dimanche 29 avril 2012

Wulffs Satz | Der Islam gehört zu Deutschland


Der Islam gehört zu Deutschland? Keineswegs. Das Recht, Glaubensrichtungen und Überzeugungen zu leben, heißt noch lange nicht, dass sie unsere Vorstellung von Gesellschaft prägen

Monika Maron (DIE WELT)

Zu Helmut Schmidt gehört die Zigarette, zu Italien die Pasta, zu Berlin gehört die Spree, Adam zu Eva und das Amen zur Kirche. So bezeichnen wir umgangssprachlich einen selbstverständlichen, fast sprichwörtlichen Zusammenhang von Dingen oder Personen. Solchen Selbstverständlichkeiten hat Christian Wulff den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" hinzugefügt und ihn als bedeutendste Erinnerung an seine kurze Amtszeit hinterlassen. Als er zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit die Deutschen mit dieser Behauptung überraschte, löste er noch eine heftige Diskussion aus. Inzwischen scheint es, als hätte die stete Wiederholung diesem Satz, der als Wulffs größtes Verdienst gilt, eine bedingungslose, gesetzeskräftige Autorität verliehen.
Das Fragwürdige des Satzes liegt in seiner gleichzeitigen Eindeutigkeit und Unschärfe. Er duldet keinen Widerspruch. Der Islam gehört zu Deutschland. Punkt, Schluss. Er erlaubt nicht einmal eine Nachfrage. Auch die Scharia, die dem Islam Inhalt und Gestalt gibt? Und welche Glaubensrichtung, schiitisch, sunnitisch, alevitisch, ismailitisch, ahmadiyyadisch, salafitisch auch? Gehören auch die innerislamischen Glaubenskämpfe zu Deutschland? Auch die Benachteiligung der Frauen? Ehe dieser Satz so unkommentiert in den Boden des deutschen Grundgesetzes gerammt wird, sollte wenigstens für alle deutschen Staatsbürger hinreichend erklärt werden, welche Konsequenzen er nach sich zieht und welche Kollisionen mit anderen Selbstverständlichkeiten, die seit der Aufklärung zu Deutschland gehören, unausweichlich wären.

Der komplette lesenswerte Artikel findet sich hier:

samedi 28 avril 2012

Mali | neue Regierung im Amt, Bewegung im Norden


Mali hat eine neue Regierung. Im Laufe der letzten Woche wurde die Liste der Mitglieder der Übergangsregierung veröffentlicht. Die Vertreter des Militärrates erhalten die Ministerien für Verteidigung und Inneres. Das wichtige Finanzministerium und der Erschließung von Bodenschätzen wurde ihnen verweigert. Die Zusammensetzung der neuen Regierung wurde kritisiert, da es sich offensichtlich um Technokraten, teilweise um unerfahrene politische Akteure oder dem alten Regime nahestehende Personen handelt. Eine solche Kritik kennen wir auch aus westlichen Ländern. Jeder der gerne an die Macht gekommen wäre und es nicht schafft, würde so reagieren und seine Unzufriedenheit äußern.  Berechtigt ist die Frage der Kritiker dennoch: Nutzt die Übergangsregierung die Chance eines politischen Neuanfangs, oder verfällt sie in alte Muster, die letztlich zum Putsch geführt haben?

Unterdessen hat die CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) anlässlich ihrer Tagung in Abidjan ein Schlusskommuniqué veröffentlicht. Die Putschisten werden darin aufgefordert, definitiv in ihre Kasernen zurückzukehren und die politischen Geschäfte der Übergangsregierung zu überlassen. Außerdem entsendet die CEDEAO ein Truppenkontingent nach Bamako, um den Prozess der Transition zu überwachen. Ein Militärschlag gegen die Rebellen und Islamisten im Norden Malis wird vorerst ausgeschlossen. Zunächst sollen die Ergebnisse der laufenden Verhandlungen abgewartet werden. Nach einem Scheitern der Gespräche sei ein militärisches Eingreifen, so der Sprecher der CEDEAO, jedoch nicht ausgeschlossen. Zu groß ist die Angst in der westafrikanischen Region, dass sich im Norden Malis radikal-terroristische, islamische Gruppen auf Dauer etablieren und so zu einer nachhaltigen Gefahr für die Region werden könnten.

Vor einigen Wochen wurde eine Schweizer Sozialarbeiterin, die seit vielen Jahren in Tombuktu gelebt und sich als Christin für die sozialen Belange der Bevölkerung eingesetzt hatte, von Al-Qaida-Soldaten entführt. Sie ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß und wohlbehalten in Ouagadougou, der Hauptstadt des Nachbarlands Burkina Faso, angekommen.

Afrikanische und französische Pressemeldungen zufolge, ist in Tombuktu eine neue bewaffnete arabische Gruppierung aufgetaucht: Front national de libération de l’Azawad (FNLA – Nationale Befreiungsfront des Azawad). Ihr Ziel sei es, die Stadt Tombuktu und das Umland abzusichern und gegen Islamisten und Tuareg aus anderen Teilen von Nord-Mali zu verteidigen. Sie hätten keinerlei separatistische noch islamistische Absichten – so der Sprecher weiter. Sie wollen lediglich eine nachhaltige Atmosphäre der friedlichen Koexistenz aller Volksgruppen im Norden Malis  erreichen. Die FNLA ist mit ca. 500 schwer bewaffneten arabisch stämmigen Soldaten und 100 Fahrzeugen aufgetaucht. Der Sprecher von Ansar Dine (radikal islamistische Gruppe) erklärte: Wir werden die militärische Präsenz der FNLA keineswegs dulden. 

Die Situation im Norden wird damit immer undurchsichtiger. Wer mit wem kooperiert oder wer wen ausschalten will – das bleibt abzuwarten. Drei Parteien streiten sich nunmehr um die heilige Stadt Tombuktu. Ist eine militärische Konfrontation nur eine Frage der Zeit? Mit wem können glaubhafte Gespräche und Verhandlungen geführt werden?
Wie gestern bekannt wurde, haben vorwiegend junge Leute mit Unterstützung eines Imam kurz nach der Ankunft von Ansar Dine und Al-Qaida am 20. April in Tombuktu gegen die radikalen Forderungen demonstriert und Ansar Dine vorgeworfen, sie würden lediglich Chaos verbreiten.

