Donnerstag, 31. Mai 2012

Mali | Krisen sind Chancen für verantwortliches Handeln

In der aktuellen kritischen Situation in Mali und einer politischen Entwicklung mit ungewissem Ausgang engagieren sich Christen und übernehmen Verantwortung für ihr Volk.

Kath. und ev. Christen kooperieren mit gemäßigten Muslimen im Süden und sind an den politischen Vermittlungsgesprächen beteiligt.
Die religiösen Führer wirken auf die politischen Parteien ein und versuchen eine Eskalation der Gewalt zu vermeiden.
Sie rufen auf zum Gebet in Moscheen und Gemeinden, für Frieden in Mali und eine politische Lösung der Konflikte.
Christen üben Solidarität mit den Flüchtlingen aus dem Norden, besorgen Unterkünfte, Medikamente und Lebensmittel.
Christliche Hilfsorganisationen organisieren Hungerhilfe für die am stärksten betroffene Bevölkerung in Zentral- und Nordmali.
Mittlerweile haben die meisten westlichen Missionare Mali verlassen, doch die Gemeinden in Mali halten in einer schwierigen Situation zusammen.

Christen in Mali bitten uns um materielle Unterstützung und um Gebet.

Gebetsanliegen
POLITIK
Dank für die aktuell relativ stabile Situation im Süden Malis
Bitte um Gesundheit für den malischen Präsidenten, der bei einem Übergriff von Demonstranten verletzt wurde und zzt. in Frankreich ist
Bitte, dass die radikalen Kräfte aus dem Norden nicht weiter Richtung Süden vordringen
Bitte um eine politische, diplomatische Lösung des Konflikts im Norden wegen der Teilung des Landes

GEMEINDEN
Gebet für die Gemeinden und ihre Pastoren
Bitte für die Mitarbeiter der NGO Agape, die zzt. die Hungerhilfe der Allianz-Mission koordinieren
Gebet für die geflohenen Christen aus dem Norden
Bitte, dafür dass die Christen in Mali am Glauben festhalten

HUNGER
Bitte um genügend Regen in der kommenden Regenzeit
Bitte, dass den hungernden Menschen geholfen werden kann und die internationalen Hilfstransporte nicht blockiert werden

Mali | die Folgen des Klimawandels


Malis misslungene Ernte

Es sind Millimeter, die in Mali über das Leben entscheiden. Die Millimeter an jährlichem Niederschlag, die aus Wüste Gärten machen und aus Gärten Wüste.
Modiba Keita ist heute nur zu seinem Hirse-Feld gegangen, weil Oxfam und die Partnerorganisation Stop Sahel zu Besuch gekommen sind. Sonst hätte er sich sein Feld nicht mehr angesehen – grün müsste die Hirse jetzt dort stehen, die Kolben voll mit kleinen, gelben Hirsekörnern.
Doch das Feld ist gelb und staubtrocken, die Hirsekörner klein und viel zu leicht. Und dabei ist jetzt, im November, die Regenzeit gerade vorbei. Den nächsten Regen gibt es erst nächsten Sommer. Jetzt ist Zeit zu ernten. Modiba Keita fürchtet um seine weitläufige Familie. 80 Personen müssen satt werden. Dafür braucht der Clan täglich rund 30 Kilo Hirse. Statt der früheren acht Tonnen wird sein Feld aber nur zwei Tonnen Hirse hergeben.

„Ich habe Angst, dass ich meine Kinder bald hungrig zu Bett schicken muss.“
Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Sie bearbeiten ihre Felder mit einfachen Werkzeugen. Sie können sich gerade so ernähren, manchmal etwas Zwiebeln oder Baumwolle verkaufen. Laut Regierung wurde die Ernteprognose diesmal um zwei Millionen Tonnen Getreide verfehlt.
Die globale Erwärmung treibt die Temperaturen hier am Rande der Sahara immer höher. Je heißer es wird, desto schneller verdunstet das wenige Wasser. Schon jetzt gibt es Gegenden im Land, wo mehr als viermal mehr Niederschläge verdunsten, als niederkommen. „Die Zonen mit genug Regen sind in den letzten zehn, fünfzehn Jahren bis zu 200 Kilometer nach Süden gewandert“, sagt Barou Mamadou Coulibaly von Stop Sahel, Oxfams malische Partnerorganisation, die sich seit 1988 um den Schutz der Umwelt und nachhaltige Entwicklung bemüht.
Modiba Keita kann sich nicht erklären, wer für das Verdorren seines Feldes verantwortlich ist. Er sieht sich nicht als Zeuge des Klimawandels. Er gibt Gott die Schuld. Er überlegt wegzugehen, irgendwohin, wo man Geld verdienen kann – die Heimat zu verlassen, in der seine Familie seit Generationen den fruchtbaren Boden bewirtschaftet.

Länder wie Mali in Gefahr
Die globale Erwärmung, die Ländern wie Mali zu schaffen macht, wird durch den weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid verursacht. In Mali ist der CO2-Ausstoß sehr gering, weniger als eine Tonne pro Mensch und Jahr (Deutschland: 10 Tonnen). Mali erzeugt seine Energie mehrheitlich mit Wasserkraft. Die Verantwortlichen für den Klimawandel sitzen nicht hier, sondern in den reichen Industrienationen. Wir brauchen ein verbindliches, internationales Klimaschutzabkommen damit der Ausstoß an CO2 weiter gebremst wird und Familien wie die Keitas nicht weiter gefährdet werden.

