vendredi 28 septembre 2012

Seminar | Andere Kulturen verstehen lernen



Das Seminar zur Integration im kirchlichen Kontext
am 06.10.2012 | 10-17 Uhr

Kronberg-Forum
Jahnstr. 53 | 35716 Dietzhölztal-Ewersbach
Redner | Dr. Jürgen und Andrea Friedrich und Willi Ferderer

Als fremd bezeichnen wir die Begegnung mit etwas, das als abweichend von Vertrautem wahrgenommen wird. Es erscheint nicht plausibel, macht keinen Sinn oder widerspricht den eigenen Verhaltensregeln. Es kann angenehme oder unangenehme Empfindungen hervorrufen, die im schlimmsten Fall zu Fremdenfeindlichkeit führen können. Das Fremde kann nur erkannt und verstanden werden durch Reflektion und Dialog über das Eigene in Bezug auf das Fremde. So entsteht auch eine tiefere Erkenntnis und Wahrnehmung der eigenen kulturellen Identität.

Veranstalter ist der Arbeitskreis für internationale Arbeit in Deutschland des Bundes FeG und der AM.
Impulsreferate und interaktive Übungen sollen helfen, ein breiteres interkulturelles Verständnis zu entwickeln. 
Gedacht ist das Seminar für Mitarbeiter in Gemeinden, Lehrer, Erzieherinnen und
Erzieher sowie alle, die mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu tun haben.

Die Kosten für diesen Tag betragen 30 € (inkl. Mittagessen und Kaffeetrinken)

Infos und Anmeldung: Willi Ferderer,
Telefon: 02774/931410, E-Mail:
w.ferderer@allianz-mission.de

samedi 22 septembre 2012

Südafrika | Bleibt die Versöhnung ein Traum?




Der Besuch im Freedom-Park in Südafrika während eines einwöchigen Arbeitsbesuchs an der Universität von Südafrika (UNISA) im September hat mich tief beeindruckt. Auf einer Anhöhe am Stadtrand Pretorias  gelegen, befinden sich Monumente und Gedenkstätten, die an die kritischsten Ereignisse der südafrikanischen Geschichte erinnern. In Nico Botha, meinem Kollegen an der UNISA, hatte ich einen kundigen Führer. Wenige Meter hinter dem Eingang erwarten den Besucher Mauern, die mit Klinkern versehen sind. Jede Mauer erinnert jeweils an eine markante Phase der südafrikanischen Geschichte. Auf den Klinkern sind Namen vermerkt, u.a. auch solche, die im Kampf gegen das Apartheidsystem ihr Leben gelassen haben oder von den Sicherheitskräften verfolgt wurden.
Ich bin betroffen. Vor meinen Augen steigen Bilder aus den 1970er Jahren auf, Bilder von den Unruhen in Soweto, die damals um die Welt gingen und mich als Jugendlichen sehr beeindruckt haben. Freedom-Park verwandelt sich plötzlich von einem Ort der Erinnerung in einen Raum der Meditation, der Hoffnung und des Gebets – des Gebets für Versöhnung.
Die Apartheid ist in Südafrika Vergangenheit, zumindest offiziell. Doch im täglichen Miteinander zeigt sich die Rassentrennung bis auf wenige Ausnahmen nach wie vor sehr deutlich. Weiße bleiben meist unter sich – Schwarze tun desgleichen. Dieses Bild zeigt sich in getrennten Wohngebieten, in den Cafés und Restaurants, aber auch in den Kirchen. Hinzukommt, dass sie südafrikanische Gesellschaft in unterschiedliche soziale Klassen zerfällt – reiche Weiße und reiche Schwarze und die Masse der Unterprivilegierten in den Townships und auf dem Land. Hier verbirgt sich eine Menge sozialen Sprengstoffs, der irgendwann hochgehen kann.
Mir kommt die Stelle aus Eph 2,14ff in den Sinn, wo Paulus deutlich darauf hinweist, dass es beim Kreuz Jesu nicht nur um persönliche Sündenvergebung und die Wiederherstellung der individuellen zerbrochenen Gemeinschaft mit Gott geht. Jesus hat durch seinen Tod Mauern eingerissen, die Juden und Heiden voneinander trennten. Hier geht es nicht nur um die Privatsphäre der Religion. Es geht um getrennte Lebensräume, um soziale Strukturen, die aufgebrochen werden. Jesus hat durch seinen Tod die Grundlagen gelegt für eine Versöhnung zwischen Rassen und sozialen Klassen. Das ist unser Auftrag als Christen: verkündigen, dass Christus Mauern eingerissen hat, und dafür beten und arbeiten, dass Mauern zwischen Menschen in und außerhalb der Gemeinde eingerissen werden. Christus hat Frieden gestiftet. Er hat die Grundlagen für eine neue Qualität des menschlichen Miteinanders gelegt. Versöhnung war sein Lebensthema und dafür hat er sein Leben gegeben.

lundi 3 septembre 2012

Kirchenkritische Worte vom Erzbischof Carlo Maria Martini



"Die katholische Kirche agiert noch wie vor 200 Jahren. Unsere Kirchen sind groß und leer, unsere Bürokratie wird immer größer, unsere Bräuche sind aufgeblasen und unsere Gewänder pompös."
Das sind die kritischen Worte des am 31.8.2012 verstorbenen Mailänder Bischofs Carlo Maria Martini, der einst als Kandidat für die Nachfolge von Papst Johannes Paul II. gehandelt wurde. Das Zitat stammt aus einem Gespräch, das er im August mit einem bekannten Jesuitenpriester führte. Das Interview wurde nun von der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" veröffentlicht.

Die Worte des Bischofs spiegeln die Tatsache, dass die Kirche als eine  Institution wahrgenommen wird, die sich auf jahrhundertealte Traditionen stützt und ihre Institution um jeden Preis erhalten will. Dabei riskiert sie, für die Gesellschaft bedeutungslos zu werden. Die Frage nach der Bedeutsamkeit für die Menschen heute muss sich aber nicht nur die katholische Kirche stellen. Auch für die unter den Freikirchen, für die ausgefeilte, attraktive Programme und ein pompöses Gemeindezentrum einen wesentlichen Teil ihrers Selbstverständnisses ausmachen, besteht die Gefahr, lediglich aufgeblasen zu wirken. Professionelle Organigramme und repräsentative Strukturen und gut eingerichtete Gebäude lenken nur allzu oft von der Tatsache ab, im Eigentlichen versagt zu haben - nämlich darin, Gottes Wort zu den Menschen zu tragen, nachhaltige Beziehungen zu Nichtchristen aufzubauen und gesellschaftliches Leben mitzugestalten,