Bildnachweise: www.maliweb.net

samedi 21 avril 2012

Mali | Regierungsbildung schwierig und Spannungen im Norden

Die Vermittlungsgespräche in Burkina Faso waren erfolgreich. Vertreter der malischen Zivilgesellschaft (Parteien, Religionen u.a.) und der Militärrat haben sich auf einen neuen Ministerpräsidenten geeinigt, der die Übergangsregierung bilden soll.
Schon letzte Woche ist der ehemalige Parlamentspräsident zum neuen Übergangspräsidenten ernannt worden. Dies stieß auf große Zustimmung seitens der westafrikanischen Nachbarn und der internationalen Staatengemeinschaft.
Die Verhandlungen waren nicht einfach und zwischendurch hatte man den Eindruck, dass die Putschisten nach wie vor ihre Dominanz ausspielen wollen und damit die diplomatischen Bemühungen ersticken.
In Bamako ist es zu überraschenden Festnahmen einiger Politiker durch den Militärrat gekommen. Es wird ihnen vorgeworfen, dass sie im Besitz von Waffen waren und einen Gegenputsch hätten starten wollen. Der ehemalige malische Staatspräsident hat Mali inzwischen Richtung Senegal verlassen, um dem möglichen Zugriff der Putschisten zu entgehen.
Die Regierungsbildung gestaltet sich schwierig, da die Militärs auf die Besetzung einiger wichtiger Ministerien pochen (Verteidigung, Finanzen, Wirtschaft).
Letzte Woche gab es erste Vermittlungsgespräche mit den Tuaregrebellen im Norden. Die gemäßigten Kräfte schlagen eine föderale Lösung vor. D.h. das von den Tuareg für unabhängig erklärte Gebiet des Azawad (Nordmali) soll von Tuareg regiert werden, aber dennoch Bestandteil eines ungeteilten malischen Territoriums bleiben.
Die radikalen islamistischen Kräfte lehnen solche Lösungen strikt ab. Ihr Ziel ist es nach wie vor, Mali in ein islamisches Kalifat zu verwandeln und im ganzen Staatsgebiet die Scharia umzusetzen. Um ihre Stärke zu demonstrieren, haben sie ca. 160 Soldaten der offiziellen malischen Armee aus der Gefangenschaft entlassen. Das Signal ist deutlich: Wir sind die Herren im Norden und bestimmen den Rhythmus der Politik.
Augenzeugen berichten, dass auf einem Flughafen im Norden Waffe mit bisher unbekanntem Ursprung angekommen und an die radikalen Kräfte verteilt worden seien. Dies deutet darauf hin, dass die radikalen Kräfte die aktuelle sich beruhigende Lage nutzen, um Zeit zu gewinnen und ihre Positionen auch im Norden zu festigen und militärisch abzusichern.
Der neue Ministerpräsident hat inzwischen seine Verhandlungsbereitschaft mit der islamischen Rebellion signalisiert. Strikt ausgeschlossen sei jedoch die Teilung Malis. Der Bevölkerung im Norden sicherte er seine volle Unterstützung zu.
Worte sind jedoch nicht genug. Die Bevölkerung Bamakos hat praktische Maßnahmen eingeleitet und Hilfslieferungen (Lebensmittel, Medikamente) für die notleidende Bevölkerung in Gao und Tombuktu organisiert. Auch dem Roten Kreuz ist es gelungen, erste Hilfstransporte nach Tombuktu auf den Weg zu bringen. Die humanitäre Situation bleibt prekär.
Die CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) berät parallel zu den Ereignissen in Mali, ob und wie sie in Mali eingreifen soll. In der malischen Bevölkerung des Südens fragt man sich: Wann werden Maßnahmen gegen die territoriale Teilung des Landes ergriffen, um die faktische Teilung des Landes rückgängig zu machen? Wann wird die Armee eingreifen? Und wer wird sie die dabei unterstützen?
Aus malischen Zeitungsberichten war heute zu entnehmen, dass es in Kidal heftige militärische Auseinandersetzungen zwischen Tuareg und radikalislamischen Kämpfern gegeben hat. Beobachter sprechen von einer Talibanisierung im Norden Malis (d.h. islamistische Guerillakämpfer wie in Afghanistan, die durch gezielte Schläge eine Stabilisierung der Lage unmöglich machen). Das positive an der Entwicklung ist: Solange die islamistischen Gruppen im Norden mit sich selber beschäftigt sind, solange besteht die Hoffnung, dass es keine weitere geographische Ausweitung der Rebellion Richtung Süden geben wird.

Viel ist in Bewegung in diesen Tagen. Manche Fronten müssen noch geklärt und praktikable Lösungen gefunden werden. Mali braucht besonnene politische Akteure und unsere Gebetsunterstützung.

lundi 16 avril 2012

Antrag auf Pazifistische Sommerzeit

Herzlliche Einladung zum Nachdenken und zu einem kleinen Spiel mit Worten. Meinen gestrigen Blogeintrag habe ich am 15.04.12 um 23:44 Uhr zur Pazifischen Sommerzeit aktualisiert, so die Auskunft auf meinem Bloggerportal. Ja, genau - der Stille Ozean ist gemeint, da draußen, auf der anderen Seite der Kugel, zwischen Amerika und Asien. Da wird in aller Stille von Google, dem Bloggeranbieter, die Zeit gemessen.
Aber wisst Ihr was: Ich wünsche mir einen Schreibfehler, und stelle den Antrag auf eine Pazifistische Sommerzeit. Eine Zeit des Friedens - zwischen Nord- und Südkorea, in Syrien, im Norden Malis, im Sudan, in Afghanistan und Pakistan, im Iran - und in Deutschland, wenn die Rassisten ihre Hetzjagden auf Leute mit "Migrationshintergrund" starten.
Der Stille Ozean als Hoffnungssymbol für friedliche Zeiten.