Quelle: http://www.oxfam.de/menschen_im_klimawandel

Das steht an im Juni


Das Schuljahr tritt in die entscheidende Phase. Prüfungen stehen an. Eine große Anzahl an Hausarbeiten und Prüfungen sind noch zu korrigieren.

Darüber hinaus bin ich zu Predigtdiensten und Seminaren in Gemeinden unterwegs.

Die wichtigsten Termine – als Info und Gebetsanliegen:

TSR
4.-15.6.2012
Prüfungstage am Theologischen Seminar Rheinland
24.6.2012
Absolvierungsfeier des TSR in der EFG Wölmersen
                       
Gemeindedienste
3.6.2012
Predigt in der FEG Hachenburg
10.6.2012
Predigt in der EG Derschen
15.-16.6.2012
Seminare in der EFG Saarbrücken
15.6.2012
Seminar 1: Von Gott eingeladen – Berufungsgeschichten der Bibel unter der Lupe
16.6.2012       
Seminar 2: Mission – eine Mentalität, die Grenzen überwindet
Seminar 3: Evangelisation – natürlich über den Glauben reden
17.6.2012
Predigt in der EFG Saarbrücken
27.6.2012
Bibel.Punkt in der FEG Hachenburg: Die Offenbarung des Johannes verstehen

Samstag, 26. Mai 2012

Mali | Gebet für Frieden

Die Führer der religiösen Gemeinschaften haben in einem gemeinsamen Aufruf Muslime und Christen und die gesamte malische Bevölkerung aufgerufen, in ihren Gottesdiensten in Moscheen und Kirchen für Frieden in Mali zu beten.
Der Vorsitzende der Ev. Allianz in Mali, Daniel Coulibaly, unterstützt in einem persönlichen Aufruf an die Gemeinden diese Initiative. „Trotz aller dogmatischen Differenzen haben wir, Muslime, Katholiken und Protestanten, uns dazu entschlossen, gemeinsam Gott für eine friedliche Entwicklung in Mali anzuflehen“, so Daniel Coulibaly.
„Ich bitte alle protestantischen Christen, am kommenden Sonntag, die Zeit von 9.30 bis 9.45 Uhr gemeinsam, da wo sie sind, dem Gebet vor Gott zu widmen.“
Der Erzbischof von Bamako, Jean Zerbo, ruft die katholischen Glaubensgenossen dazu auf, das Pfingstwochenende zu einer Zeit des Gebets für Frieden und Ausgleich zu nutzen.

Der Aufruf zum Gebet ist dringend nötig, denn die Entwicklung in Mali ist nach wie vor chaotisch.
Im Norden haben die radikalen Islamisten von Ansar Diné eine religiöse Polizei eingesetzt, die nach und nach die Einführung der Scharia durchsetzen und überwachen soll.
Unterdessen führen Vertreter der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) Vermittlungsgespräche mit den Rebellen und Islamisten im Norden. Ergebnis offen. Ob sich Tuaregrebellen und radikale Islamisten einigen werden ist fraglich. Die Positionen und politischen Ziele der beiden Gruppen liegen zu weit auseinander. Der CEDEAO geht es um das Ausloten der Entwicklung im Norden und um eine Handlungsgrundlage für das weitere Vorgehen.
Der malische Präsident Traoré befindet sich nach dem versuchten Attentat auf ihn zurzeit zu einem medizinischen Check in Frankreich. Die Anhänger des Putschs, die sich zu einem Parteienverband (MP22, COPAM) zusammengeschlossen hatten, haben den Präsidentenpalast in Bamako gestürmt. Sowohl Kapitän Sanogo (Vorsitzender des Militärrats) und die meisten politischen Parteien haben dieses Vorgehen scharf verurteilt. Das Ziel der Demonstranten war es, den malischen Präsidenten zum Rücktritt zu bewegen und Sanogo stattdessen zum Staatspräsidenten auszurufen. Dieser Versuch ist vorerst gescheitert. Zum Glück. Das Chaos in Bamako wäre perfekt und das erneute Embargo der CEDEAO die Folge.
Der Ministerpräsident Diarra ist zu Konsultationen nach Burkina Faso gereist. Es geht in den Gesprächen um die weitere Entwicklung des politischen Übergangs zu demokratischen Verhältnissen in Mali und der Problematik im Norden des Landes.

