jeudi 13 décembre 2012

Es ist beschämend | Missionare und die Dominanz der westlichen Zivilisation

Ota Benga, ein Pygmäe vom Volk der Batwa, stammte aus dem damaligen Gebiet Belgisch-Kongo und lebte in der Nähe des Flusses Kasai, im äquatorialen Regenwald. US-Missionar Samuel Phillips Verner kaufte Benga von einem Sklavenhändler ab, für ein Pfund Salz und einen Beutel voll Kleider. Er wurde in die USA verschleppt und dort "ausgestellt". Anfang des 20. Jahrhunderts dominierte der Darwinismus. Menschen aus Übersee (Afrikaner, Asiaten, Indios aus Lateinamerika) wurden in Museen und auf Weltausstellungen vorgeführt, um die lückenlose Abstammung des Menschen vom Affen und die Überlegenheit der westlichen Zivilisation nachzuweisen. Knapp 20 Millionen Besucher kamen zwischen April und Dezember 1904 nach St. Louis, um sich die Ausstellung anzuschauen, vor allem die "anthropologische Abteilung". Das Schicksal von Ota Benga, der schließlich Selbstmord beging, beweist auch den engen Zusammenhang der damaligen christlichen Missionsarbeit mit westlichen Interessen und der Dominanz der weißen Kultur und Zivilisation - zu Ungunsten der nichtwestlichen Bevölkerung. Es ist beschämend und auch heute noch ein Grund für einen Kniefall und die Bitte um Vergebung.

Der Artikel auf Spiegel-Online ist lesenswert und macht sehr nachdenklich: 
http://einestages.spiegel.de/s/tb/26053/ota-benga-der-pygmaee-im-zoo.html 

dimanche 9 décembre 2012

Weihnachten | recycelt und geerdet

Im Wohnzimmer steht seit einigen Tagen der Weihnachtsbaum, eine Blautanne, die angenehm nach Harz duftet und adventliche Stimmung verbreitet. Kugeln und Lichterketten aus europäischen Kaufhäusern zieren ihn und ...

Strohsterne. Sterne aus gebügelten Strohhalmen hängen an grünen Zweigen, selber gebastelt oder von fremder Hand gefertigt. Sie erinnern an das Stroh in der Krippe, an das Futter für die Tiere, die sich sehr wahrscheinlich in der Nähe von Bethlehem aufgehalten haben, am Rande dieses kleinen Kaffs, wo Jesus geboren wurde. Stroh für den Esel, auf dem Maria gereist ist an der Seite von Joseph, dem Zimmermann aus Nazareth. So ist auch Weihnachten Futter für Mensch und Tier, weil es Hoffnung gibt, satt macht, uns wärmt und uns hilft, durch den kalten Winter zu kommen.
 
Blechengel. Ganz oben, über all den adventlichen Symbolen schwebt unser Blechengel. Er stammt aus Mali und ist von begabten Händen aus alten Blechdosen kunstvoll recycelt und hergestellt worden. Die Aufschrift lässt erkennen, dass in dem Metallbehälter ein Insektizid aufbewahrt wurde. Die Gebrauchsanweisung ist auch noch gut zu lesen. Dieser Engel erinnert mich daran, dass Engel nicht nur Wesen sind, die zwischen Himmel und Erde existieren, so als wüssten sie nicht genau, wo sie hingehören. Engel, Gottes Botenpersonal kann auch aus bekanntem Material gemacht sein: wenn Gott Leute aussucht, die er begabt und in unser Leben hineinschickt, und uns ihr Dienst, ihr Reden und Tun so bekannt und vertraut vorkommen und wenn auf diese Weise normale Menschen zu Engeln werden. Engel, das sind auch von Gott „aus herkömmlichem Material gefertigte, recycelte und geerdete Leute“ und die kommen nicht immer von oben, vom Himmel her …  Da hat Gott ganz normales irdisches Material gebraucht, das mir eigentlich aus ganz anderen Zusammenhängen bekannt ist und er hat es in eine Engelsform gebracht. Der nette, mitdenkende Mensch, der mich auf die entscheidende Idee bringt. Du bist ein Engel. Meine Familie, die mir Gelassenheit und Geborgenheit vermittelt – auch alles Engel. Die motivierten Leute auf der Arbeit, beim Unterrichten, die mich herausfordern und lebendig halten – auch unter ihnen gibt es Engel. Freunde, die in mir nicht nur einen Funktionär sehen, sondern über die berufliche Ebene hinaus die menschliche Dimension wahrnehmen, das Unerfüllte und die Sehnsucht. Das sind wertvolle Engel.  Wie oft hat Gott schon einfach so Menschen vorbei geschickt, die mich vor Schlimmerem bewahrt haben – als Engel in gewöhnlichen Klamotten, ohne Gold und blütenweißen Stoffen sind sie daher gekommen. 