Bildquelle: http://www.google.de

samedi 14 avril 2012

Hunger in den Ländern des westafrikanischen Sahel

Bonn. - Die Welthungerhilfe will ihre Unterstützung für die Menschen im Sahelgebiet, die unter einer Dürre und hohen Nahrungsmittel-Preisen leiden, weiter verstärken. In den kommenden Wochen sollen 520.000 bedürftige Menschen Hilfe bekommen. Dabei handelt es sich um Familien in Mali, Niger und Burkina Faso, die keine Nahrungsmittelvorräte mehr haben und deren finanzielle Reserven bereits aufgebraucht sind.
"Wir können jetzt noch eine Katastrophe wie in Ostafrika abwenden. Die Frühwarnsysteme haben funktioniert, jetzt brauchen wir bis zur nächsten Ernte im Herbst 2012 eine verbindliche Unterstützung der Betroffenen", warnte der Regionalkoordinator der Welthungerhilfe, Willi Kohlmus, in Mali.
In den Ländern der Sahelzone droht nach unzureichenden und unregelmäßigen Regenfällen eine Hungersnot, die nach Angaben der Welthungerhilfe das Leben von bis zu 15 Millionen Menschen betreffen könnte. Bereits jetzt könnten sich etwa vier Millionen Menschen nicht mehr ausreichend selbst ernähren, weil ihre Vorräte aufgebraucht und die Tiere geschlachtet sind. Die Ernteausfälle in diesem Jahr seien so massiv, dass in vielen Gebieten bereits zehn Prozent der Kinder unterernährt seien. Gleichzeitig seien die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis und Hirse kräftig gestiegen. Vielen Familien fehle ein zusätzliches Einkommen, seitdem Tausende Wanderarbeiter aus Libyen und Tunesien zurückkehren mussten.
Die Welthungerhilfe bereitet seit Beginn des Jahres mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung umfangreiche Nothilfemaßnahmen in Mali, Burkina Faso und Niger vor. Bedürftige Familien erhalten Nahrungsmittel und Saatgut. Gleichzeitig werden Grundnahrungsmittel zu subventionierten Preisen zur Verfügung gestellt, damit sich Menschen, die noch über ein kleines Einkommen verfügen, aus eigener Kraft ernähren können. Auf diese Weise soll eine weitere Ausweitung des Hungers verhindert werden.

vendredi 13 avril 2012

Allianz-Mission startet Hungerhilfeprojekt in Mali


In einigen Teilen des westafrikanischen Landes Mali drohen gravierende Nahrungsmittelengpässe. Die Allianz-Mission will deshalb in Zusammenarbeit mit lokalen Kirchen eine Hilfsaktion für die von Hunger betroffenen Menschen organisieren, um die gröbste Not zu lindern. Auf über 75 Prozent der Ackerfläche Malis fielen die Erträge schlecht aus. Weil damit zu rechnen ist, dass die Lebensmittelpreise sehr stark steigen werden, soll jetzt Hirse und Reis in großen Mengen gekauft und eingelagert werden. Anhand von Listen sollen dann später die bedürftigsten Familien in Not Getreidesäcke bekommen. Wenn Sie sich mit einer Spende an unserer AM-Hungerhilfe für Mali beteiligen möchten, können sie das auf folgendes Konto tun.

Spendenkonten
Spar- und Kreditbank eG, Witten
BLZ: 452 604 75, Konto: 9 110 900
BIC: GENODEM1BFG; IBAN: DE 86 4526 0475 0009 1109 00

Volksbank Dill eG, Dietzhölztal
BLZ: 516 900 00, Konto: 438 006
BIC: GENODE51DIL; IBAN: DE 10 5169 0000 0000 4380 06

Salafisten | modern, konservativ und radikal


Der Koran soll unter die Leute - 25.000 Exemplare. In Deutschland machen Salafisten in diesen Tagen durch öffentliche Verteilaktionen auf sich aufmerksam. Die öffentlichen Kampagnen laufen schon seit einem halben Jahr. Das, was wie eine harmlose missionarische Aktion aussieht, entpuppt sich bei genauerer Recherche als eine strategische Maßnahme, die mit Hilfe der in Deutschland garantierten Religionsfreiheit versucht, den gesellschaftspolitischen Einfluss des Islam zu verstärken.
Salafisten (arab. as-salafiyya) berufen sich auf die islamische Religionsausübung der Vorfahren (arab. Salaf). Es handelt sich um eine Tendenz innerhalb des sunnitischen Islam.
Innerhalb des Salafismus gibt es zwei unterschiedliche Strömungen:
Die moderne Ausrichtung beruft sich auf Muhammad Abduh und proklamiert die Vereinbarkeit von Islam und Moderne. Solche Strömungen sind auch in Mali bekannt. Der bekannte Prediger und Theologe Cheik Haidara aus Bamako betont, dass sich die Scharia nur auf Muslime anwenden lässt. Seiner Meinung nach widerspricht es der Lehre des Koran, die Scharia mit Gewalt durchzusetzen. Er befürwortet hingegen eine pluralistische Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen und Religionen koexistieren.  Die Bewegung um Haidara nennt sich ebenfalls Ansar Dine (Gotteskämpfer), hat aber mit den Terroristen im Norden Malis nichts zu tun.
Darüber hinaus existiert im Salafismus eine konservativ radikale Strömung, die sich auf Ibn Taimiya beruft. Hier werden moderne, durch den westlichen Kolonialismus verbreitete Ansichten und Gesellschaftsmodelle radikal abgelehnt. Abgelehnt werden auch andersgläubige Muslime. Sie werden als „unfromm“ bezeichnet, weil sie zu viele theologische und gesellschaftliche Kompromisse eingehen (z.B. Sufisten, eine asketische Randgruppe des Islam, die im 9. Jh. entstanden ist und in Europa seit dem 19. Jh. stärker in Erscheinung getreten ist, aber auch volksislamische Strömungen, wie sie in den schwarzafrikanischen Ländern zu finden sind).

Der Begriff Wahabiten wird in Regionen außerhalb Saudi-Arabiens d.h. auch in Afrika oft als Synonym für die Salafisten gebraucht.Die salafistischen Strömungen sind also unterschiedlich, von modern, über konservativ bis radikal.
Zu den Salafisten zählen auch gewaltbereite Gruppen, die als Dschihadisten (Befürworter des Heiligen Kriegs) bezeichnet werden. Die Terroristen des 11. September 2001 gehören dazu.
Dass Salafisten nicht harmlose Religiöse sind, zeigen auch die Reaktionen auf die kritische Berichterstattung in Deutschland.
In einem Artikel der FAZ wird erwähnt, dass Journalisten der „Frankfurter Rundschau“ und des „Tagesspiegel“ denunziert und bedroht wurden. „ Man habe „detaillierte Informationen über die Affen und Schweine“, die „verlogene“ Berichte über die Salafisten-Vereinigung Dawa FFM bei Frankfurt und andere „Geschwister“ veröffentlicht hätten, hieß es den Angaben zufolge in einem Video (so in der FAZ).