Montag, 21. Mai 2012

Mali | die Hoffnung stirbt zuletzt


In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist die Entscheidung gefallen. Die CEDEAO (westafrikan. Wirtschaftsunion) und der malische Militärrat haben eine Einigung erzielt. Der bisherige Interimspräsident Traoré wird auch künftig als Präsident an der Spitze einer Übergangsregierung stehen und die Geschicke Malis leiten. Er hat ein Jahr Zeit, mit viel politischem Geschick die Kräfte des Landes zu bündeln und die größten Probleme Malis in Angriff zu nehmen: die humanitäre und politische Situation im Norden des Landes, der von Rebellen und Islamisten besetzt ist einerseits, und andererseits in der Hauptstadt Bamako für Stabilität zu sorgen und eine demokratische Wahl zu organisieren.
Die Übereinkunft ist zumindest ein Hoffnungsschimmer am politischen Horizon Malis.
Der internationale Druck war groß. Auf dem Spiel standen die Isolierung Malis  und ein Wirtschaftsembargo, was die gesamte Bevölkerung getroffen hätte.
Offen bleibt jetzt die Reaktion der Befürworter des Putschs. Sie hätten sich gewünscht, dass der Putschistenanführer Sanogo die Geschäfte übernommen hätte. Heute sind Tausende in Bamako auf die Straße gegangen, um gegen die Politik der CEDEAO zu demonstrieren. Die Demonstranten sehen in dem Vorgehen eine Einmischung in malische Politik. Der malische Präsident wurde bei der Begegnung mit Demonstranten in seinem Amtssitz so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Offenbar ist ihm aber nichts Schwerwiegendes zugestoßen und er ist mittlerweile wieder entlassen worden. Dieser Zwischenfall zeigt allerdings, dass die aktuelle politische Situation noch sehr spannunsgeladen ist.
Neben der CEDEAO waren malische Vermittler entscheidend am Einlenken der Militärs beteiligt. Einflussreiche Persönlichkeiten, wie Imame und Richter, haben dazu beigetragen, die Situation zu entschärfen. Es ist die Lösung, die in der jetzigen Situation am logischsten erscheint – vorausgesetzt, alle akzeptieren sie und ziehen jetzt an einem Strang. Logisch ist die Lösung deshalb, weil der jetzige Präsident als ehemaliger Parlamentspräsident eine von der Verfassung legitimierte Lösung darstellt. Diesem Argument konnte sich die Militärjunta letztlich nicht entziehen und wurde von der CEDEAO von vorneherein favorisiert.
Kapitän Sanogo wird als "Dank für seine Kompromissbereitschaft" den Status eines Ex-Präsidenten der Republik erhalten und mit seinen Kameraden eine Kommission leiten, deren Aufgabe in der Aufrüstung und Modernisierung der Armee besteht.
Außerdem hat das malische Parlament einer Generalamnestie der Putschisten zugestimmt. Ende letzter Wochen haben jugendliche Befürworter des Putschs mit einer Sitzblockade die Parlamentarier an ihrer Arbeit gehindert. Sie sind der Meinung, dass die Abgeordneten, die noch unter der alten Regierung gearbeitet haben, ihre Sitze abgeben müssten. Es kam zu keinen größeren Zwischenfällen.
MIt der jetzigen Vereinbarung sind die politischen Rahmenbedingungen geschaffen für einen Schritt nach vorne in Kooperation mit den internationalen Partnern, ohne die Mali nicht wieder auf die Beine kommen könnte.
Mali ist ein bitterarmes Land und hoch verschuldet. Die politische Krise hat die finanzielle und humanitäre Situation noch verschärft. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Gebet ist notwendig: 
dafür, dass alle den gefundenen Kompromiss befürworten 
dass die politischen Akteure jetzt an einem Strang ziehen 
dass die westafrikanischen und internationalen Partner Mali helfen, politisch und finanziell auf die Beine zu kommen

Freitag, 18. Mai 2012

Träumen

Nelly Sachs : Wer im Dunkeln sitzt, zündet sich einen Traum an.
Träume sind lebenswichtig. Die Träume im Schutz der Nacht ebenso wie die Träume am Tag.
Die einen helfen uns, Erfahrungen zu verarbeiten und Lasten abzustreifen. Die anderen machen uns eine Tür auf, die nach vorne zeigt. Die Träume der Nacht entlasten, die Träume am Tag erhellen die Zukunft und ermutigen zum Engagement, zur Verantwortung und zur Veränderung.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Mali | es wird spannend


