vendredi 18 février 2011

Philosophen zweifeln – Theologen staunen



Philosophie und Theologie - das sind zwei alte Damen. Sie kennen sich gut. Mal sind sie Rivalinnen und beäugen sich kritisch, mal verstehen sie sich blendend und bewundern einander - und sie werden gemeinsam alt, sie brauchen einander auf ihrem langen Weg durch die Menschheitsgeschichte. Die einen lieben die Weisheit, die anderen lieben Gott. Und wenn wir davon ausgehen, dass alle wahre Weisheit der ewigen Vollkommenheit entspricht oder auf sie zugeht, dann lieben Philosophen und Theologen irgendwie das Gleiche – den ersten Beweger, den Vater, den Schöpfer, das Absolute, das ewig Eine und das vollkommen Gute, oder wie auch immer die absoluten Ursprünge und Enden begrifflich zu fassen sind.

Philosophen geben sich nicht zufrieden mit religiösen Betäubungsversuchen. Sie zweifeln sie einfach an – auch die Theologie. Und erst recht dann, wenn die Theologie meint, „stock und steif“ Behauptungen aufstellen zu können.

Theologie braucht den gesunden Zweifel und die Philosophie braucht das anbetende Staunen der Theologie. 
Der Zweifel ist der aufrüttelnde Klaps auf die Schulter und manchmal ein schmerzhafter Stich, der hilft wach zu bleiben und standfest geglaubte Positionen zu überdenken.
Die Atheismusdebatte ist deshalb kein Beinbruch. Sie ist notwendig. Sie rüttelt auf. Sie hilft, das theologische Profil zu schärfen. Sie zweifelt an und hilft, den Glauben an Gott glaubhafter und begriffsschärfer zu formulieren. Wenn christlicher Glaube relevant sein und gehört werden will, dann muss er mit säkularen Worten formuliert werden. Literatur, Philosophie, Kunst, Film und hier und da auch der normale Stammtisch sind dabei hilfreiche Begleiter.
Der Zweifel ist ein wirksames Medikament gegen die Selbstsicherheit und der Glaube das notwendige Fundament, ohne das der ewige Zweifler seinen Halt verliert. Auf immer und ewig cogito ergo sum, das geht auch dem aufrichtigsten Philosophen irgendwann auf die Nerven. Zweifel darf Instrument sein, niemals aber zum Prinzip per se erhoben werden, lediglich um zu beweisen, dass der Mensch existiert. Der vom Menschen entwickelte Gedanke wird durch den Zweifel haltlos. Und das Haltlose kann niemals zum Halt werden. Auf diese Weise würde der verantwortlich denkende Mensch nur ins Bodenlose stürzen, wie ein Bergsteiger, der das lebensrettende Seil in einen Siemens-Lufthaken einklinken würde.
Jeder Mensch philosophiert, am Frühstückstisch, in der Straßenbahn, an Schulen und in Hörsälen. Er philosophiert in Cafés und an Stammtischen - oft ohne zu wissen, dass das, was da geredet wird, Philosophie ist. Wir philosophieren wenn wir aus der Tiefe des Prinzipiellen unser Wasser schöpfen und meinen, Grundlegendes und Wichtiges sagen zu müssen zur Wirklichkeit, jene Wirklichkeit, die uns die Fakten um die Ohren haut und die wir versuchen zu verstehen. Wir fragen nach Sinn und Grund. Was ist die Welt und wo kommt sie her? Wie soll prinzipiell gedacht und ethisch verantwortlich gehandelt werden? Gibt es Gott und wenn ja, was treibt der so den ganzen Tag?
Die Folge dieser Fragen und Antwortversuche sind Deutungen, nichts als Deutungen und verbale Rundumschläge. Wir interpretieren und hinterfragen, indem wir die Deutungen der Wirklichkeit anzweifeln und neue erfinden. Und all das geschieht nicht ohne Voraussetzungen und Vorverständnissen. Philosophie gehört einfach zum Leben. Vorverständnisse hat jeder, der Philosoph und auch der Theologe. Und wir brauchen sie. Vorverständnisse sind wie Startblöcke, ohne die ein Läufer nicht in Schwung kommt und dem Leben ständig hinterherlaufen müsste. Philosophien und Theologien sind Ausdruck menschlicher Dynamik und Kommunikationsfähigkeit. Sie implizieren die Sehnsucht des Unerreichten und hoffen darauf, das Ersehnte zu erreichen.
Und wie steht es mit dem Vorverständnis der Theologen? Gott existiert: sagen sie. Aber wer ist dieser Gott? Wie handelt er? Und – wie kann dieses Handeln verständlich interpretiert werden? Wie wird der Glaube relevant? Wie kommt dieser Gott ins Leben?
Ich wünsche mir Theologen, die weder in dogmatischen Lehrsätzen verkrampfen, noch in Fluten von Bibelzitaten ertrinken. Wahre Theologen beherrschen die Kunst des Staunens. Sie staunen über Gott, die Welt und die Menschen. Sie haben den Mut zur Lücke. Im Zweifelsfall staunen sie und fragen weiter.
Ich mag sie nicht, die von sich selbst überzeugten Theologen  mit ihren selbstsicher klingenden, fundamentalistischen Behauptungen.
Theologie muss sich wieder neu entdecken, als eine bescheidene aber notwendige Disziplin, die die Bedeutung Gottes und des Glaubens für das wirkliche Leben aufzeigt. Theologie ist Lebenshilfe, ein Instrument der Sinnsuche.  Theologie ist um des Menschen willen da, nicht um Gottes willen. Der braucht unsere Theologie nicht, wohl aber wirbt er um unser Vertrauen. Theologie muss nicht künstlich vollkommen daher kommen. Sie darf um des Menschen willen fragmentarisch sein, unvollkommen und vorläufig.
Theologen müssen von den Philosophen wieder die Lockerheit des Zweifelns lernen, den Zweifel an den eigenen Positionen, das spielerische Ringen um den nächsten Erklärungsversuch. Nur so bleibt die Theologie flexibel genug, den Gott, dessen Reden und Handeln sie interpretiert, nicht aus dem Blick zu verlieren. Nur so bleibt sie variabel genug, um mit der sich schnell wandelnden Wirklichkeit Schritt zu halten.
Die wünsch ich mir: Theologen, die merken, dass ihre Theologie nur ein Interpretationsversuch unter vielen ist. Theologen, die sich lachend auf die Schenkel hauen, wenn sie merken, dass sie sich mal wieder in ihrer eigenen Logik verfangen haben und ihre mühsam zusammen gestrickten Aussagen nicht wirklich weiterhelfen im Leben. Theologen, die merken, dass die Wahrheit nicht in ihren Kopf passt, sondern im Staunen über die Weite des Himmels und über die Vielfältigkeit des Lebens zu finden ist.