Im Norden Malis sind die Ansar Dine in Erscheinung getreten. In Nigeria wüten die radikalen Boko Haram. Diese Gruppen schrecken vor der Anwendung terroristischer Mittel nicht zurück und gehören zu den radikalen Salafisten.
Das erklärte Ziel aller Salafisten ist nicht die bloße (harmlose) Verbreitung des Islam, als einer Religion unter vielen unter pluralistischen Vorzeichen.
Das Ziel besteht in einer antiwestlichen Gesellschaftsordnung und der Errichtung eines modernen Kalifats, das das Osmanische Reich zum Vorbild hat. Das Ziel der Radikalen besteht im gewaltsamen Aufbau einer islamischen politischen Ordnung, wo die Scharia höchstes Gesetz ist. Theologische Orientierung am Modell der Vorfahren und politische Visionen, die auf ein islamisches Reich hinauslaufen, können nicht voneinander getrennt werden. Das westliche, von der klaren Trennung zwischen Religion und Politik geprägte Gesellschaftsmodell, ist den Salafisten fremd. 

Bildnachweis: http://ais.badische-zeitung.de/piece/03/77/2e/7a/58142330-p-590_450.jpg

jeudi 12 avril 2012

Mali | Berichterstattung zu einseitig !?


Mittlerweile tauchen in der deutschen Presse immer mehr Meldungen über die politische Entwicklung in Mali auf. Humanitäre Netzwerke haben schon seit Ende letzten Jahres auf die Lebensmittelknappheit und die drohende Hungerkatastrophe in den Ländern des Sahel aufmerksam gemacht.
Die christliche Presse ist unterdessen in den Tagen nach dem Putsch und dem raschen Vormarsch radikaler Islamisten im Norden Malis vorwiegend an der Sicherheit der westlichen Missionare und dem Ergehen der christlichen Gemeinden interessiert. Die zum Teil schwer durchschaubare politische Entwicklung wird lediglich als Hintergrund erwähnt. Die Sorge um Glaubensgenossen ist einerseits verständlich, weil sich dahinter Menschen verbergen, deren Schicksale uns am Herzen liegen.
Der Eindruck von der diffusen, Angst einflößenden Sicherheitslage in Mali wird bestätigt und verstärkt durch die Reisewarnungen der westlichen Außenministerien: Vor Reisen nach Mali wird dringend gewarnt!
Wenn ich malische Freunde auf dieses Bild Malis in der westlichen Presse anspreche, dann ernte ich meistens Unverständnis.
Zuwenig wird darauf hingewiesen, dass die politische Situation sich im Süden Malis langsam beruhigt. Wenig zu lesen ist auch von der Tatsache, dass Christen und gemäßigte Muslime gemeinsam in diplomatische Gespräche involviert sind, um gemeinsam mit den politischen Akteuren nach praktikablen Lösungen zu suchen. Kaum liest man etwas über das große Gebetstreffen in einem Stadion von Bamako, wo 25.000 Menschen für Frieden im Land gebetet haben.
Das manchmal einseitige von Sicherheit geprägte Denken des Westens führt dazu, einen einseitigen Eindruck von der Situation in Mali zu vermitteln: Mali versinkt im Chaos, Mali ist gefährlich, in Mali werden Christen verfolgt.
Dass Christen auf der Flucht sind, dass sie im Norden um ihr Leben fürchten müssen, dass Gemeindehäuser zerstört wurden ist eine schlimme Entwicklung. Aber es gibt auch positive Entwicklungen, in die politisch verantwortlich denkende Christen, auch seitens der Ev. Allianz in Mali, einbezogen sind.
Es gehört zu einer verantwortlichen, ausgewogenen christlichen Berichterstattung, auch die positiven Entwicklungen zu erwähnen. Einseitige Betonung des Negativen verstärkt das Bild: Ach immer diese Afrikaner, die haben doch sowieso keine Ahnung von Demokratie. - Dieser Eindruck ist falsch. Wenn sich Militärs, politische Parteien, Christen und Muslime, Gewerkschaften und Frauenverbände in einer notvollen Zeit zusammen setzen, um zu beraten und Lösungen aus der Krise zu finden - dann ist das ein Ausdruck praktizierter Demokratie.

Unser Gebet darf und muss nicht nur den Opfern, den Hungernden, den Verfolgten, den Flüchtlingen und gestressten Missionaren gelten, sondern auch den aktiv handelnden, verantwortlichen Christen in Politik und Kirche vor Ort. Gott hat hier seine wohlwollenden Hände mit im Spiel – und nicht nur das satanisch Böse hinter den radikalen, chaotischen Kräften, die uns in die Flucht schlagen wollen.

Bildnachweis: http://www.maliweb.net/

Mali | positive Entwicklung im Süden - Christen im Norden auf der Flucht


Die meisten Christen haben die von radikalen Islamisten beherrschten Städte des malischen Nordens verlassen. Ein Mitarbeiter von Campus für Christus nennt den Grund: Die Gemeinde Jesu wird in diesen Gebieten verfolgt.
Christliche Familien im Süden des Landes nehmen die Geschwister auf und bieten ihnen Hilfe an.  
Im Krisengebiet sind ca. 200.000 Menschen auf der Flucht in den Süden Malis oder in westafrikanische Nachbarstaaten.
Internationale Hilfsorganisationen wie Caritas und die Allianz-Mission setzen ihre Bemühungen fort, der von der Lebensmittelknappheit betroffenen Bevölkerung zu helfen und ihre Projekte fortzusetzen – soweit es die Sicherheitslage zulässt.
In Bamako hat sich eine Bewegung namens COREN (Collectif des Ressortissants du Nord) formiert. Es handelt sich um Menschen, die ihre Heimat im Norden Malis verlassen mussten und deren Anhänger. Sie plädieren dafür, den eingeschlossenen Flüchtlingen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Außerdem wollen sie, dass die neuformierte Übergangsregierung den Norden militärisch von den Rebellen befreit und die territoriale Integrität des Landes wieder herstellt. COREN hat im Stadion Modibo Keita ein großes Treffen organisiert.  Muslime und Christen haben an diesem Meeting teilgenommen und Gebete gesprochen.
Viele junge Menschen sind bereit für die Rückeroberung des Nordens zu den Waffen zu greifen.
Allerdings wird man abwarten müssen, wie die internationale Staatengemeinschaft und die CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) solche Pläne beurteilt und eventuell strategisch unterstützt.
Heute wird der neue Präsident Malis vereidigt und in den nächsten Tagen einen neuen Premierminister und ein Kabinett ernennen.
Inzwischen hat sich Chérif Ousmane Madani Haïdara, ein einflussreicher islamischer Theologe und Prediger aus Bamako zu Wort gemeldet. Er fordert die Aufständischen im Norden auf, die Waffen nieder zu legen. Außerdem spricht er sich für einen religiösen Pluralismus aus und gegen die gewaltsame Einführung der Scharia in Mali. Mali, so Haidara, solle seiner traditionell offenen Kultur treu bleiben und es Muslimen und Christen ermöglichen, gemeinsam unter einem Dach zu leben. 
Die Sicherheitslage im südlichen Mali normalisiert sich. Die malische Botschaft in Berlin teilte mir auf Anfrage mit, dass Reisen nach Mali möglich seien. Die Reisen innerhalb des Landes sollten allerdings nicht über die Regionalhauptstadt Mopit hinausgehen. Die Sicherheit in der Hauptstadt Bamako und im südlichen Mali sei gewährleistet. Unterdessen warnen die westlichen Botschaften weiterhin vor Reisen nach Mali.

