fläche sind besetzt."
Westerwelle stellt in Aussicht, dass sich auch Deutschland an der Ausbildung malischer Soldaten beteiligt und logistisch-strategische Unterstützung anbietet. Zur Entsendung von deutschen Kampftruppen soll es jedoch nicht kommen.

Auf diese Entwicklung reagieren die Besatzer im Norden des Landes. Die Kontrollen auf den Zufahrtswegen zu den großen Städten Gao, Timbuktu und Kidal werden verschärft. Die Scharia wird weiterhin unbarmherzig umgesetzt. Offensichtlich bereiten sich die Radikalen auf eine militärische Auseinandersetzung mit der malischen Armee vor. Ausländische Gotteskämpfer werden zur Verstärkung eingeflogen.
Die Nervosität steigt. Malische Soldaten haben im Zentrum des Landes verdächtige Tuareg erschossen. Die malische Armee rekrutiert weiter junge Männer und rüstet auf.

Folgende Fakten stehen im Raum:
Die malische Armee wird die Hauptlast einer militärischen Aktion tragen, evtl. unterstützt mit einigen Kontingenten aus afrikanischen Nachbarstaaten.
Blaise Compaoré, Präsident aus Burkina Faso und Vermittler im Konflikt, wird vorgeworfen, dass er mit den Tuareg im Bunde steht.
Die Westafrikanische Union wird der Handlungsunfähigkeit bezichtigt.
Der Westen soll, so einige Stimmen, nicht nur logistische Unterstützung leisten, sondern mit Truppen direkt vor Ort eingreifen.
Algerien und der Hohe Islamische Rat Malis versuchen weiter zu verhandeln, obwohl die Aussichten auf Erfolg gering sind.
Im Süden des Landes verläuft das Leben, den Umständen entsprechend weiter normal.

Meine Gesprächspartner aus Mali vermitteln den Eindruck: Wir sind angespannt, gleichzeitig aber optimistisch, dass es zu einer Lösung kommt, auch wenn dies Krieg bedeutet.
Die Gemeinden in Mali beten weiter und nutzen ihre Freiheit, um den Glauben an Jesus Christus zu bekennen und zu verkündigen. Das macht Mut.
Einer meiner ehemaligen Studenten und jetzt verantwortlicher Pastor schrieb Folgendes:
„Wir sind dankbar für alle Gebete. Wir setzen unsere Hoffnung nicht auf Menschen, sondern auf den ewigen Gott. Wir glauben fest daran, dass die Zeit, die wir vor dem Thron Gottes im Gebet für Mali und seine Bewohner verbringen, nicht umsonst ist und wir letztlich als Sieger hervorgehen werden. Danke für alle Gebete. Wir wollen uns weiter im Gebet stark machen, um am Ende zu sehen, dass Gott Großes tut.“

In meinen Gesprächen mit malischen Freunden merke ich: Das Gebet ist mehr als eine christliche Tugend oder ein letzter Hilfeschrei in der Not. Für die Malier ist es die entscheidende Waffe im Kampf gegen die Feinde der Freiheit und ihres Glaubens.

Freitag, 26. Oktober 2012

Wozu ist Theologie gut?

Schock deine Eltern - Studier' Theologie! Der Slogan spricht Bände.Wen interessiert das schon? Nachdenken über Gott - Mensch. Jesus - Kirche. Liebe - Vernunft. Eucharistie - Liturgie. Schlagwörter, die irgendwie abstrakt klingen, nur für Insider gedacht sind und auf den ersten Blick nicht viel mit dem Leben zu tun haben. So verstanden ist Theologie in der Tat ein Schock für Eltern, die sich so sehr gewünscht hätten, dass Tochter und Sohn was Vernünftiges lernen. Also schaun wir mal nach, ob das Voruteil stimmt. Ist Theologie lediglich eine lebensfremde Wissenschaft? Und wie sollte sie betrieben werden, dass sie wirklich etwas mit dem Leben zu tun hat?