mardi 15 février 2011

Hier wird was geboten …


… das finde ich super, theologisch solide, praxisnah, vielseitig, relevant für mein Leben, für meine Arbeit im In- und Ausland.



| seit 1985 am Ball


Ausbildung am Theologischen Seminar Neues Leben



| Info-Tag am 2. April 2011 in 57635 Wölmersen, Raiffeisenstraße 2
| 9.30 bis 16.00 Uhr


| Ausbildung zum Pastor, Jugendreferent, Gemeindemitarbeiter und Missionar
| solide Grundlagen drei verschiedene Kurse: 1, 2 und 4-jähriger Kurs, 2-jähriger Kurs mit zwei Schwerpunkten: Gemeinde/Mission und Sportmission

| im Theologischen Seminar Neues Leben


| Bewerbung einreichen für das neue Studienjahr 2011-2012 - sofort möglich

| Info: seminar@neues-leben.de

| akademisches Aufbaustudium
| Schwerpunkte: Altes Testament, Missionswissenschaft, Urbane Mission

| ergänzt durch eine Vielzahl von Praktika
| Erfahrungen sammeln im Kinder- und Jugendbereich, Medienarbeit, Freizeiten, Gemeinde- und Missionspraktika im In- und Ausland und missionarische Einsätze
| guter Einblick in die Facetten des künftigen beruflichen Umfeldes

| Hilfen zu Persönlichkeitsbildung 
| Begleitung der Studierenden mit KONTUR – Mentoringprogramm am NLS

vendredi 4 février 2011

Theologie gehört ins Leben
– weil Gott nicht nur redet, sondern Leben verändert
 weil Theorie und Praxis zusammen gehören.
 
„Als theologischer Lehrer am Theologischen Seminar des Missionswerks Neues Leben engagiere ich mich für die Ausbildung von Pastoren, Jugendreferenten, ehrenamtlichen Mitarbeitern und Missionaren. Gemeinden und kirchliche Organisationen    im In- und Ausland benötigen gut ausgebildete Leute. Die Herausforderungen der interkulturellen Missionsarbeit in Deutschland und weltweit sind enorm und erfordern eine gründliche Kenntnis der Theologie, aber auch die praktische Kompetenz, Erkenntnisse im gesellschaftlichen Kontext umzusetzen.“

8 meine Ziele als theologischer Lehrer
theologisches Wissen vermitteln, in Verantwortung gegenüber Gott und seinem Wort
Studierende begleiten und Perspektiven für die künftige Lebensgestaltung  aufzeigen
Erfahrungen teilen und aufzeigen, dass Theologie nicht trockene Theorie ist, sondern  Freude bereitet, die Persönlichkeit formt und das Leben verändert. 