mardi 10 avril 2012

Mali | Boko Haram in Gao gesichtet

Während sich die Situation in Bamako beruhigt, ist die Lage im Norden Malis nach wie vor unübersichtlich und bedrohlich.
Die radikalen islamistischen Kräfte gewinnen, so die einschlägigen Aussagen der regionalen Presse, die Oberhand. Beobachter sagen, dass ca. 100 Kämpfer des radikalen Islamistennetzwerks Boko Haram auch in Gao gesichtet worden seien. Der Name Boko Haram stammt aus der Sprache der Haussa und bedeutet "Bücher in lateinischer Schrift". Die Bewegung wendet sich mit diesem Slogan gegen westliche Bildung und Einfluss.
Es handelt sich um Kämpfer aus Nigeria und Niger, die wohl auch an der Entführung algerischer Diplomaten in Gao beteiligt waren. Diese Information stammt von Abdou Sidibé, einem Parlamentarier aus dem Norden Malis. Boko Haram war in den letzten Monaten im Norden Nigerias in Erscheindung getreten. Dort hat es Massaker an Christen und nigerianischen Sicherheitskräften gegeben.
Die radikalen Gruppen versuchen das zögerliche Vorgehen der Regierung in Mali und der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) auszunutzen. Letztere hat mit einem militärischen Eingreifen gedroht. Doch die Frage ist, wann es dazu kommen wird. Die Zeit verstreicht und die Radikalen nutzen sie.
Diese Entwicklung ist für die Länder des Sahel beunruhigend und ruft zunehmend die internationale Diplomatie (UNO) auf den Plan. Letzte Nacht ist einem jungen Mann die Kehle durchgeschnitten worden, nachdem er mit seiner Bande bei einem Überfall auf einen Bus erwischt worden war - ein deutliches Zeichen angewandter Sharia.
Infos von: http://www.jeuneafrique.com

lundi 9 avril 2012

Mali | Ansar Dine und Mister Marlboro zeigen sich extrem hartnäckig


Ansar Dine (Gotteskämpfer des Islam), angeführt vom Tuareg Iyad Ag Ghaly, unterstreichen ihre Absicht, die islamische Scharia grenzüberschreitend auszubreiten. Ihr Kampf, so der Anführer der Islamisten Omar Hamaha, gilt nicht einer politischen Unabhängigkeit, die sich auf ein territorial begrenztes Gebiet im Norden Malis beschränkt.
Es geht allein um die Vorherrschaft des Islam. Es geht nicht um schwarz und weiß, um Norden oder Süden, so heißt es in der Erklärung weiter, die per Videobotschaft in französischen Medien veröffentlicht wurde.
Christen dürfen in Tombuktu ihre Religion weiter praktizieren. Sie müssen jedoch in ihren Kirchen bleiben. Eine missionarische Ausbreitung ist verboten.
Frauen werden angehalten, den Schleier zu tragen. Diebe werden gefasst. Je nach Schwere der Straftat droht ihnen die Todesstrafe oder das Abtrennen der Hand.
Die Erklärung der Ansar Dine, die weiter von Al Qaida-Gruppen aus den nordafrikanischen Staaten des Maghreb unterstützt werden wurde von der gemäßigten MNLA (Befreiungsbewegung der Tuareg im Azawad) zurückgewiesen. Damit ist das aufständische Lager im Norden gespalten. Ob diese Spaltung vorteilhaft ist oder nicht, wird sich zeigen.
Al-Qaida wird im Maghreb angeführt von dem  Algerier Mokhtar Belmokhtar. Seine Spitznamen: der Bornierte und Mister Marlboro. Dieser Name ist ein Hinweis auf den illegalen Zigarettenhandel im Gebiet der Sahara.
Die Bevölkerung im Norden Malis lebt weiterhin in Angst. Die Haltung und Dominanz von Ansar Dine verstärkt die politische und wirtschaftliche Isolierung des malischen Nordens. Damit wird die Versorgung der Bevölkerung vor Ort und der zahlreichen Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten immer schwieriger.
Die Lage in Bamako hat sich entschärft. Die Militärs haben die Regierungsgeschäfte an eine Übergangsregierung übergeben. Sie wird angeführt vom Präsidenten des Parlaments. Das Wirtschaftsembargo gegen Mali wurde aufgehoben. Wir hoffen, dass sich sich die Situation für die Bevölkerung jetzt langsam entspannt. Die Übergangsregierung soll zunächst die Krise im Norden und die Spaltung des Landes in den Griff bekommen und dann Neuwahlen organisieren. 
Wir sind dankbar für diese Entwicklung und sehen darin das Eingreifen Gottes in die politischen Geschicke des Landes. An den Vermittlungsgesprächen haben sich auch kath. und ev. Christen beteiligt.