Vertreter europäischer Staaten und der Vereinigten Staaten raten den malischen Militärs und Putschisten dringend in die Kasernen zurückzukehren und geben aus der Ferne weitere gute Ratschläge. Bereits am 2. April hatte das deutsche Auswärtige Amt die sofortige Ausreise deutscher Staatsbürger angeordnet. Entwicklungshelfer aber auch Diplomaten haben Mali fluchtartig verlassen. Deutschland gilt als Freund und geschätzter Verbündeter Malis. Warum haben die Diplomaten das Land so schnell verlassen? Sieht so Freundschaft unter Politikern und Diplomaten aus?
Am 22. Mai endet die Frist zur Bildung einer Übergangsregierung. Diese Regierung hat dann die Aufgabe, das Problem der Teilung des Landes anzugehen und Neuwahlen zu organisieren. Lt. Verfassung und Vereinbarung zwischen dem Militärrat und der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) darf die bisherige Interimsregierung nur 40 Tage im Amt bleiben. Die CEDEAO hatte für eine Verlängerung auf 12 Monate plädiert. Der Militärrat hatte dies jedoch abgelehnt.
Die Malier warten gespannt, wie es weiter geht. Der Vorschlag von Kapitän Sanogo (Vorsitzender des Militärrates) eine nationale Konvention abzuhalten, um einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, wird von vielen politischen Parteien, dem Interimspräsidenten Traoré, der CEDEAO und auch von den religiösen Gruppen als taktisches Manöver der Militärs abgelehnt.
Sollte es in den nächsten Tagen zu keiner politischen Lösung kommen, steht zu befürchten, dass die CEDEAO ein Wirtschaftsembargo verhängt und Mali damit isoliert und von den wichtigen Versorgungswegen abschneidet.
Es herrscht große Unsicherheit und spannendes Abwarten. Der malische Stolz lässt es nicht so einfach zu, dass sich Politiker aus dem Ausland mit guten Ratschlägen in die inneren Angelegenheiten einmischen, weder seitens der westafrikanischen Nachbarn noch der Europäer und Amerikaner. Die Mehrheit bevorzugt eine malische Lösung. Dieser Tatbestand blockiert eine von allen, auch von den internationalen Partnern akzeptierte Lösung und trägt verstärkt zur Isolierung des Landes bei.
Die Vertreter der Ev. Allianz in Mali sind nach wie vor in die Verhandlungen in der Hauptstadt einbezogen.
Die Schulen im Land sind geöffnet. Auch an der vor 10 Jahren gegründeten Theologischen Hochschule für Theologie und Mission im Sahel laufen die Kurse weiter, so die Auskunft von einem meiner ehemaligen Kollegen.
Das öffentliche Leben im Süden des Landes läuft nach Aussagen meiner Gesprächspartner einigermaßen ruhig ab. Jedoch sind Soldaten und Polizisten verstärkt im Leben der Hauptstadt sichtbar, um die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten.
Wenn die politische Pattsituation anhält, so einige Beobachter, könnten die Rebellen und Islamisten aus dem Norden die unsichere Lage nutzen und ihre Position im Norden weiter stärken und sogar auf die Idee kommen, weiter Richtung Süden vorzudringen.
In den letzten Tagen haben mehrere hundert Jugendliche aus Gao (Nordwestmali) gegen die harte Hand der radikalen Islamisten im Norden protestiert. Die radikalen Kräfte setzen knallhart die Sharia (islam. Gesetzgebung) durch. Fernsehen und Radio, traditionelle Tänze und westlicher Kleidungsstil sind verboten. Steine sind geflogen und  Schüsse gefallen. Es hat einen Toten und mehrere Verletzte gegeben. Es zeigt sich, dass die Mehrzahl der gemäßigten Muslime in Mali mit einer radikalen Islamisierung nicht einverstanden ist.
Es gibt nach wie vor westliche Missionare, die im Land sind und noch nicht die Koffer gepackt haben. Das ist ermutigend. Weitere Missionare, die vorerst aus Mali ausgereist sind, warten die weitere Entwicklung und eine erneute Ausreise nach Mali ab.
Im Zuge der von der Allianz-Mission initiierten Hungerhilfe für Mali sind inzwischen fast 100.000 € eingegangen. Das Geld wird nach Mali transferiert und dort von Mitarbeitern einer christlichen NGO (Nichtregierungsorganisation) verwaltet. Getreide und Saatgut sollen auf den Märkten im Süden des Landes gekauft und an notleidende Familien im nördlichen Teil des Landes verteilt werden, soweit es die Sicherheitslage erlaubt.


Mali hat zur Zeit vier große Baustellen:
  • politisch: Gerangel um die Macht und die Herstellung der verfassungsmäßigen Ordnung
  • militärisch: die Teilung des Landes und die islamistische Besetzung des Nordens und die von dort ausgehende militärische Gefahr, die schwache malische Armee (nicht gut organisiert und schlecht ausgerüstet)
  • religiös: radikaler salafistischer Islam im Norden und gemäßigter Islam samt traditionell animistische Religionen und kath. und evangelischen Christen im Süden
  • humanitär: die Hungerkrise im mittleren und nördlichen Teil des Landes, die Isolierung der Bevölkerung des Nordens, Verteuerung der Lebensmittelpreise 


Bildnachweise: www.maliweb.net; www.jeune-afrique.com, AFP

Sonntag, 13. Mai 2012

Mali | neuste Entwicklungen zwischen Hoffen und Bangen


Seit dem Versuch eines Gegenputschs innerhalb der malischen Armee war es zu massiven Festnahmen gekommen. Angesichts der Unruhen wurden die Schulen des Landes vorsichtshalber geschlossen. Morgen geht es weiter. Die Schulen sind wieder geöffnet – ein weiterer Schritt zur Normalisierung des öffentlichen Lebens.

Die geflüchteten Christen aus dem Nordwesten Malis werden in Bamako weiterhin von Mitarbeitern der Ev. Allianz und von Campus für Christus betreut. Die Baptistengemeinde Imhausen hat heute eine Kollekte für die malischen Flüchtlinge zusammen gelegt. Das Geld wird über die Allianz-Mission nach Mali weitergeleitet. Ein starkes Zeichen der Solidarität und der Hoffnung.

Mittlerweile gibt es zaghafte Verhandlungsbemühungen zwischen der CEDEAO (westafrikanische Union), der malischen Übergangsregierung und den Rebellen und Islamisten im Norden des Landes.

Die CEDEAO trifft sich Morgen zu weiteren Verhandlungen in Abidjan (Elfenbeinküste) um die mögliche Entsendung von Truppenkontingenten nach Mali zu beraten. Der malische Militärrat legt darauf Wert, dass eine solche Maßnahme nur auf Einladung der malischen Regierung erfolgen kann.