Bogolansterne. Und da hängt noch was an unserem Weihnachtsbaum. Sterne aus Stoff. Der Stoff ist aus Baumwolle, gewachsen auf malischen Feldern. Und die Farbe nennt man Bogolan. Bogo steht für Staub und Erde. Erde, Ton und manchmal auch Baumrinde werden benutzt und zu einem zähen Brei verarbeitet, in den dann der Stoff eingetaucht wird und eine irdische Farbe erhält. Sterne, die leuchten nicht nur weit weg von uns, irgendwo in der Weite des Universums. Sie erinnern nicht nur an die Erhabenheit, unbegreifliche Größe und Ausstrahlungskraft Gottes. Sterne haben auch dann eine Ausstrahlung, wenn sie aus irdischem Material gefertigt sind. Ein Stern mit Erdfarben angemalt. Ein starkes Symbol. Gott wird in Jesus Christus Mensch und taucht ein in den irdischen Brei der Welt. Gott bekommt ein menschliches Gesicht und er riecht nach Erde.                              
Weihnachten ist das große Fest, wo mir deutlich wird: der große Gott hat sich uns genähert. Er hat ein menschliches Gesicht und er umgibt sich mit irdischem Material, um uns ganz nahe zu sein. Ein Gott zum Anfassen; er ist keiner, der das große Halleluja singt und dann sofort wieder verschwindet. Erdfarben. Futterstroh. Recyceltes Blech. Das große Geheimnis. Der ganz andere Gott wird ein ganz normal ungewöhnlicher Typ mitten unter uns.

mardi 27 novembre 2012

Mali | nichts ist unmöglich



Da geht noch was. Wo der sicherheitsbedachte Westeuropäer die Hände über dem Kopf zusammen schlägt, da ist bei Afrikanern die Grenze des Möglichen längst noch nicht erreicht.
Das finde ich faszinierend. Grenzüberschreitung pur, an der Grenze des Illegalen – und die Fahrt geht weiter, halsbrecherisch, gefährlich und manchmal mit tödlichen Ausgang. 
Bei jedem deutschen TÜV wäre dieser LKW längst ausgemustert worden, jede Waage bei einer Gewichtskontrolle zusammengebrochen, ein mancher Polizist ausgerastet und Blitzgeräte heiß gelaufen …
Was mancherorts nicht geht, weil es keiner probiert, keiner wagt, keiner für möglich hält, weil man es nicht darf und es gegen die Vorschrift verstößt – das funktioniert in Afrika, wenn auch haarscharf an der Grenze, immer noch. Das hier ist kein Betriebsausflug, kein Anflug adoleszenter Übermütigkeit. Es ist harte Realität. Und wenn du gerade auf der Flucht bist mit deinen sieben Sachen, weil man dir deine Heimat raubt … dann nimmst noch eine Portion Risiko mehr in Kauf.
Bro let’s go! Kuna matata. Il n’y pas de problème! Basi foyi t’a la – an ka taa fo ka dama témé. Der Reifen hält noch … bis ihr ankommt.

Mali | Aufrüsten oder Verhandeln - Beten




Mit der Weihnachtszeit verbinden wir die große Hoffnung, dass in Mali nachhaltige politische Lösungen gefunden werden, die das Land vor dem Chaos bewahren und den Christen ihre Freiheit erhalten.
In Telefongesprächen und Chats im Internet erstaunt uns immer wieder das große Gottvertrauen unserer malischen Kollegen und Freunde. Was bleibt ihnen als christliche Minderheit in einem mehrheitlich islamisch geprägten Land auch anderes übrig? Christen in Mali verfügen über keine entscheidende Stimme in der Politik. Sie können mitreden und beraten, aber über die „großen Hebel“ verfügen sie rein menschlich gesehen nicht. Doch sie beten und sie geben die Hoffnung nicht auf.
Vor einigen Tagen ist ein Franzose entführt worden. Er kam aus dem benachbarten Mauretanien und ist von einer Brigade bewaffneter Islamisten verfolgt und auf malischem Staatsgebiet dann an der Weiterreise gehindert worden. Zzt. befindet er sich auf mauretanischem Staatsgebiet und wird dort festgehalten. Er hofft auf ein Eingreifen der französischen Regierung. Dieses Ereignis zeigt, dass die Bedrohung nicht nur im Norden Malis lauert.
In Mali wird hier und da verhandelt. Burkina Faso, das östliche Nachbarland, vermittelt ebenso wie die ehemalige Kolonialmacht Frankreich. Die einen legen das als Schwäche aus, die anderen verbinden damit die Hoffnung, dass eine kriegerische Auseinandersetung innerhalb Malis verhindert werden kann. 
Gleichzeitig rüstet die malische Armee auf. Die radikalen Muslime im Norden Malis tun das auch und erhalten Verstärkung von Waffenbrüdern aus dem Ausland. Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Man spricht von einer möglichen Militäraktion im Frühjahr oder Sommer 2013. – Danke für alle Gebete.