Was ist Theologie?

Theologie ist die Lehre von Gott. So zumindest haben es die alten Kirchenväter gesehen. Ursprünglich bezog sich der Begriff nur auf die Person Gottes und sein Wesen. Die christliche Lehre im Allgemeinen und das alltägliche Leben blieben zunächst außen vor.
Gott existiert jedoch nicht für sich alleine. Er hat sich in der Welt offenbart. Er steht in Beziehung zu Menschen. Er kennt sich aus in der Welt. So ist es eindeutig aus den biblischen Schriften zu entnehmen.
Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, den Begriff der Theologie auszuweiten und die Welt mit in die theologischen Überlegungen einzubeziehen.
Theologie bedeutet: Menschen denken über Gott und sein Handeln mit der Welt nach und fragen, welche Konsequenzen sich daraus für ihr eigenes Leben ergeben. Theologie greift Fragen des menschlichen Lebens auf. Sie versucht darauf eine Antwort im Licht von Gottes Offenbarung in der Bibel zu finden und so zu formulieren, dass Menschen damit etwas in ihrem Leben anfangen können.
Wenn Gott in Beziehung zur Welt steht, dann muss folglich auch die Theologie etwas mit den Menschen und ihren Lebensumständen zu tun haben.
Wir betreiben nicht Theologie um Gottes, sondern um unser selbst willen. Konkret soll sie sein, die Theologie - nicht in der Theorie stecken bleiben, abgehoben und abstrakt. Gott benötigt unsere exegetischen Künste nicht und die systematischen, teilweise sehr abgedrehten spekulativen Gedanken über sein Wesen und die Welt auch nicht.
Theologie ist jedoch „eine wichtige Voraussetzung, um in Fragen der Religion, der Auslegung der christlichen Tradition und der Gestaltung des Lebens im privaten, kirchlichen und öffentlichen Bereich begründet Stellung beziehen zu können“ (Dörnemann). Theologie soll einen kontextualen Bezug haben. Theologie wird betrieben im Spannungsfeld zwischen Analyse und Synthese, zwischen Rückbesinnung auf Traditionen, Gegenwartsbezug und Zukunft.
Da die Bibel Grundlage der theologischen Arbeit ist, ist die gewissenhafte historisch-analytische Erforschung der überlieferten biblischen Texte eine wesentliche Voraussetzung. „Jedoch liegt die Existenzberechtigung der Theologie nicht in der Exegese, sondern in der relevanten, pragmatischen und zukunftsorientierten Lebensgestaltung der Menschen.“ (Klement).
Unterschiedliche Disziplinen (Bibelwissenschaft, Historische Theologie, Systematische Theologie und Praktische Theologie) und unterschiedliche Methoden wissenschaftlichen Arbeitens helfen, die theologische Urteilsfähigkeit zu schärfen und gezielt Antworten auf Fragen der Zeit zu finden.
Für den CDU-Politiker Wolfgang Schäuble hat die „Theologie eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Sie soll Menschen ihrer ethischen Grundwerte vergewissern. Die Antworten der Theologie haben Leitbildfunktion. Theologie bietet Orientierung in der pluralistischen Desorientierung“.

Worin bestehen die Aufgaben der Theologie?

  • ORIENTIEREN: Theologen haben die Aufgabe, die Gemeinde Jesu in ihrem Glauben zu festigen, ihre missionarische Sendung in die Welt zu begleiten und Orientierung zu bieten.
  • KRITISCH BEGLEITEN: Theologen sollen aber auch das Leben und Denken in den Gemeinden kritisch begleiten. Nicht alles, was die Kirche tut, ist hilfreich oder biblisch zu rechtfertigen. Konservative Engführungen und Einseitigkeiten müssen ebenso entlarvt werden wie die liberale Aufweichung des Evangeliums.
  • ERINNERN: Theologen sollen ihre prophetische Stimme erheben, wenn die Kirche sich um sich selber dreht und ihren gesellschaftlichen und missionarischen Auftrag vergisst. Ein Blick in Gottes große Geschichte, die in der Bibel erzählt wird, ist dabei unverzichtbar.
  • ÖFFENTLICH STELLUNG BEZIEHEN: Theologen haben auch eine Verantwortung in der Gesellschaft. Sie sollen die Trends der Gesellschaft wahrnehmen und analysieren und mutig Stellung beziehen, wenn biblische Werte mißachtet, die Freiheit der Gemeinde Jesu eingeschränkt und das Recht der Minderheiten mit Füßen getreten wird.
Wie sollen Theologen auftreten?