Die Vermittler der CEDEAO haben Bamako (malische Hauptstadt) nach erfolglosen Beratungen inzwischen verlassen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie die Übergangsregierung Malis nach dem 22. Mai aussehen wird. An diesem Stichtag läuft das 40-tägige Interimsmandat der aktuellen Regierung ab.
Interviews im öffentlichen Fernsehen (ORTM) und in der Presse zeigen, dass Kapitän Sanogo immer noch die Fäden in der Hand hat und die politischen Strippen zieht, obwohl er das nicht offen zugibt.
Die amerikanische Regierung hat vor zwei Tagen nochmals darauf hingewiesen, dass der
Rückzug der Armee aus dem politischen Leben Voraussetzung für internationale Unterstützung
sei. Jeder in Mali weiß: wenn die Militärs an der Macht festhalten wollen, wird es wieder zu
einem Embargo kommen. Das träfe in erster Linie die Bevölkerung, die in weiten Teilen des
Landes schon jetzt von Lebensmittelengpässen betroffen ist. Wenn die Militärs die Bevölkerung gegen sich aufbringt, dann kann dies zu massiven Unruhen auf den Straßen führen.
Die Stimmen in der Presse und auch persönliche Stellungnahmen aus Mali besagen, dass die Tage nach dem 22. Mai entscheidend sind. Es wird sich herausstellen, ob es zu stabilen politischen Verhältnissen kommen wird und damit die Voraussetzung für ein entschlossenes Durchgreifen in den nördlichen Krisengebieten ermöglicht wird.
Inzwischen haben Hilfskonvois Bamako in Richtung Norden verlassen. 180 Tonnen Hilfsgüter sind auf dem Weg. Mit Lebensmitteln und Medikamenten soll der notleidenden, isolierten Bevölkerung des Nordens geholfen werden.

Gebet ist wichtig:
für gute Resultate bei den diplomatischen Verhandlungen zwischen CEDEAO und malischer Übergangsregierung
für die sichere Ankunft des Hilfskonvois im Norden
für die Aufnahme der Gespräche mit den Rebellen und Islamisten im Norden
für Flüchtlinge aus dem Norden, die alles verloren haben und sich eine neue Existenz aufbauen müssen
für eine erfolgreiche Durchführung der landesweiten Hungerhilfeprojekte

Velopro | das ist mein Projekt


Velo bedeutet Fahrrad und Pro steht für Projekt. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin – zum Einkaufen, zur Arbeit, oder zu Predigtdiensten am Sonntag, dann notiere ich mir die gefahrenen Kilometer und multipliziere sie am Monatsende mit 0,20 €. Die Summe überweise ich auf ein privates Projektkonto. Wenn sich eine bestimmte Summe angesammelt hat, dann überlege ich mir, welches Projekt ich damit unterstützen kann und überweise die angesparte Summe an eine Missionsgesellschaft oder Hilfsorganisation oder verwende das Geld für ein persönliches von mir initiiertes Projekt.
Damit erreiche ich mehrere Ziele:
Ich erweitere meinen Horizont und lerne, nicht nur an mich, sondern auch an andere Menschen in der weiten Welt und an ihre Bedürfnisse zu denken.
Ich halte mich sportlich fit.
Ich leiste einen kleinen ökologischen Beitrag für eine saubere Umwelt.

Freitag, 11. Mai 2012

Missional | Mit Gott in der Nachbarschaft leben

Alan Roxburgh. 2012. Missional - Mit Gott in der Nachbarschaft leben. Marburg: Francke
Das Wort "Missional" ist in aller Munde und doch herrscht nach wie vor eine große Unsicherheit, was dieser Begriff bedeutet. Nun liegt das Grundlagenbuch Missional. Mit Gott in der Nachbarschaft leben des britisch-kanadischen Gemeindepraktikers Alan Roxburgh in Deutsch vor. Hier wird kompetent und praxisnah beschrieben, wie ein missionaler Lebens- und Gemeindestil aussieht. Dabei zeigt Roxburgh sowohl die biblische Verankerung als auch die historischen Wurzeln des missionalen Konzeptes auf. Vor allem jedoch beschreibt er ganz praktisch, wie Gemeinde, Arbeit und Nachbarschaft als Lebensumfelder unseres Glaubens zusammenhängen und wie wir diese missional gestalten können. Dieses Buch macht deutlich, wie wichtig es ist, in unserer Zeit Gottes Auftrag und Sendung neu in unserem Alltag zu leben. Ein Ermutigungsbuch für alle, die auch "am Montag" Christsein leben wollen.