lundi 19 novembre 2012

Mali | Leben unter radikalen Vorzeichen

Das Video der ARD (Weltspiegel) gibt einen guten Einblick in das Leben der Menschen im Norden Malis, der seit Monaten von radikalen islamistischen Kräften beherrscht wird. Es wird aber auch deutlich, dass es Versuche gibt, die radikalen Kräfte durch diplomatische Schachzüge auseinander zu dividieren. Ob dies letzten Endes gelingt ist fraglich. Jugendliche Kämpfer werden von der offiziellen malischen Armee auf die bevorstehende militärische Auseinandersetzung und die Rückeroberung der besetzten Gebiete an der Seite westafrikanischer Truppenkontingente vorbereitet und entsprechend ausgebildet  ...

Die Vermittler aus Burkina Faso haben eine der islamistischen Gruppen (Ansar Dine) offensichtlich erhebliche Zugeständnisse abgerungen. Es heißt, sie wollen auf die Einführung der Scharia in ganz Mali verzichten und bestehen lediglich darauf, dass ihnen die Region Kidal überlassen wird. Im Film klingt dies jedoch anders. Letzten Freitag ist es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen der MNLA (politischer Flügel der Tuaregrebellion) und den radikalen Kräften der MUJAO (Islamisten des Maghreb) gekommen. Auf beiden Seiten hat es Tote und Verletzte gegeben. Die Milizen der MNLA haben sich vorerst zurückgezogen.

Viele Menschen erhoffen sich trotz der drohenden kriegerischen Auseinandersetzung Verhandlungen und eine politische Lösung des Konflikts.




mardi 13 novembre 2012

Mali | die Zeichen stehen auf Krieg


Die Verhandlungen zwischen den Vermittlern aus Burkina Faso und den radikalen Gotteskämpfer der Ansar Dine führten zwar zu einigen Zugeständnissen. Aber dennoch ist das Misstrauen groß. Im Zweifelsfall würde Ansar Dine sich niemals gegen die anderen islamistischen Glaubensbrüder wenden. Die Leute von Ansar Dine sind vorwiegend malische Tuareg. Die Absicht der Diplomaten besteht darin, einen Keil zwischen die verschiedenen Rebellengruppen zu treiben. Ob das jedoch gelingt, ist fraglich. Für viele Beobachter sind die Verhandlungen lediglich ein Mittel, um Zeit zu gewinnen. Zeit, die den Radikalen in die Hände spielt, denn sie warten auf Verstärkung aus dem Ausland. 
Unterdessen ist die malische Armee dabei aufzurüsten. Und auch dazu benötigen sie Zeit. Eine Expertenkommission der CEDEAO (westafrikanische Union) und internationaler Berater haben in Abuja in Nigeria getagt und dabei den militärischen Einsatz im Norden Malis beraten. Jetzt fehlt nur noch das endgültige grüne Licht seitens der UNO. Der Plan sieht die Entsendung von weit über 3.000 Soldaten aus westafrikanischen Staaten vor. Die bevorstehende Befreiung des malischen Nordens wird von westlichen Staaten (Frankreich, Amerika und Deutschland) befürwortet und logistisch durch die Entsendung von Ausbildern unterstützt. Die Zeichen stehen auf Krieg.
Letztlich ist die prekäre Situation im Norden des Landes nicht die kurzfristige Folge des Militärputsches vom März dieses Jahres. Schon während der Kolonialzeit wurde klar, dass die Tuareg bei der Aufteilung des Sahel leer ausgingen. Seit 1944 hat es schon mehrere Aufstände gegeben. Leider ist es bisher nicht zu einer nachhaltigen politischen Lösung gekommen. Hätte man den Tuareg schon vor Jahrzehnten ein eigenes Territorium zugestanden, sähe die Situation heute vielleicht anders aus. Die Tuareg haben im Zusammenschluss mit den radikalen islamistischen und gut bewaffneten Einheiten von AQMI und MUJAO (beides radikale Gruppen, die im Sahel agieren) die Chance gesehen, endlich ihre politischen Ziele zu erreichen: die Bildung eines eigenen Staates AZAWAD.
Außerdem ist die Situation auch deshalb eskaliert, weil die westlichen Staaten, die mit vollem Einsatz Gaddafi vertrieben haben, es versäumt haben, die Kollateralschäden ihrer Intervention vorherzusehen und entsprechend zu agieren. Die schwer bewaffneten ehemaligen Söldner der libyschen Armee konnten sich in die Wüste absetzen und die Bewegung hat sich so radikalisiert, unterstützt durch Gelder aus Katar und durch Islamisten aus anderen Staaten Arabiens, Asiens und Nordafrikas.
Viele junge Malier sind in den letzten Wochen rekrutiert worden. Darunter befinden sich aus dem Norden geflüchtete Jugendliche, die bereit sind, ihre Heimat zurückzuerobern.
Im Süden des Landes ist es noch friedlich und wir hoffen und beten, dass dies so bleibt.