samedi 7 avril 2012

Mali | Abkommen zwischen Putschisten und Westafrikanischer Union


Gestern Abend wurde zwischen dem Militärrat und der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) ein Abkommen geschlossen. Die Regierungsgeschäfte in Mali sollen, wie von Westafrikanern und der internationalen Staatengemeinschaft nach dem Putsch gefordert, an eine zivile Regierung übergeben werden.
Die verfassungsrechtlichen Organe sollen wieder hergestellt werden, so der Vermittler, der Außenminister aus Burkina Faso, Djibrill Bassolé. Die Übergangsregierung soll vom amtierenden Parlamentspräsidenten angeführt werden. Das Abkommen sieht Folgendes vor:
·         Organisation von Neuwahlen
·         Amnestiegesetz für die Putschisten
·         Gesetze zur Entschädigung für Soldaten und den Opfern in den kriegerischen Auseinandersetzungen im Norden Malis
Dem gestürzten Präsidenten ATT wird freies Geleit und staatlicher Schutz gewährt
Das Embargo gegen Mali wird mit sofortiger Wirkung aufgehoben.
Bessere AUsstattung der malischen Armee
Lösung des Problems im Norden Malis
Gleichzeitig wurde die einseitige Ausrufung der Unabhängigkeit Azawads (Norden Malis) seitens der Tuareg (MNLA) aufs Schärfste zurückgewiesen. Die EU, die USA, die CEDEAO, Algerien und Mauretanien als Nachbarländer, aber auch die Tuareg aus Niger haben die gestrige Erklärung einstimmig verurteilt. Die territoriale Einheit Malis soll erhalten bleiben. Die Befürchtung ist, dass der radikale Islam sich in ganz Westafrika ausbreitet und so langfristig eine Bedrohung der Region darstellt.
Die malischen Tuareg haben unter der Bedingung der Anerkennung Azawads angeboten, gemeinsam mit der CEDEAO gegen die Islamisten vorzugehen. Ein geschickter diplomatischer Schachzug.
Azawad repräsentiert eine territoriale Größe, die der Frankreichs und Belgiens entspricht und umfasst die Verwaltungsregionen Kidal, Tombuktu und Gao.
Unterdessen haben die Islamisten die Unabhängigkeitserklärung der MNLA abgelehnt und ihre eigentliche Ziele erneuert: es geht um die radikale Islamisierung und die Ausrufung der Sharia über ganz Mali. Unser Krieg ist ein heiliger Krieg im Namen des Islam. Wir sind gegen die Rebellion und gegen die Unabhängigkeit, so ein Sprecher der Ancar Dine (Gotteskämpfer).
Die CEDEAO bereitet die Entsendung von 2.000 bis 3.000 Soldaten nach Mali vor. Militärische Strategien werden zzt. in Abidjan beraten. Die Außenminister Algeriens und Mauretaniens treffen sich heute zu einem Krisengipfel.
Die humanitäre Situation im Norden Malis spitzt sich weiter zu. Wasser und Lebensmittel werden knapp. Frauen werden vergewaltigt, Kinder verschleppt, so berichten Sprecher von Amnesty International. World Vision und Oxfam (internationale Entwicklungsorganisationen) berichten von 210.000 Flüchtlingen in der Region, deren humanitäre Situation sich von Stunde zu Stunde verschlechtert.
In Bamako haben geflüchtete Bewohner aus dem Norden Malis demonstriert und auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht und gleichermaßen ihre Bewaffnung zur Rückeroberung des Nordens eingefordert.
Die Entwicklungen in Bamako geben Anlass zu Hoffnung, dass die Ordnung im Land wieder einigermaßen hergestellt werden kann. Die Bedingungen für internationale Hilfe sind geschaffen. Gespannt blicken wir auf die konkreten Aktionen der CEDEAO und die humanitäre und militärische Entwicklung im Norden Malis.

vendredi 6 avril 2012

Mali | Tuareg erklären einseitig ihre Unabhängigkeit vom Süden Malis


Die MNLA (Unabhängigkeitsbewegung der Tuareg) hat gestern offiziell die Unabhängigkeit des Azawad erklärt. Das Gebiet umfasst das ursprüngliche nördliche Territorium  Malis. Die Bewegung versichert des Weiteren, die Grenzen zu den Nachbarstaaten zu akzeptieren. Bereits gestern hatte die MNLA ein weiteres militärisches Vorgehen ausgeschlossen und den Waffenstillstand ausgerufen. Diese Entwicklung würde darauf hinauslaufen, dass Mali definitiv geteilt wäre.  Wie die CEDEAO, die malische Regierung in Bamako und die UNO auf dieses bilaterale Vorgehen der Tuareg reagieren bleibt abzuwarten. Es ist auch noch nicht entschieden, ob die auf staatliche Unabhängigkeit der Tuareg bedachte Gruppe (MNLA), oder eher islamistisch motivierte Kräfte die Oberhand gewinnen. Die Lage scheint sich etwas zu beruhigen, doch entschieden ist noch nichts.
Die islamistischen Gruppierungen haben unterdessen das algerische Konsulat in Gao gestürmt und einige algerische Diplomaten entführt. Dies zeigt, dass sie sich nicht mit dem bisher Erreichten zufrieden geben wollen. Ihr erklärtes Ziel ist die Ausrufung der Sharia in ganz Mali. Die MNLA hat das gewaltsame Vorgehen der Al-Qaida nahe stehenden Gruppen offiziell verurteilt.Der Abgeordnete aus Tumbuktu hat in einem INterview erklärt, dass er insbesondere den Christen zur Flucht aus den besetzten Gebieten rät. Die Islamisten, so ist zu befürchten, werden nicht nur die unfrommen Muslime unter die Sharia zwingen, sondern auch das Leben der Christen bedrohen.
In Mauretanien hat die Luftwaffen mittlerweile mobil gemacht, um eine weitere Bedrohung des Sahel durch militante Islamistengruppen zu verhindern.
Die Entwicklung zeigt, dass die Rebellion sich nicht einig ist – eventuell ein Vorteil für die weiteren Verhandlungen. Die Bevölkerung südlich von Tombuktu macht sich jedoch weiter Sorgen wegen der extremistischen Haltung der Islamisten und deren weiterem Vordringen Richtung Süden.  
Unterdessen gehen in Bamako die Verhandlungen zwischen dem Militärrat und der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) weiter. Burkina Faso hat in diesen Verhandlungen die Mittlerschaft übernommen. Gestern wurde in einem Communiqué die Hoffnung laut, dass es zum Einlenken kommt. Dies würde bedeuten, dass das von der CEDEAO gegen Mali verhängte Embargo aufgehoben würde. Heute war von Gerüchten zu lesen, dass der Vorsitzende des Militärrates am heutigen Abend die Rückkehr der Armee in die Kasernen verkündigen und den Weg zurück zur verfassungsmäßigen Ordnung frei machen wird. Man wird abwaren müssen, ob es dazu kommt.
Der Vorsitzende der Ev. Allianz in Mali ist mit weiteren Vertretern ziviler Parteien in die diplomatischen Verhandlungen einbezogen.
Wir beten für konstruktive Verhandlungen in Bamako zwischen Putschisten und CEDEAO, damit das Embargo aufgehoben und eine verfassungsmäßige Ordnung wieder hergestellt werden kann.
Wir beten für einen andauernden Waffenstillstand im Norden und dafür, dass die Islamisten nicht weiter Richtung Süden vordringen. Wir beten um Schutz für unsere Geschwister im Norden des Landes.