Missionstheologie | Missionsbefehl ist nicht entscheidend


Robert E. Speer (1910) :  Selbst wenn Jesus nie den Missionsbefehl aus Mt 28,19-20 ausgesprochen hätte, wäre die Gemeinde Jesu dennoch missionarisch tätig gewesen, denn die Dynamik der Mission geht aus Gott hervor und geschieht nicht aufgrund eines Befehls.
Aufgrund der trinitarischen Begründung der Mission und der göttlichen Initiative sind die menschlichen missionarischen Aktionen lediglich sekundär. Das Ziel sind in zweiter Linie Bekehrungen, neue Gemeinden und bessere Lebensumstände. Das eigentliche Ziel ist die Sichtbarmachung der Ehre Gottes und die Errichtung seines Reiches.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Kirchengeschichte | Repetitorium zur Prüfungsvorbereitung

Wolfgang Sommer/Detlef Klahr. 2006. Kirchengeschichtliches Repetitorium: Zwanzig Grundkapitel der Kirchen-, Dogmen- und Theologiegeschichte. Stuttgart: UTB(Vandenhoeck&Ruprecht). 295 Seiten
Die nächste Prüfung kommt bestimmt. Aber es gibt gutes Handwerkszeug, um sich gut vorzubereiten:
In geschickter Verbindung von Ereignissen und Entwicklungslinien bietet dieses Studienbuch grundlegende Informationen zur Kirchen-, Dogmen- und Theologiegeschichte. Die einzelnen Kapitel sind lernorientiert aufbereitet: Über einen knappen Einstieg wird jeweils in die Abschnittsthematik eingeführt, deren Grundaspekte sodann erläutert werden. Weiterführende Literatur am Ende jeden Kapitels und eine CD-Rom mit Lernfragen runden das Ganze ab und ermöglichen eine gezielte Prüfungsvorbereitung. »Dieses gelungene Repetitorium wird sicher schnell zum unentbehrlichen Hilfsmittel bei der Examensvorbereitung werden.« JETh

Mali | Hungerhilfe erfolgreich gestartet

Das Projekt "Hungerhilfe Mali" ist gestartet. Die erste Überweisung eines größeren Geldbetrages zum Kauf von Lebensmitteln ist in dieser Woche nach Mali angewiesen worden. Geschäftsführer Heinz Gimbel berichtet: "Bis heute sind 46.000 Euro für das Projekt "Hungerhilfe Mali" eingegangen." Trotz der großen politischen Probleme und der schwierigen Verhältnisse im Land kann das Projekt der Allianz-Mission bis jetzt ohne größere Störungen durchgeführt werden. Die Lebensmittelhilfe konzentriert sich im Wesentlichen auf die Region, in der die Allianz-Mission schon seit Jahren arbeitet. Diese liegt nicht im Gebiet, das von den Rebellen kontrolliert wird.
Die Verteilung der Nahrungsmittel wird von den Mitarbeitern der Hilfsorganisation "Agape" übernommen werden, einer NGO (Non government organisation), die vor einigen Jahren von der Allianz-Mission in Mali gegründet worden ist und die heute unter einheimischer Leitung arbeitet. Sie hat etwa 30 fest angestellte malische Mitarbeiter, die in landwirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsprojekten tätig sind. Alle Mitarbeiter sind entschiedene Christen und gehören zu Gemeinden des malischen Gemeindebundes UEPEM, der ebenfalls aus der Arbeit der Allianz-Mission hervorgegangen ist und heute etwa 20 Gemeinden umfasst.
Die politische Situation im Land ist weiterhin äußerst angespannt und labil.  