Der Film stammt von www.tagesschau.de

dimanche 11 novembre 2012

Eröffnungsgottesdienst zum Fußballturnier 2012 | authentische Berichte vom Wirken Gottes



Am Eröffnungsabend (9.11.) des diesjährigen Fußballturniers der deutschsprachigen Bibelschulen und theologischen Ausbildungsstätten in Wölmersen/Ww. erlebten wir mit 250 Teilnehmern einen sehr intensiven, über zweistündigen Gottesdienst. Es fing locker und ganz normal an: herzliche Begrüßung, Vorstellungsrunde usw. Einfache Elemente prägten die Atmosphäre: Lobpreislieder, die man sooft schon gesungen und gehört hat, eine geistlich dichte und herausfordernde Andacht von einem TSR-Seminarist, eine „unspektakuläre“, ungekünstelte und zielführende Moderation und eine mehr oder weniger spontane Zeit mit Berichten aus dem Leben der Gottesdienstteilnehmer.
Der Andacht lag ein Text aus Apostelgeschichte  11 zugrunde. Gottes Geist wirkt grenzüberschreitend und über die bekannten jüdischen Denkkategorien hinaus. Nichtjuden kommen zum Glauben. Sie erleben das Wirken des Geistes Gottes, so wie es auch in Apostelgeschichte 2 an Pfingsten der Fall war (Apg 11,15).
Und Petrus der Judenchrist, der wegen seines Umgangs mit Nichtjuden heftig in die Kritik geraten war, folgert (Apg. 11,17): „Wenn nun Gott ihnen (den Nichtjuden aus der Stadt Joppe) die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, als wir zum Glauben an den Herrn Jesus kamen: wer war ich, dass ich Gott hätte daran hindern können?“
Im Bericht des Lukas wird von außergewöhnlichen Ereignissen geredet, aber so, als ob es ganz selbstverständlich dazugehört, wenn Menschen offen werden für das Wirken des Geistes Gottes: Nichtchristen sehen Engel und werden auf die Begegnung mit Christen vorbereitet, von himmlischen Stimmen und Eindrücken wir berichtet, von Visionen und von konkreten Taten als Antwort auf das Wirken des Geistes Gottes …
Das klingt so einfach, so unkompliziert. Die meisten der Beteiligten hinterfragen nicht kritisch. Sie nörgeln nicht herum. SIe zeigen einfach Offenheit und erleben großartige Dinge. Und die, die das Kritisieren nicht lassen können (Apg 11,2-3), werden mit Fakten zum Schweigen gebracht.

Die Atmosphäre am besagten Abend in Wölmersen hat mich an Epheser 5,19-20 erinnert: „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, sing und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Gott, dem Vater, allezeit Dank für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus …“
Leute berichteten davon, wie Gott ihre Gebete erhört hat, wie sie Gottes Handeln erlebt haben in ausweglosen Situationen, wie sie mitten im Zweifel wieder zu Gott zurückgefunden haben, von Korrekturen und wie Versöhnung passierte, davon, wie Gott ihnen die Möglichkeit schenkte, Menschen im Namen Gottes zu heilen, von Worten der Erkenntnis und prophetischen Worten, die genau in eine Lebenssituation hinein passten …
Und all das stand einfach nebeneinander. Und ich dachte: Wow, so ist das, wenn Gott wirkt: einfach, konkret und selbstverständlich. Konkrete Lebensführungen und spektakuläre Erfahrungen – all das hat den gleichen geistlichen Wert und zeugt vom vielfältigen Wirken Gottes und den Wirkungen seiner Gaben im Leben von Menschen. So wünsche ich mir das in unseren Gemeinden in normalen Gottesdiensten und an unseren Ausbildungsstätten ...