  • Theologen melden sich zu Wort. Das gesprochene und geschriebene Wort ist ihr privilegiertes Werkzeug.  Damit gehen sie in die Öffentlichkeit und sie legen sich fest. Sie eröffnen den Dialog und machen sich angreifbar für ihre Kritiker.
  • Theologen wissen um ihr fragmentarisches, lückenhaftes Wissen und sind deshalb offen für Kritik. Sie sind bereit, ihre Positionen zu überdenken und wenn nötig zu revidieren.
  • Theologen haben den Mut, zu ihren Überzeugungen zu stehen und sie zu verteidigen.
  • Theologen formulieren keine allgemeinen Herrlichkeiten. Sie haben den Mut, konkret zu werden und Profil zu zeigen. Theologische Positionen, die der Mehrheit in Kirche und Gesellschaft nach dem Mund reden, sind wie glatte Slicks, die nur für die schönen Tage geeignet sind und ihre Bedeutung verlieren, wenn es regnet und Reifen mit Profil benötigt werden.
  • Theologen finden eine gute Balance zwischen bestätigender Ermutigung und provokativer Herausforderung.
  • Theologen tragen durch ihr Auftreten dazu bei, dass eine Kultur der Kommunikation erlernt wird, die geprägt ist von Ehrlichkeit, Offenheit und gegenseitigem Respekt.
  • Theologen nehmen sich die Freiheit, Themen so anzusprechen, wie sie es auf der Grundlage der Bibel und vor Gott verantworten können.
  • Theologen haben einen Stand im konkreten Leben, engagieren sich in Kirche und Gesellschaft und bleiben so bodenständig.
  • Theologen wissen, dass nicht das Nachdenken und Ringen um Antworten, sondern die Anbetung Gottes das höchste Ziel der Theologie ist. Gott ist nicht in erster Linie der "wissenschaftliche Gegenstand" der Theologie, sondern ihr größtes Geheimnis.
Theologie zu studieren lohnt sich, weil sie lebenswichtige Denk- und Handlungshorizonte eröffnet, die im hektischen Alltagsgeschäft unterzugehen drohen. Gott hat etwas mit der Welt zu tun. Er hat etwas vor mit ihr. Daran zu erinnern und gründlich darüber nachzudenken - das ist die Aufgabe einer Gott und dem Leben zugewandten Theologie.
 Bildnachweis: http://infostelle.kibac.de

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Vorsicht vor zu viel Vorsicht



"Wenn man zu viel Vorsicht walten lässt, anstatt mutig mit neuen Ideen herum zu experimentieren, dann wird es am Ende viel mehr Schaden anrichten. Die Grenzen von Gottes Reich wurden noch nie durch Frauen und Männer der Vorsicht weiter gesteckt".

Dieser nachdenkenswerte Satz stammt von: Dr. John Oswald Sanders (1902-1992). Sanders war in den 1950er und 60er Jahren Generaldirektor der Overseas Missionary Fellowship (ehemals China Inland Mission, in Deutschland bekannt als Überseeische Missionsgesellschaft). Er schrieb über vierzig Bücher in Sachen Mission und über das christliche Leben. Er war darüber hinaus lange Zeit Lehrer und Direktor des Bible College von Neuseeland und übte eine weltweite Lehr- und Reisetätigkeit aus.