Quelle: www.allianz-mission.de

Mali | Radikaler Islamismus im Norden, Machtkämpfe im Süden


Die Bevölkerung im Nordwesten Malis wehrt sich vergeblich gegen die radikale Islamisierung. Die Tuaregrebellen, die eher als gemäßigt einzustufen sind, haben längst nicht mehr das Sagen. Ansar Diné (radikale Gotteskämpfer) und AQMI (Al-Qaida im Maghreb) haben sich zu einem radikalen Bündnis zusammen geschlossen und verstärken ihren politischen, militärischen und religiösen Einfluss im Norden Malis.
Die westafrikanische Presse berichtet einstimmig, dass die radikalen Gruppen durch Kämpfer aus Tunesien, Algerien, Marroko und Mauretanien verstärkt werden. Zudem habe man Militärs aus Pakistan beobachtet. Sie fungieren offenbar als Ausbilder in Militärcamps, wo junge Malier aus Kidal und Umgebung für den Jihad ausgebildet werden sollen. Die jungen Leute werden mit Geld gelockt und ihnen wird die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in den Camps versprochen. Der Preis ist eine islamistische Indoktrination und ein möglicher militärischer Kampf gegen die eigenen Landsleute. Denn nicht nur Christen, sondern auch gemäßigte Muslime gelten als Feinde des radikalen Salafismus.
Unterdessen leidet die übrige Bevölkerung am Versorgungsnotstand. Lebensmittel, Wasser und Strom sind knapp. In den Reden der Machthaber in Bamako wird die notvolle Situation der Menschen im Norden nur noch am Rande erwähnt. Man fühlt sich vernachlässigt. Nur vereinzelt kommen Hilfslieferungen an. Ein großer Teil der Bevölkerung ist gegen die Einführung der Scharia und das willkürliche Vorgehen der neuen Machthaber, doch gegen die militärische Übermacht kommen die Menschen nicht an. Die Rebellion im Norden verstärkt ihre Positionen und ihren Einfluss. Versorgt werden sie aus dem Norden (vgl. Karte). Zwischen den verschiedenen Gruppen im Norden besteht zzt. ein Nichtangriffspakt, obwohl es erhebliche politische und religiöse Differenzen gibt.
Die malische Armee ist dabei, junge Soldaten zu rekrutieren und Truppenkontingente nach Sévaré (Region Mopti) zu entsenden. Dort befindet sich eine Militärbasis, die sich noch in den Händen der offiziellen malischen Armee befindet. In der aktuellen Situation, selbst wenn der Wille dazu vorhanden wäre, ist eine militärische Aktion gegen die Rebellen und Islamisten unwahrscheinlich. Es fehlt an einer erfolgversprechenden Strategie, und außerdem wären die Verluste unter der Bevölkerung des Nordens enorm, da die Islamisten die Menschen als Geiseln benutzen würden.
Viele setzen in dieser aussichtslosen Situation auf den Einfluss der religiösen Führer. Der Islamrat in Mali hat in Zusammenarbeit mit der kath. Kirche und der Ev. Allianz Verhandlungen mit den Rebellen geführt und die Freilassung von Soldaten der offiziellen Armee  erreicht, die sich in den Händen der Islamisten befanden. Die Menschen sind wütend und machtlos zugleich und setzen ihre Hoffnung auf Verhandlungen oder ein militärisches Eingreifen mit Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft. Die CEDEAO (westafrikan. Wirtschaftsunion) alleine wird die nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen, um erfolgreich zu intervenieren. Die westafrikanischen Staaten, die UNO und die USA thematisieren die malische Problematik auf Konferenzen und Tagungen. Dies zeigt, dass die Entwicklung in Mali längst nicht mehr nur als eine lokale Kirse betrachtet wird.
In Bamako hat es in der letzten Woche den Versuch eines Gegenputschs gegeben. Die Anhänger des im März gestürzten Präsidenten haben versucht, die Putschisten unter der Führung von Kapitän Sanogo aus wichtigen strategischen Stellungen zu vertreiben. Dieser Versuch ist misslungen. Es hat Tote gegeben und eine Welle von Festnahmen.
Die Informationen von ehemaligen Kollegen in Mali besagen, dass die Leute in Bamako bisher von Übergriffen verschont geblieben sind. Doch die Unsicherheit regiert auch in der Hauptstadt. Der Flughafen ist offen aber stark bewacht.
Als Beobachter hat man den Eindruck, dass die politischen Akteure in einem internen Machtkampf verstrickt sind. Fest steht: Solange die Akteure in Bamako (Militärrat, Übergangsregierung und polit. Parteien) nicht an einem Strang ziehen, wird es kaum gelingen, die Krise im Norden des Landes zu lösen.
Neben aller Unsicherheit im politischen Bereich, leiden inzwischen viele Malier an Hunger. Die Hälfte der malischen Bevölkerung muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Die Grundnahrungsmittel auf den Märkten werden knapp und verteuern sich. Die Regierung hat Gelder zum Kauf von Lebensmitteln zur Verfügung gestellt. Hilfsorganisationen und Missionsgesellschaften intervenieren und tun ihr Bestes.
Das Leben und Überleben in Mali ist nicht leicht in diesen Tagen. Wir hoffen und beten für Stabilität und wirksame Strategien gegen die islamistische Bedrohung. Wir beten um Frieden für Mali.

Bildnachweise: www.jeune-afrique.com

Montag, 7. Mai 2012

ME Straubing | Servus nach Niederbayern

Gute Begegnungen mit engagierten und fragenden Menschen in Straubing - so das Fazit unserer Zeit. Und das war unser Motto: LOSGEHEN ! - nach Straubing, als Team und mit der Gemeinde.
Vielfältiges Angebot auf unterschiedlichen Ebenen: Motivation für die Gemeinde, Religionsunterricht, Kinderfest im Kids-Club, Themenabend zu herausfordernden Fragen der Zeit, Grillfest, Time Out-Jugendtreff und ein Gottesdienst zum Abschluss. Das war der Missionarische Einsatz vom 2. bis 6. Mai 2012 – mit  10 Leuten vom TSR, Wölmersen und einer engagierten, gastfreundlichen Evangelisch freikirchliche Gemeinde in Straubing. Gemeinsame Begegnungen in der Stadt, in den Familien und im Gemeindezentrum standen im Mittelpunkt. Auch den History-Walk durch die geschichtsträchtige und vorwiegend vom Katholizismus geprägten Kleinstadt Straubing, wo schon Kelten und Römer zu Hause waren, fanden wir sehr interessant. Studierende des TSR haben gepredigt, Gottesdienste geleitet, Theater gespielt und sich musikalisch eingebracht.
Für vier der zehn Teilnehmer war die Zeit ein Heimspiel, denn - die EFG Straubing ist ihre Heimatgemeinde. Beeindruckend fand ich den Mut einiger Seminaristen aus dem 1. Studienjahr, die sich ans Predigen gewagt und authentisch klare Botschaften verkündigt haben. Das hat die Gemeinde dankend angenommen.
Christopher Orth und ich haben uns an einen thematischen Dialogvortrag gewagt, der auf gute Resonanz stieß. Islamisierung in Deutschland, Burn Out und Fragen zur Ökologie und kritischem Konsum standen dabei zur Debatte.
Wir waren dabei: Krissi, Seppi, Kathi, Marina, Dominik, Simon, Katja, Chanti, Christopher und Alfred.


