samedi 20 mars 2010

Wer zur Hölle bin ich?

Henning Mankell antwortet auf Fragen von Christine Meffert (Zeit-Magazin, No. 12,18.03.2010):


Wer sind Sie eigentlich?
Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Wenn ich zu Hause sitze und Radio höre und draußen ruft jemand um Hilfe, dann drehe ich nicht den Ton lauter, sondern gehe raus und schaue, was ich tun kann.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch mal zwanzig wären?
Ich würde es wieder genauso machen. Ja, ich würde wieder Geschichten erzählen. Ich habe da eine Art philosophischen Ansatz über das Erzählen: Der Mensch ist ein homo narrans, wir leben durch unsere Geschichten, das macht uns aus.

Sie haben einmal gesagt, dass die interessantesten Konflikte zwischen den Generationen stattfinden?
Ja, Kinder wollen ihren eigenen Weg finden. Und wir als Eltern müssen das akzeptieren. Wir müssen sie sogar unterstützen. - Leider versuchen viele Eltern, den Kindern das eigene Leben aufzuzwingen. Wir sollten ihnen das Fliegen beibringen, aber nicht entscheiden, wohin sie fliegen.

Wallander, Ihr Kriminalheld, hat große Angst vor dem Tod. Sind das Ihre Ängste, die sich da widerspiegeln?
Nicht unbedingt. Vor dreißig Jahren hätte ich wahrscheinlich Ja gesagt. Aber in Afrika habe ich ein anderes Verhältnis zum Leben und zum Tod bekommen. Dort ist der Tod ein ganz normaler Teil des Lebens. Bei uns in Europa gehen wir mit dem Tod nicht mehr um. Vor fünfzig Jahren war es ganz normal, dass Kinder ihre Großeltern tot gesehen haben. - Wie sollen Menschen Respekt vor dem Leben bekommen, wenn sie nichts über den Tod wissen?