mercredi 4 avril 2012

Mali | Muslime und Christen vermitteln gemeinsam


Eine malische Delegation von muslimischen und christlichen Vertretern ist am 3. April mit dem Vermittler der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) zusammengetroffen. Zur Delgation zählte neben dem Vorsitzenden des Muslimischen Rates auch der kath. Erzbischof und der Vorsitzende der Ev. Allianz Malis. Der Präsident aus Burkina Faso ist beauftragt, in der malischen Krise zu vermitteln.
Die beiden Konfessionen haben sich zusammengeschlossen, um der CEDEAO die Schwierigkeiten mitzuteilen, die die malische Bevölkerung zzt. durchsteht. Das Embargo der CEDEAO führt zu Versorgungsengpässen und der Patt zwischen Putschisten und der CEDEAO blockiert das weitere konstruktive Vorgehen im Konflikt. Der dadurch entstehende Zeitverlust spielt den Rebellen im Norden in  die Hände. Die neuen Machthaber im nordmalischen Azawad können so ihre Macht weiter konsolidieren und weiter Richtung Süden vorstoßen. Unsere Freunde in Mali sagen, dass die islamistischen Rebellen nach Douentza, ca. 170 km nördlich von Mopti-Sévaré, vorgedrungen sind. Die Angst in der Bevölkerung und insbesondere unter den Christen nimmt zu. Der Vermittler aus Burkina hat die religiösen Vertreter ermutigt, im Streit zwischen Putschisten und der politischen Elite in Bamako zu vermitteln. Ziel ist die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung als Voraussetzung für die Lockerung des Embargos und die Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Bisher haben die Putschisten noch nicht entscheidend eingelenkt.
Für Morgen hat der Militärrat ein weiteres Treffen aller politischen, gesellschaftlichen und religiösen Gruppen des Landes anberaumt, um die weitere Entwicklung zu beraten.

Aus Mali erreichte uns folgender Gebetsaufruf eines Pastors:
Bitte betet regelmäßig für uns – betet für Frieden in Mali.
Die Gruppe Ancar Dine, eine Islamistenbewegung, hat sich zu den Rebellen gesellt. Das beunruhigt uns sehr.
Das Embargo macht uns sehr unruhig.
Es gibt gleichzeitig auch Verhandlungen – wir beten, dass sie Erfolg haben und es nicht noch schlimmer kommt.
Betet für die Kirche in Mali, dass wir am Glauben fest halten in diesen schwierigen Zeiten.
Viele Missionare haben das Land verlassen und die Kirche verwaist zurück gelassen.
Betet für eine Rückkehr zur Demokratie.

mardi 3 avril 2012

Mali | Bevölkerung zwischen Angst und Zorn

Nichts scheint die Offensive der Rebellen aufhalten zu können. Die malische Armee hätte einem weiteren Vorstoß der Tuaregrebellion und der Islamisten militärisch kaum etwas entgegenzusetzen. Die Rebellion im Norden hat mehrere Gesichter. Dabei kann die MNLA (Mouvement national pour la libération de l'Azawad) eher als “gemäßigt” eingestuft werden. Ihnen würde es genügen, den Nordwesten Malis (Azawad) als eigenes Land, mit Tombuktu als Hauptstadt, verwalten zu können. Dagegen sind die Islamisten viel radikaler und zudem mit modernsten schweren Waffen ausgerüstet. Sie haben das Ziel, im gesamten Staatsgebiet Malis die islamische Scharia einzuführen. Aus französischen Kreisen war heute zu lesen, dass einige Splittergruppen der Islamisten in der Gegend von Mopti (Zentralmali) gesichtet worden sind. Aus Furcht vor weiteren Vorstößen der schwer bewaffneten und Angst einflößenden Gruppierungen, haben schon viele Bewohner Moptis die Region Richtung Süden verlassen, so besagen Zeugenaussagen, die Reporter vor Ort gesammelt haben.
Unterdessen richten sich die Rebellen und Islamisten in den eroberten Städten ein – zunächst durch offenen Vandalismus der Milizen, durch Besetzung von Verwaltungsgebäuden und sogar das Sprengen von Bankgebäuden und die Zerstörung von Restaurants und Hotels (so z.B. in Gao) – da dort entgegen den streng islamischen Regeln Alkohol ausgeschenkt wird. Neun Soldaten der offiziellen malischen Armee haben in Gao ihr Leben lassen müssen. Frauen werden angehalten, sich zu verschleiern und nur noch Röcke zu tragen.
Die Rebellion ist deshalb überlegen, weil sie über schwere, moderne Waffen verfügt. Diese haben Söldner aus Libyen aus dem Waffenarsenal Gaddafis entnommen und seit August 2011 Richtung Süden transportiert.
Die UNO hat heute den Putsch in Bamako scharf verurteilt. Die CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) hat gestern ein landesweites Embargo verhängt. Banken sind geschlossen, Gelder werden eingefroren, Grenzen zu den Nachbarländern sind gesperrt usw. Dieses Embargo trifft die Bevölkerung hart und setzt die Putschisten weiterhin unter Druck, die Regierungsgeschäfte unverzüglich an eine zivile Regierung zu übergeben.
Der Generalsekretär der Ev. Allianz in Mali teilte mir heute morgen telefonisch mit, dass die Bevölkerung dieses Embargo nicht nachvollziehen und auch nicht lange durchhalten kann. Die  Putschisten haben bereits ein Einlenken signalisiert und die Malier hoffen, dass die CEDEAO endlich agiert und nicht Embargos verhängt. Die Situation geht eindeutig zu Lasten der zivilen Bevölkerung. Humanitäre Hilfeleistung wird immer schwieriger. Ganze Regionen leiden schon jetzt wegen der Ernteausfälle im letzten Jahr unter einer Hungersnot, so mein Gesprächspartner. Außerdem fragt man sich, warum die malische Armee sich nicht gewehrt und zumindest versucht hat, die Rebellen militärisch aufzuhalten. Der Grund liegt wohl u.a. in den veralteten Waffen und der Aussichtslosigkeit eines militärischen Erfolgs.
Zu hoffen ist, dass die Putschisten schnell reagieren, dass die CEDEAO das Embargo aufhebt und die diplomatischen und wenn nötig militärischen Hilfsmaßnahmen seitens der westafrikanischen Nachbarländer und der UNO anlaufen können. Erfolgversprechende Gespräche sind wohl zzt. nur mit der MNLA (s.o.) möglich und auch nur dann, wenn der Siegeszug der Rebellion sich nicht weiter nach Süden verschiebt.  Die Situation in Mali bleibt sehr angespannt und kritisch.Dem Land droht eine territoriale Spaltung in Nord und Süd - so wie dies vor einigen Monaten im Sudan der Fall war.
Gebet ist dringend notwendig. Alle Beteiligten auf nationalem und internationalem Parkett müssen sich schnell auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.