Dienstag, 1. Mai 2012

Al Qaida | Richtungskämpfe und neue Strategien


Seit dem Tod von Ousama bin Laden vor 12 Monaten ist innerhalb des islamistisch terroristischen Netzwerkes ein Streit ausgebrochen. Das Gerangel betrifft folgende Ebenen:
Wer ist nach bin Ladens Tod der Kopf der Bewegung?
Welche islamistische Doktrin setzt sich durch?
Welche Strategien sollen zur Durchsetzung der Ziele angewandt werden?

Die Bewegung, die 1988 im pakistanischen Peschawar als al-Qaida al-Askarija ("die militärische Basis") gegründet wurde, scheint geschwächt. Die Bewegung war ursprünglich angetreten, die Muschahidin in Afghanistan im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer zu unterstützen. Aus diesem Kampf ist ein ideologisch-militärischer Kampf gegen die Fremden, die Ungläubigen, vorwiegend aus dem Westen entstanden. Nach der Übernahme der Macht durch die Taliban und dem Eingreifen der Westmächte in Afghanistan hat sich das Feindbild gewandelt und richtet sich vorwiegend gegen den Westen und insbesondere die USA. Der traurige Höhepunkt dieses Kulturkampfes waren die Attentate auf das World-Trade-Center am 9. September 2001.
Die Bewegung hat in der letzten Zeit erhebliche Rückschläge hinnehmen müssen und wichtige Führungspersönlichkeiten verloren. Doch Schwächung bedeutet längst nicht, dass Al-Qaida nicht immer noch gefährlich und zu militärischen Anschlägen fähig wäre.

Der Richtungsstreit innerhalb der Bewegung ist entbrannt. Dies bedeutet einerseits eine Chance und andererseits eine Gefahr. Sollten sich die radikalen Kräfte durchsetzen und gleichzeitig die Führung der Bewegung entgleiten, so wäre Al-Qaida mit seinen Aktionen weltweit kaum mehr berechenbar.
Zzt. besetzt Aiman al-Sawahiri als Nachfolger Bin Ladens den Chefsessel der Bewegung. Er gilt als dogmatisch streng und radikal, hat aber unter den Kämpfern der Bewegung weniger Rückhalt als der Vize Abu Jahja al-Libi.  Letzterer gilt als charismatischer und hat mehr Einfluss. Gleichzeitig ist er weniger radikal. So lehnt er z.B. die strenge Takfir-Doktrin ab. Diese besagt: Wer nicht der strengen Auslegung des Islam anhänge, sei Ungläubiger und damit zu bekämpfen. – Somit sind auch moderatere Muslime nicht vor Angriffen der Islamisten gefeit.
Den gemäßigten Kräften innerhalb der Bewegung wird vorgeworfen, sie würden den Koran und islamistische Ideologie nicht ernst genug nehmen und seien geneigt durch Verhandlungen mit den Ungläubigen möglicherweise zu viele Kompromisse einzugehen.
Unterdessen hat sich die Bewegung längst dezentralisiert und ist damit unkontrollierbarer und unberechenbarer geworden.
Einzeltäter wie der im französischen Toulouse getötete Mohamed Merah stellen ebenso eine terroristische Bedrohung dar, wie die vorwiegend im Nord-Westafrikanischen Raum agierenden regionalen Terrorverbände.

Jahr der Entstehung
Name/
Doktrin
Sitz/ Operationsradius
Organe/
Strategien
2007
"Al-Qaida des islamischen Maghreb" (Aqim)
Radikale Salafisten
Algerien, Mauretanien, Tschad, Mali
Verstärkt durch bewaffnete Söldner der Arme Gaddafis
2009
"Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (Aqap)
Dschihadisten ("Ansar al-Scharia")
Jemen
Rekrutierung durch Internet und Magazin „Inspire“
2010
Boko Haram, Sekte und Terrormiliz
Nigeria
Kooperation mit Aqim, greift vorwiegend christl Minderheiten in Nigeria an
2012
Schabab-Bewegung
Loyal. Ggb. Sawahiri (radikal)
Somalia, Kenia
Videobotschaften, terroristische Milizen, Kooperation mit Aqap

Mittlerweile haben sich westliche Geheimdienste auf die neuen Machenschaften von Al-Qaida eingestellt. New York hat ein neues "höchstes Gebäude der Welt" und damit demonstriert, dass sich die Supermacht von terroristischen Netzwerken nicht unterkriegen lässt. Das tut der amerikanischen Seele gut. Und Al-Qaida - die Bewegung hat sich mittlerweile in den Maghreb und nach Schwarzafrika verlagert. Die Gefahr scheint für den Westen gebannt. Scheinbar. Es ist zu befürchten, dass der Westen den islamischen Terror in Afrika nur noch verbal bekämpft. Zwar bekämpfen europäische Sondereinheiten gegen die Piraterie in Somalia. Aber warum? Weil es um wirtschaftliche Interessen und piratenfreie Wasserstraßen geht. Der Kampf des Westens gegen den ideologisch unterwanderten Islamismus geschieht nur halbherzig. Mit ganzem Herzen geht der Westen dann zur Sache, wenn es um die Wirtschaft geht, auch wenn es offiziell heißt, man wolle Demokratie und Freiheit verteidigen.
Die Welt leidet nicht nur am Terror, sondern auch an der Eigennützigkeit westlicher Länder.