mercredi 2 février 2011

Horizonte erweitern - Erfahrungen vom sportpädagogischen Einsatz in Mali


Der  zweiwöchige sportpädagogische Einsatz in Mali (Westafrika) vom 27.12.2010 bis 9.01.2011 war eine großartige Erfahrung. Am 09.01.2011 sind wir gesund und mit vielen unvergesslichen Eindrücken nach Deutschland zurück gekehrt.
Unser achtköpfiges Team mit Seminaristen aus dem sportmissionarischen Kurs war mit großem Engagement dabei. Trainer ausbilden, mit Mädchen eine akrobatische Choreographie einstudieren, Fußballschule durchführen und Gottesdienste mitgestalten – das waren die Schwerpunkte. Mir persönlich tat es gut, mal wieder Französisch zu reden und eine Predigt in Bambara zu halten. Unsere Tage begannen mit viel Zeit beim Frühstück, Bibelarbeiten und Gebet. Bereichert haben uns vor allem die persönlichen Eindrücke von der malischen Kultur und die Begegnungen mit Pastoren, den Mitarbeitern von EPHRATA (sportmissionarische Organisation in Bamako/Mali) und den Menschen auf den Märkten und in den Gemeinden. 
Wir sind dankbar für die intensive Zeit in Bamako. Die Gespräche mit meinen Schülern zeigen, dass der missionarische Einsatz eine herausfordernde, bereichernde und horizonterweiternde Erfahrung  war. An den sportlichen Aktivitäten haben auch muslimische Trainer und Kinder teilgenommen.  Das faszinierende und herausfordernde in Mali ist das unmittelbare, offene Leben. Lachende Menschen vor dem Tor, auf der Straße, auf den Märkten und in den Gottesdiensten  – einerseits. Von Krankheit gezeichnete Menschen, Leprakranke, Blinde, von Armut geplagte Menschen an Straßenkreuzungen, mitten im Leben,  verschmutzte Luft und „zugemüllte“ Straßen – andererseits. Wer durch die Straßen läuft bekommt das alles mit, und kann sich der Fülle, dem Licht und dem Schatten des wirklichen Lebens nicht entziehen.  Trotzdem wirkt die Atmosphäre nicht deprimierend. Es ist die Mentalität einer Zufriedenheit, die einen als Westeuropäer ins Staunen und Nachdenken bringt. Es zeigt sich immer wieder – Mission und interkulturelle Begegnungen sind enorm wichtig und hoffentlich auch zukunftsweisend für uns als Teilnehmer der Reise.  Es hat sich gezeigt: Sport ist eine hervorragende Möglichkeit, über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg, Begegnung zu ermöglichen und Gottes Wort ins Gespräch zu bringen. Wir sind allen Spendern, Sponsoren und Betern von Herzen dankbar. Es war eine gute Erfahrung zu sehen, dass Networking möglich ist. Neues Leben, SRS, Ephrata und Allianz-Mission haben hervorragend kooperiert. Weitere Infos gibt es unter: http://malisport-unterwegs.blogspot.com/

Böses durch positive Alternativen überwinden


Lass dich nicht vom Bösen überwinden,   sondern überwinde das Böse mit Gutem.             Römer 12,21     
Ganz schön herausfordernd – die Jahreslosung für 2011. Kriminalität, Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Korruption, verlogene Politik - all das Böse in dieser Welt aus sicherer Entfernung anklagen, dagegen wettern und verbal zu Felde ziehen, das ist relativ einfach. Auch Christen beherrschen diese Methode ganz gut. Wer sich energisch über das Böse aufregt, merkt oft nicht, dass er sich so erst recht vom Bösen in Beschlag nehmen lässt und sein Denken und Fühlen bestimmt. Das Böse überwindet ihn, aber nicht umgekehrt.  Das Problem besteht weiter: das Böse ist nicht über-wunden. Eine andere Möglichkeit wäre, sich einfach vom Bösen fern zu halten, auf Abstand zu gehen – sich in stoischer Ruhe auf innere Werte besinnen.  Auch hier, das gleiche Problem. Das Böse wird so nicht aktiv bekämpft und überwunden.  Überwinden kann ich Widerstände nur, wenn ich sie an mich heranlasse, mich mit ihnen auseinandersetze. Verbale Attacken gegen das Böse bringen keine Veränderung. Paulus sagt: Das Böse können wir nur überwinden, indem wir aktiv eine positive Alternative entgegen-stellen. Das Gute, das in unserem Leben sichtbar werden soll,   kann von unseren Mitmenschen nur wahrgenommen werden, wenn wir uns ihnen nähern und ihnen Einblicke gestatten in unser Leben.                                                  
Ich wünsche mir und Euch, dass wir die Tage, die Gott uns schenkt, dazu nutzen, gute Alternativen zu leben, konkrete, sichtbare Alternativen, die wahrgenommen werden. Die beste Alternative ist ein offenherziges, engagiertes und glaubwürdiges Leben, indem ich mich für andere Menschen einsetze und auf Jesus, den Herrn meines Lebens hinweise. In Sprüche 25,21-22 wird beschrieben, was Gutes tun bedeutet: "Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“  Feurige Kohlen sammeln bedeutet: Ich tue einem Menschen etwas Gutes, womit er absolut nicht gerechnet hat. Gutes tun, was den anderen in Staunen versetzt und den Feind dazu bringt, die Waffen zu strecken.