lundi 2 avril 2012

Mali | die weitere Entwicklung

Wie wird sich die Lage in Mali politisch weiter entwickeln?
Die Rebellen haben die strategisch wichtigen Städte des Nordens Gao, Kidal und Tombuktu eingenommen. Ihr Ziel ist die Gründung eines autonom regierten Territorium im Norden - dem sog. Azawad. Die Rebellion im Norden Malis wird von unterschiedlichen Gruppen und Interessen voran getrieben:
1. Mouvement National de Liberation de l'Azawad (MNLA: Bewegung zur Befreiung von Azawad/ Norden Mali). Das Ziel ist eine autonome Verwaltung des malischen Nordens, der vorwiegend von Tuareg und verwandten Volksgruppen bewohnt wird.Die Tuareg haben sich seit den frühen 1990er Jahren von der Zentralregierung in Bamako vernachlässigt gefühlt. Wenig Geld für die Entwicklung des Azawad ist geflossen. Die daraus resuliterende Unzufriedenheit und Wut ist ein Grund für den Aufstand der Tuareg.
2. Daneben gibt es die  Mouvement pour l’Unicité et le Jihad en Afrique de l’Ouest (MUJAO). Diese Bewegung setzt sich aus gewaltbereiten, islamistischen Kämpfern aus Mali und Mauretanien zusammen. Ihr Ziel ist die Ausweitung des islamischen Einflusses im Sahel und der Sahara. Auch Teile des benachbarten Landes Niger sind von dieser Gruppe bedroht.
3. Darüber hinaus existiert eine weitere terroristische Gruppierung: die Salafisten des Ansar Dine (Verteidiger des Glaubens). Sie unterhalten Verbindungen zu Al Quaida in den Ländern des Maghreb (Nordafrika). Es handelt sich bei den Salafisten um eine islamistische Strömung, die sich streng an Sitten der islamischen Frühzeit hält. Dies bedeutet: Sie lehnen westliche, ungläubige Sitten ab – aber auch die Verhaltensweisen "unfrommer Muslime".
Diese drei Gruppen werden verstärkt und unterstützt durch ehemalige, mit modernen Waffen ausgestatteten Söldner der lybischen Armee, die sich nach dem Sturz Gaddafis Richtung Süden abgesetzt haben.
Ihr gemeinsames Ziel ist die Eroberung des malischen Nordens. Aber ihre langfristigen politischen Ziele sind unterschiedlich. Die MNLA spricht von Demokratie und ist gegen die Einführung der Sharia (islam. Gesetz), die anderen befürworten dies.

Die große Frage ist: Werden die Rebellen in Tombuktu Halt machen, oder werden, vor allem die terroristisch orientierten Gruppen, weiter Richtung Süden vordringen? Der Vorsitzende der Ev. Allianz in Mali hat diese Befürchtung in einem Mail geäußert.
Meine Vermutung ist, dass die Rebellen zunächst versuchen werden, die Kontrolle über die Gebiete des Azawad zu behalten und ihre Eroberungen abzusichern. Wenn die Regierung in Bamako allerdings weiter Schwäche zeigt, kann es natürlich sein, dass die Rebellen auch in die weiter südlich gelegene Region Mopti einmarschieren. Da der Militärrat (Putschisten) jedoch auf Druck der CEDEAO (westafrikanische Wirtschaftsunion) eingelenkt hat, wird sich die CEDEAO, so bleibt zu hoffen, jetzt verstärkt einschalten. Der Militärrat hat die Tür für Verhandlungen mit allen Parteien Malis, mit den großen religiösen Gemeinschaften und der CEDEAO aufgestoßen. Ziel ist die Bildung einer Übergangsregierung der nationalen Einheit, die sich aus zivilen und militärischen Technokraten zusammen setzen soll. Darüber hinaus sollen die verfassungsmäßigen Organe (Verfassung von 1992, Parlament usw.) wieder hergestellt werden. Die Übergangsregierung hat zwei Ziele: Herstellung der nationalen Einheit Malis und Durchführung von freien Wahlen.
Ein weiteres Vordringen der Rebellen nach Süden würde bedeuten, dass die Truppen der CEDEAO eventuell versuchen werden, den Vormarsch aufzuhalten. Heute finden neue Verhandlungen in Dakar statt. Mali wird den Norden nicht einfach so den Rebellen überlassen. Zunächst hat der malische Militärrat einen Diplomaten nach Tombuktu geschickt, um einen Waffenstillstand auszuhandeln. 
Was bleibt? 
Die Situation ist eine Bedrohung für alle Länder des Sahel. Der amtierende CEDEAO-Vorsitzende, Ouattara von der Elfenbeinküste,  hat erklärt, dass die CEDEAO alles tun wird, um die territoriale Integrität Malis wieder herzustellen. Dennoch scheint der Norden Malis zunächst verloren. Mali ist zweigeteilt. Die Bevölkerung im südlichen Mali und in Bamako, so mein Eindruck, rückt näher zusammen, da sie begriffen haben, dass nicht der Kampf zwischen Putschisten und Anti-Putschisten die eigentliche Baustelle ist, sondern die islamische Bedrohung im Norden und die geographische Spaltung Malis. Aus Sicherheitsgründen hat die französische Regierung ihre Landsleute zum Verlassen des Landes aufgerufen. Zu hoffen ist, dass die Hungerhilfe für die Länder des Sahel durch die Ereignisse nicht entscheidend beeinträchtigt wird. Hinter all den politischen Ereignissen stehen Menschen, die ängstlich in die Zukunft schauen, die sich bedroht fühlen, die Hunger leiden und die doch voller Hoffnung um die Zukunft ihres Landes bangen.